Erste Pfropfversuche

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Waldgeist
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Erste Pfropfversuche

Beitrag von Waldgeist »

Hallo Ihrs,

Ich konnte letztes Jahr einen WG-Kollegen dazu bewegen seinen schönen großen Ficus mit mir zu teilen. Dazu haben wir ihn erst einmal abgemoost, so dass er den bonsaiuntauglichen oberen üppigen Teil behalten kann und ich mich an der Stammbasis erfreuen kann. Das hat alles soweit wunderbar geklappt.

Das Bild #1: zeigt den Ausgangszustand des unteren Baumteils nachdem der obere Teil des Hauptstammes abgemoost, abgeschnitten und eingepflanzt wurde.
Auf dem Bild ist ein zweiter etwas dünnerer Stamm zu sehen. Von diesem Stamm habe ich den oberen Teil abgetrennt und teilweise als Pfropfmaterial verwendet.

Bild #2: zeigt das Spalten des Stammes mithilfe eines ordentlich scharf geschliffnen Messers und einem Holzhämmerchen. Ich habe sogar einen Keil aus dem Stamm geschnitten um ihn der Keilform der Reißer anzupassen. Mit einer Skalpellklinge habe ich dann die Rinde und das Kambium nochmal schön sauber angeschnitten.
Dann habe ich die Reißer vorbereitet. 2 von der Wuchsform brauchbare Aststücke mit einem Keilschnitt versehen und ebenfalls mit Skalpell sauber angeschnitten.
Dann den Keil im Stamm etwas auseinander gedrückt um die Reißer ohne größere Verletzungen in den Keil einzubringen. Jeweils habe ich die Reißer links bzw. rechts mit den Kambien in Verbindung gebracht um die Verbindung zu gewährleisten. Auf einer Seite war jedoch ein Spalt zwischen Reißer und Stamm von ca. 1mm.

Bild #3: Pfropfstellen straff mit Raffiabast umwickelt und die ganze Geschichte mit Bienenwachs nach außen abgeschlossen.

Bild #4: zeigt das Endergebnis.

Die ganze Geschichte is jetzt knapp 2 Wochen her. Ich hab die Pflanze direkt danach in mein kleines leuchtstoffröhrenbeleuchtetes Tropenhaus gestellt. Nun fängt genau der Ast mit dem 1mm Abstand zum Stamm an rumzuzicken. Oben musste ich schon einen vertrockneten Teil abnehmen und ganz unten fällt beim Ankratzen der Rinde eine bis jetzt noch schwach grüne Farbe auf. Der andere Reißer hingegen hat voll grüne Farbe im Vergleich.

Kann ich den dickeren Reißer abschreiben :?:

Ich hab irgendwo gelesen dass es ein paar Wochen dauert bis der Saft wieder fließt! aber wenn bis dahin der Reißer innen braun statt grün kann ich mir das nicht vorstellen...

Mist irgendwas hab ich da falsch gemacht...ist es der Abstand (der könnte eigentlich überwallt werden)...sind es drangelassene Blätter die den Ast leersaugen (beim anderen Reißer gehts aber auch mit Blättern)...Ist es die Kombination aus beiden...kann der Reißer zu alt sein?
Oder ist es was ganz anderes ?

Hat da irgendwer ne Idee dazu?

THNX Chris
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greenhorn187
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Re: Erste Pfropfversuche

Beitrag von greenhorn187 »

Schönes opinel messer.gleich erkannt! *up*
aber sorry.mit propfen hab ich aber leider nur theoretische erfahrung...
...noch acht minuten bis zur endlosen finsternis...
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Fiene
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Re: Erste Pfropfversuche

Beitrag von Fiene »

Hallo Chris,

als "Erste Hilfe Maßnahme" würde ich den Ficus besprühen und eine Plastiktüte drüberstülpen, wobei man nach meiner Erfahrung mit abgeschnittenen Fici und Plastiktüten höllisch aufpassen muss, dass sich kein Schimmel entwickelt. Also zwischendurch immer mal gut lüften.

Sollte die Pfropfung nicht annehmen ist aber wohl noch nicht alles verloren, da Fici gut aus altem Holz austreiben.

LG

Silvia
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Heike_vG
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Re: Erste Pfropfversuche

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Chris,

praktische Erfahrung ist bei mir auch noch dünn gesät, was das Pfropfen betrifft. Allerdings habe ich mich theoretisch damit schon eingehender beschäftigt und daher sind mir ein paar Dinge aufgefallen.

1. Deine Propf-Reiser (singular: ein Reis, hat nichts mit reißen zu tun, eher mit Reisig!) erscheinen mir reichlich dick und lang, mit einem kleineren Reis mit nur ein paar wenigen Blättern wäre es vermutlich erfolgversprechender.

