ein Benjamina als Erstlingswerk

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Kleinficus
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ein Benjamina als Erstlingswerk

Beitrag von Kleinficus »

Hallo liebe Bonsaifreunde!

Ich möchte Euch gerne mein Bäumchen vorstellen und anhand von diesem Exemplar das Bonsaihandwerk erlernen. Eigentlich sollte er weiter zu einer ganz "normalen" Pflanze wachsen, aber da meine Butze bereits von Grünzeug nur so zugestellt ist, dachte ich, ich könnte es ja mal wagen und was kleines kultivieren.

Die Frage die momentan im Vordergrund steht: wie starte ich überhaupt. Was ist bei meinem Ficus als erstes zu erledigen? Erst noch wachsen lassen? Blattschnitt?? Die Krone weiter runter holen? In eine Schale umtopfen und Wurzeln beschneiden? Oder etwas woran ich noch gar nicht denke?

Vielleicht noch etwas zum Baum.... er ist ca. 1,5 alt. So ganz genau weiss ich das nicht mehr. Letzten Sommer stand er bereits auf dem Balkon und ich habe ihn hier und da ganz nach persönlichem geschmack gestaltet. Allerdings hatte ich da noch nicht den Gedanken an einen Bonsai. Ich wollte lediglich eine Pflanze, die nach einem Baum und nicht nach einem Strauch aussieht. Wenn ich ihn mir jetzt etwas genauer ansehe, bin ich zwr von meinem Werk nicht begeistert, aber darauf kommt es mir im Moment auch nicht an. Der Kleine ist sowas wie ein Liebling von mir geworden. Selbst wenn Ihr ihn als Rohling verrreißen solltet, möchte ich ihn doch bearebeiten und zu einem kleinen Baum im Topf machen. Ist das nen Deal? Ihr helft mir etwas und dafür schau ich mir irgendwann einmal einen Nadelbaum an, der ein gutes Ausgangsbäumchen abgibt. :lol:

Hier nunmal die Bilder.
der Baum.JPG
der Baum.JPG (57.72 KiB) 2065 mal betrachtet
Baumkrone.JPG
Baumkrone.JPG (64.76 KiB) 2065 mal betrachtet
Wurzelansicht.JPG
Wurzelansicht.JPG (68.23 KiB) 2065 mal betrachtet
Der Baum ist ab Wurzelanstz ca. 40 hoch. Die Gabelung befindet sich auf ungefähr 12 cm Höhe. Auf dem Foto mit der Wurzelansicht sieht man eine nach links laufende, ca. 6 cm lange, Wurzel, die ungefähr so dick wie der Stamm ist - ca. 1 cm. An der breitesten Stell ist die Krone ungefähr 30 cm breit.

Also: wie sollte ich starten? Hoffentlich langeweile ich Euch nicht. Bedenkt bitte, ich bin ansoluter Anfänger. Über einen Koch würde man sagen, er kann nicht mal Kartoffeln kochen *engel* .

Viele Grüße
Ingo


ohoh. ich sehe mit entsetzen. Falsches Forenbereich. Entschuldigung. Bitte verschieben. Das fängt ja gut an.... :oops:
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bock
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Re: ein Benjamina als Erstlingswerk

Beitrag von bock »

Moin Ingo,

ich würde den Ficus erstmal in fast rein mineralisches Substrat umtopfen, evtl. in einen Teichpflanzkorb (TPK). Geeignet ist Blähtonbruch (Trockenschüttung), Blähschiefer, Lavagranulat oder Bimskies, evtl. noch eine Handvoll Torf mit untermischen, weil er ja noch so jung ist. Die dicke Wurzel würde ich auf 3 cm kürzen, den restlichen Ballen entwirren und einen Teil der Speicherwurzeln entfernen.
Dann würde ich ihn erstmal tüchtig wachsen lassen, dazu viel Licht, ausreichend Dünger und fleissig wässern - im TPK tritt auch keine Staunässe auf. Wenn der Stamm an Dicke gewonnen hat, kannst du ihn relativ rigoros zurückschneiden und mit dem Astaufbau beginnen. Bei der Feinverzweigung arbeitest du dann auch mit Blattschnitt und evtl. etwas Draht, aber bis dahin ist noch Zeit.
Dann erst machst du dir Gedanken über eine Schale.
Viel Spaß mit deiner Birkenfeige und willkommen im Forum!
liebe Grüße Andreas
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Kleinficus
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Re: ein Benjamina als Erstlingswerk

Beitrag von Kleinficus »

Hallo Andreas,

vielen Dank für die ersten Hinweise. Habe da jetzt aber ein paar Fragen:

warum sollte ich den Baum in so ein Mineralsubstrat umtopfen? Geht es nur um die Wasserdurchlässigkeit?
die Kürzung der großen Wurzel aus optischen Gründen? Was ist überhaupt bei den Wurzeln wichtig? Was hat es mit den Speicherwurzeln auf sich?

