Wie, einen Wacholder richtig zupfen ?

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Bonsai-san
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Wie, einen Wacholder richtig zupfen ?

Beitrag von Bonsai-san »

Hallo Bonsai Freunde, nun habe ich einen Chinesischen Wacholder unter meiner Obhut und habe auch schon einiges über die Pflege gelesen. Nur eine Frage bezüglich des Rückschnitt bzw richtigen Zupfen mit den Fingern beschäftigt mich noch, da sie für mich nicht zu 100% nachvollziehbar ist. Es ist jetzt Herbst/Winterzeit und werde es wohl dieses Jahr nicht mehr anwenden müssen, aber die Frage steht dennoch im Freien Raum.

Wo zupfe ich nun genau zum richtigen Zeitpunkt um den Wacholder in Form zu halten? :oops:
Und eine Frage zum Draht der an meinem Wacholder an verschiedenen Ästen und Zweigen angelegt ist beschäftigt mich auch noch.

Kann bzw muss ich ihn nicht jetzt zur Kalten Jahreszeit entfernen?. Habe gelesen das die Kälte vom Draht nicht so toll währe da die Kälte auf die Lebenden Partien weiter geleitet würde und so dem Bonsai schädigen könnten. Ist das nun richtig oder Falsch ?.

Danke schon mal.
Armin
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Armin
Eva Warthemann
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Re: Wie, einen Wacholder richtig zupfen ?

Beitrag von Eva Warthemann »

Hallo Armin,
ich hab es mal versucht zu zeichnen.
Man nimmt zwischen Daumen und Zeigefinger ein Büschel Laub und zupft das darüberstehende ab.
Hoffentlich klappt es mit dem Bild.
Ich lasse den Draht dran.
Liebe Grüße Eva Warthemann
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Zupfende Hand.JPG
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bock
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Re: Wie, einen Wacholder richtig zupfen ?

Beitrag von bock »

Bonsai-san hat geschrieben:...
Und eine Frage zum Draht der an meinem Wacholder an verschiedenen Ästen und Zweigen angelegt ist beschäftigt mich auch noch.

Kann bzw muss ich ihn nicht jetzt zur Kalten Jahreszeit entfernen?. Habe gelesen das die Kälte vom Draht nicht so toll währe da die Kälte auf die Lebenden Partien weiter geleitet würde und so dem Bonsai schädigen könnten. Ist das nun richtig oder Falsch ?.

Danke schon mal.
Armin
Hallo Armin,
es ist schon richtig, dass Metalle Wärme gut leiten, und Kupfer ganz besonders gut.
Aber was passiert im Winter mit der Wärme im Stamm und in den Ästen? Obwohl die Borke eine gewisse Isolation darstellt (besonders bei Korkeichen :wink: ) nimmt der Stamm auch im Inneren recht bald Umgebungstemperatur an, da unter 5°C praktisch keine Wärme mehr durch Stoffwechselprozesse entsteht (@ Ulf und Co.: möchte hier nicht für alle Pflanzen sprechen, weil Schneeglöckchen, Krokusse und andere sicher auch unter 5°C nennenswerten Stoffwechsel betreiben *engel* ). Wenn aber die Holztemperatur gleich der Umgebungstemperatur ist, kann das Kupfer keine Wärme wohin auch immer leiten - es fehlt das Temperaturgefälle.
Wenn du hingegen im Hochsommer einen gedrahteten Wacholder in die Tiefkühltruhe stellst, können seine Zellen schneller durch Eiskristallbildung geschädigt werden als die Zellen eines ungedrahteten Wacholders gleichen Kalibers. Würd ich aber lieber nicht ausprobieren... :roll:
liebe Grüße Andreas
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achim73
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Re: Wie, einen Wacholder richtig zupfen ?

Beitrag von achim73 »

das mit dem draht ist ja weitverbreitet. wird also irgendeinen effekt haben. ich spekuliere ja, dass das evtl mit mikroverletzungen der rinde oder gestörtem saftfluss zu tun hat, die sich im winter negativ auswirken. denn wie andreas schon schreibt, mit der vielbeschworenen wärmeleitung kann es nichts zu tun haben.
Gruss, Achim
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Heike_vG
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Re: Wie, einen Wacholder richtig zupfen ?

