Anfänger: Aufzucht aus Samen und damit verbundene Verwirrung

Alles andere was zu Bonsai passt.
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Pflanzennarr
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Anfänger: Aufzucht aus Samen und damit verbundene Verwirrung

Beitrag von Pflanzennarr »

.oO(((
Fasziniert von der Kunst der Gestaltung von Bonsai bin ich ja schon seit meiner Kindheit. Dieses Jahr habe ich nun Nägel mit Köpfen gemacht und mir eine - meiner Ansicht nach, wie es immer mit den eigenen Kindern ist - wunderschöne ca. 14jährige Linde zugelegt, die derzeit zwar mehr wie ein Busch aussieht - sich aber durchaus gut eingelebt hat und es mir mit unzähligen Austrieben dankt...
Dass sie sich so entwickelt, sehe ich in meiner sicherlich recht naiven Sicht der Dinge als völlig ok an - denn bis dass ich genügend Mut habe, sie einer ausgiebigen Gestaltung zu unterziehen, möchte ich mir weiterhin zumindest theoretisches KnowHow aneignen um ihr und mir ein zu unschönes Ergebnis zu ersparen :wink:

Vor einer Woche habe ich mir jetzt zusätzlich noch Sämereien zugelegt, die jetzt fünf Tage Aufenthalt im Kühlschrank hinter sich haben und heute Abend ihrer weiteren Entwicklung unter der Erde überlassen werden. Dabei handelt es sich um ein Set, bestehend aus Prunus serulata (Blüten- und Zierkirsche), Murraya paniculata (Orangen-Jasmin) und Acer palmatum atropurpureum (Roter Fächerahorn).
Dazu habe ich schon nette Kritiken zu hören bekommen - in Richtung 'Kauf Dir doch wenigstens Jungpflanzen', 'Bis die so aussehen wie auf dem Bild, das wirst Du sowieso nicht mehr erleben - obwohl - versuch Dein Glück, bist ja noch jung', naja und dergleichen mehr.. Das ist mir aber unter uns gesagt ziemlich egal. Ich will da einfach versuchen, so ein Stein des Anstoßes zu sein und bin einfach mal gespannt, was daraus wird und in ein paar Jahren wenn es mal an eine konkrete Gestaltung geht, könnte ich vielleicht auch genügend darüber wissen, um sie nicht von Anfang an dem Untergang zu weihen :wink:

Wieso ich jetzt hier so vor mich hinsabbele, resultiert eigentlich nur aus dem Grund, dass sich langsam eine Spur von Erschlagenheit breit macht, ob der ganzen Informationsflut aus Literatur und Forenbeiträgen, die, je mehr sie sich anhäuft auch zunehmend an Gegenläufigkeiten wächst. So kenne ich (nur mal als Beispiel..) durchaus 'zopf's' Beitrag im Fachwissen-Bereich ( http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopic?f=51&t=20031 ) wozu im Gegenzug als Hardware sozusagen
"Bei der Anzucht von Bonsai liegt die große Chance darin, von Anfang an Form und Gestalt des Baumes zu beeinflussen. Es dauert zwar länger, bis aus einem Samenkorn ein Baum heranwächst, doch wenn man für die Anzucht flache Schalen verwendet, wachsen sie gedrungener als im Wald gesuchte Schößlinge"
vorliegen TUT.

Nanu, was ist denn da passiert? - fragt sich der geneigte Interessent - zumal ich beiden Verfassern ihr Fachwissen nicht im Geringsten streitig machen möchte... Trotzdem fragt man sich natürlich, wem man jetzt glauben soll.
Lösungsansatz 1: Einfach weitermachen, lesen, reden, Inspirationen holen - und für sich selbst eine Schnittstelle finden?
Lösungsansatz 2: Den bereits beschafften Input sacken lassen und mit eigenen praktischen Erfahrungen erweitern?
Lösungsansatz 3 - n: überlasse ich euch :D

In diesem Sinne wünsche ich einen wunderschönen Sonntag in die Runde
))Oo.
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Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Vielleicht hilft dir das:

wo chiemte mer hi
wenn alli seite
wo chiemte mer hi
und niemer giengti
für einisch z'luege
wohi dass me chiem
we me gieng.

(Kurt Marti)

Hochdeutsch:
wo kämen wir hin
wenn alle sagten
wo kämen wir hin
und niemand ginge
um einmal zu sehen
wohin man käme
ginge man
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Pflanzennarr
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Beitrag von Pflanzennarr »

Andreas *daumen_new*
Bestätigt zwar letztlich nur meine Denke - freu mich aber immer wieder wenn ich Worte kennenlerne, die sie besser umschreiben..
Trotzdem lerne ich halt auch einfach gerne dazu - und schließlich könnte es sein, dass auch ein großer Redner sich von Grund auf irrt während der andere schlicht und auf Erfahrung basierend recht hat... Kommt ja durchaus mal vor :D
Andreas Ludwig
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Beitrag von Andreas Ludwig »

Richtig und falsch ist was für Mathematiker.
Die andern freuen sich über Möglichkeiten.

