Granatapfel im Herbstlaub

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
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wolkenlos
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Granatapfel im Herbstlaub

Beitrag von wolkenlos »

Hallo zusammen,

ich habe mir am 6.7.08 diesen Granatapfel in einer Bonsaischule gekauft. Er verlor seine Blüten relativ schnell bei mir. Umstellung dachte ich.

Inzwischen sieht er aus, als wenn er sich im Herbstlaub befindet. Ungeziefer kann ich nichts erkennen. Er steht draußen im Halbschatten (Sonne ab ca. 16 Uhr). Wasser kam in den letzten 14 Tagen ja reichlich von oben, so das ich nicht selbst gewässert habe.

Meine Vermutung, er ist zu nass geworden und hat ´nen Wasserschaden. Ich wollte ihn in einen größeren Topf umtopfen, damit die neue Erde die Feuchtigkeit aus dem Boden der Pflanze zieht. Ich meine, das ich das in irgendeinem Beitrag hier schon mal gelesen habe.

Ich hab in der Bonsaischule angerufen, die das mit dem Wasserschaden bestätigten, aber vom umtopfen abrieten. Der wird wohl alle Blätter verlieren und neu austreiben.

Ich stelle das nicht in Abrede, da ich auf die Erfahrung der Experten vertraue. Dennoch frage ich auch hier mal nach, wie ihr eure Bäume in so einem Fall rettet.

Danke für eure Hilfe. Hier die Bilder:
17.07.
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27.07.
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LG wolkenlos
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achim73
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Beitrag von achim73 »

Ich wollte ihn in einen größeren Topf umtopfen, damit die neue Erde die Feuchtigkeit aus dem Boden der Pflanze zieht. Ich meine, das ich das in irgendeinem Beitrag hier schon mal gelesen habe.
da musst du aber nochmal richtig lesen. noch mehr erde ist in so einem fall kontraproduktiv, da sie im gegenteil länger nassbleibt.
Gruss, Achim
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Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Drei Wochen bei dir, umgezogen in einem schlechten Moment (Juli) - das stresst Bäumchen.

Mit Herbstlaub hat das gar nichts zu tun, mit «Wasserschaden» nur insofern, als er durch das Substrat vielleicht vorprogrammiert wurde. Ein genauerer Vergleich der Bedingungen vorher und jetzt ist anzuraten: Wie wurde der gegossen, wo stand er? Aus meiner Erfahrung finde ich Sonne ab 16 Uhr und Verzicht auf Giessen wegen Regens nicht das Wahre. Von beidem mehr schadet nicht, die Erde muss aber gut durchlässig sein. Meine haben Sonne von Aufgang bis 15 Uhr und werden zweimal am Tag gegossen, stehen aber in einer lockeren, durchlässigen Mischung. Reines Akadama ist oft ein Problem für Punica, es ist ein Strauchgewächs, das in den oberen Bodenschichten zuhause ist und gut belüftete Wurzeln wünscht.

Dann gibts noch die «üblichen Verdächtigen», die Spinnmilben, die schon mancher übersehen hat.

Das «Herausziehen» des Wassers klingt für mich skurril. Sinn des «Umsetzens» ist, einem durchwurzelten Ballen wieder Platz zu geben, ohne an den Wurzeln zu schneiden, nichts anderes. Ist innen Matsch, dann ist innen Matsch und bleibt innen Matsch... Umsetzen würde ich durchaus, denn wenn du Pech hast, treibt er nicht wieder aus, sondern verfault im Boden.

Leider ist zu sagen, dass sehr viele dieser oft anzutreffenden Bäumchen auch bei eigentlich guten Händlern in einem besch******* Substrat stehen, ähnlich wie zahlreiche andere Kalthauspflanzen auch. Das ist oft ganz einfach eine nasse, vermooste Pampe. Ich erkläre mir das damit, dass diese Bäumchen nur so über den Ladentisch gehen und der Händler weniger darüber weiss, als er zugibt. Ich bin dazu übergegangen, mir gute Bäumchen zu merken und sie im zeitigen Frühjahr zu kaufen - da kann ich anhand der rosa Knospen beurteilen, ob sie vital sind und sie zuhause sofort umtopfen.
wolkenlos
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Beitrag von wolkenlos »

Hallo,

vielen Dank für eure Beiträge. Offensichtlich habe ich mich etwas zweideutig oder nicht ausreichend ausgedrückt. Daher nochmals Erklärungen:

Der Baum steht bei mir draußen im Beet. Dort steht die Morgensonne drauf und, bedingt durch zwei große Bäume und deren Laub, dann erst wieder direkt ab ca. 16 Uhr. Dazwischen eben nur das, was das Blattwerk hergibt. Gegossen habe ich bei dem Dauerregen nicht, da der Boden immer feucht war. Sonst hat er bei Bedarf immer bekommen. Ich taste bei jeder meiner Pflanzen vorher mit dem Finger und klappte bislang ganz gut.