Beitrag von Heike_vG »

Hallo, Ihr Lieben,

sicherlich ist hier zu unterscheiden, ob man im Winter neu drahtet und daher auch biegt und die von Achim erwähnten Mikroverletzungen frisch verursacht, oder ob Draht am Baum ist, der bereits vor Monaten angelegt wurde.
Wenn z.B. der Draht schon die ganze Wachstumssaison dran war, werden sich die kleinen Rindenrisse längst geschlossen haben. Bei vielen Baumarten ist die Form aber nach einigen Monaten trotzdem noch nicht stabil und wenn der Draht noch nicht einschneidet, gibt es keinen Grund, ihn über den Winter abzunehmen, nur wegen irgendwelcher Kälteleitungseffekte.
An vielen Nadelbäumen z.B. bleiben die Drähte manchmal bis zu mehreren Jahren dran, ehe sie entfernt werden.

Wenn man sich entschließt, einem Baum im Winter eine Gestaltung mit stärkeren Biegungen zuzumuten, dann sollte man wissen, was man tut und wie man seinen Baum geschützt überwintert. :wink:

Viele Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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Thierry
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Re: Wie, einen Wacholder richtig zupfen ?

Beitrag von Thierry »

Heike_vG hat geschrieben:Bei vielen Baumarten ist die Form aber nach einigen Monaten trotzdem noch nicht stabil und wenn der Draht noch nicht einschneidet, gibt es keinen Grund, ihn über den Winter abzunehmen, nur wegen irgendwelcher Kälteleitungseffekte.
An vielen Nadelbäumen z.B. bleiben die Drähte manchmal bis zu mehreren Jahren dran, ehe sie entfernt werden.
Wenn man verhindern möchte, daß der Draht in die Rinde eindringt gibt's auch eine relativ einfache (aber etwas aufwendige/zeitraubende...) Möglichkeit :

Einfach entdrahten und umgekehrt neudrahten. :wink:

LG,

Thierry
Viele Grüße,
Thierry

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jupp

Re: Wie, einen Wacholder richtig zupfen ?

Beitrag von jupp »

Hallo Armin
Eva hat Dir ein schönes Bild gemalt und über den Draht am Baum ist auch schon vieles gesagt. Hast Du diese Arbeit mit dem Auslichten und zupfen noch nicht selbst gemacht, solltest Du einen Workshop besuchen, bei dem das richtig vermittelt wird. Schau Dich mal in Deiner Umgebung um, da gibt es bestimmt etwas und Du lernst es am Objekt. Da gehört manchmal etwas Mut dazu, richtig auszulichten.
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Bonsai-san
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Re: Wie, einen Wacholder richtig zupfen ?

Beitrag von Bonsai-san »

Hallo zusammen, vielen Dank für die Detaillierten Antworten. Die Zeichnung von Eva ist echt super und hat mir sehr geholfen, vielen Dank an dieser Stelle für deine besondere Mühe. Dabei wird dann nur das ´´Frische Grün´ gezupft nehme ich an :?: Eben so vielen Dank an alle anderen die mir hier eine Antwort geschrieben haben.
Also den Wacholder habe ich erst seit 7 Wochen und er war auch schon gedrahtet. Darum wusste ich nun nicht wirklich ob ich den Draht über den Winter dran lassen kann.Ich war der Meinung irgend wo in den Weiten des INTERNET gelesen zu haben das es manche Leute vorziehen ihren Draht über den Winter zu entfernen. Gestaltungen habe ich selbstverständlich für dieses Rest Jahr nicht mehr vorgesehen. Es ist auch mein erster ´Chinesischer Wacholder´ und bin in Sachen Koniferen bzw Bonsai noch ziemlich unwissend :oops: .
@Heike_vg: Ansonsten Denke ich das ich auf den Winter bzw die Überwinterung schon gut Bescheid weiß. So habe ich mir schon eine schöne Weinkiste mit Styropor ausgekleidet und werde sie demnächst mit Torf befüllen um darin meine Bonsai einzubetten.
@jupp:Ich habe mich schon für einen Anfänger Workshop für das kommende Frühjahr in meiner Umgebung angemeldet. Nur hat mich eben diese Frage bezüglich des Zupfens brennend interessiert und ich wollte mit der Auflösung meiner Frage nicht bis nächstes Jahr warten, da ich ja etwas Grundwissen auch mit in den Workshop nehmen will *nenene*

