Ginkgo schneiden

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runger
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Ginkgo schneiden

Beitrag von runger »

Hallo,

mein Ginkgo hat dieses Jahr sehr spät ausgetrieben, und dann nur Kurztriebe ausgebildet.
Ich habe mich schon oft gefragt, ob das überhaupt ein Ginkgo ist.
Der Habitus der Ginkgos die ich kenne sieht etwas anders aus. Das Blattbild spricht allerdings dafür.
Nun frage ich die Experten, wie ich ihn im Frühjahr denn schneiden könnte.
Wie ich schon gelesen habe ist das bei diesem Baum nicht ganz unproblematisch,
da Schnittwunden schwer verheilen und man nicht ganz auf den Stamm zurückschneiden soll.
Wer kann mir weiterhelfen?
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marius
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Re: Ginkgo schneiden

Beitrag von marius »

eigentlich ist es für einen ginkgo eher normal kaum langtriebe auszubilden. will man das erreichen, muß oder sollte man regelmäßig auf ein, zwei knospen zurückschneiden. mache ich zumindest mit meinem und der schiebt dann meist nur langtriebe an allen fronten.

die schnittwunden sollten dann auch kein problem darstellen, solange man die neuen langtriebe im herbst immer wieder zurücknimmt.

bezogen auf deinen baum mußt du halt schauen, wie du dir gestaltung weiterhin vorstellst - in welche richtung du gehen willst.

(allerdings sollte man bedenken, daß eine ginkgogestaltung nicht mit den gestaltungen von "normalen" laub oder nadelgehölzen zu vergleichen ist. solch eine aststrucktur wie zb. bei einer lärche oder einer buche ist mit einem ginkgo nicht zu erreichen! dessen sollte man sich bewußt sein.)

gruß marius

zusatz: sollte dein ginkgo, warum auch immer, mal sehr früh austreiben, kann man auch einen blattschnitt durchführen. meist legt der ginkgo den neuaustrieb dann auch als langtriebe an. ist aber fast unmöglich, wenn man ihn drausen überwintert!)
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Heike_vG
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Re: Ginkgo schneiden

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Runger,

Dein Ginkgo ist wahrscheinlich die zurzeit recht populäre Sorte "Marijken", die sehr kugelig und buschig wächst, mit leicht gekräuselten Blättern. Die Sorte wird auf normalen Ginkgo veredelt Bei Deinem meine ich auf dem Foto auch eine Veredelungsstelle zu sehen.

Bei meinem Ginkgo, den ich schon viele Jahre habe (er ist nicht veredelt), habe ich auch etliche Jahre erlebt, wo es mit den Langtrieben nicht so recht klappen wollte.
Inzwischen habe ich herausgefunden, dass die Verabreichung von stickstoffreichem Grünpflanzendünger im Frühjahr, wenn sich die ersten kleinen grünen Zipfelchen aus den Knospen schieben, die Bildung von Langtrieben sehr fördert.
Bei mir bekommt der Ginkgo inzwischen über die ganze Saison wöchentlich diesen Dünger. Jetzt kann ich zuverlässig mit Langtrieben rechnen.
Allzu starke Wurzelschnitte hat der Ginkgo nicht gern, darauf kann er auch mit der Verweigerung von Langtrieben reagieren. Andererseits kommt es ähnlich, wenn er zu lange ohne Umtopfen in seiner Schale steht. Da möchte er feinfühlig gemanagt werden. :wink:

Was Marius schreibt, ständig stark zurückschneiden, bremst den Ginkgo meiner Erfahrung nach eher noch mehr. Blattschnitt und drinnen überwintern würden mir beim Ginkgo nicht in den Sinn kommen. *konfus*

Viele Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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marius
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Re: Ginkgo schneiden

Beitrag von marius »

Was Marius schreibt, ständig stark zurückschneiden, bremst den Ginkgo meiner Erfahrung nach eher noch mehr. Blattschnitt und drinnen überwintern würden mir beim Ginkgo nicht in den Sinn kommen.
um gottes willen, würde mir auch nicht einfallen. bin doch jetzt schon ein kleines stück erfahren genug dafür.

zum ersten: ich habe jetzt drei jahre lang einen kleinen ginkgo in pflege oder aufbau und dessen neuaustrieb schneide ich immer im herbst auf zwei knospen zurück. bisher hat er im darauf folgendem jahr immer mit entsprechenden langtrieben reagiert. (werd mir die sache mit dem stickstoffreichen dünger aber durchaus zu herzen nehmen. :wink: )

zum zweiten: ich glaube, ich habe das hier schon mal geschrieben. im ersten jahr hatte ich den ginkgo ende januar reingenommen und ins kühle bad gestellt, weil mir der frost - damals wirklich eher ungewöhnlich für unsere region hier (unter 15 grad minus), zu hart erschien. zumal es ja heißt, daß man ginkgos als bonsai in schalen vor wirklich harten frösten schützen sollte. ergebnis, er trieb recht früh aus. mitte mai oder so habe ich dann die blätter abgeschnitten. (waren auch wenig langtriebe dabei damals)

als er erneut austrieb, entwickelten sich selbst an den stellen langtriebe, wo er zuvor nur kurztriebe ausgebildet hatte. daher der hinweis. eine allgemeingültige theorie ist das aber sicherlich nicht. möchte sie als solche auch nicht verstanden wissen. es ist nur eine einmal gemachte erfahrung, aber immerhin eine erfahrung. die ich eben ab und zu mitgebe, wenn jemand danach fragt. :wink:

gruß marius
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runger
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Re: Ginkgo schneiden

