Work from Heidelberg

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Minoru
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Re: Work from Heidelberg

Beitrag von Minoru »

Hallo,
vielen Dank für die schönen Kommentare. Ich freue mich sehr über das große Interesse. :-)

Lieber Norbert, ich möchte dem erscheinenden Artikel nicht zu viel vorweg nehmen, aber vielleicht kann ich sagen, dass die Gestaltung eines Bonsai nicht in erster Linie eine intellektuelle Leistung ist, deren Ergebnis man immer auf Überlegungen zurückführen kann.
Vielleicht darf ich ganz allgemein und kurz sagen:

Man kann sich bei der klassischen Bonsaigestaltungen natürlich, nach gegeben Gesetzmäßigkeiten und Gestaltungsempfehlungen richten.
Oft aber ist es durch die Vorgabe der Natur, in dem Fall des Yamadoris, nur begrenzt auf den Baum umsetzbar. Daher sollte man sich
durchaus auch vom Bauchgefühl leiten lassen. Ob man dann im Rahmen der vom menschgemachten Gesetztmäßigkeiten (Goldener Schnitt,
Gesetzmäßigkeit der Prägnanztendenz usw....) liegt ist zweitrangig, die Natur richtet sich auch nicht danach. Hauptsache es gefällt *daumen_new*

Bei der Kiefer sind die Proportionen noch nicht so wie Sie sein sollen, die Gewichtung der Äste und Ihr "Spiel" untereinander stimmt noch nicht, vielleicht wird die Antwort auch mit der Zeit klarer.

Ich hoffe das hilft Dir ein wenig weiter und bitte verzeih, falls die Ausführungen unbefriedigend für dich sein sollten.

Meinen Dank auch an alle, die meinen Bonsai Weg mitverfolgen. Ich freue mich sehr auf Italien und werde gern berichten.

Anbei möchte ich noch einen Baum vorstellen, mit all den üblichen Unzulänglichkeiten, die ein Baum nach der Erstgestaltung noch hat. Es gibt viel zu ändern, ergänzen und zu verfeinern. Diese Kiefer braucht noch mindestens 3 Jahre bis Sie halbwegs "fertig" ist, aber ein erster Schritt ist getan.

Mit Dank und Vielen Grüßen.

Bis Bald, euer Michael
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Foto: Bernd Siebold
Foto: Bernd Siebold
Bonsai_cropped_HVweb.jpg (138.69 KiB) 1554 mal betrachtet
Chris1971
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Re: Work from Heidelberg

Beitrag von Chris1971 »

Man kann sich bei der klassischen Bonsaigestaltungen natürlich, nach gegeben Gesetzmäßigkeiten und Gestaltungsempfehlungen richten.
Oft aber ist es durch die Vorgabe der Natur, in dem Fall des Yamadoris, nur begrenzt auf den Baum umsetzbar. Daher sollte man sich
durchaus auch vom Bauchgefühl leiten lassen. Ob man dann im Rahmen der vom menschgemachten Gesetztmäßigkeiten (Goldener Schnitt,
Gesetzmäßigkeit der Prägnanztendenz usw....) liegt ist zweitrangig, die Natur richtet sich auch nicht danach. Hauptsache es gefällt
Hallo Michael,
ganz meiner Meinung ! Deshalb betreib ich dieses Hobby, weil es mir gefällt und Spass macht ! :-D

Die Kiefer ist mal wieder ein Beweis deines Könnens und auch sehr professionell abgelichtet von Bernd ! Da muss ich noch viel üben....

Ich wünsch dir für den 1.-2. Oktoker viel Spass in Italien und bin jetzt schon auf Bilder gespannt.

Wir sehen uns am 16.10. Freu mich jetzt schon auf den nächsten Workshop mit dir ! *dance*

Gruss

Chris
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Norbert_S
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Re: Work from Heidelberg

Beitrag von Norbert_S »

Lieber Michael

Danke für deine Erklärungen, die keinesfalls für mich unbefriedigend sind, treffen sie doch den Kern meiner Überlegungen und Gefühle.
Norbert

So wie du bist, so sind auch deine Gebäude
Sullivan, 1924
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Minoru
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Re: Work from Heidelberg

Beitrag von Minoru »

Hallo Forum, Chris und Norbert, vielen Dank - Ich freue mich sehr über eure Kommentare und möchte auch gleich einmal das nächste spannende Projekt vorstellen.