Liebe Grüße
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bock
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Re: ein Benjamina als Erstlingswerk

Beitrag von bock »

Moin Ingo,

willst du einen Bonsai, schau erstmal auf den Wurzelansatz. Um ein schönes Nebari zu entwickeln, sollte man starke Wurzeln stark kürzen, damit sich schwächere Wurzeln besser entwickeln können. Mineralisches Substrat hat den Vorteil, dass es Luft und Wasser besser und gleichmäßiger zu den Wurzeln leitet, es verdichtet sich nicht und sorgt auch im Wurzelbereich für eine bessere Verzweigung.
Bei rein mineralischen Substraten ist es empfehlenswert organisch zu düngen, da Mineraldünger nicht alle Spurenelemente enthalten und organische Verbindungen die Wurzelbildung fördern (Huminsäuren, in Torf und Moos reichlich vorhanden) und für die Mykorrhiza lebenswichtig sind.
Die Speicherwurzeln beim Ficus bilden sich als Reserveorgane für trockene Zeiten. Hälst du die Wurzeln gleichmäßig feucht, gibt der Ficus die Bildung solcher Knollen bald auf. Erst dann kannst du einen Ficus in eine flache Schale pflanzen, Speicherwurzeln lassen sich meist schlecht gestalten.
liebe Grüße Andreas
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Kleinficus
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Re: ein Benjamina als Erstlingswerk

Beitrag von Kleinficus »

soooo...
habe mir mal einen TPK zugelegt. Torf hab ich zur Hand und auch nen Blähton....

nachdem ich das Wurzelwerk von der Blumenerde befreit habe, sie der Baum untenrum nun so aus.
nacktes wurzelwerk.JPG
nacktes wurzelwerk.JPG (64.72 KiB) 1825 mal betrachtet
Insgesamt sehe ich fünf fette Speicherwurzeln. Soll ich mir die gekennzeichnete mal vornehmen oder besser mit den kleineren Wurzeln beginnen? Muß ich die Schnittstelle verarzten?

viele grüße


edit: mir fiel auf, daß das Wasser, mit dem ich die Wurzeln von der Erde befreit hatte, so komisch silbriggrau glänzte. Als wenn Asche o.ä. obenauf schwamm. Hat jemand eine Idee, was das gewesen sein könnte?
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sulrich
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Re: ein Benjamina als Erstlingswerk

Beitrag von sulrich »

Hallo,

Persönlich halte ich nichts von der Theorie, dass man Ficus gleichmäßig feucht halten soll, damit diese Speicherwurzeln von selbst verschwinden. Bei mir sind Ficus erst wirklich gesund, seit ich sie ziemlich trocken halte (zwischen dem Gießen das Substrat fast völlig abtrocknen lasse). Gegen die Speicherwurzeln hilft meines Wissens nur beherzter Rückschnitt, also Abschneiden der Speicherwurzeln. Je nach Klima (Sommer ist am besten) kann man mehr oder weniger auf einmal abschneiden; jetzt, zur eher suboptimalen Zeit, vielleicht erstmal zwei oder drei der dicken Speicherwurzeln. (Meiner Erfahrung nach sind F. benjamina in der Hinsicht weniger robust als F. retusa). Ich hab' mal in blau die Wurzeln eingezeichnet, die Du durch einen solchen Rückschnitt fördern solltest; also die Speicherwurzel darunter abschneiden. Eine spezielle Behandlung ist bei Ficus nicht nötig (sofern man ihn nicht zu feucht hält und es zu faulen anfängt ...), weil der Gummisaft ein natürlicher Wundverschluss ist. Wenn alles gut geht, sollten aus der Schnittstelle neue Wurzeln wachsen.
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nacktes wurzelwerk.JPG (69.17 KiB) 1789 mal betrachtet
Viele Grüße,
Stefan

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Kleinficus
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Re: ein Benjamina als Erstlingswerk

Beitrag von Kleinficus »

Hallo Stefan

also ich habe bock so verstanden, daß man die Speicherwurzeln kürzt und mit der reichlichen Wässerung die NEUBILDUNG von Speicherwurzeln unterbindet. Also eigentlich also genau das, was du vorschlägst.... mit etwas Nachdenken bin ich nun auf die Idee gekommen, daß ich eher die beiden innersten Wurzeln kappe. Das sind die Kleinsten und somit eher die, von denen der Baum am wenigsten abhängt ?! Außerdem ist dann ordentlich Platz direkt unterhalb des Stammes. Ich habe zwar keine Vorstellung davon, wie schnell der Stamm an Dicke gewinnt, aber wenn ich mit einem Jahr rechne, dann könnte ich im nächsten Frühjahr (Erfolg der jetzigen Aktion verausgesetzt :lol: ) die restlichen Speicherwurzeln kappen.

