Rindenmulch als Substrat?

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
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Bergi
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Rindenmulch als Substrat?

Beitrag von Bergi »

Hallo,

ich bin im Forum nicht wirklich fündig geworden, was Mulch (Rindenmulch, wie er v.a. als Deckschicht für Beete etc. verkauft wird) als Beimischung zum Substrat betrifft.
Selbst hatte ich bisher nur bei einem - sehr späten - Umtopfen von Gingko ganz gute Erfahrung damit. Prinzipiell gefällt mir das grobe Material ganz gut, versumpft nicht so sehr wie Torf, ist also eher strukturstabil.

Gruß,
Stefan
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Flar
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Re: Rindenmulch als Substrat?

Beitrag von Flar »

HI,

...Soweit ich weiß, ist Rindenhumus wohl die bessere Wahl.

Andere wissen da mehr.

MfG
Das Genie des Wissenden ist sinnlos, ohne das Genie des Verstehenden.
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Norbert_S
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Re: Rindenmulch als Substrat?

Beitrag von Norbert_S »

Hallo
Pinienrinde in den Fraktionen 0-8mm und 8-16mm benutze ich als Zuschlagstoff.
Die kleine Fraktion wird ausgesiebt, damit keine Teile unter 1mm verwendet werden.
Die Wasserführung ist ideal, die Wasserspeicherung gegenüber Torf natürlich geringer.
Norbert

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Bergi
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Re: Rindenmulch als Substrat?

Beitrag von Bergi »

Besten Dank für die Antworten!
Bin gerade noch mal rausgerannt - meins heißt einfach ganz ordinär "Rindenmulch". Pinienrinde in definierter Körnung ist sicher edler, aber ich hab es die paar Mal auch nur im "nicht vorzeigbaren" Bereich eingesetzt. Und es steht jetzt schon ein Jahr rum, ist schon etwas humusartiger als beim Kauf...
Dieses Jahr habe ich es bei einem sehr großen Pfaffenhut-Findling eingesetzt - mal sehen was das wird.
Gruß,
Stefan
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Norbert_S
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Re: Rindenmulch als Substrat?

Beitrag von Norbert_S »

Das passt schon, musst halt nur beim Pfaffenhut aufpassen, dass er nicht zu nass steht, das mag er gar nicht.
Norbert

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KHarry
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Re: Rindenmulch als Substrat?

Beitrag von KHarry »

Ich habe mit Rindenmulch aber auch schon schlechte Erfahrungen gemacht - möglicherweise dadurch, dass es einmal ganz ausgetrocknet war, ließ es sich nicht mehr benetzten und ich kam mit dem Gießen kaum mehr nach. Selbst nach 1-2 Jahren im Freien, also dem Regen ausgesetzt, änderte sich das nicht mehr.

Rindenhumus kann ich allerdings empfehlen.
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bem_0
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Re: Rindenmulch als Substrat?

Beitrag von bem_0 »

Hallo,

Rindenmulch besteht soviel ich weiß aus Fichtenrinde. Da ist mir der Harzanteil einfach zuviel. Ich glaube nicht das da alle Bäume gut auskommen.
Stattdessen verwende ich Topfersatz aus gehäckselten und zerfaserten Nadelholz. (bei OBI)
Das Zeug speichert ganz gut Feuchtigkeit, ist halbwegs neutral und bleibt überlange Zeit Strukturstabil.

mfG
Dietmar
Mei klane Bem,
made em Westerwald
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Constantin

Re: Rindenmulch als Substrat?

Beitrag von Constantin »

Rinde scheint nicht per se ungeeignet zu sein. Walter Pall berichtet hier unter 3) dass es in Amerika kaum Torf gibt, man dafür aber ersatzweise kleingehackte Rinde nehmen kann. Welche Art Rinde das genau ist hat er nicht dazugesagt und ich weiß es auch nicht. Weiß es jemand?
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greenhorn187
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Re: Rindenmulch als Substrat?

Beitrag von greenhorn187 »

Ich hatte noch dieses thema hier im hinterkopf und entdeckte heute folgendes beim durchblättern...
ist natürlich keine garantie nur weil es im buch steht,aber hilfreich ist es vlt trotzdem.

Bilder wurden gelöscht - greenhorn, bitte Urheberrechte beachten.
camaju
...noch acht minuten bis zur endlosen finsternis...
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Thierry
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Re: Rindenmulch als Substrat?

