Buche - Erstgestaltung?

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DenisM
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Buche - Erstgestaltung?

Beitrag von DenisM »

Hi @ll!

Vor einigen Jahren als Yamadori ausgegraben, wächst diese Buche nun in meinem Garten und konnte einige Zeit kräftig durchtreiben. Bevor sie aber in einen Topf kommt, soll sie eine grobe Erstgestaltung erhalten und dann nochmals durchtreiben können.

Solange die Buche Blätter trägt, ist alles ein schön dichtes Grün, erst wenn sie die Blätter im Winter fallen lässt, wird sichtbar, dass die Äste vor allem im unteren Bereich schwach ausgeprägt sind.

Abmoosen möchte ich auf keinen Fall, da das Nebari (momentan unterirdisch zum Weiterentwickeln) erstklassig ist.

Nun bin ich mir bei der Erstgestaltung allerdings vor allem unsicher, welchen Weg ich für die Spitze einstreben soll bei der Masse von Ästen, die zur Auswahl stehen.

Aus diesem Grund habe ich hier eine Skizze angefertigt, die den Verlauf der Äste an der Spitze grob zeigen und bitte euch um Hilfe, die beste Lösung zu finden.

Auch bei den Ästen weiter unten bin ich mir unsicher, wie ich deren Wachstum verstärken soll, hättet ihr da Ideen?

Danke für eure Hilfe!

Gruss
DenisM
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Eva Warthemann
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Beitrag von Eva Warthemann »

Hallo Denis!
Bei dem Astgewir ist es schwer, etwas dazu zu sagen.
Zunächst einmal zu Deiner Frage, wie man das Wachstum der unteren Äste fördern kann. Ich schneide in solchen Fällen zunächst nur in der Krone kräftig und lasse alle unteren Äste unbeschnitten weiter wachsen.
Bei Deiner Buche ist es nun so, das Du Dir noch nicht im klaren bist, welchen Trieb Du als Krone weiterwachsen lassen willst.
Mein Vorschlag wäre der Ast (auf dem ersten Bild) welcher rechts über dem abgeschnittenen Stumpen steht. Diesen würde ich auf wenige sichtbare Knospenanlagen zurückschneiden. Dabei achte bitte darauf, das ein möglicher dünnerer Ast die Stammverjüngung weiter führen kann.
Das wäre es erstmal, was ich dazu raten kann.
Die Buche müßte nach einer solchen Maßnahme, sowieso erst mal nur wachsen.
Viele Grüße Eva Warthemann
Pawel P
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Beitrag von Pawel P »

Ich finde das ist keine Buche, aber Hainbuche- Carpinus betulus..
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DenisM
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Beitrag von DenisM »

Eva Warthemann hat geschrieben: Mein Vorschlag wäre der Ast (auf dem ersten Bild) welcher rechts über dem abgeschnittenen Stumpen steht. Diesen würde ich auf wenige sichtbare Knospenanlagen zurückschneiden. Dabei achte bitte darauf, das ein möglicher dünnerer Ast die Stammverjüngung weiter führen kann.
Hallo Eva!

Danke für deinen Tipp!

Allerdings kann ich mir unter "Ast, der rechts über dem Stumpen steht" nicht wirklich was vorstellen? Könntest du den vielleicht in der Skizze einer Farbe zuordnen? Wenn nicht, vielleicht kurz im ersten Bild markieren und einstellen?

Wie verfahre ich dann mit den anderen Ästen oben? Alle ab? Oder als "Ersatz" noch dranlassen?

Gruss
Denis

PS: Rotbuche oder Hainbuche, in beiden Namen kommt "Buche" vor (auch wenn es wissenschaftlich gesehen keine Buche ist *g* )
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crimson
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Beitrag von crimson »

DenisM hat geschrieben: PS: Rotbuche oder Hainbuche, in beiden Namen kommt "Buche" vor (auch wenn es wissenschaftlich gesehen keine Buche ist *g* )
Es scheint aber dass Pawel recht hat und für die Pflege und den Schnitt macht das durchaus einen Unterschied :!:
I say, if your knees aren't green by the end of the day, you ought to seriously re-examine your life.
(Calvin & Hobbes)
Eva Warthemann
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Beitrag von Eva Warthemann »

Beim genaueren Hinsehen scheint es mir auch eine Hainbuche zu sein. Die Knospen der Rotbuche sind länger und spitz zulaufend.
Tut mir leid, aber in der Bildbearbeitung kenne ich mich nicht so gut aus.
Vermutlich wäre es besser wenn Du den Baum mal in einem Arbeitskreis vorstellen würdest. Oder bei einen workshop.
Viele Grüße Eva Warthemann
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DenisM
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Beitrag von DenisM »

Hallo Eva!

