Es ging um folgende Faustregel:
- Jugendlich wirkende Bäume = Schalenrand nach außen gewölbt
Älter wirkende Bäume = Schalenrand nach innen gewölbt
(Diese Aussagen nehmen nur Bezug auf das scheinbare Alter des Baumes)
Heike, mit ihrem untrüglich exzellenten Blick für die richtige Schalenwahl, hat dazu folgendes geschrieben.
Leider muss man wohl davon ausgehen, dass nicht jeder hier über dieses von Heike angesprochene spezielle Empfinden für Ästhetik und Harmonie verfügt. Von daher wäre es doch ganz sinnvoll, wenn wir hier gemeinsam diskutieren könnten, welche Aspekte denn nun wichtig oder gar entscheidend für die korrekte Schalenwahl sind.Heike_vG hat geschrieben:Die von Ulf genannte Faustregel war mir ehrlich gesagt bisher nicht bekannt.
So ganz mag ich ihr auch nicht zustimmen, wenn ich darüber nachdenke.
Für mich ist das Formempfinden entscheidender bei der Auswahl der Schale.
Dieser Wacholder ist sehr bewegt und tänzerisch, weswegen ich ihm Raum geben möchte und ihn und seine Bewegung nicht durch einen einwärts weisenden Rand einschränken wollen würde.
Solche Kriterien würde ich nicht vom tatsächlichen oder optischen Alter eines Baums abhängig machen wollen.
Um oben genannte Faustregel näher zu erläutern erlaube ich mir mal 3 Bäume von Walter Pall zu zitieren.
Hier ein jugendlich wirkender Baum - die Schale mit Außenwölbung

Hier ein sehr alt wirkender Baum - die Schale mit Innenwölbung

Folgende eher jugendlich wirkende Kiefer steht in einer Schale mit Innenwölbung. Dies widerspricht o.g. Fausregel und wirkt auf mich auch tatsächlich eher disharmonisch.
Folgender Baum soll daher als Negativbeispiel herhalten.
Jugendlicher Baum - Schale mit Innenwölbung

Natürlich gibt es aber auch viele andere durchaus harmonisch wirkende Gegenbeispiele (bei meiner Recherche sind mir so einige aufgefallen). Hier spielt natürlich auch die Stilrichtung, in der der Baum gestaltet wurde, eine wichtige Rolle. Die Faustregel ist eigentlich nur anzuwenden auf den streng oder den frei aufrechten Bonsai. Das oben dargestellte Gegenbeispiel der Kiefer in Literatenform ist von daher an dieser Stelle auch ein eher schwieriger Vergleich.
Der Meister seines Faches findet eh mehr intuitiv die passende Schale und dann spielt die Individualität eines Baumes die weit entscheidendere Rolle.
Und trotzdem denke ich, dass die o.g. Faustregel für den Anfänger eine gute Einstiegshilfe sein kann.
Vielleicht wäre es an dieser Stelle mal ganz sinnvoll zu sammeln, was es denn sonst so an Prinzipien für die korrekte Schalenwahl gibt. Naturgemäß kann es sich hier nur um eine Annäherung handeln. Die letztendlich Schalenwahl muss immer individuell auf den jeweiligen Baum und die Art der Gestaltung (Stilrichtung) abgestimmt sein. Eine Halbkaskade unterliegt natürlich ganz anderen Regeln als eine Waldpflanzung ... aber ich denke, so gundlegede Basics müssen wir hier nicht weiter ausführen.
Mir fallen da spontan folgende ganz grobe Richtlinien ein:
- Schalenbreite = 1/3 der Baumhöhe
Schalenhöhe = Durchmesser der Stammbasis
unglasierte Schalen = Nadelbäume
glasierte Schalen = Laubbaum
Schalenfarbe sollte korrespondieren mit Borken- oder Laubfarbe oder komplementär der Blütenfarbe sein
to be continued