Diesen Wacholder konnte ich diesen Sommer von Farrand Bloch übernehmen. Es ist ein schöner alter Baum mit Bonsai Geschichte. Er wurde einst von Farrand im alten Ginkgo Bonsai Center in Belgien gekauft, gestaltet und auf dem Ginkgo Award (1999 oder 1997) ausgestellt. Damals hatte er eine ganz andere Form - wesentlich weniger Grün und war in einer runden Nanbanschale ausgestellt.
Im Letzten Jahr wurde er von Peter Warren überarbeitet, bis ich ihn dann diesen Sommer in dem abgebildeten Zustand übernahm.
Das Potential des Baumes war nach wie vor groß, doch befand sich das Grün des Wacholders komplett auf der Rückseite, wie auf den Fotos von der Seite gut zu erkennen ist.
Es war klar, dass ein paar "holzbrecherrische" Aktionen nötig sein werden, um das Grün von links nach rechts und von hinten wieder nach vorn zu holen.
Proportionen und Reife des Baumes haben nach dieser erneuten "Erstgestaltung" noch einen langen Weg vor sich. Schöner wird der Baum aber für mein empfinden sicher, wenn das Grün den spektakulären Stamm mehr umhüllt.
Ich würde mich sehr freuen, wenn der Baum in 2 - 3 Jahren wieder einmal gut genug für eine namhafte internationale Ausstellung wie die Noelanders Trophy wird, auch wenn er da nie "ganz ganz oben" mitspielen kann.

Ein Schönes Abluss Studiofoto (und natürlich alle anderen Fotos der Gestaltung) von Bernd gibt es mit der neuen Schale zur Veröffentlichung :-)

Mit Dank und vielen Grüßen
Euer Michael
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Linke Seite<br />Foto: Farrand Bloch
Linke Seite
Foto: Farrand Bloch
webshopbf11-4-5.jpg (154.41 KiB) 1338 mal betrachtet
Rückseite<br />Foto: Farrand Bloch
Rückseite
Foto: Farrand Bloch
webshopbf11-4-6.jpg (155.85 KiB) 1338 mal betrachtet
Rechte Seite<br />Foto: Farrand Bloch
Rechte Seite
Foto: Farrand Bloch
webshopbf11-4-7.jpg (142.56 KiB) 1338 mal betrachtet
Vorderseite<br />Foto: Farrand Bloch
Vorderseite
Foto: Farrand Bloch
webshopbf11-4-4-.jpg (156.85 KiB) 1338 mal betrachtet
Foto: Michael Tran
Foto: Michael Tran
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neognom
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Re: Work from Heidelberg

Beitrag von neognom »

Geiles Teil! *daumen_new*
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Thierry
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Re: Work from Heidelberg

Beitrag von Thierry »

Hallo Michael,

danke, dass du wieder eine deiner Gestaltungen mit uns teilst.

Du hast dir einen schönen Baum zugelegt. Gratuliere.
Der Baum scheint etwas vernachlässigt gewesen zu sein. Das ist aber nichts aussergewöhnliches. Ist öfters der Fall, als man denkt. Und v.a. Bäume mit Potential die etwas vernachlässigt wurden sind dann manchmal echte "Schnäppchen". ;-)

Jetzt, was die Technik angeht :

Die Äste zu drahten um ihnen eine optimale Stellung zu Sonne zu verschaffen, damit direkte Sonne auch auf die im inneren Kronenbereich liegenden Äste treffen kann, war notwendig, und hast du sehr gut gemacht. *daumen_new*
Drahten kannst du ja.
Und das Abbrechen vom Totholz oben ist dir recht gut gelungen - aus einem technischen Standpunkt meine ich, der grafische Standpunkt dieses Entfernens ist was anders (siehe unten).
Beim Jinmittel warst du wieder ein bisschen zu grosszügig - wie bei deinen anderen Gestaltungen. ;-)
Wenn du ein bisschen schwarze Farbe/Tinte beimischst, erscheint es nicht so schneeweiss, sondern weiss-grau und sieht viel natürlicher aus.