2. So wie Du Deinen Schnitt in die Unterlage durchgeführt hast, sind nur geringe Kambiumflächen vorhanden, mit denen ein Reis verwachsen könnte. Mitten ins Holz geschnitten verwächst natürlich dort nichts. Die Reiser werden in dem großen Schnitt also wenig Kontakt ihres eigenen Kambiums mit dem Kambium der Unterlage haben, also ist die Chance des Anwachsens nicht optimal.
Die Reiser werden den großen, tiefen Schnitt nicht ausfüllen, es werden vermutlich Lücken darin sein, die zur Austrocknung oder Fäulnis führen könnten.

3. Das Zusammenbinden mit Propfband sollte akkurat gemacht werden. Hast Du hier Schnur verwendet?

4. Ob Bienenwachs(!) hier seinen Zweck wirklich erfüllt würde ich bezweifeln. Auf jeden Fall verhindert es einen Blick auf die Ergebnisse Deiner Arbeit. :wink:

Möglicherweise hätte der Ficus nach dem Kappen auch von selbst noch wieder aus dem alten Stamm ausgetrieben.

Viele Grüße,

Heike
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Waldgeist
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Re: Erste Pfropfversuche

Beitrag von Waldgeist »

Danke erstmal für die Ideen und der Kritik an meiner Methode !
Es ist mir schon bewusst, dass Ficis gut aus altem Holz austreiben. Ich dachte mir nur dass ein Versuch nicht schaden kann, aus entstandenen Fehlern lernt man schließlich und ich wollte natürlich mir auch ein paar Jahre Wachstum ersparen.

Besprüht hab ich ihn natürlich die ganze Zeit (ca. 2 mal pro Tag).

An die Geschichte mit den Lücken hab ich ehrlich gesagt gar nicht gedacht, bin wohl einfach davon ausgegangen, dass die Sache mit dem Bienenwachs gut abdichtet gegen Keime und Feuchtigkeit.

Fürs Zusammenbinden hab ich ne ganze Menge Raffiabast schön fest drumherum gezurrt.

Wenn gewünscht kann ich den Wachs auch noch mal entfernen und ein Foto vom unverhinderten Blick auf die Ergebnisse meiner Arbeit machen :mrgreen: , dass hab ich damals echt vergessen !

MfG Chris
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Heike_vG
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Re: Erste Pfropfversuche

Beitrag von Heike_vG »

Auch wenn ich neugierig bin, erstmal würde ich die Sache in Ruhe lassen. Wenn Du am Ende einen Erfolg oder Misserfolg hast, kannst Du das Wachs ja mal abmachen und zeigen, was sich darunter verbirgt. :wink:

Viele Grüße,

Heike
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Waldgeist
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Re: Erste Pfropfversuche

Beitrag von Waldgeist »

Oh Gott,

das is mir echt übel peinlich :oops: ! Aber ich zeig euch trotzdem mal wie man es besser nicht machen sollte...

Ich hab heute das Wachs entfernt, da nun auch der zweite Reis keinerlei grüne Farbe mehr aufwies!
Als ich das Wachs entfernte, traf mich erstmal der Schlag und dann die Ernüchterung....meine Methode war wohl ganz schön grob fahrlässig *autsch*

Das nächste mal werde ich alle Instrumente desinfizieren und mir vielleicht bei einer Baumschule den Vorgang des Pfrofens mal veranschaulichen lassen....oh gott oh gott.

Naja ich zeig euch jetzt mal das was unterm Wachs wuchs!
Was soll man dazu sagen...da hab ich echt riesen Bockmist gebaut....Aber hey es gibt ein nächstes mal, ich hoffe ich hab was aus der Aktion mitgenomm.... :idea:

Nochmals ein riesen SORRY das erfahrenere Leute dies jetzt sehen müssen!

Eine gute Sache ist jedoch zu verzeichnen: Der Stamm treibt weiter unten schön aus. Also is noch nix verloren und ich werde wohl mit dem Austrieb mal schön geduldig weiterarbeiten !

So, da bin ich jetzt mal zum Abschuss freigegeben *fecht* :lol:
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Der gepfropfte Ast, der beizeiten das zeitliche gesegnet hat
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Nahaufnahme des Selbigen
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Der andere gepfropfte. Bast wurde entfernt
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Nochmals der erste ohne Bast.
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Blick von oben!
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Tekin
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Re: Erste Pfropfversuche

Beitrag von Tekin »

Hallo Waldgeist
Während der Impfstoff bei jungen Bäumen ist sehr wichtig, bilahsa Stift Zamaan Impfstoffe.
Bäume wachte nicht auf den Stift, um geriir erhalten.
Wichtiger Punkt, der ein Stift in Kontakt mit einer Schale müssen Anac.
Kambiyum von Konflikten erforderlich ist.
Artikel im Shell Anacä Dalmais tiefen Kein Kontakt. Also Erfolg ist nicht gekommen.
http://translate.google.com.tr/translat ... ISO-8859-9
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IMG_1313.JPG
IMG_1313.JPG (69.16 KiB) 1726 mal betrachtet
Zuletzt geändert von Tekin am 10.02.2010, 20:04, insgesamt 1-mal geändert.
Harun Parlak
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Norbert Jäger
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Re: Erste Pfropfversuche

Beitrag von Norbert Jäger »

Hallo Tekin,

vielen Dank für den Link. Auch wenn ich kein Wort türkisch kann; mit den Bildern braucht man keinen Dolmetscher.

