Kallusbearbeitung an Lärche
Kallusbearbeitung an Lärche
Hallo zusammen,
da die Borke bei Lärchen relativ dick ist kommt es beim Anlegen von Shari
zu unschönen Schnittflächen an der Borke (siehe angehängtes Foto).
Dazu ein paar Fragen.
Ich frage mich, ob ich darauf setzen sollte dass der Kallus weiter so stark
wächst, bis die im Bild eingezeichnete gelbe Linie an der Aussenseite der
Borke erreicht wird.
Oder kann man den Überwallungsprozess dadurch befördern, dass man an
den violett gekennzeichneten Linien (Nachschneiden 1 und 2) nachschneidet?
Falls das Nachschneiden Sinn macht gehe ich mal davon aus, dass das Früh-
jahr der richtige Zeitpunkt ist das durchzuführen.
Über Tipps / Erfahrungsaustausch würde ich mich freuen.
Servus,
Robert
da die Borke bei Lärchen relativ dick ist kommt es beim Anlegen von Shari
zu unschönen Schnittflächen an der Borke (siehe angehängtes Foto).
Dazu ein paar Fragen.
Ich frage mich, ob ich darauf setzen sollte dass der Kallus weiter so stark
wächst, bis die im Bild eingezeichnete gelbe Linie an der Aussenseite der
Borke erreicht wird.
Oder kann man den Überwallungsprozess dadurch befördern, dass man an
den violett gekennzeichneten Linien (Nachschneiden 1 und 2) nachschneidet?
Falls das Nachschneiden Sinn macht gehe ich mal davon aus, dass das Früh-
jahr der richtige Zeitpunkt ist das durchzuführen.
Über Tipps / Erfahrungsaustausch würde ich mich freuen.
Servus,
Robert
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- larix_shari.jpg (56.56 KiB) 1800 mal betrachtet
Hallo Robert.
Eine für mich schwierige Gewissensfrage...
Ich schreibe jetzt mal extra: durch "falschen" Schnitt wird meistens das Wachstum von Wundholz gefördert, auch beim Nachschneiden. Es könnte eine Möglichkeit sein, eine Wunde schneller zu verschliessen.
Und jetzt kommt das berühmte und gefürchtete
Aber:
Ein Baum bildet nach einer Verwundung eine Abschottung zum Holz, daß nach dieser Verwundung gebildet wird (in Deinem Falle wäre das u. a. auch der Kallus). Diese Abschottung ist so stark, daß Infektionen nicht darüber hinaus sich ausbreiten können (in der Regel). Sehr schön sieht man das an Kiefernmöbeln. Dicke, schwarze Astlöcher. Die schwarzen Astreste kann man meist herausdrücken, das ist der Rest von der Holzumwandlung. Im Astloch bleibt ein schwarzer Streifen, das ist die Abschottungsgrenze. Darüber hinaus ist das Holz in Ordnung. Genau sowas passiert an jeder Verwundung.
Wenn Du jetzt nachschneidest, infizierst Du praktisch den Kallus wieder neu, das lässt sich nicht verhindern beim schneiden, da kannst Du noch so gut desinfizieren (es sei den Du machst das da, wo sie Computerchips herstellen).
Die Gefahr die ich dabei sehe:
Eine neuerliche Infektion des Baumes schwächt diesen, in welchem Maße kann niemand sagen. Ich auch nicht. Ich muss dabei nur an die leidige Pflanzengiftdiskussion denken und daran, daß dann ein geschwächter Baum wieder eingenebelt wird, weil er Läuse, Pilz oder anderes Zeugs hat.
Ich finde es wird Zeit umzudenken...
Kannst Du mal ein Bild von der ganzen Stelle zeigen. Vielleicht lässt sich ja gestalterisch das anders lösen?
Gruß
Holger
P.S.: Ich hoffe, das war nicht zu unverständliches Chinesisch...
Eine für mich schwierige Gewissensfrage...
Ich schreibe jetzt mal extra: durch "falschen" Schnitt wird meistens das Wachstum von Wundholz gefördert, auch beim Nachschneiden. Es könnte eine Möglichkeit sein, eine Wunde schneller zu verschliessen.