Jetzt, was die Gestaltung angeht :

Mein Bauchgefühl heute morgen (als ich deine Bilder ein erstes mal betrachtet habe) war: aus dem Material hätte man mehr rausholen können, die neue Gestaltung ist mir zu "jungfräulich", zu "entschärft", weniger interessant. Mein Auge bleibt nicht mehr da hängen wo früher visuelle Anziehungspunkte waren.

Die drei Punkte, die mir heute morgen direkt ins Auge gefallen sind, sind :
Juniperus_Michael_1b.jpg
Juniperus_Michael_1b.jpg (111.96 KiB) 1212 mal betrachtet
Danach fragte ich mich: "wieso sagt mir mein Bauchgefühl sowas?"
Natürlich kann man einfach sagen ob einem der Baum gefällt oder nicht, ohne zu suchen warum.
Hingegen, für einen Amateur der versucht die Qualität seiner Bäume zu verbessern, ist es wichtig auch den "ästhetischen Aufbau" eines Bonsai zu entschlüsseln.
Also habe ich das versucht.
Ich wollte wissen, wieso mir mein Bauchgefühl das heute morgen sagte.

- Das Gleichgewicht & die Asymetrie :
Juniperus_Michael_2b.jpg
Das neue Gleichgewicht ist nicht statisch: Krone u. Wipfel befinden sich nicht vertikal über dem Nebari, sondern wurde nach rechts verlagert (gelbe Linie). Der Baum ist jetzt asymetrisch.

Persönliche Meinung:
Die Idee finde ich nicht schlecht, weil der Baum nicht auf die rechte Seite zu kippen scheint, da der starke untere Bereich links diesen Kippen-Effekt kompensiert. Allerdings hätte ich (!) das Gleichgewicht nicht so stark nach rechts verlagert. Und v.a. hätte ich den rechten Jin nicht entfernt, sondern versucht ihn in die neue Gestaltung mit zu integrieren.
Der rechte Jin hätte die Asymetrie der neuen Krone sogar unterstützt.

- Der Impuls bzw. der Energiefluss des Baumes :

Vorher war der Impuls dieses Baumes wie eine "komprimierte Feder", die bereit ist, sich zu entspannen und ihre ganze Energie loszulassen (dieser visuelle Effekt der "energieaufgeladenen Feder" erreicht man u.a. mit der geschwungenen Bewegung der Saftbahn und das Stammes, aber v.a. auch mit den Jins).

Die Jins waren visuelle Punkte, an denen das Auge des Betrachters hingen blieb.
Spitzen und Bruchstellen (wie in diesem Fall der schwungvolle Ten-Jin, und der rechte Jin) waren grafische Unterbrechungen, welche die grafische Kraft der Gestaltung erhöhten.
Juniperus_Michael_1e.jpg
Juniperus_Michael_1e.jpg (109.3 KiB) 1212 mal betrachtet
Jetzt, durch das Entfernen des Ten-Jins (und des rechten Jins), wurde dieser energische Impuls deutlich entschärft.

Der Baum erscheint jetzt etwas "langweilig"/eintönig in seiner Bewegung : der neue "Energiefluss" des Baumes geht nur noch in Himmelsrichtung nach oben rechts. Jetzt geht das Betrachterauge nur noch von unten (vom Nebari aus), die Kurve des Stammes folgend, nach oben rechts.
Das Betrachterauge bleibt nicht mehr so lange hängen.
Juniperus_Michael_2c.jpg
Früher blieb das Auge vom Betrachter u.a. an den Jins u. am Ten-Jin hängen.
Und die Fliessrichtung (Energiefluss) des Baumes war dynamischer (wie eine Feder).
Jetzt ist die Fliessrichtung extrem entschärft geworden, und der Baum sieht insgesamt sehr "jüngfräulich" aus.

Selbstverständlich sind meine Kommentare relativ.
Denn insgesamt hast du schon eine gute und sehenswerte Gestaltung gemacht. *daumen_new*
Und zweidimensional geht sowas sowieso nicht so gut wie wenn man vor dem Baum sitzt...

