Skurrile Esche

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Eva Warthemann
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Skurrile Esche

Beitrag von Eva Warthemann »

Das eine Esche von Natur aus sehr gerade wächst, ist jedem, der sich mit dem Thema Bäume näher beschäftigt, bekannt, auch, das sich ihre Äste immer wieder kerzengerade dem Licht entgegen strecken und auch das ihre großen Blätter schwer in den Griff zu bekommen sind.
Vor zwei Jahren bekam ich diese Esche als Friehofsyamadori. Sie wuchs unter einer Zypresse, bei akutem Lichtmangel, hervor und mußte weg. An Hand ihrer Windungen kann man noch heute erkennen, wann sie viel Licht bekam und wann wenig.
Ich kann nur hoffen, das sie ihre Stammwindungen beibehält. Nur das macht sie interessant. Darauf eine Baumkrone zu gestalten ist nur noch eine Frage der Zeit.
Ein großes Problem sind ihre Schnittstellen. Diese verdicken sich der Art stark, das das ein richtiges Problem bei der Bonsaigestaltung darstellt.
Habt Ihr besondere Triks parat, wie man dem entgegenwirken kann?
Viele Grüße Eva Warthemann
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migo
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Beitrag von migo »

Hallo Eva,

leider kann man es auf den Fotos nicht so genau sehen, aber wenn eine Verjüngung gewünscht ist, scheint sich dieser Ast (Pfeil) als neue Spitze anzubieten. Vielleicht kannst Du ja noch ein Foto machen, wo man genauer sehen kann, wie der Ast aus dem Stamm entspringt.
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Tschüüss, Michael

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Eva Warthemann
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Beitrag von Eva Warthemann »

Hallo Michael!
Dieser Ast entspringt einer Außenwindung des Stammes. Es würde schon gehen, mit einen schrägen Schnitt, diesen Ast zur Krone zu machen.
Mein Ziel war es aber, die Krone sich einfach in immer dünnere Äste auflösen zu lassen. Als ich die ehemalige Krone kappte, machte ich die Schnittstelle zu einer V-förmigen Einkerbung. Rechts und links von den V-förmigen Einschnitt haben sich mehrere Triebe gebildet. Diese möchte ich ebenfalls für die Krone verwenden. So, das sich eine besenförmige Krone, im Laufe der Jahre, bildet.
Ich hab heute diese Esche umgetopft. Man war die schwer. In zwei Jahren hatten sich eine Menge Wurzeln gebildet, davon blieb letztendlich nur noch ein Drittel übrig. Ich denke in drei Jahren kann ich an eine Bonsaischale denken.
Eva Warthemann
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Holger
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Beitrag von Holger »

Wenn irgendetwas bei einer Esche kein Problem ist, dann ist es die Wurzelbildung. Jedes Jahr beim Umtopfen meiner Esche nehme ich immer heftig Wurzelmasse zurück - und wundere mich im nächsten Jahr, wie extrem wieder Wurzeln dazu gekommen sind.

Ansonsten, auch wenn ja Eschen etwas verpönt sind: Ein schöner Ansatz für einen Bonsai, würde ich auch probieren wollen :) Das mit dem Verdicken ist ein Problem, allerdings habe ich meine Esche in einer ziemlich kleinen Schale, da hält sie sich doch mit dem Wachstum zurück, sowohl was solche Verdickungen angeht als auch im begrenzten Umfang, was die Blattgröße angeht. Das ist so die einzige Sache, die ich kenne, die explosive Wuchsfreudigkeit etwas einzuschränken....

Gruß
Holger
Eva Warthemann
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Beitrag von Eva Warthemann »

Hallo Holger!
Die Schale ist diesmal nach dem Umtopfen auch kleiner geworden.
"explosive Wuchsfreudigkeit" ist die einzig richtige Bezeichnung für das Wachstum einer Esche.
Viele Grüße Eva Warthemann
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migo
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Beitrag von migo »

Hallo Eva,

den V-förmigen Einschnitt habe ich garnicht erkannt. :oops:

Dann wird die Krone also eher besenförmig? Auch keine schlechte Idee. Natürlich müssen die neuen Triebe noch einiges an Länge zulegen. Wie hoch ist der Baum denn jetzt?
Tschüüss, Michael

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Lutz Marx
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Beitrag von Lutz Marx »

hallo eva, aus meiner sicht würde sich (so ich denn die bilder richtig interpretiere) eher eine frei aufrechte form als eine besenform anbieten, da für letzteres m. E. der astfreie stammteil eher zu lang aussieht. die schönen stammbewegungen würden bei einer moyogiform mit ästen an den biegungsaußenseiten sehr schön zur geltung kommen. das wäre halt eher was klassisches. insgesamt auf jeden fall ein schöner rohling und etwas besonderes. viel freude noch mit dem baum und grüße, lutz
Eva Warthemann
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Beitrag von Eva Warthemann »