Wenn der Baum in der Erde steckt und noch drin bleiben soll, kann ich ihn wohl schlecht einem Workshop vorstellen ;)

Versuch doch einfach mal etwas genauer den Ast zu beschreiben, den du meinst. Orientier dich im Raum doch anhand der verschiedenen Farben in der Skizze (letztes Bild oben)

@ die anderen: Na gut, dann ist es halt eine Hainbuche, auch nicht schlimm ;)

Gruss
Denis
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jost
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Beitrag von jost »

Hallo Denis,

ich würde an der roten Linie schneiden und den Seitentrieb als neuen Leittrieb formen, alles andere führt zu unbefriedigenden Ergebnissen. Cut and grow über 5-8 Jahre bei kräftiger Düngung und Du hast einen prima Baum!
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Gruß, Joachim
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DenisM
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Beitrag von DenisM »

Hallo jost!

Deine "alles ab" Methode erscheint mir etwas radikal, nachdem ich den Baum nun schon einige Zeit bei mir stehen habe und ihn habe wachsen lassen.

Mit dem Gestalten möchte ich's auf jeden Fall probieren, abschneiden kann man es später immer noch.

Manchmal habe ich das Gefühl, es gibt für die User nur 2 Arten der Gestaltung für 90% der vorgestellten Bäume:

a) alles ab bis auf 10 cm Stamm
b) Abmoosen

Das finde ich schade.

@ Eva:
Auf die genauere Beschreibung deiner Idee warte ich noch :)
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jost
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Beitrag von jost »

Genau das ist ja das Problem der meisten Bonsaifreunde, Denis.

Da wird ein Baum ausgebuddelt und ohne Gestaltungsmaßnahmen mehrere Jahre frei wachsen lassen. Dann irgendwann möchte man gerne, hat aber keine Idee. Zu gravierenden Einschnitten fehlt meistens der Mut. Der Satz: "Ich gestalte erst mal, abschneiden kann ich immer noch" verschenkt nochmals Zeit. Entweder ist etwas zum Gestalten da, dann erschließt es sich auch sofort oder est ist nichts da, dann sollte man schneiden.

Nehmen wir Deinen Baum: Keine Verjüngung im Stamm, keine nennenswerten Äste im unteren Bereich, die man bräuchte, um eine klassische Gestaltung aufzubauen. Mehrere sehr starke Äste im oberen Bereich, fast alle auf einer Höhe, die schon zu einer Verdickung des oberen Bereichs geführt haben, etc.

Was glaubst Du, wie die Leute aus Enger oder anderen Baumschulen ihre Rohlinge vorbereiten: Cut and grow über mehrere Jahre. Warum gibt es bei den vielen hier vorgestellten Bäumen aus der Rubrik: "Ich hab da einen Baum, habe aber keine Gestaltungsidee" wohl fast nur die Antworten "Stark zurückschneiden" oder "Abmoosen"? Siehe oben!

Sei gewiß, ich weiß, wovon ich schreibe. Ich war auch oft genug in Deiner Situation.

Gut, letztendlich ist es Dein Baum, er muß Dir gefallen und Du triffst die Entscheidung, was mit ihm geschieht.

Viel Spaß und Erfolg dabei!!
Gruß, Joachim
Eva Warthemann
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Beitrag von Eva Warthemann »

Hallo Denis!
Ich bin am Tag höchstens eine Stunde am PC, habe schließlich noch Job, Hund ausführen und eine ganze Menge an Pflanzen und Bäume zu giessen.
Also bitte nicht drängeln.
Ich meinte den roten Ast als Krone.
Aber besser wäre doch der von Joachim gezeigte Schnitt. Mir geht es ähnlich wie Dir, es fällt mir auch schwer, einen solchen radikalen Schnitt zu machen. Wenn Du aber eine zur Stammstärke passende Krone aufbauen willst, ist dieser Schnitt notwendig. Wenn Du im oberen Bereich eine entsprechende Krone gestaltest, wirkt der Baum auch in 10 Jahren immer noch wie ein junger Baum.
Ziel in der Bonsaigestaltung ist ja Alter und Würde eines Baumes glaubhaft darzustellen. Dazu gehört eben die entsprechende Stammverjüngung, möglichst schon im unteren Bereich des Stammes.
Als ich ich mal einen solchen Schnitt machen mußte, habe ich zuvor eine halbe Flasche Sangria ausgetrunken, bevor ich mich an den Schnitt wagte. :lol:
Viele Grüße Eva Warthemann
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DenisM
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Beitrag von DenisM »

Es ist nicht, dass ich ein Problem damit habe, so einen Stumpen zu machen.. nur von diesem Stumpen habe ich schon mindestens fünf und das war mal endlich ein Baum, der (meiner Meinung nach) verdient, nicht auch zu einem Stumpen zu werden.