Herzliche Grüsse

Norbert
Tekin
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Re: Erste Pfropfversuche

Beitrag von Tekin »

Hallo Norbert Jäger
Tut mir leid, ich habe keine deutschen Sprachkenntnisse. Das Interesse an der Übersetzung, wenn der Übersetzer Türkece hier makle tragbar.
Erstellt von Tekin.
Wie genau meine Antwort auf Google-Übersetzung und Übersetzung des Textes fehlt.
-------------------------------------
Türkce
Selam Norbert Jäger
Üzgünüm almanca dil bilgim yok. Türkece çevirmen çıkar da çeviri yaparsa makle buraya taşınabilir.
Tekin tarafından hazırlanmıştır.
Google çeviri ne kadar doğru benim cevaplar ve yazılar eksik çeviri oluyor.
Harun Parlak
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Heike_vG
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Re: Erste Pfropfversuche

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Waldgeist,

Du hast eine Erfahrung gemacht und auch andere können davon vielleicht lernen, dass die Sache nicht ganz so einfach ist. Die Bilder sind wirklich interessant, klasse Fotos! Danke für's zeigen. :wink:

Liebe Grüße,

Heike
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Urikawa
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Re: Erste Pfropfversuche

Beitrag von Urikawa »

Ob Bienenwachs(!) hier seinen Zweck wirklich erfüllt würde ich bezweifeln
Bienenwachs wie es hier verwendet wurde schließt die Wunde nicht. Bienenwachs hatt hier nicht mehr als die eigenschaft eine art Hülse zu bilden. Die Wunde kann dadurch ohne weiteres austrocknen.
Möchte man unbedingt Bienenwachs auftragen muss man sie vorher zum erwärmen bis sie flüssig wird. Aber gleichzeitig lauert da die gefahr das man den Bienenwachs dann zu heiß auftragen muss. Das Gewebe wird dadurch zu viel belastet und die Zellen der Pflanze die sich unmittelbar an der Wundoberfläche befinden fangen einfach zu kochen an.

Eine sehr billiger Alternative ist Baumwachs Pomona von Dr. Stähler. Diesen Baumwachs kann man kalt auftragen und bildet eine Art klarer, durchzichtige Schicht aus die alles darunter luftdicht abschließt. Ebenfalls verbreitet sich beim auftragen einen angenehm zu nennener Duft.

Wenn einen Schnitt gemacht wird ist es ratsam um einen kürzen Schnitt zu machen. Manche Pflanzen oder Bäume haben die eigensaft viel Kallus auszubilden. Mit einem langen Schnitt ist neben die gefahr von austrocknung bei diesen Pflanzen orde Bäume die gefahr von abtrennung des Propf-Reises ein problem. Diese Pflanzen oder Bäume sind in der Lage regelrecht den Propf-Reis "abzusprengen"
Wer bin ich das ich sagen darf wie man die Bonsaikunst erleben sollte.
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RasJoe
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Re: Erste Pfropfversuche

Beitrag von RasJoe »

Ich muss erlich sagen, dass ich das bisher nur bei Obstbäumern und bei Beeren-Sträuchern gemacht hab, aber du brauchst nicht den ganzen Stamm spalten. Es sollte reichen, wenn du nur die Rinde einschneidest und an der oberseite eine Querritze machst also einen T-Schnitt. Dann klappst du die Rinde leicht ab und steckst den Reiser drunter. Den hast du natürlich vorher so zugeschnitzt, dass er dort wo er verwachsen soll keine Rinde mehr hat. Das ganze umwickelst du dann mit Bast oder mit Nylon-Folie.
Auf diese Weise trocknet es nicht so leicht aus wie mit einer kompletten Spaltung des Stammes
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Waldgeist
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Re: Erste Pfropfversuche

Beitrag von Waldgeist »

Danke an alle für die nützlichen Tipps, vorallem der Link von Tekin hat mir sehr weitergeholfen...ich werd mich durch den Rückschlag nicht unterkriegen lassen und beim nächsten mal eure Vorschläge beherzigen und hoffentlich einen Erfolg verzeichnen können!

Danke Danke Danke! *huldigen*

Grüße Chris
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bem_0
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Re: Erste Pfropfversuche

Beitrag von bem_0 »

Hallo,
wo grad so viele Pfropfspezialisten versammelt sind, hätte ich da mal eine Frage.
Warum sollen die Pfropfreiser jetzt in der absoluten Wachstumsruhe geschnitten und bis zum Frühjahr aufbewahrt werden.Würden zur Pfropfzeit geschnittene Reiser nicht auch funktionieren ?


mfG
Dietmar
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