verständnisfrage : wurzelteller immer angestrebt ?

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microbe
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verständnisfrage : wurzelteller immer angestrebt ?

Beitrag von microbe »

hi !


beim ausgraben meiner neuesten errungenschaft haben robert s. und ich uns über wurzeln und wurzelteller unterhalten.

dann entstand eine frage die wir beide nicht sicher beantworten konnten...

es geht um besagten wurzelteller.

wird der immer angestrebt ?
warum gilt der als "gut"?
kann ich den wurzelansatz auch absichtlich nicht als teller gestalten ? (mir gefällt das bisher eigentlich gar nicht). oder wird über lang oder kurz ein teller draus ?

in der natur ist mir das bisher nur bei alten ahörnern aufgefallen, sonst nie.

ich war bisher der meinung das solche wurzelteller auch nur bei ahörnern gemacht werden (was aber eigentlich eine annahme meinerseits war ohne jeden grund).
Schönheit liegt oft in Unregelmässigkeit, meist sogar im Chaos.
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lg
Marco
rad(o)n
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Beitrag von rad(o)n »

mein bescheidenes wissen besagt mir, dass es sehr schwer ist, einen wurzelteller gewollt hinzubekommen. daher zeugt ein gestalter von grossem wissen über pflanzen und gestalterischer erfahrung, wenn er einen besagten hinbekommt. denn es gibt nur sehr wenige methoden darüber, einen grossen flachen wurzelteller zu erhalten. im gegensatz zum beispiel zu techniken wie drahten und schneiden, um zu einer guten verzweigung zu gelangen. äste sind dünn und formbar, aber wie soll man aus nichts oder nur spärlichem nebari einen grossen wurzelteller erhalten?

aber letztenendes muss der baum dem gestalter gefallen, und ob der jetzt einen baum mit grossem wurzelteller dem mit einem "kleineren" nebari vorzieht, muss er selber entscheiden...
grüsse

pascal
Lindwurm
Beiträge: 2005
Registriert: 25.04.2004, 01:52

Beitrag von Lindwurm »

ein nebari aufbauen ist genau das gleiche wie eine verzweigung aufbauen.
man muss für beides weit genug "hinten" anfangen.

wenn der baumstamm im querschnitt (schwarzer kreis) nur einige wurzeln
(grün) hat, wird der stamm auch nur an der stelle verdickt / "in die breite gezogen" wo diese wurzeln ansetzen.
die stammbereiche wo keine wurzel direkt am stamm wächst fallen zurück (rot), der ansatz wird also eher sternförmig.

Bild


hat ein stammansatz jedoch gleichmässig verteilt wurzeln an jeder stelle
(bei abgemoosten bäumen sieht man das oft sehr schön) wird der ansatz logischerweise gleichmässig in alle richtungen verdickt.

Bild

es gibt dann da also keinen "roten" bereich der zurückfällt in der verdickung

diesen effekt verstärkt man dann noch, indem man alle wurzeln direkt unter dem stamm entfernt.
es bleiben also nur noch die wurzeln, die seitlich am stammansatz wachsen, übrig und ziehen den ansatz gleichmässig in die breite.
macht man das lange genug und hat eine pflanzen art die sehr wüchsig ist
(z.b. 3-spitz ahorn) hat man wenn alles gut geht am ende eine platte.

wie man das ästhetisch beurteilt beleibt jedem selbst überlassen...
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Reiner
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Beitrag von Reiner »

Das hat der Lindwurm ja schon super erklärt :D .
Auf die Frage, ob es immer ein Wurzelteller sein muss, gebe ich jetzt noch eine kleine Antwort.
Ein breites Nebari, mit gut verteilten Wurzeln ist bei fast allen aufrecht gestalteten Bäumen ein Altersbeweis. Wir wollen ja das unsere Bäume Alter zeigen. Besonders gut sieht das eben an einem Ahorn aus. Es gibt aber auch Bonsaistile, wo das nicht so gerne gesehen wird. Z.B. die Literatenform, hier ist ein breites Nebari sogar verpönt. Bei einer Halbkaskade sollten die Wurzeln auch mehr in die Neigungsrichtung des Baumes wachsen. Das zeigt dann, dass der Baum trotz des schrägen Wachstums im Gleichgewicht ist.
Reiner
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KHarry
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Beitrag von KHarry »

Noch eine Abhängigkeit - nach meinem Empfinden:

hoher, schlanker Baum - flaches Nebari

breiter, starker Baum - kompaktes Nebari, das steiler in den Boden 'eintaucht'
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microbe
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Beitrag von microbe »

danke leute !

lindwurm, erste sahne !
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Marco
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