Beitrag von Thierry »

Hallo Stefan,

meine Frau u. ich konnten ein bisschen Erfahrung damit sammeln. Es sind nur ein paar Jahre (schätzungsweise 7 oder 8 Jahre, ich müsste in unsere Notizen nachschauen um genauer zu sein) und auf vielleicht um die 10 Bäume ungefähr (Sorten : Potentilla, Mispel, Ficus, Ahorne, Wachholder und ein Schneeball "Watanabe", wenn ich mich richtig erinnere - wenn du es genauer wissen möchtest, muss ich in unseren Notizen suchen), wo wir es schon angewendet haben.
Und um es gleich zu sagen : wir sind von der Vorteilen (zumindest was wir bisher in dieser kleinen Erfahrung beobachtet haben) von Rindenmulch als Substratbestandteil inszwischen überzeugt.

Wir haben es sowohl bei Bonsai als auch bei Yamadoris probiert : einfach eine o. zwei Handvoll dazugemischt (je nach benötigter Substratmenge).

Und wir waren bisher zufrieden bzw. wir konnten noch keine schlechten Ergebnisse/Nebenwirkungen beobachten.

Sehr positiv fanden wir insbesondere daß der Mulch anscheinend ganz entscheidend dazu beigetragen hat den Symbiose-Pilz (Mykorrhiza) nicht nur zu erhalten, sondern ihn sogar geholfen hat sich besser/breiter zu entwickeln.

Dies konnten wir an zwei Jahreszeiten beobachten :

- Bei den Bäumen die wir im Frühling/Frühjahr umtopfen, konnten wir eine erstaunliche ("gewaltig-breite") Ausbreitung des Symbiosepilzes beobachten.

- Bei den Bäumen die wir im Herbst umtopfen, konnten wir ein Unterschied zu den anderen Bäumen (die kein Mulch hatten) auch beobachten : die ersten schienen uns gesunder u. kräftiger als die zweiten (ohne). Wir vermuten, daß der Mulch eine Rolle gespielt hat um den Symbiosepilz zu erhalten während den trockenen Sommerzeiten.

Was uns auch noch aufgefallen ist, ist daß sich durch die Zugabe von Rindenmulch anscheinend ein Symbiosepilz bei einigen Baumsorten entwickelt hat wo wir ihn niemals vermutet hätten (wir haben schon zahlreiche Stunden damit verbracht in allen möglichen Büchern u. im Internet zu suchen ob's normal ist daß die eine o. andere Baumsorte einen Symbiosepilz entwickelt hat, so fasziniert/erstaunt waren wir manchmal).
Der "extremste" Beispiel war bisher ein Ficus (ich habe vor ein paar Jahren schon im Forum darüber berichtet).
Auch "extrem" (im Sinne von: sehr breite Entwicklung des Pilzes, teilweise war der komplette Boden in sehr kurzer Zeit voll damit so extrem hatte er sich ausgebreitet) konnten wir es bei der Kombination mit Lavagestein beobachten. Ich weiß aber ehrlich gesagt keine (wissenschaftliche) Erklärung dafür warum es bei Lava teilweise noch extremer war (vielleicht hängt es mit der Beschaffentheit vom Stoff, also Lava, zusammen).

Was vielleicht noch interessant für dich sein könnte ist, daß wir den Rindenmulch fast nie ausgesiebt haben (ob die feinen Bestandteile o. die gröbsten) :
- Bei den Yamadoris sowieso nie (da nur eine/zwei Handvoll Rindemulch dazugemischt wurde und die Größe der Plastiktöpfe und des Hauptbestandteiles im Topf - Lava, Seramis, Kies, usw. - es sowieso egal machten ob wir den aussieben oder nicht)
- Bei den Bonsai teilweise ausgesiebt : bei den sehr kleinen Schalen nur die gröbsten ausgesiebt und ein bisschen der Staub ; bei den etwas größeren Schalen haben wir nicht ausgesiebt.

Meine Frau hält gar nix vom Aussieben. Nicht nur weil, wenn man relativ viele Bäume hat, sie der Meinung ist, daß man nur Zeit verliert, sondern auch weil sie der Meinung ist, daß "wir" (die Bonsaianer) uns bei den Substratmischungen zuviel den Kopf zerbrechen. Da muss ich zugeben, daß ich mir manchmal mehr als sie den Kopf zerbreche über so Sachen... :oops: Jedenfalls konnten wir an allen Bäumen (ob Bonsai o. Yamadoris) wo wir den Mulch nicht ausgesiebt haben nix negatives beobachten. Also scheint die Zeit ihr recht gegeben zu haben.

