Klasse Stefan! So gefällt mir das :D
Den Genotypus kann man nicht verändern (abgesehen von Züchtung oder Genmanipulation).
- Eine Ananas wird man niemals an eine Heimat wie Grönland "gewöhnen" können.
Der Phänotypus ist dagegen immer eine
Anpassung an die aktuellen Umweltbedingungen im Rahmen der jeweiligen ökologischen Amplitude (oder meinetwegen auch Bandbreite).
- Löwenzahn wachst im Flachland, wie im Gebirge. Er hat eine sehr breite ökologische Amplitude. Ein mastig aufrechter Löwenzahn von Schleswig-Holsteinischen Fettwiesen wird - transplantiert man ihn ins Gebirge - zu einer kleinen, niederliegenden Rosettenpflanze.
Aber auch das ist keine Gewöhnung!
Mann kann den Begriff Gewöhnung nicht auf pflanzliches Verhalten anwenden, weder auf Veränderungen des Genotypus' noch auf Veränderungen des Phänotypus'.
Gewöhnung bezeichnet eigentlich einen Lernprozess. Der Verhaltensbiologische Begriff für Gewöhnung ist Habituation.
"Habituation setzt ein, wenn ein Individuum wiederholt einem Reiz ausgesetzt ist, der sich als unbedeutend erweist. Die Reaktion auf diesen Reiz schwächt sich dann allmählich ab und unterbleibt schließlich womöglich völlig." (
Wikipedia)
Und gleich noch ein Zitat:
"Habituation bewirkt, dass ein Individuum lernt, auf bestimmte Reize nicht zu reagieren, so dass ständig vorhandene Reizmuster aus der Wahrnehmung ausgeblendet und dem Individuum "unnütze" Reaktionen erspart bleiben." (auch Wikipedia)
Das was aber die "verweichlichte" Gewächshauspflanze aus hoher Luftfeuchtigkeit zeigt, wenn man sie Trockenstress aussetzt, ist eine phänotypische
Anpassung an die neuen Bedingungen. Diese Anpassung braucht natürlich Zeit. Aber das ist eben keine
Gewöhnungszeit sondern
Anpassungszeit.