Und jetzt kommt das berühmte und gefürchtete
Aber:
Ein Baum bildet nach einer Verwundung eine Abschottung zum Holz, daß nach dieser Verwundung gebildet wird (in Deinem Falle wäre das u. a. auch der Kallus). Diese Abschottung ist so stark, daß Infektionen nicht darüber hinaus sich ausbreiten können (in der Regel). Sehr schön sieht man das an Kiefernmöbeln. Dicke, schwarze Astlöcher. Die schwarzen Astreste kann man meist herausdrücken, das ist der Rest von der Holzumwandlung. Im Astloch bleibt ein schwarzer Streifen, das ist die Abschottungsgrenze. Darüber hinaus ist das Holz in Ordnung. Genau sowas passiert an jeder Verwundung.
Wenn Du jetzt nachschneidest, infizierst Du praktisch den Kallus wieder neu, das lässt sich nicht verhindern beim schneiden, da kannst Du noch so gut desinfizieren (es sei den Du machst das da, wo sie Computerchips herstellen).
Die Gefahr die ich dabei sehe:
Eine neuerliche Infektion des Baumes schwächt diesen, in welchem Maße kann niemand sagen. Ich auch nicht. Ich muss dabei nur an die leidige Pflanzengiftdiskussion denken und daran, daß dann ein geschwächter Baum wieder eingenebelt wird, weil er Läuse, Pilz oder anderes Zeugs hat.
Ich finde es wird Zeit umzudenken...
Kannst Du mal ein Bild von der ganzen Stelle zeigen. Vielleicht lässt sich ja gestalterisch das anders lösen?
Gruß
Holger
P.S.: Ich hoffe, das war nicht zu unverständliches Chinesisch...
"The mind is like a parachute. It doesn't work unless it's open."
- Frank Zappa -
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Hallo Holger,
danke für Deine Antwort. Nein, es war nicht zuviel Chinesisch
Allerdings denke ich nicht das man da gestalterisch eine andere Lösung
finden kann, da das Shari über den ganzen Stamm angelegt ist.
Insofern sind meine Fragen noch offen. Die interessanteste ist für mich,
ob ich darauf setzen kann, dass der Kallus noch weiter wächst. Da fehlt
mir allerdings die Erfahrung. Deshalb auch die Frage. Sollte dem so sein,
wird sich das Problem mit der Zeit von selbst lösen.
Ich frage mich, ob das Problem nicht durch einen anderen Schnittwinkel
von vorne herein nicht entstanden wäre. Siehe beigefügte Bilder
Servus,
Robert
danke für Deine Antwort. Nein, es war nicht zuviel Chinesisch
Ich schau mal, ob ich die Tage ein Bild vom kompletten Baum machen kann.holgerb hat geschrieben:Kannst Du mal ein Bild von der ganzen Stelle zeigen
Allerdings denke ich nicht das man da gestalterisch eine andere Lösung
finden kann, da das Shari über den ganzen Stamm angelegt ist.
Insofern sind meine Fragen noch offen. Die interessanteste ist für mich,
ob ich darauf setzen kann, dass der Kallus noch weiter wächst. Da fehlt
mir allerdings die Erfahrung. Deshalb auch die Frage. Sollte dem so sein,
wird sich das Problem mit der Zeit von selbst lösen.
Ich frage mich, ob das Problem nicht durch einen anderen Schnittwinkel
von vorne herein nicht entstanden wäre. Siehe beigefügte Bilder
Servus,
Robert
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- shari_schnitt2.jpg (4.81 KiB) 1615 mal betrachtet
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- shari_schnitt1.jpg (4.78 KiB) 1615 mal betrachtet
Hallo Robert
Längerfristig wird sich die Borke lösen.
Der Kallus überwallt die Borke nicht.
Wind,Wetter und Unsere kleinen Helferlein
basteln sich ein gemütliches Zuhause in
den kleinen entstehenden Höhlen.
Die Borke ist für den Baum kein schützenswertes Gut
und daher wird auch eine veränderte Schnittführung
nicht das von Dir gewünschte Ergebnis bringen.
mfG Dieter
Längerfristig wird sich die Borke lösen.
Der Kallus überwallt die Borke nicht.
Wind,Wetter und Unsere kleinen Helferlein
basteln sich ein gemütliches Zuhause in
den kleinen entstehenden Höhlen.