Edit: Pardon, das war unfair den Mathematikern gegenüber. Ich habe in dieser «Branche» ganz kreative Köpfe, verspielte Denker und begeisterte Hirnakrobaten kennengelernt, die höhere Mathematik ist inhohem Masse auf das Durchdenken von Möglichkeiten angewiesen. Darum zurück zum Thema:

Mir scheint manchmal, dass das Thema Sämlinge überschattet wird von einem Erfolgsdenken. Wer mit seinen Bonsai innert nützlicher Frist (was ist das?) zu einem Ziel (wer definiert das?) kommen will, wird sich auf Yamadori verlegen. Ehrlich: Ich weiss nicht, wozu ich Sämlinge ziehe. Ich erwarte keinen Ausstellungserfolg davon. Aber ich mag sie. Vielleicht ist es ein ähnliches Problem, wie es sich in einem Satz spiegelte, den ich am Rande einer Veranstaltung hörte: Da sass ein tibetischer Mönch mit einem Schrummelröhrchen und schabte farbigen Sand auf den Boden, tagelang. Er machte ein riesiges Mandala. Ein Zuschauer sagte zu seinem Bekannten: «Wäre das nicht viel einfacher, wenn er mit Schablonen arbeiten würde?». Wer hat da recht oder besser: Geht es hier um recht haben?
Zuletzt geändert von Andreas Ludwig am 03.08.2008, 20:27, insgesamt 1-mal geändert.
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MarionS
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Beitrag von MarionS »

"Der Weg ist das Ziel" wäre vermutlich die Antwort.

Es ist auch ganz interessant, was die Jungpflanzen so alles anstellen und wie sie sich entwickeln.
Eine meiner Eichen ist ein Pechvogel und kommt nicht von der Stelle.
Eine andere entwickelt sich heuer unspektakulär.
Die Schwester der unspektakulären verfällt unversehens auf die Idee, mit dem Zweitaustrieb lauter Triebe auf einer Seite zu bekommen und mir die Gestaltung als Floß geradezu entgegenzuschreien.
Die Neuaustriebe eines Baumstumpfes, die ich in Pflege habe, werden auf dem großen Wurzelballen und an dem schönen Standort geradezu fett.
Gemessen an zwei gleichaltrigen Eichen ist der Ahornsämling geradezu zart und winzig.
Also da ist immer was los.
Gruß,
MarionS

Liebhaber des Raumübergreifenden Großgrüns
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holgerb
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Beitrag von holgerb »

Marion,

an "Der Weg ist das Ziel" habe ich auch eine zeitlang geglaubt.

Aber irgendwie ist das zu wenig, oder?

Der Weg ist doch der Weg und vielleicht ergibt sich ja mit der Zeit ein Ziel.

Egal, ob ich einen Rohling habe, der schon das Ziel vorgibt, ein Rohling der eine Vision zulässt oder ein Sämling, der erstmal wachsen muss.

Es gibt solche und solche Rohlinge.

Wer sich eindringlich nur mit Gestaltung beschäftigen will, der wird eher perfekte Rohlinge kaufen, um eine möglichst ideale Ausgangsposition zu haben.

Es ist ja nicht verboten, Sämlinge zu ziehen, aber bis zum Bonsai ist ein langer Weg. Aber wer weiß schon, was dann einmal wird.

Es macht aber tatsächlich Freude, die kleinen wachsen zu sehen und eine Menge zu lernen gibt's da allemal...
"The mind is like a parachute. It doesn't work unless it's open."
- Frank Zappa -
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zopf
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Beitrag von zopf »

Bonsai liebe ich ob seiner Vielseitigkeit.
Ob Hochgebirgsyamadori, ob Japanimport, ob Sämling, Steckling
all das und noch viel mehr verbinde ich mit Unserem Hobby.
Obwohl der Garten vollsteht, mach ich jedes Jahr noch Stecklinge
und diese Jahr werde ich wohl wieder Samen sammeln gehen.

Andreas beginnt ein Granatapfelprojekt,
also ab zum Türken und Früchte kaufen.
Da gab/gibt es jemand der Dreispitze auf Drahtgeflechte
bindet, Granatäpfel haben Drehwuchs, schaun wir mal.
Vor 2 Jahren habe ich Apfel-Wurzelstecklinge gemacht,
eine Kaskade ist schon 60cm lang. Nächstes Jahr
kommen Ilex-, Quitten- und Ahornkaskaden dazu.
Und, und, und

Warum sollte man sich selbst beschneiden,
tut doch weh

Eine schöne Arbeitswoche
Dieter

ps Allerdings achte ich mittlerweile darauf,
was ich vermehre.
cogito ergo pups
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