Könnte das auch ein Ansatz sein?
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nacktes wurzelwerk2.JPG (65.33 KiB) 1745 mal betrachtet
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sulrich
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Re: ein Benjamina als Erstlingswerk

Beitrag von sulrich »

Hallo,
Kleinficus hat geschrieben:also ich habe bock so verstanden, daß man die Speicherwurzeln kürzt und mit der reichlichen Wässerung die NEUBILDUNG von Speicherwurzeln unterbindet. Also eigentlich also genau das, was du vorschlägst....
Nein, ich schlage im Gegenteil vor, Ficus eher trocken zu halten (vor allem nach Rückschnitt an den Wurzeln wegen Fäulnisgefahr). Meiner Erfahrung nach bilden sich keine neuen Speicherwurzeln, wenn der Ballen mal genügend fein durchwurzelt ist.
mit etwas Nachdenken bin ich nun auf die Idee gekommen, daß ich eher die beiden innersten Wurzeln kappe. Das sind die Kleinsten und somit eher die, von denen der Baum am wenigsten abhängt ?!
Naja, die müssen natürlich ohnehin irgendwann weg, das Entfernen bringt Dich aber einem guten Nebari nicht direkt näher, weil die feinen Wurzeln aussen nicht gefördert werden. Ich hätte die eher als "Versicherung" behalten, während ich an den äußeren Wurzel arbeite. Ist aber nicht so wichtig, wichtiger ist, bald wieder einzutopfen ;-)
Ich habe zwar keine Vorstellung davon, wie schnell der Stamm an Dicke gewinnt
Ich schätze, höchstens ein paar Millimeter ...
aber wenn ich mit einem Jahr rechne, dann könnte ich im nächsten Frühjahr (Erfolg der jetzigen Aktion verausgesetzt :lol: ) die restlichen Speicherwurzeln kappen.
Nochmal: Das Frühjahr ist eigentlich die schlechteste Zeit für solche Aktionen, weil Indoors meistens recht geschwächt aus dem Winter kommen. Für aller größeren Eingriffe bei Ficus ist der Hochsommer die beste Zeit.
Viele Grüße,
Stefan

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Kleinficus
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Re: ein Benjamina als Erstlingswerk

Beitrag von Kleinficus »

Guten Abend,

ich möchte so zwischendurch mal wieder eine Frage stellen. Der TPK meines Bäumchens ist gut durchwurzelt. Ich kann am Topfboden und auch an der Seite kleine Wurzeln erkennen.

Topft man einen Baum auch mehrfach im Jahr um, oder mach ich das nur einmal und lasse ihn jetzt bis ins nächste Jahr drauflos wachsen? Diese Frage stellt sich mir, da ich sehr überrascht bin, was das Wurzelwachstum angeht...

Viele Grüße
Kleinficus
Kleinficus
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Re: ein Benjamina als Erstlingswerk

Beitrag von Kleinficus »

Hallo allerseits,

mein Bäumchen schwächelt. Ich hatte ihn im TPK mit 2-4 mm Tongranulat stehen, so daß sich ein sehr schöner Feinwurzelballen entwickelt hat. Auch der Stammdurchmesser Oberkante Nebari hat auf ca. 3 cm zugelegt. Nun hat der Baum nur noch wenige Blätter. Feine Äste sind eingetrocknet. Jetzt habe ich das Bäumchen erst mal wieder in normale Blumenerde gesetzt und denke gerade über einen radikalen Rückschnitt nach, was den Baum blattlos machen würde. Die Hoffnung ist, daß er schnell wieder frisch austreibt.

Meine Frage nun: wie sollte ich vorgehen? Tüte drüber und für gespannte Luft sorgen?

Für Hilfe wäre ich dankbar.

Viele Grüße
kramer_t
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Re: ein Benjamina als Erstlingswerk

Beitrag von kramer_t »

Kleinficus hat geschrieben: Meine Frage nun: wie sollte ich vorgehen? Tüte drüber und für gespannte Luft sorgen?
Nun ja. Du fragst wie du vorgehen sollst und hast eigentlich schon was gemacht. Es wird dir geraten, den Ficus aus der Blumenerde, die total ungeeignet ist, rauszunehmen und in mineralisches Substrat zu stellen und du machst genau das Gegenteil und stellst ihn wieder in die Blumenerde zurück.

Dein Schaubild klingt für mich eher nach zu wenig Sonne und zu warmer Luft über den Winter. Ist aber natürlich nur eine Vermutung, ohne ein Foto zu sehen.
Ich habe übrigens sehr gute Erfahrung gemacht Ficus in reines Akadama zu stellen.
Gruß
Torsten
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