opferäste - verjüngung vs. schnittstellen

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achim73
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opferäste - verjüngung vs. schnittstellen

Beitrag von achim73 »

ich habe hier eine feldulme, 6 jahre alt, nach den typischen anfängerfehlern (3 jahre in einer schale...hmm, warum wächst der nicht... *konfus* ) jetzt im zweiten jahr in einem grossen kübel.
im unteren stammbereich gibt es jetzt 2, 3 opferäste. eigentlich ja ganz gut, denn so entsteht eine ordentliche verjüngung, da der stammdurchmesser nach jedem ast abnimmt. jetzt ist für mich nur die frage :
je länger ich diese äste wachsen lasse, desto schneller geht zwar die verdickung, und die verjüngung bleibt erhalten, aber die späteren schnittstellen werden immer grösser. wo setzt man da die grenze ? gibt es erfahrungswerte ? wie gross können feldulmen schnittstellen halbwegs befriedigend verschliessen ? und wie erzielt man überhaupt bäume mit guter verjüngung OHNE schnittstellen ? fragen über fragen...
Gruss, Achim
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Robert S.
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Beitrag von Robert S. »

Hi Achim,

imho ist das eine nicht ohne das andere zu haben. Soll heißen, wenn mit
Opferästen gearbeitet wird, kommts auch zu Schnittstellen. Wie stark die
ausfallen hängt dann sicher auch von der Varietät ab. Bei einer Buche wird
das auffälliger ausfallen als bei einem Korkahorn. Ich finde schöne
Schnittstellenknubbel auch gar nicht so unattraktiv. (z.B. gerade bei Äpfeln)

Servus,
Robert
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der1
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Re: opferäste - verjüngung vs. schnittstellen

Beitrag von der1 »

achim73 hat geschrieben:...wie erzielt man überhaupt bäume mit guter verjüngung OHNE schnittstellen ?...
Nach dem, was ich bisher gelesen habe, ist das nicht möglich. Meine praktische Erfahrung geht allerdings dahingehend gegen null. Ich denke mal, besonders im Shohin-Bereich (mein bevorzugtes Metier) geht es gar sowieso nicht ohne Schnittstellen.

Meine "Theorie" ist folgende: Möchte man einen Bonsai von klein auf auf Shohin trimmen, kommt man nicht drumrum, ihn zuerst innerhalb einer Wachstumsperiode wachsen zu lassen, um dann das meiste davon im nächsten Frühjahr wegzuschnippeln. Steht der Stamm dann, gehts an die feineren Arbeiten. In den folgenden Jahren heilen dann die Wunden der groben anfänglichen Metzgerei zu, wobei man den Heilungsverlauf aber auch wieder beeinflussen kann.

Meine Vorstellung liegt darin, dass man nach plusminus 10 Jahren bei richtiger Beobachtung und Pflege der groben Wunden am Stamm nicht mehr so wahnsinnig viel davon sieht.

Aber wie gesagt (bzw. geschrieben): alles nur meine Gedankengänge.

Liebe Grüße

Christian
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Lindwurm
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Beitrag von Lindwurm »

man muss die grösse der wunde auch immer in relation zur angestreben "enddicke" des stammes sehen..
wenn man einen baum mit 20cm dickem stamm züchten will, ist ne schnittstelle mit 3cm durchmesser zu vernachlässigen und wahrscheinlich auch nie mehr sichtbar.

habe dieses jahr selbst an ner feldulme ne schnittstelle von ca. 4,5cm durchmesser erzeugt.
zuerst war sah das noch aus wie ne "kante", da diese schnittstelle aber seitlich, direkt am ansatz des spitzentriebes war/ist und dieser fast 3m gewachsen ist.....hat sich der leittrieb und somit die stammverlängerung so sehr verdickt, das die schnittstelle schon erheblich überwallt ist.
und damit meine ich nicht nur, das sich dir wundränder schliessen, sondern eben auch das diese wunde einfach "in" der stammverdickung verschwindet.
(also "überwallt" im eigentlichen sinne des wortes)

pauschal gesagt muss die maximal erlaubte dicke von opfertrieben (und den daraus resultierenden schnittstellen) immer in einem schlüssigen verhältnis zu der gesamten dicke des stammes /der noch stattfindenden stammverdickung stattfinden.

je näher die angestrebt stammdicke kommt, desto restriktiver muss man mit opfertrieben werden.

eine schnittstelle die bei einem shohin anwärter also "riesengroß" ist und die stammlinie/verjüngung völlig runiert, kann zu einer nebensächlichkeit degradiert werden, wenn man den baum einfach ne stufe größer werden lässt.

je niedriger und seitlicher ne wunde ist, desto grösser darf sie auch sein.

eine wunde die in der nähe der basis verläuft und komplett "seitlich" am baum ist, schadet dem unendlich wichtigen faktor "verjüngung" weniger, als eine die mittig zur verjüngung in der baumspitze liegt.
wie schon erwähnt bestimmt die verwendete baumart in erheblichem maße wie weit man das spiel mit opferästen treiben kann ohne nachher optische mängel zu produzieren.
ein dreispitz lässt da erheblich mehr zu als eine eiche...

sone form wäre bei ner eiche nicht drin (nebari gut 30cm):
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schmieda
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Beitrag von schmieda »

Ich will ja kein Speilverderber sein...
Schöne Ebaybildchen, von wem?!
Gruß
Frank :)

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Beitrag von Lindwurm »

schmieda hat geschrieben:Ich will ja kein Speilverderber sein...
Schöne Ebaybildchen, von wem?!
von demjenigen dem ich den baum abgekauft habe?
(von wem sonst?)
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achim73
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Beitrag von achim73 »

jedenfalls danke für die ausführungen. damit komme ich schon einen schritt weiter..
p.s. zeig doch mal den feldahorn, wenns dir nichts ausmacht. :)
Gruss, Achim
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schmieda
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Beitrag von schmieda »

Lindwurm hat geschrieben:von demjenigen dem ich den baum abgekauft habe?
(von wem sonst?)
Entschuldige Lindwurm, das war von dir so zu erwarten.
Ich höre es nur immer "klingeln", bei Ebaybildchen.
Gruß
Frank :)

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achim73
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Beitrag von achim73 »

ja, bei den ganzen arbeitslosen anwälten kann man nicht vorsichtig genug sein.... *floet*
Gruss, Achim
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Beitrag von Lindwurm »

hier mal ein bild der feldulme:

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achim73
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Beitrag von achim73 »

ah ja, danke. da sieht man auich sehr schön, dass darüberliegender austrieb wichtig für die zügige überwallung ist. die untere schnittstelle wächst ja sichtbar schlechter zu.
Gruss, Achim
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