LG,

Thierry
Viele Grüße,
Thierry

"A juniper without jin is like a dog without fleas : not natural..." - John Naka
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Heike_vG
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Re: Work from Heidelberg

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Michael,

mir geht es da ein bisschen wie Thierry, die Jinverzweigungen an der Spitze vermisse ich auch, ein wenig kürzen hätte nichts geschadet, aber ganz weggenommen hätte ich sie auch nicht.
Ansonsten finde ich die Gestaltung klasse! Die Kronenform finde ich sehr schön und den Verlauf der Saftbahn, das durchbrochene feine Totholz ebenso.
Und ich muss sagen, bei diesen Wacholdern mag ich auch knallweißes Totholz, denn der Dreiklang aus rotbrauner Rinde, saftiggrünem Laub und und weißem Totholz ist für mich einfach ein Hit, Natürlichkeit hin oder her. :lol:

Liebe Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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Minoru
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Re: Work from Heidelberg

Beitrag von Minoru »

Hallo,
vielen Dank für die Anregungen. Das ist sehr interessant, denn als ich den Baum zuerst gestaltet habe blieben die oberen Jins genau wie sie waren.
Ich gestaltete nur die Krone. Sie muss genau so rechtslastig sein, um die Bewegung des Stammes zu betonen. Das besondere dieser Kronengestaltung ist, dass die Krone mit zwei charakteristischen, richtungsweisenden Ästen arbeitet. Dein rechter Punkt in der Zeichnung "Gleichgewicht & Assymetrie" müsste daher eigentlich etwas nach links und nach unten (zwischen die Beiden Äste). Dadurch kommt man rein zeichnerisch und theoretisch zu nochmehr rechtslastigkeit, die durch den langen hängenden Ast verursacht wird. Ich weiß, das gefällt dir sicher noch weniger.

Die Gestaltung ist schon ca. 2 Monate alt und in dieser Zeit habe ich den Baum immer wieder angesehen und mit jedem mal den ich den Baum anschaute wurde mir klar, dass die Jins kürzer sein müssten. Im allgemeinen finde ich es schlüssiger wenn tote Teile des Baumes nicht genau in die selbe Richtung zeigen, wie die Lebenden Teile. (Natürlich gibt es auch einige Bäume bei denen gerade das den Reiz ausmacht)
Wie auch immer, bei diesem Wacholder aber bin ich anderer Meinung, vor allem auch weil gerade dieser rechte (breite) jin der Krone das Licht nahm.
Diesen reduzierte ich zuerst... in mehreren Etappen wurde der Jin immer kürzer, bis der Entschluss kam (nach abermaliger betrachtung) ihn komplett zu entfernen und damit den Stamm nach oben hin zu verjüngen.

Ich habe unten auch nochmal ein Bild wo zumindest der linke Jin noch dran ist, der mit der Zeit auch immer kürzer wurde bis er ganz verschwand. Der Baum wird durch das Totholz nach oben hin in die Länge gezogen der Focus auf das detailreiche Shari verschwimmt. Es entsteht eine Konkurrenz zwischen den Attraktionen des Stammes und des weit nach oben, nach links (und nach rechts) auslaufenden Jins.

So wie er jetzt ist, vermisse ich persönlich nichts, das Auge kann nun frei den Baum entlang gleiten, ohne Irrwege nach links und rechts. Er ist kompakter und die detailreiche kompakte Krone umspielt das Stammshari. Der Stamm ansich bietet soviele Details (die vermutlich in meinem schlechten Foto etwas untergehen) in seinen geteilten Saftbahnen und dem spektakulären, gezeichneten alten Totholz, dass es nicht auch noch verspielter Jins bedarf, die sowohl nach Links als auch nach rechts auslaufen und das Auge des Betrachtes von dem Ablenken, was eigentlich schön an dem Baum ist. Das ist die Meinung, zu der ich nach langer Betrachtung der Gestaltung kam. Vielleich kann das ja der ein oder andere Nachempfinden.

P.S.: Was die "Weiße" des Totholzes angeht, ist dies wohl sicher Geschmackssache. Ich mag es bei solchen Wacholdern weiß, da es hier von vorne herein nicht um Natürlichkeit geht, vielmehr betonen wir eine gewisse Übernatürlichkeit des Baumes als Bonsaiskulptur in der Schale - eben wie Heike sagt, aber falls Du es nicht nicht so weiß magst, mische dem jinmittel doch lieber statt der Tinte oder der Schwarzen Farbe, etwas Kohlestaub bei, das funktioniert für mich besser *daumen_new*
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P1070242-.jpg
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Norbert_S
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Re: Work from Heidelberg

Beitrag von Norbert_S »

Lieber Michael

Ist es nicht schön, wie kontrovers und doch bereichernd man diesen Baum diskutieren und empfinden kann?