Darum will ich versuchen was draus zu machen ;)
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DenisM
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Beitrag von DenisM »

Nachdem ich mir die Buche jetzt nochmal genauer angesehen habe und versucht habe, aus dem Astwirrwarr schlau zu werden, habe ich folgende Linie gefunden. Diese Linie würde die Fortführung der gelben Kronenlinie (Bild im ersten Post) sein.

Die 4 Farben in der Skizze symbolisieren die "Hauptverteilung" der Äste. Die gestrichelten Linien zeigen die jetzige Position, die Pfeile und durchgehenden Linien ihre neuen Positionen. Vom pinken Ast ist die jetzige Lage auf dem Foto nicht zu erkennen.

Anschließend noch ein Virtual, wie er dann mit Blättern aussehen könnte. Prinzipiell wird die Stammdicke durch die vielen Blätter der Hainbuche sowieso kaschiert (wenn sie blätter trägt), oder?

Was meint ihr dazu? Könnte man das so umsetzen?
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Eva Warthemann
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Beitrag von Eva Warthemann »

Hallo Denis!
Bevor ich an eine Gestaltung herangehe, schaue ich mir als erstes den Wurzelansatz an. Dabei lege ich die Vorderseite des Baumes fest. Erst dann entscheide ich, welche Äste für eine Gestaltung in Frage kommen.
Glaub mir, das ist nicht nur meine Art, an eine Gestaltung heranzugehen.
Das werden Dir alle Gestalter, die auch international in der Bonsaiszene bekannt sind, sagen.
Es kann sein,- muß nicht-, das die gewählte Seite die Richtige ist.
Deine Idee in Ehre, aber hast Du Dir in der Natur mal eine Hainbuche genauer angesehen? Bonsaigestaltungen sollten doch annähernd der natürlichen Wuchsform einer Art nachempfunden werden.
Ich sehe in Deinem Vorschlag eine Kopie der Gestaltung von Baumarkts-Ulmen.
Hainbuchen haben, in sanften Bögen nach unten hängende Äste, die schöne Astetagen bilden. Die Zweige sind aufgefächert. In den meisten Fällen haben sie einen relativ geraden Stamm.
Es bringt Dir nichts, wenn Du jetzt trotzig an die Gestaltung gehst, nur weil Du jetzt mal selbst gestalten willst.
Viele Grüße Eva
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DenisM
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Beitrag von DenisM »

Eva Warthemann hat geschrieben:Hallo Denis!
Bevor ich an eine Gestaltung herangehe, schaue ich mir als erstes den Wurzelansatz an. Dabei lege ich die Vorderseite des Baumes fest. Erst dann entscheide ich, welche Äste für eine Gestaltung in Frage kommen.
Glaub mir, das ist nicht nur meine Art, an eine Gestaltung heranzugehen.
Das werden Dir alle Gestalter, die auch international in der Bonsaiszene bekannt sind, sagen.
Es kann sein,- muß nicht-, das die gewählte Seite die Richtige ist.
Deine Idee in Ehre, aber hast Du Dir in der Natur mal eine Hainbuche genauer angesehen? Bonsaigestaltungen sollten doch annähernd der natürlichen Wuchsform einer Art nachempfunden werden.
Ich sehe in Deinem Vorschlag eine Kopie der Gestaltung von Baumarkts-Ulmen.
Hainbuchen haben, in sanften Bögen nach unten hängende Äste, die schöne Astetagen bilden. Die Zweige sind aufgefächert. In den meisten Fällen haben sie einen relativ geraden Stamm.
Es bringt Dir nichts, wenn Du jetzt trotzig an die Gestaltung gehst, nur weil Du jetzt mal selbst gestalten willst.
Viele Grüße Eva
Hallo Eva!

Den Wurzelansatz habe ich mir bereits beim Ausgraben angesehen und den Baum so positioniert dass dieses die (künftige) Vorderseite sein sollte.
Dieser ist auch sehr schön ausgeprägt.

In der Natur haben Hainbuchen immer eine schirmförmige Form, Richtung Besenform gehend. Meinst du also, ich solle auf jeden Fall eine Besenform anstreben?

Oder soll ich zweiseitig astetagen ausbilden, wie hier: http://www.bonsai-info.net/baumschule/b ... ponica.jpg

In diesem Beispiel geht es eher richtung Etagen:
http://www.bonsai-info.net/baumschule/b ... inowii.jpg

http://www.bonsaikiste.de/Galerie/Korea ... 250407.jpg

Oder hast du andere Beispiele, in deren Richtung die Gestaltung gehen könnte?

Unten ein Bild, wie der obige Baum in Schirmform aussehen könnte.

Außerdem - warum soll ich trotzig an die Gestaltung gehen, nur weil ich selber mal gestalten will? Habe schon mindestens ein Dutzend Bäume gestaltet, das ist beileibe nicht mein erster. (wie du vielleicht vermutest)

Gruss
DenisM
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