Hallo Manuu,
mach dir selbst nicht zu viele Vorwürfe. Wir haben alle schon mal Fehler beim Einkaufen gemacht, wichtig ist was daraus zu lernen und mit sich selber gnädig zu sein.
Nächstes mal kannst du ja auch die "alten Hasen" im Forum fragen.
Sowieso ist es nicht immer einfach ein Baum auszuwählen (es seidem er wurde von vornherein gut präpariert, wie deine neue Kiefer). Wenn man vor einem nicht so gut präparierten Baum steht muss man ein gutes Auge haben, also sich vorstellen, was man daraus machen könnte, und dies verlangt relativ viel Ahnung/Erfahrung und auch ein gutes "Gefühl" für Potentialerkennung (quasi ein sechster Sinn). Nicht umsonst haben auch die ganz großen Gestalter viele Jahre gebraucht um ein gutes Auge für Baumauswahl zu entwickeln. Und ich kann dir versichern, daß selbst einige sehr erfahrene Bonsaianer mit sowas Schwierigkeiten haben. Nicht jeder ist ein Walter Pall.
Ich denke, um unser Auge dafür zu schulen ist es wichtig viele viele Bäumebilder in sein "inneres Archiv" zu speichern (im Kopf) und auch von der Meinung u. Erfahrung von guten Leuten zu profitieren. Beispielsweise : ganz genau zuhören wenn Walter erklärt warum er ein Baum als potential interessant findet und was er genau daran interessant findet - denn es sind manchmal die unscheinbaren Details die den Unterschied machen können.
Ich übe das ab und zu mit meinem Meister/Lehrer : er fragt mich, was ich an einem Baum ("Rohmaterial") interessant finde und was ich machen würde (gestaltungsmässig). Danach erklärt er mir, was ich falsch eingeschätzt habe und ob ich den Potential des Bäumes erkannt habe oder nicht. Und ich kann dir garantieren, daß dies manchmal extrem schwer ist. Ich habe mich zwar, seiner Meinung nach, verbessert (letztes mal habe ich ihn erstaunt als ich ein potentieller Kandidat fand der ihm entgangen war), aber dennoch fühle ich mich von weitem nicht so sicher in der Auswahl wie er (er braucht sich ein Baum nur ein paar Minuten anzuschauen und kann mir schon die nächsten 20 o. 30 Jahren der möglichen Entwicklung des Baumes erklären - zu sowas bin ich unfähig und werde es auch in 15 o. 20 zusätzliche Bonsaijahre nicht sein...). Aber dadurch lerne ich auch meine Grenzen besser einzuschätzen. Und das ist m.E. wichtig im Bonsai : sich nicht zu überschätzen (wozu man definitiv nicht fähig ist) und dennoch seine Fähigkeiten richtig einschätzen (sich sicher fühlen bei etwas wo man schon genug Erfahrung gesammelt hat und nicht zögern sollte). Wie er mir manchmal sagt, wenn er mich bei einer Gestaltung beobachtet und ich zögere (obwohl ich es schon dutzend mal gemacht habe) : "machen! und nicht zuviel Kopf benutzen!"
Deine neue Mädchenkiefer ist sehr gut präpariert worden. Da hat dir Hermann was schönes besorgt.
Liebe Grüße,
Thierry