Für mich ist es ein Genuss, diesen Baum zu betrachten.

Seine kräftige, anfangs geschlossene Saftbahn, die sich aber schon nach der ersten Windung in drei verbundene kraftvolle Muskelstränge verbreitert, die unbändige Kraft suggerieren. Das durchbrochene Totholz, das so gar nicht tot wirkt sondern durch seine lebendige Gestaltung geradezu stolz zeigt, wie ungezwungen fast spielerisch es seine statische Aufgabe erfüllt.
Da ist kein Augenblick der Langeweile, neue Bewegungen, kraftvoll am Start und dann langsam auslaufend immer steiler Höhe gewinnend. Das Grün empfängt das Auge und führt es im bekannten Rhythmus des Stammes wieder abwärts. Nichts ist zu viel, der Ten-Jin nicht zu lang um das Auge aus dem Bild zu führen, weist nur die Richtung zu dem, was vorher einmal war.

Raum ist genug für eigene Vorlieben, da hätte - wie gelesen - mancher etwas anders gemacht. Das spricht für den Baum, hat er doch viel in sich.
Für mich ist er genau so richtig.
Den hätte ich gern in meinem Garten und würde mich in seiner Betrachtung auf weite Reisen begeben.
Norbert

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Re: Work from Heidelberg

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Michael,

vielen Dank für Deine ausführlichen Erklärungen! Es macht mir viel Freude, Deine Gedanken und Entscheidungen nachvollziehen zu können.

Liebe Grüße,

Heike
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Re: Work from Heidelberg

Beitrag von Minoru »

Liebe Heike, Lieber Norbert, vielen Dank für die freundlichen Worte. Ich freue mich sehr über das Interesse und Diskussionen Auf Augenhöhe.
Dafür ist das Forum da und bevor es nach Italien geht, möchte ich noch kurz das "Rollbild" vorstellen.
Es ist eigentlich kein Rollbild, nicht typisch japanisch, aber ich finde es passt dennoch irgendwie gut zu Bonsai. Es ist nicht aufdringlich und lädt zur Betrachtung ein. Seine hohe suggestivkraft entfaltet es erst bei genauerem hinsehen, in dem sich interessante Details erschließen und Perspektiven ändern - wie bei Bonsai eben *daumen_new* . Gezeichnet hat es mein Freund Rüdiger.

mit ganz herzlichen Grüßen,
euer Michael
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Re: Work from Heidelberg

Beitrag von Thierry »

Hallo Michael,

danke für deine nachträglichen Erklärungen.
Minoru hat geschrieben:Ich weiß, das gefällt dir sicher noch weniger.
Nee nee, das ist schon i.O. so!
Deine Entscheidung ist nachvollziehbar - sprich: worauf du dich bei dieser Gestaltung konzentrieren wolltest.
Es gibt ja so viele Wege wie man einen solchen Baum gestalten kann.
Und sowieso muss es v.a. DIR gefallen, nicht mir. ;-)

Die Sache mit dem Kohlenstaub habe ich schon öfters gehört, aber noch nie probiert.
Werde ich mal machen.

Alles Gute für Italien. Wird bestimmt schön mit Mauro & Co.
Wenn's dir nichts ausmacht, stelle ich hier Bilder von vor 2 Jahren ein :
http://master-bonsai.com/forum/showthread.php?t=965

LG,
Thierry
Viele Grüße,
Thierry

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neognom
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Re: Work from Heidelberg

Beitrag von neognom »

*daumen_new*
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Re: Work from Heidelberg

Beitrag von Minoru »

Hallo Forum,
anbei die ersten Bilder meiner Italienreise. Obwohl ich dadurch nicht nach Ratingen kommen konnte war es ein tolles Wochenende.
Da es recht viele Bilder sind, lade ich Sie nach und nach hoch. Etwas mehr Bilder habe ich im Blog. Bis später
Michael

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neognom
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Re: Work from Heidelberg

Beitrag von neognom »

*daumen_new*
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