Erfahrungsaustausch Bonsaischule/Stilart : "Saika Bonsai"

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
marius
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Re: Erfahrungsaustausch Bonsaischule/Stilart : "Saika Bonsai"

Beitrag von marius »

Spaß dran haben statt Regeln lernen.
jepp. trifft insgesamt des pudels kern an der sache. und woran jeder seinen spass hat, muß jeder für sich entscheiden. mancher freut sich halt jedesmal aufs neue darüber, daß das mit den regeln immer wieder aufs neue funktioniert. (beispiel) :wink:

alles andere lenkt nur ab und dient der unnützen überzeugungsarbeit. entscheidend ist halt der respekt unterschiedlicher meinungen gegenüber.

gruß marius
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eleqsis
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Re: Erfahrungsaustausch Bonsaischule/Stilart : "Saika Bonsai"

Beitrag von eleqsis »

marius hat geschrieben: (...) mancher freut sich halt jedesmal aufs neue darüber, daß das mit den regeln immer wieder aufs neue funktioniert. (...)
Na klar, und wie. Nur wird in Andreas' Kontext plötzlich so klar, was Kaori eigentlich macht.
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kennt und beherrscht sie ja die Reglements. Ich würd mich aber auch im Leben nicht kommentarlos in nen Audi 80 setzen oder mir röhrende Hirsche ins Wohnzimmer hängen, bloß weil meine Familie die seit hundert Jahren so herstellt oder vertreibt.

Für einen 35-jährigen ist Jägermeister das komische Zeug, das in Opas Hausbar im Patronengurt steckte.
Für einen 25-jährigen ist es dank neuer Vermarktung vermutlich ein hippes Lifestyle-Getränk.
marius
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Re: Erfahrungsaustausch Bonsaischule/Stilart : "Saika Bonsai"

Beitrag von marius »

Für einen 35-jährigen ist Jägermeister das komische Zeug, das in Opas Hausbar im Patronengurt steckte.
Für einen 25-jährigen ist es dank neuer Vermarktung vermutlich ein hippes Lifestyle-Getränk.


:wink: wenns beide mögen und zu schätzen wissen, ist ja okay. nur darauf kommt es aus meiner sicht an.

gruß marius
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Bergi
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Re: Erfahrungsaustausch Bonsaischule/Stilart : "Saika Bonsai"

Beitrag von Bergi »

Hallo zusammen,

spannendes Thema, keine Frage.
"Zwei hab ich noch":

(1) Es ist natürlich ziemlich absurd, wenn sich jemand durch Bonsai-Regeln irgendwie gegängelt fühlt. Das sind ja keine Gesetze, sondern einfach Erkenntnisse, wie es gut gelingt und am besten läuft. Zum Beispiel mache ich ja Verjüngung nicht, weil es so geschrieben steht, sondern weil ein gut verjüngter Baum eine Perspektive herstellt und dadurch räumlich eindrucksvoll wirkt.
Wenn mir ein ähnlich gutes Ergebnis ohne Verjüngung gelingt, wenn mein Baum trotz oder gerade wegen gegenüberstehender Äste etc. harmonisch wirkt, wird ja hoffentlich keiner auf die Idee kommen, dennoch auf Regeln zu pochen.
Das ist wie in der Kunst: man eifert alten Meistern nicht nach, weil es alte Meister sind, sondern weil sie es eben drauf hatten. Ich kann natürlich naturalistisch zeichnen, ohne Dürer zu kennen oder mich explizit nach ihm zu richten. Wenn ich ihn aber ablehne, weil es "keinen Spaß mache, so zu zeichnen" und ganz anders naturalistisch zeichnen will, sind das eher die Trauben, die zu sauer sind... Ich kann natürlich stattdessen abstrakt oder stilisiert etc. zeichnen, begebe mich dann aber leicht in einen Raum, in den mir niemand folgen kann (anstatt andere Leute durch meine Kunst zu begeistern). Freilich kann ich meine Querflöte als Schlaginstrument benutzen und daran enorme Freude haben ...

(2) Was mir an den Texten zu Saika nicht gefällt, ist dieses "fun"-Gerede, was unserer kurzlebigen "Spaßgesellschaft" entspricht. Es gibt das auch anderswo, Spaßaquarien, Spaßhunde ... immer geht es darum, den schnellen Kitzel einer Sache auszuschlachten, ohne die mühsameren Seiten zu streifen. Man endet dann bei Aquarium-Bildschirmschonern und Tamagotchis (die dann letztlich für niemanden mehr irgendeinen Wert darstellen und irgendwo vergammeln).

Naja, letztlich bräuchte man wohl einfach mehr Bilder und Beispiele von Saika, um das besser bewerten zu können.

