Umtopfen von Fukientee

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
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Thierry
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Re: Umtopfen von Fukientee

Beitrag von Thierry »

lok83 hat geschrieben:
Thierry hat geschrieben: Du kannst schon versuchen zuerst ein paar Maßnahmen zu treffen, um die Situation zu verbessern : Wenn die Erde zu fest ist, versuche sie auf diverse Weise aufzulockern.
(...)
Dann nimmst du wieder ein "Tool" (ein Spieß, Essstäbchen, Gabel, Kralle, usw) und versuchst vorsichtig damit (von außen nach innen) in die Erde zu stichen. Mach ganz kleine Löcher rein, wo Luft u. Wasser besser ablaufen können. Wenn du mit alle diesen Auflockerungsaktionen fertig bist, drücke von oben vorsichtig die aufgelockerte Erdoberfläsche fest (nicht zu fest, aber doch ein bisschen damit nix beim nächsten Gießen wegschwimmt) und gieße dann deinen Baum kräftig. Beim Gießen achte darauf ob das Wasser jetzt besser abfließen kann. Wenn ja, dann hast du schon viel gemacht, und das wird die Situation verbessern.

Mach das, und sag dann Bescheid. Ok ? :wink:
Hallo,
habe es versucht. Ging auch ganz gut. Leider fängt jetzt schon wieder an die Oberfläche anzutrocknen und beim Gießen ist die Wasseraufnahme wieder nicht optimal und das Wasser läuft über die Seiten ab :(
Zudem bildet sich schon wieder ein Moosschicht. An was kann das liegen?
Viele Grüße
Lukas
Hallo Lukas,

Bilder sprechen manchmal mehr als 1000 Worte.
Hier die Vorgehensweise.

Als Beispiel habe ich den kleinen Flieder benutzt, den ich vor ein paar Wochen meiner Frau geschenkt habe.
Der steht auch in einem undurchlässigen Substrat (wie bei dir).
Da ich mit den Jahren vorsichtiger geworden bin (von schnell umtopfen & Co halte ich grundsächlich wenig), habe ich auch bei dem kleinen Flieder meiner Frau entschieden ihn dieses Jahr zuerst einmal in Ruhe zu lassen, damit er sich an seine neue Lebensumgebung gewöhnen kann, damit wir auch die Zeit haben zu lernen, was er mag u. was er nicht mag, usw.
Im nächsten Frühjahr wird er dann umgetopft.
Bis dann hat er sich an seine neue Umgebung (anderes Klima, andere Tagestemperaturen, andere Sonnenlichteinstrahlungen, andere Pflege, etc) gewöhnt.
Und bis dann kennen wir ihn auch besser.
Soviel zur kurzen Erklärung.

Nun zur Vorgehensweise :

Zuerst, messe die Höhe deiner Schale. Warum erkläre ich dir gleich.
Also hier : 7 cm.
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Canon_170609_024.jpg (27.79 KiB) 802 mal betrachtet
Dann nimmst du ein Holzspieß (die bekommt man in 50er o. 100er Packung sehr günstig in jeden Geschäft).
Diesen Holzspieß kürtzt du auf etwa die doppelte Länge.
Hier also : ungefähr 14 cm.
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Canon_170609_025.jpg (22.42 KiB) 802 mal betrachtet
Warum ? (jetzt kommt die Erklärung, bzw. es gibt dafür mehr als ein Grund)
Ganz einfach : Holzstäbchen sind zerbrechlich und beim Stichen in die Erde mit einem Holzstäbchen könnte es brechen. Um dieses Risiko zu minimieren braucht man einfach das Holzstäbchen so in die Hand zu nehmen : etwa 2 o. 3 cm über die erste gemessene Länge (hier also : 7 + 2/3 = 9 bis 10 cm). Das Stäbchen schön fest halten (aber auch nicht so fest, daß es direkt bricht!). Und warum das Stäbchen kürzen ? ganz einfach, weil man dadurch verhindert, vielleicht die Zweige o. Blätter die gerade darüber stehen, zu verletzen. :wink:

Als nächstes, nimmst du also dein Holzstäbchen und machst damit viele kleine Löcher in die Erde.
Nicht vergessen (wichtig) : nicht nur 1 o. 2 cm tief, sondern bis du unten am Schalenrand ankommst (du wirst es beim Stichen spüren).
Also hier : bis die 6-7 cm des Stäbchen in die Erde stecken.
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Canon_170609_027.jpg (34.7 KiB) 802 mal betrachtet
Warum bis ganz unten ?
Damit das Wasser und die Luft gut durch die ganze Erde fliessen können.
Damit das überschüssige Wasser durch die Abzugslöcher in der Schale besser abfliessen kann.