In der Bonsaischule wurde mir gesagt, das der Baum dort auch im Freien stand und der Granatapfel sehr schnell zu Wasserschäden neigt, wenn von oben (ob Himmel oder gießen) zuviel kommt. Die Probleme würde es dort mit dieser Sorte auch geben, eben weil sie draußen ohne Schutz stehen. Gedüngt wurde dort am 1. und 15., so bin ich mit ihm auch verfahren.

Die vorhandene Erde ist m.E. Müll. Umtopfen war nach dem Kauf nicht drin, weil er in Blüte stand. M.E. muss er wegen des Wurzelballens eigentlich in besseres Substrat umgetopft werden, damit er das nächste Frühjahr erreicht.
Der etwas größere Topf sollte jetzt nur dazu dienen, das er neue durchlässigere Erde bekommt und diese dem Bäumchen hilft. Das der Matsch innen bleibt ist klar, aber irgendwie muss ich den doch trockener und gleichzeitig in der Erde durchlässiger bekommen, damit er mir nicht innen verfault. Denn warten auf Dinge die da kommen war mir zu riskant. Das war mein Ansinnen.

Naja, und das mit dem Herbstlaub betraf nur das Aussehen des Baumes: nämlich gelb und kahl, nicht das er sich im Herbstlaub befindet.
Leider ist zu sagen, dass sehr viele dieser oft anzutreffenden Bäumchen auch bei eigentlich guten Händlern in einem besch******* Substrat stehen, ... Das ist oft ganz einfach eine nasse, vermooste Pampe.
Die Erfahrung habe ich auch schon gemacht. Aber aufgefallen ist mir oft auch, das im Topf nur noch ein verklumpter Wurzelballen ist, aber kaum noch Erde. Umtopfen war also Pflicht.

Dein Prinzip, die Pflanzen nur noch im Frühjahr zu kaufen, macht unter diesen Umständen sehr viel Sinn. Aber zu diesen Entscheidungen kommt man erst durch Lehrgeld.

LG wolkenlos
Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Na ja. Ich will mich nicht mit dieser Bonsaischule anlegen, aber von einem Granatapfelbaum für gedeckte Standorte habe ich noch nie gehört. Ich denke da mal frech: Wenn die solche Probleme haben, sollten die sich überlegen, woran es wirklich liegt.

Ein paar meiner mir liebsten Granatapfelwinzlinge sind Sämlinge aus einem Park in Genua. Glaub mir, da kann es zwischendurch regnen, dass du die Nerven verlierst, einfach so gerade runter, den ganzen Tag und die nächsten paar dazu. Kümmert die aber nicht. Meine Giessmethode: Alle auf einem Regal, erster Guss aus der Kanne mit Brause, zweiter Guss ohne Brause direkt aufs Substrat. Alle happy.

Damit wir uns einig sind: Stellt man eine Pflanzenschale in den Garten, ist die Pflanze immer noch in der Schale - einverstanden? Die Schale bestimmt das Wurzelklima stärker als der Standort...

Substrat: Für gewöhnlich ist immer viel zuviel faseriges Material drin. Torf, Kokosfasern, solches Zeugs. Das wird mit der Zeit zu einer Art Filz, von dem nichts Gutes kommt. Er lässt sich kaum benetzen in den äusseren Zonen, innendrin bleibt alles knochentrocken und hindert die Faserwurzeln daran, vorwärtszukommen. Taucht man täglich, entsteht dagegen ein eigentliches Moor. Ein vernünftiges Zwischenmass ist nicht möglich mit solcher Erde.

Mein Tipp: Vergiss mal, dass es ein Bonsai ist und kümmer dich darum als Baum: Blumentopf, der mindestens um die Hälfte tiefer und breiter als die Schale ist, einen Daumen hoch Substrat rein, den Granatapfelbaum aus der Schale ziehen, komplett wie er ist, am Stamm halten und ein-, zweimal irgendwo gegen hauen (wegen dem Matsch - nicht in Richtung des gedeckten Gartentischs schlagen...). Nicht schneiden, nicht auskratzen, das kommt alles im Frühjahr. Allenfalls (wenn trocken) hie und da die «Torfschollen» von Hand etwas ausbrechen, wenn es geht. Aber zurückhaltend, sonst brichst du auch alle Faserwurzeln mit! Dann auf das Substrat stellen und rundrum auffüllen und sofort literweise durchspülen. Das ganze zurück in den Baumschatten und von da an ganz normal giessen. Das müsste helfen.

Gut überlegen: Das Problem im Zentrum kannst du jetzt nicht lösen, das wäre kritisch. Du kannst aber dieses Problem (und wenn auch nur vorsichtshalber) hochlagern, dann sickert Stauwasser wenigstens ab. Daum ein Blumentopf und nicht eine flache Schale, darum entgegen der Regel, man solle den Wurzelballen in die Breite ziehen, ein neues Bett für vorhandene Wurzelspitzen. Also nicht ein «Herausziehen», sondern eine «Drainieren» des Sumpfes durch Schwerkraft.