Gruß,
Stefan
"Leoparden brechen in den Tempel ein und saufen die Opferkrüge leer; das wiederholt sich immer wieder; schließlich kann man es vorausberechnen, und es wird ein Teil der Zeremonie." (F. Kafka)
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eleqsis
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Re: Erfahrungsaustausch Bonsaischule/Stilart : "Saika Bonsai"

Beitrag von eleqsis »

marius hat geschrieben:
(...) wenns beide mögen und zu schätzen wissen, ist ja okay. nur darauf kommt es aus meiner sicht an. (...)
Nein, ich mag und schätze das Zeug nicht. Das wollte ich damit sagen. Deine positive Grundhaltung spricht für dich, wenn aber morgen alle Leute das gleiche toll finden, springe ich direkt aus dem Fenster. *z*
____

Daß User eines Bonsaiforums die Regeln dieser Kunst lernen, begreifen und anwenden wollen, steht ausser Frage. Nur Entwicklung gibts nicht dadurch, daß Wiederholtes wiederholt wird. Egal wie gut die Ergebnisse sind.

Tamagochi, Hirschgeweih für Leute die Hirschgeweihe schei**e finden, was immer Saika Bonsai ist, es erzeugt Reibung.
Ich stells mir desshalb nicht hin, steh aber voll auf sowas. Rock'n'Roll.
Constantin

Re: Erfahrungsaustausch Bonsaischule/Stilart : "Saika Bonsai"

Beitrag von Constantin »

Ich finde das sehr erfrischend. Sozusagen eine Mischung aus Kusamono und Bonsai. Wobei man sich fragen muss ob es überhaupt zweckmäßig ist, das alles ohne Überschneidungen voneinander abzugrenzen. Es gibt auch kleine Kiefern als Beisteller. Das beste an dieser Idee finde ich, dass auch sehr junges Material ohne jahrelange Vorbereitung verwendet werden kann, so ähnlich wie es ja auch bei Saikei der Fall ist. Eine spätere Beförderung der Pflanzen zu "richtigen" Bonsai ist ja nicht ausgeschlossen.
marius
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Re: Erfahrungsaustausch Bonsaischule/Stilart : "Saika Bonsai"

Beitrag von marius »

Nein, ich mag und schätze das Zeug nicht. Das wollte ich damit sagen. Deine positive Grundhaltung spricht für dich,
hm, mir ist das eigentlich von jeher recht egal gewesen, wie was heißt oder von wem etwas ist. das ist für mich auch völlig irrelevant. man kann ein gutes ergebnis doch nicht vom jeweiligen namen abhängig machen. bezogen auf bonsai heißt das für halt, gefallen, oder ansprechen muß es. wie man das dannn genau nennt, ist eigntlich nur wichtig, wenn man dem jeweiligen gestalter ' ne frage stellen will. :wink:

wenn man das als positive grundhaltung auslegen will, von mir aus gerne. :roll: :wink:
wenn aber morgen alle Leute das gleiche toll finden, springe ich direkt aus dem Fenster.
viele sind gleicher als sie denken. :wink: *crazy*

gruß marius
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Bergi
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Re: Erfahrungsaustausch Bonsaischule/Stilart : "Saika Bonsai"

Beitrag von Bergi »

Constantin hat geschrieben:Eine spätere Beförderung der Pflanzen zu "richtigen" Bonsai ist ja nicht ausgeschlossen.
Das stimmt, das muss ich einräumen, das ist das Gute an dem Konzept: man erleichtert den Einstieg, indem man schnell auf ein ästhetisch ansprechendes (Zwischen-)Resultat kommt, anstatt jahrelang z.B. nur am Stamm herumzumästen und monströse Opferäste mit drastischen Schnittmaßnahmen abwechseln zu lassen. Gleichzeitig verbaut man sich aber kaum Möglichkeiten für die Zukunft, man macht nichts kaputt.

Wie gesagt, wäre schön, ein paar mehr Beispiele zu sehen, dann diskutiert sich's besser :wink: - hat jemand einen Link?

Gruß,
Stefan
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Bergi
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Re: Erfahrungsaustausch Bonsaischule/Stilart : "Saika Bonsai"

Beitrag von Bergi »

Hallo Elexis,
vielen Dank fürs Raussuchen der Links.

Der Eindruck bleibt dennoch, dass es nicht so seeeehr viel Beispiele/Bilder gibt - vielleicht habe ich mich beim Klicken nicht gut angestellt, aber mehr als ein halbes Dutzend waren das doch nicht, oder?

Dann wurde bei mir der Eindruck der Kurzfristigkeit der Gestaltung noch verstärkt --- eine kunstvoll drapierte Ranke wilder Wein... ja gut, ist natürlich anmutig und elegant, aber wie geht das weiter? Bedeutet Saika: "alle paar Wochen ganz neu anlegen müssen"?

Naja, ich denke, dass weitere Beispiele noch mehr Einsicht in das Konzept bringen werden.

Gruß,
Stefan
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Thierry
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Re: Erfahrungsaustausch Bonsaischule/Stilart : "Saika Bonsai

Beitrag von Thierry »

Ein sehr schöner Itoigawa von Kaori Yamada :

:arrow: http://chelsea.sl.lcomi.ne.jp/archives/ ... 69082.html
Viele Grüße,
Thierry

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