Die Borke ist für den Baum kein schützenswertes Gut
und daher wird auch eine veränderte Schnittführung
nicht das von Dir gewünschte Ergebnis bringen.
mfG Dieter
cogito ergo pups
- ChristianB
- Beiträge: 471
- Registriert: 11.09.2006, 14:15
- Wohnort: Mitten im Ruhrgebiet
Hallo Robert,
normalerweise versucht der Baum die Wunde zu überdecken. Ich würde damit rechnen, dass der Kallus nicht viel weiter in die Dicke wächst sondern das freigelegte Holz langsam überdecken wird.
Ob er das schafft, hängt natürlich von der Größe der Wunde und der Vitalität des Baumes ab. Da wo sich durch den Kallus wieder ein normaler Stammaufbau (von Außen nach Innen: Borke, Phloem, Kambium, Xylem usw) gebildet hat, wird in den nächsten Jahren ein normales Dickenwachstum, nach Außen(es bildet sich neue Borke) und Innen (es wird neues Holz gebildet) stattfinden.
Von dieser Theorie ausgehend würde ich, wenns mein Baum wäre, das nächste Jahr nix tun und mir im nächsten Herbst anschauen, was der Baum weiter gemacht hat.
Ich war vor zwei Wochen bei einem Seminar Jin und Shari von Christian Przybylski.
Der Rat von Chris war, beim Brennen nach Anlegen des Shari die umgebende Borke ruhig ein wenig mit anzukokeln. Wenn der Baum in den nächsten Jahren auf die Wunde reagiert, wird es einen schönen, glaubhaften Übergang geben.
Da ich mich beruflich in letzter Zeit viel mit kranken Bäumen befassen musste, ein paar Worte zu Abschottung und Infektion:
Abschottung beschreibt die Fähigkeit des Baumes sich nach einer Verwundung gegen weiteres Eindringen von Schadorganismen zu schützen.
Dabei geht es vor allem um die Abschottung im Holz, um zu verhindern, dass das tote Holz im Innern des Stammes, welches einem normalen Baum (einem Nichtbonsai
) Stabilität gibt, durch holzzersetzende Pilze abgebaut wird.
Der Begriff Abschottung ist in Zusammenhang von Infektion des Kambiums durch Bakterien, Viren oder den "bösen" Pilzen (z. B. Monilia, Birnegitterrost), wie sie in den Threads Scheinquitte und Fungizide diskutiert werden, eher unglücklich gewählt.
Wer zu Abschottung mehr wissen möchte, sollte sich unbedingt Publikationen von Shigo anschauen (z.B. in wikipeda.de die Begriffe Holz und CODIT eingeben, auf Codit klicken und dann dem Weblink folgen).
normalerweise versucht der Baum die Wunde zu überdecken. Ich würde damit rechnen, dass der Kallus nicht viel weiter in die Dicke wächst sondern das freigelegte Holz langsam überdecken wird.
Ob er das schafft, hängt natürlich von der Größe der Wunde und der Vitalität des Baumes ab. Da wo sich durch den Kallus wieder ein normaler Stammaufbau (von Außen nach Innen: Borke, Phloem, Kambium, Xylem usw) gebildet hat, wird in den nächsten Jahren ein normales Dickenwachstum, nach Außen(es bildet sich neue Borke) und Innen (es wird neues Holz gebildet) stattfinden.
Von dieser Theorie ausgehend würde ich, wenns mein Baum wäre, das nächste Jahr nix tun und mir im nächsten Herbst anschauen, was der Baum weiter gemacht hat.
Ich war vor zwei Wochen bei einem Seminar Jin und Shari von Christian Przybylski.
Der Rat von Chris war, beim Brennen nach Anlegen des Shari die umgebende Borke ruhig ein wenig mit anzukokeln. Wenn der Baum in den nächsten Jahren auf die Wunde reagiert, wird es einen schönen, glaubhaften Übergang geben.
Da ich mich beruflich in letzter Zeit viel mit kranken Bäumen befassen musste, ein paar Worte zu Abschottung und Infektion:
Abschottung beschreibt die Fähigkeit des Baumes sich nach einer Verwundung gegen weiteres Eindringen von Schadorganismen zu schützen.
Dabei geht es vor allem um die Abschottung im Holz, um zu verhindern, dass das tote Holz im Innern des Stammes, welches einem normalen Baum (einem Nichtbonsai
Der Begriff Abschottung ist in Zusammenhang von Infektion des Kambiums durch Bakterien, Viren oder den "bösen" Pilzen (z. B. Monilia, Birnegitterrost), wie sie in den Threads Scheinquitte und Fungizide diskutiert werden, eher unglücklich gewählt.