Substrat: 1/3 Akadama, 1/3 Pflanzerde, 1/3 Seramis. Das sieht ganz hässlich aus, ist aber tauglich und man kriegt die Bestandteile ohne weiteres. Ja, Seramis ist teurer als Baustoffe, aber einmal 5 Kilo liegen schon drin. Mit dieser Mischung kannst du nicht viel falsch machen, du musst allenfalls wesentlich öfter giessen als vorher, jetzt evtl. zweimal täglich.
wolkenlos
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Beitrag von wolkenlos »

Hallo Andreas,

großen Dank für Deinen super Beitrag. Genau das hat mir geholfen!

Hab den umgetopft: nix geschnitten, nix ausgekratzt. Nur vorsichtig das Moos entfernt. Die Erde sah nach ganz normaler Blumenerde aus, mit 5 oder 6 kleinen Steinchen drin. Das war ein Witz , ich dachte, ich kuck nicht richtig. An den Wurzeln befanden sich weisse Spitzen, auch gut. Sonst waren aber keine faul oder irgendwas an Viechern drin.
... Vergiss mal, dass es ein Bonsai ist und kümmer dich darum als Baum...
Genau so dachte ich auch: den Baum als Pflanze sehen, nicht als Bonsai.

Stelle die jetzt in Schatten und schau, ob die wieder kommt.

Entsprechend sauer hab ich mir meine Riemenblume aus gleicher Baumschule angesehen und die sah aus wie betoniert :cry: . Hatte schon bemerkt, das ich kaum mit dem Finger reingekommen bin. Nun weiss ich warum :( Außen nass und innen Beton und pfurztrocken. Das kann nix werden.
Stellt man eine Pflanzenschale in den Garten, ist die Pflanze immer noch in der Schale - einverstanden?
Ja! Daher pflanzen viele auch in TPK um.

Mit dem Dauerregen in Genua: genau so dachte ich auch. In der freien Natur holt die Pflanzen auch niemand rein oder gibt denen ein Dach übern Kopf. Daher hab ich mir auch keine Gedanken gemacht. Wasser läuft unten wieder raus, alles paletti. Aber klar, Substrat muss natürlich in der Schale stimmen.

Danke schön für die hilfreichen Tipps! :D

LG wolkenlos
Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Vorsicht vor Groll und Ärger, was den Händler angeht. Müsste ich Rechnung stellen für meine Bäumchen, wären auch die ganz miesen Tausende wert, gemessen am Aufwand den ich pro Stück treibe. Kein Händler kann Bäumchen so pflegen wie wir Freaks. Das muss man schon auch verstehen. Und wir kochen alle nur mit Wasser - ich habe auch meinen Komposthaufen.
wolkenlos
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Beitrag von wolkenlos »

Hallo Andreas,

der Ärger ist schon wieder verraucht. Hab das "Übel" ja beseitigt und hoffe, das der die Kurve kriegt. Die Riemenblume steht auch gut da, also im Moment alles im grünen Bereich.

Klar, das die sich bei den ganzen vielen Pflanzen in so einer Schule nicht um jeden einzelnen Baum so kümmern können, wie wir das mit auserwählten einzelnen Bäumchen tun. Dann bräuchten die viel mehr Personal, die Pflanzen wären topp, aber unbezahlbar :D

LG wolkenlos
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Georg
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Beitrag von Georg »

Andreas,
bezüglich Kokosfasern muß ich dir widersprechen. Ich benutze selbige sehr intensiv mit Blähton gemischt und kann immer wieder feststellen: die Fasern nehmen auch wenn sie extrem trocken sind s o f o r t Wasser auf und ich habe aber auch keinerlei Verfilzungen, sondern extrem lockeres Substrat!
Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben geben, daß Du es sagen darfst(Voltaire)
Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Georg - Es ist nicht die Faser allein, das ist klar. Das Ganze ist immer ein komplexes Gleichgewicht. Mit Kokosfasern ergibt sich genau die gleiche Filzmatte, wenn du sie mit feiner Anzuchterde mischst - und das ist, was vielerorts als «Bonsaierde» bezeichnet wird. Deine Mischung ist besser, aber glaub mir - es braucht überhaupt keine Fasern. Das tut nur dem Händler gut...

Was mich an den Fasern stört ist ganz einfach der ökologische Unsinn: Ist es Torf, ist es indiskutabel. Für 2 Meter Torf (in einem Tag abgebaut mit einem Baggerchen!) braucht es 2000 Jahre. Ist es Kokos, musste das Zeugs über Tausende Kilometer hierher verfrachtet werden. Wozu, wenn es nicht essentiell ist?

Edit: «Und dein Akadama?» - Nun, das ist ein ziemlicher Restposten, genau wie das Seramis, um ein Taschengeld aus einem Konkurs erworben. Manche Bäume sind aber bereits «umgestellt» auf Substrate, deren Komponenten allesamt aus Zentraleuropa stammen. Nicht einmal Kanuma verwende ich mehr. Es ist nicht nötig,sage ich mal vorsichtig. Mehr, wenn ich mir ganz sicher bin.
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