Das wiederholst du dann so oft bis ganz viele Löcher in der Erde sind (wie hier vorne auf dem Bild zu sehen sind).
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Canon_170609_028.jpg (47.46 KiB) 794 mal betrachtet
Wenn du viele Löcher gemacht hast, dann gieße dein Baum ausgiebig.
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"Ausgiebig" heisst : sehr lange (nicht nur 2-3 Sekunden), d.h. solange bis viel Wasser unten durch die Abzugslöcher rauskommt :
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Oder hier :
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So, fertig mit der "Arbeit". :wink:

Dann läst du dein Bäumchen erstmal für 2-3 Tage in Ruhe (selbstverständlich regelmässig schauen ! wie es ihm geht).

Je nach Wetterlage u. Wärme gießt du ihn wenn die Erde kurz angetrocknet ist (also nicht "Sahara-mässig-pfurz-trocken", ja :wink:). So Pi mal Daumen, wenn's so schön wie heute bleibt, und dein Baum draussen in voller Sonne steht, in 2 Tagen. Das sage ich jetzt, "Pi mal Daumen", aber DU musst ihn regelmässig beobachten u. dementsprechend entscheiden, wann er wieder gegossen werden sollte.

Wenn dein Bäumchen diese "Stich-Prozedur zur Verbesserung der Wasser- u. Luftdurchlässigkeit der Erde" überstanden hat, müsste er dir in 2 o. 3 Wochen durch neue Treibe danken :
Canon_170609_035.jpg
Canon_170609_035.jpg (21.23 KiB) 801 mal betrachtet
Wenn das bei dir in 2-3 Wochen der Fall ist, dann hast du schon viel gemacht, um die Situation zu verbessern.

Falls du noch Fragen hast o. mein deutsch hier o. da nicht sehr verständlich klang, sag's mir einfach (am besten über PN da ich kaum noch Zeit habe im Forum reinzuschauen).

Mfg,
Thierry
Zuletzt geändert von Thierry am 17.06.2009, 22:01, insgesamt 1-mal geändert.
Viele Grüße,
Thierry

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Thierry
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Re: Umtopfen von Fukientee

Beitrag von Thierry »

Ahja, noch was :

Ich nimm mir jetzt noch ein bisschen Zeit (habe heute Abend keine Lust wieder bis Mitternacht für meine Kunden zu arbeiten...).

Ich weiß nicht mehr, ob du uns gesagt hast, seit wann du dein Bäumchen hast. Es könnte also sein, dass du im Moment noch ein bisschen unsicher bist, wann du dein Bäumchen gießen sollst und du dir die Frage stellst : "Wann soll ich mein Bäumchen gießen ?"

Vielleicht hast du schon mal "kurz antrocknen" gelesen und weißt nicht, was das heissen mag oder du hast vielleicht schon mal gesehen/gelesen, daß hier u. da empfohlen wird, die Erde zwischen zwei Gießen kurz antrocknen zu lassen.

Dann mach ganz einfach folgendes :

:arrow: Nimm dein Bäumchen regelmässig in die Hand um ein Gefühl für sein Gewicht zu bekommen.

Dein Gehirn wird diese Informationen speichern u. das ist sehr nützlich.

Am Anfang, während den ersten Wochen, kannst du ihn auch sicherheitshalber einfach wiegen. Ja, mit einer Küchenwaage ! :wink: Klingt jetzt etwas komisch, aber ich sag dir gleich warum.