Wer zu Abschottung mehr wissen möchte, sollte sich unbedingt Publikationen von Shigo anschauen (z.B. in wikipeda.de die Begriffe Holz und CODIT eingeben, auf Codit klicken und dann dem Weblink folgen).
Viele Grüße
Christian
Christian
Hallo Dieter,
Hallo Christian,
ich denke ich werde eine Kombination Eurer letzen beiden Posts versuchen.
Also die Schnittfläche an der Borke ein wenig nacharbeiten, nichts am Kam-
bium unternehmen und Zeit vergehen lassen und darauf zu setzen, dass
sowohl der Baum als auch ich nächstes Jahr ein Stück weiter sind
Danke!
Robert
Hallo Christian,
ich denke ich werde eine Kombination Eurer letzen beiden Posts versuchen.
Also die Schnittfläche an der Borke ein wenig nacharbeiten, nichts am Kam-
bium unternehmen und Zeit vergehen lassen und darauf zu setzen, dass
sowohl der Baum als auch ich nächstes Jahr ein Stück weiter sind
Danke!
Robert
- Karl T.
- BFF-Autor
- Beiträge: 1539
- Registriert: 07.01.2004, 21:48
- Wohnort: Wien/Österreich
- Kontaktdaten:
Entschuldige wenn ich mich in eure Diskussion einmische. Soweit ich Erfahrung mit Lärchen habe, so weiß ich dass sie unter den Nadelbäumen die schnellste und beste Kalusbildung hat. Ich würde sogar behaupten besser als viele Laubbäume, auch ohne Nachbehandlung der Wundränder. In der Natur habeich komplette Überwallungen von alte Jins gesehen und das ist keine Seltenheit bei der Lärche. Ich zeige euch ein Beispiel einer Lärche die ich jetzt erst nachgestaltet habe, die zwei Bilder sind zwei Jahre auseinander und es wurde nicht nachbehandelt.
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- Kalus2.jpg (64.5 KiB) 1383 mal betrachtet
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- Kalus1.jpg (62.66 KiB) 1383 mal betrachtet
Herzliche Grüße aus Wien!
Ihr seit gerne eingeladen in meine http://www.bonsaiwerkstatt.at/
Karl Thier
Ihr seit gerne eingeladen in meine http://www.bonsaiwerkstatt.at/
Karl Thier
Du bist lustig Karl. Auf eine Antwort von Dir hatte ich gehofft, da ich weißEntschuldige wenn ich mich in eure Diskussion einmische.
dass Du schon viele Lärchen gestaltet hast.
Das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Kallusbildung bei Lärchen ist
wirklich enorm. Nachdem ich das Shari im Frühjahr 2008 angelegt habe
hat sich eine "Kalluswurst" von durchschnittlich 10 mm Breite entwickelt.
Ich war mir nur nicht sicher, ob ich darauf setzen kann, dass dies in der
nächsten Zeit noch zunimmt. Ich warte jetzt einfach mal ab, was der Baum
in der nächsten Saison macht.
Servus,
Robert
- Karl T.
- BFF-Autor
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- Registriert: 07.01.2004, 21:48
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Es ist schön zu Wissen das ich nicht aufdringlich war.Robert S. hat geschrieben:Du bist lustig Karl. Auf eine Antwort von Dir hatte ich gehofft, da ich weißEntschuldige wenn ich mich in eure Diskussion einmische.
dass Du schon viele Lärchen gestaltet hast.
Das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Kallusbildung bei Lärchen ist
wirklich enorm. Nachdem ich das <span style="border-bottom:2px dotted #009900;" title="Erklärung im Glossar">Shari</span> im Frühjahr 2008 angelegt habe
hat sich eine "Kalluswurst" von durchschnittlich 10 mm Breite entwickelt.
Ich war mir nur nicht sicher, ob ich darauf setzen kann, dass dies in der
nächsten Zeit noch zunimmt. Ich warte jetzt einfach mal ab, was der Baum
in der nächsten Saison macht.
Servus,
Robert
Bei der Lärche kann es sogar passieren dass sie zu viel Kallus bildet und man muss dann den Kallus wieder entfernen, damit ein Jin oder gewollter Shari nicht zu wallt.
Herzliche Grüße aus Wien!
Ihr seit gerne eingeladen in meine http://www.bonsaiwerkstatt.at/
Karl Thier
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Karl Thier