Also noch mal vielen Dank euch allen.

Armin
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Armin
Eva Warthemann
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Re: Wie, einen Wacholder richtig zupfen ?

Beitrag von Eva Warthemann »

Dabei wird dann nur das ´´Frische Grün´ gezupft nehme ich an

Hallo Armin!
Das Zupfen ist nicht besonders schwer.
Es wird nur das überstehende Laub gezupft. Es kann dabei notwendig sein ,das auch Grün vom Vorjahr gezupft werden muß. Es geht darum das Laub zu entfernen, welches übermäßig herausragt, um schöne gleichmäßige Polster zu erreichen.
Mit etwas Übung kann das jeder erlernen. Ich habe dafür auch keinen Workshop besuchen müssen. :lol:
Liebe Grüße Eva Warthemann
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Nicsn
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Re: Wie, einen Wacholder richtig zupfen ?

Beitrag von Nicsn »

Also die obere Zeichnung mit der schönen Hand ist bemerkenswert. :shock:
Und sowas auch noch 'wahrscheinlich' mit Paint hinzubekommen - super.

Da war aber mehr als ein Paint-Workshop notwendig.. :mrgreen:
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Bonsai-san
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Re: Wie, einen Wacholder richtig zupfen ?

Beitrag von Bonsai-san »

Hallo Eva, jetzt habe ich es auch ohne Workshop verstanden. Super klasse gemacht. Und noch mal vielen vielen Dank für deine Bemühung.

Armin
Liebe Grüße aus Baden-Württemberg

Armin
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sulrich
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Re: Wie, einen Wacholder richtig zupfen ?

Beitrag von sulrich »

Hallo,

eine andere Technik wird von Martin Sturm propagiert, wo man insbesondere das schwache "Strukturlaub" entfernt und die wüchsigen Spitzen stark zurückschneidet. Kann man in der aktuellen Bonsai-Art und in Bonsai-Art 80 nachlesen.
Viele Grüße,
Stefan

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Eva Warthemann
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Re: Wie, einen Wacholder richtig zupfen ?

Beitrag von Eva Warthemann »

Also die obere Zeichnung mit der schönen Hand ist bemerkenswert.
Und sowas auch noch 'wahrscheinlich' mit Paint hinzubekommen - super.

Da war aber mehr als ein Paint-Workshop notwendig..
Nicsn


Hallo Nic!
Danke für Dein Kompliment.
Es ist tatsächlich mit Paint gezeichnet und es macht mir Spass.
Mit einem Stift zeichnen konnte ich schon immer, ich mußte mich nur an das Zeichnen mit der Maus gewöhnen und das ich beim Zeichnen nicht auf meine Hand schauen kann, sondern auf den Bildschirm schauen muß. :lol:
Es gehört nur etwas Übung dazu und benötigt keinen Paint-Workshop.
Liebe Grüße Eva Warthemann
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Thierry
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Re: Wie, einen Wacholder richtig zupfen ?

Beitrag von Thierry »

Hallo Eva,

Das hast du nur mit der Maus am PC gemacht ???
Mamamia...
Sehr beeindruckend !

LG,

Thierry
Viele Grüße,
Thierry

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Re: Wie, einen Wacholder richtig zupfen ?

Beitrag von Eva Warthemann »

Ja, Thierry,
alles wird nur mit der Maus von mir gezeichnet. Es ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber es geht.
Eva Warthemann
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