Ich erkläre dir das aber am besten (wie auch oben) anhand eines Beispiels :

Nehmen wir noch einmal den kleinen Flieder meiner Frau (den ich schon für das Beispiel oben genommen habe).
Der wiegt im trockenen Zustand (also wenn die Erde trocken ist u. er gegossen werden sollte) etwa 710g.
Nachdem er ausgiebig gegossen wurde, wiegt er dann etwa 890g.

Was ich mache ist ganz einfach :
Jedesmal wo wir einen neuen Baum bekommen (geschenkt, tausch, etc) o. einfach nur kaufen, beobachte ich den frisch-eingetroffenen Baum während den ersten Wochen sehr genau und nehme ihn regelmässig in die Hand. Das dient natürlich zur regelmässigen Kontrolle, ob er nicht von irgendwas befallen ist (Insekten, Pilze, etc), aber auch - und das ist worauf ich hinaus will - das dient dazu, daß ich ein Gefühl für sein Gewicht bekomme (sowohl im trockenen als auch im naßen Zustand). Somit kann ich dann später sehr leicht wissen, wann ich ihn wieder gießen muss.

Dieses Gefühl ist zur täglichen Kontrolle der Bäume sehr nützlich. Und ich mach das mit wirklich fast allen unseren Bäumen, von den Minis (Shohins) meiner Frau bis zu den dicken Yamadoris (die noch in der Aufzuchtplastikschale stehen), auch wenn die teilweise 20 o. 30 Kg schwer sind. Zum Glück habe ich keine die 50 Kg o. mehr schwer sind (das würde mein alter Rücken leider nicht vertragen...). Aber ich denke diese "Monsterbäume" machen sowieso nur ein kleiner Teil aller Bäume aus. Die grösste Mehrheit der Bäume sind nicht so schwer u. können mit einer o. zwei Hände sehr leicht bewegt werden.

Du kannst es also auch mit deinem Bäumchen so machen. Am Anfang, regelmässig in die Hand nehmen (zur allgemeinen Gesundheitskontrolle, aber auch damit du ein Gefühl für sein Gewicht entwickelst). Die Küchenwaage wird dir nur während den ersten 2-3 Wochen nützlich sein (zum Messen des Gewichts im trockenen u. im naßem Zustand), danach wirst du sehen, daß du sehr einfach einschätzen kannst, wann er gegossen werden sollte.

Das mag zwar etwas komisch erscheinen, aber bei Bäumchen die nicht in einem sehr durchlässigen Substrat stehen, und bei denen v.a. am Anfang es nicht immer einfach ist das Gießen zu beherrschen, ist diese sehr einfache Vorgehensweise extrem nützlich (Japanische Meister sagen ja nicht umsonst, daß man mehrere Jahre braucht um das Gießen zu beherrschen...).
Viele Grüße,
Thierry

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Re: Umtopfen von Fukientee

Beitrag von achim73 »

thierry, super anleitung ! darf ich die (etwas angepasst) in die erste hilfe übernehmen ?
Gruss, Achim
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Thierry
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Re: Umtopfen von Fukientee

Beitrag von Thierry »

Hallo Achim,

wenn du möchtest, bzw. solange warten kannst, mache ich dir gerne was "sauberes".

Es könnte halt nur ein bisschen dauern, bis ich die Zeit dafür finde. Aber wenn du möchtest, notiere ich's mir direkt ins Agenda um es nicht zu vergessen.

LG,
Thierry
Viele Grüße,
Thierry

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Re: Umtopfen von Fukientee

Beitrag von achim73 »

du hast dir doch schon genug arbeit gemacht. :)

viel zu tun ist da ja gar nicht mehr . vorschlag : ich mach eine version fertig, und bevor ich sie einstelle, schick ich sie dir nochmal, dann kannst du verbesserungen oder anmerkungen noch unterbringen.
Gruss, Achim
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Re: Umtopfen von Fukientee

Beitrag von Thierry »

Einverstanden. *daumen_new*
Viele Grüße,
Thierry

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Re: Umtopfen von Fukientee

Beitrag von tobitobsen2 »

tipp ist super. habe es gerade bei allen bäumen gemacht. man merkt direkt, wie das wasser besser abläuft. vielen dank. da kann man bücher wälzen und findet solche tipps nicht...
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