Fichten-Literat

Der richtige Ort Bonsai (Baum in Schale mit gewisser Reife) vorzustellen und zu präsentieren. Der Threadersteller möge bitte im Eröffnungsthread darauf hinweisen wenn allgemeine Kommentare unerwünscht sind. Andernfalls stellt sicher, dass ihr etwaige fachliche Kritik durch die "DREI SIEBE" gesiebt habt!
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gunter

Fichten-Literat

Beitrag von gunter »

Liebe Bonsaifreunde,

ich denke schon mal an im Frühjahr anstehende Arbeiten und bitte Euch herzlich um Hilfe bei der Gestaltung des abgebildeten Fichten-Literaten. Der Baum stammt aus dem Bergwald. Er stand unter alten Fichten und die von diesen herunterkommenden Schneelawienen sind wohl für die Stammbrüche verantwortlich.Da er nur wenige Nadeln hatte, habe ich ihn erst 3 Jahre zur Erholung im Land stehen lassen und seit dem Frühjahr steht er in der Schale und ist recht gut ausgeschlagen. Höhe des Baumes: 1,15m.

Ich finde, der Baum könnte die Charakteristika erhalten, die Q. Zhao für den Literatenstil nennt: 1. ein Gefühl von Weltabgewandtheit und Einsamkeit vermittelnd, 2. eine gewisse Kargheit in den Gestaltungsmitteln, "weniger ist mehr", 3. geschmackvoll-elegant, wie die einfachen, klaren Linien der Kalligraphie, 4. schlicht, ohne dekorative Elemente.

Ich habe noch eine Schemazeichnung hinzugefügt, die die Struktur der Nadelpolster besser zeigt. Es gibt zwei größere (1) und (2) in der Zeichenebene und drei kleinere (4), (5) und (6) im Hintergrund.

Eine Möglichkeit wäre, nur (2) zu belassen, und etwas näher an den Stamm zu holen. Nachteil: der Baum verliert die Tiefe und der lange Ast, an dem (2) hängt, ist wenig stabil. Ich tendiere dazu, etwas von den Hintergrundpolstern zu belassen. Ich könnte mir eine Gestaltung mit (1), (4) und (5) vorstellen, wobei (1) reduziert werden sollte.

Was für eine Schale würde zu dem Baum passen? Das Nebari ist alles andere als klassisch, aber recht breit: kurze, dicke Wurzeln nach links und vorn und einige lange, dünne Wurzeln nach rechts. Momentan tendiere ich dazu, diesen "Krähenfuß" zu erhalten.

Ich weiß, wie viel Arbeit ein Virtual macht. Natürlich würde ich mich darüber freuen, aber eine Schemazeichnung mit Erklärung tuts auch.

In der Hoffnung auf Anregungen grüßt Gunter Lind.
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Walter Pall
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Beitrag von Walter Pall »

Gunter,

so in die Richtung.
Dann wird der Baum auch deutlich kleiner und übersichtlicher.
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Michael T.
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Beitrag von Michael T. »

Ja Walter, daran hab ich auch gleich gedacht. Eventuell könnte man den den ersten Ast (3 und 4) noch mit einbeziehen, wenn man ihn oben eng an den Stamm anlegt und dann das Grün nach rechts hinten bringt. Die Albright Schale (ist es doch, oder?) find ich sehr passend.
Viele Grüße aus dem Sauerland,
Michael
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Walter Pall
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Beitrag von Walter Pall »

ja, dann könnte so etwas ähnliches herauskommen.
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Reiner
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Beitrag von Reiner »

Walter Pall hat geschrieben:ja, dann könnte so etwas ähnliches herauskommen.
... und genau das fände ich auch richtig gut für Gunters Baum.
Walter einen Moment habe ich gedacht, Du hättest Michaels Vorschlag virtuell umgesetzt. Toller Baum!
Reiner
gunter

Beitrag von gunter »

Ich habe mich mal vor den Baum gestellt und die Äste entsprechend Walters und Michaels Vorschlag gebogen. Es geht. Allerdings würde ich den Spitzenjin etwas länger lassen als in Walters Virtual. Noch zwei Fragen:
1. Ich muß sehr stark biegen. Muß ich befürchten, daß ein Ast abstirbt? Dann würde ich die Prozedur schrittweise durchführen.
2. Die Schale ist sehr schön und paßt wirklich. Gibt es ähnliche Schalen auch als Konfektionsware? Was macht man eigentlich, damit ein so hoher Baum in einer so kleinen Schale auch bei holsteinischem Sturm nicht umkippt?

Beim Biegen an den Ästen des Baumes fiel mir noch auf, daß man den ganz langen Ast auch den Stamm kreuzend nach unter führen könnte, wie John Naka es bei einigen Beispielen zum Literatenstil tut. Wirkt nicht schlecht, aber etwas maniriert-dekorativ und passt deshalb wohl nicht so gut zum Baum.

Vielen Dank an Walter, Michael und Reiner von Gunter Lind
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Wolfgang
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Beitrag von Wolfgang »

Gunter,
den zu biegenden Bereich umwickelst du einfach mit feuchtem Raffia ( :arrow: du könntest - falls nötig - auch einen dickeren Draht beilegen), drahtest den Ast danach und biegst ihn ganz vorsichtig in die gewünschte Position.

Den Baum musst du mit Draht (oder Holzkeilen usw.) gut in der Schale fixieren.
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Walter Pall
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Beitrag von Walter Pall »

'Gibt es ähnliche Schalen auch als Konfektionsware? Was macht man eigentlich, damit ein so hoher Baum in einer so kleinen Schale auch bei holsteinischem Sturm nicht umkippt?'

Gunter,

solche Schalen gibt es nur als Künstlerschalen, einzeln angefertigt. Sind aber nicht so teuer.
In die Schale kannst Du ganz unten einen schweren Stein hineinlegen. Oder sogar unter die Schale eine Bleiplatte anbringen.
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