Beitrag von runger »

Hallo,

danke für die lehrreichen Antworten. Die Frage, die mir aber am meisten auf der Seele brennt ist noch offen.
Wie und wo kann ich schneiden. Vom Schneiden verstehe ich nichts, aber selbst mein Laienauge erkennt viele unnötige und unbrauchbare Äste. Kann mir dazu jemand vielleicht virtuell etwas auf die Sprünge helfen?
Außerdem weiß ich nicht, wie tief man schneidet. Soll ein Stummel bleiben?
Heike_vG hat geschrieben: Dein Ginkgo ist wahrscheinlich die zurzeit recht populäre Sorte "Marijken", die sehr kugelig und buschig wächst, mit leicht gekräuselten Blättern. Die Sorte wird auf normalen Ginkgo veredelt Bei Deinem meine ich auf dem Foto auch eine Veredelungsstelle zu sehen.
Die Sache mit "Marijken" beruhigt mich etwas, denn bisher habe ich einen solchen kompakten Ginkgo noch nicht gesehen. In unserer Nähe haben sie im vorletzten Jahr an einer Straße eine ganze Allee mit Ginkgos bepflanzt.
Das sind bisher ca. 4 m hohe Peitschen mit nur sehr dürftigem Blattwuchs.

Mit der Veredelungsstelle meinst Du sicher diese Verdickung unterhalb der ersten Äste. Genau an dieser Stelle entspringt auf der Rückseite ein Ast. Bisher dachte ich, diese Verdickung käme daher. Was könnte man dagegen tun?

Ich hoffe, ich mache nicht zu viel Mühe, danke schon vorab.
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Heike_vG
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Re: Ginkgo schneiden

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Runger,

gegen die Veredelungsstelle kannst Du nichts tun. Die meisten Bonsaileute versuchen, Material mit Veredelungen zu vermeiden.
Aber es gibt manchmal veredelte Bäume, an denen das sehr unauffällig verwächst. Bei den meisten wird die Stelle leider mit der Zeit auffälliger und es bilden sich Schwellungen und Wülste.
Beim Marijken-Ginkgo weiß ich nicht, was da zu erwarten ist.

Zwei Varianten, wie man (im Frühjahr) schneiden könnte, um die Grundstuktur und Verzweigung auf den Weg zu bringen, habe ich einfach mal eingezeichnet. Die erste Variante zielt auf eine Art Besenform ab, wie Marijken sie suggeriert, die andere eher auf eine aufrechte Form, wie sie sonst eher Ginkgo-typischer wäre. :wink: Je nachdem, was Du Dir vorgestellt hast.
Vielleicht nützt Dir das was.

Was ich übrigens am Ginkgo immer wieder beobachtet habe ist, dass er meist sehr spät austreibt, später als praktisch alle anderen Bäume. Wenn er seine Blätter ausstreckt, ist gewöhnlich auch kein nennenswerter Frost mehr zu erwarten.

Viele Grüße,

Heike
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runger
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Re: Ginkgo schneiden

Beitrag von runger »

Hallo Heike,

danke für Deine Virtuals. Die aufrechte Form wäre mir schon lieber. Ich würde den Baum gern etwas strecken um von dieser Kugelform wegzukommen. Ob der Baum das zulässt weiß ich natürlich nicht.

An meinem Baum stören mich einige gleichmäßig starke Äste ohne erkennbare Verjüngung.
Kann man beim kompletten Entfernen eines dieser Äste bis auf den Stamm zurückschneiden oder soll man zur Sicherheit einen Stumpen stehen lassen wegen der Gefahr einer Rücktrocknung?

Die fast völlig fehlende Verjüngung der Äste scheint allerdings ginkgotypisch zu sein. Habe mir heute noch einmal einen ca. 130-jährigen Ginkgo im hiesigen Schlosspark angesehen. Da ist bei den Ästen auch kaum Verjüngung zu erkennen. Ist das bei Deinen auch so?

Ein verspätetes Austreiben konnte ich bisher nicht beobachten (2 Jahre).
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Heike_vG
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Re: Ginkgo schneiden

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Runger,

beim jungen und unreifen Bonsai ist das mit der Verjüngung der Äste noch nicht so leicht zu erreichen. Da kann man erst einmal froh sein, wenn der Stamm eine gute Verjüngung hat.
Nun muss man erst einmal sehen, dass man die Äste ein bisschen verzweigt bekommt und dass die Verzweigung nahe am Stamm beginnt (daher habe ich das Einkürzen der Äste in den Virtuals angedeutet), wobei allerdings der Ginkgo alles andere als feine Zweige bekommt. Die sind immer etwas plump und dick, aber egal, der Ginkgo hat auch so seine Faszination. :wink:

Beim Entfernen von Ästen ist es sicherlich gut, einen Stumpen stehen zu lassen und den später zu entfernen, wenn er eingetrocknet ist.

Viele Grüße,

Heike
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