Ich möchte Euch über die Entwicklung der Esche weiter informieren.
Sie bekam einen Wurzelschnitt und eine nächst kleinere Anzuchtschale.
Gestern habe ich sie fotografiert.
Schaut selbst.
Viele Grüße Eva Warthemann

Leider sind die Fotos etwas dunkel geraten.
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Hier im Vergleich zu einen normal großen Eschenblatt.
Hier im Vergleich zu einen normal großen Eschenblatt.
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flu
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Beitrag von flu »

Tach Eva,
sag mal, wie hast du es geschafft in dieser Entwicklungsphase schon so minimierte Blattgrößen zu erzielen? Extreme Zurückhaltung beim Düngen?
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Eva Warthemann
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Beitrag von Eva Warthemann »

Hallo Ulf!
Ich habe sie auch gedüngt, aber nicht so viel wie die anderen Bäume, da sie ja im Frühjahr neues Substrat bekommen hat. Ich war der Meinung das darin genügend Nährstoffe sind.
Ich vermute, das der Wurzelschnit etwas zu radikal war.
Sie zeigt keine Ermüdungserscheinungen, also kann ich hoffen, das sie gut ins nächste Jahr starten wird.
Liebe Grüße nach Berlin
Eva
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Raketenbux
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Beitrag von Raketenbux »

Grüß dich Eva
Toller Baum *daumen_new* und mit der Krone, mach doch mal eine Nahaufnahme, dann ist es einfacher, eine Gestaltungsmöglichkeit zu erkennen.

Mit der Blattgröße, das interessiert mich auch sehr, da ich, an ein paar Probebäumen experimentiere.

Eschen haben zwar die Angewohnheit extrem in der ersten Jahreshälfte zu wachsen, aber dann ist plötzlich Schluß und die Energie geht in die Knospen für das nächste Jahr.

Wichtig ist es, schon nach dem Austrieb damit zu beginnen, viel zu pinzieren, um eine ausreichende Verzweigung in der ersten Jahreshälfte zu erreichen.
Liebe Grüße Detlef
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Holger
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Beitrag von Holger »

Hallo Eva,

toller Baum, insbesondere, da es eine Esche ist.

Meine Esche (die ich immer für sehr robust hielt) hatte dieses Jahr auch das erste Mal kleine Austriebe, was mir sehr gut gefiel - bis dann plötzlich ein großer Teil - für mich immer noch nicht erklärbar - abstarb. Ich vermute einen Wurzelschaden (was für eine Esche ungewöhnlich ist), da es sich auf einen (leider wichtigen Teil) konzentrierte. Jetzt ist dann erst einmal Neuaufbau angesagt.

Von daher bin ich auch schon ein bisschen neidisch auf deinen Baum :wink:

Gruß
Holger
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Honey
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Beitrag von Honey »

Ob die kleinen Blätter wirklich mit starke Wurzelreduzierung zusammenhängen bin ich mir nicht sicher. Ich habe im Frühling auch eine Esche ausgegraben (sieht genauso aus wie deine, nur 1/3 kürzer :lol: ). Die hatte nach der gekappten, dicken Pfahlwurzel nur noch ein paar ganz feine Haarwurzelchen an den Seiten und hat trotzdem rießen Blätter angesetzt.
Du musst den Asphalt deiner Annehmlichkeiten verlassen
und dich in die Wildnis deiner Intuition begeben...
Was es dort für dich zu entdecken gibt,
ist etwas Wunderbares - nämlich dich selbst.
Eva Warthemann
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Beitrag von Eva Warthemann »

Hallo Honey!
Du schreibst, das Du die Esche in diesem Frühjahr ausgegraben hast.
Meine Esche steht seit zwei Jahren in einer Schale. Zuerst war es die sehr große Schale und in den beiden Jahren hatte sie auch noch sehr große Blätter. Vieleicht liegt es daran.
Diese Winzlinge von Eschenblättern zeigten sich erstmals in diesem Jahr, nach dem Wurzelschnitt.
Was mich noch an dieser Esche freut, ist die Tasache, das sie für einen Yamadori einen verhältnismäßig gut geformten Wurzelansatz hat, der momentan noch etwas tiefer im Substrat liegt.
Vielen Dank für die positiven Meinungen
Eva Warthemann
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Honey
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Beitrag von Honey »

Na dann bin ich ja noch guter Hoffnung, dass bei mir die Blätter auch mal so klein werden. Was den Ansatz der verbliebenen Wurzeln angeht, hatte ich wohl auch mächtiges Glück. Ich musste eben einfach mal ein Vergleichsfoto machen, ich hoffe du bist nicht böse :wink: Das mit der Stammverjüngung wird auch noch was, sobald die abgestorbene Stammspitze bearbeitet ist. Höhe ab Schalenrand 47 cm
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Esche
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