Soviel zu unserer kleinen Erfahrung mit Rindemulch als Substratbestandteil. Ich hoffe, es kann dir ein bisschen weiterhelfen.

Viel Grüße,

Thierry
Viele Grüße,
Thierry

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Thierry
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Re: Rindenmulch als Substrat?

Beitrag von Thierry »

Beim Durchgang im Garten ist mir gerade aufgefallen, daß ich zwei Sorten vergessen habe (bei den Bäumen wo wir Rindenmulch addiert haben) :
Buche und ein Kirschbaum (genaue Sorte weiß ich nicht mehr :oops: da er meiner Frau gehört).

EDIT : Mir ist auch gerade wieder eingefallen, daß wir doch eine (einzige) schlechte Erfahrung in diesem Zusammenhang gemacht haben : bei einem kleinen chinesischen Wachholder (wieder einer der meiner Frau gehört), der es anscheinend nicht mochte, daß einige Bestandteile (u.a. der Rindenmulch) zuviel Wasser gespeichert haben. Der hat dann 2-3 Jahre lang geschwächelt bis wir herausfanden, daß sein Substrat zu viel Wasser speichert. Wir vermuten, daß der kleine Rindenmulchanteil teilweise dafür verantwortlich war, denn der Rest des Substrates war nicht so wasserspeichernd. Seitdem er in einer anderen Mischung steht geht's ihm ein bisschen besser und er scheint sich zu erhohlen. Wir werden aber erst in ein paar Jahren sagen können ob's damit zusammen gehangt hat oder nicht. Ist aber vielleicht auch interessant für dich. Also Wachholder weniger gut mit Rindenmulch (oder eben aufpassen).
Viele Grüße,
Thierry

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Constantin

Re: Rindenmulch als Substrat?

Beitrag von Constantin »

Danke an Thierry für den ausführlichen Beitrag! Ich habe auch in einem Buch über Orchideen gelesen, dass man harzreiche Rinde im Substrat vermeiden soll. Aber wenn er und seine Frau Rindenmulch aus Fichtenrinde benutzt haben, scheint das mit dem Harz zumindest bei getopften Bäumen nichts auszumachen.
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Thierry
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Re: Rindenmulch als Substrat?

Beitrag von Thierry »

De rien (nix zu danken). :wink:
Vergiß aber nicht : das was bei mir funktioniert muss nicht unbedingt/zwangsläufig auch bei dir funktionieren.
Bei der Bonsaipflege ist es m.E. sehr wichtig, diese "Regel" nicht zu vergessen. Bei der Gestaltung o. beim Schnitt z.B. kann man was andere pratizieren für sich selber übernehmen. Aber bei der Pflege, da geht das nie etwas eins zu eins zu übernehmen. D.h. die eigenen Kriterien (Standort, usw.) mit einzubeziehen gehört zur "Weisheit" im Bonsai.
Praktisches Beispiel : wir haben hier einen Garten der nach Ost/Süd-Ost orientiert ist und etwas tiefer angebaut, d.h. im Sommer wird es schnell so heiß wie in einem "Kessel", das bedeutet: würden wir ein sehr durchlässiges Substrat nehmen mit mässiger Wasserspeicherkapazität (wie die Mischung die Walter nimmt u. die zweifelos auch ihre Vorteile hat) würden unsere Bäume krepieren. D.h. wir sind gezwungen bei der Substratmischung aufzupassen, daß genügend Feuchtigkeit im Substrat aufgenommen wird wenn der "Kessel" von Mai bis September sehr heiß wird. Dazu noch weil wir Shohin u. Mame haben (da kann es unter solchen Umständen - "heißer Kessel" - an sehr warmen Tagen im Sommer schnell kritisch werden für die Bäumchen). Deshalb haben wir auch die Sonnensegeln aufgebaut (um den Bäumchen Schatten zu schenken) und die speziellen Regale (für die Luftfeuchtigkeit). Und deshalb haben wir Dinge wie Rindemulch probiert u. benutzt, weil's viel Feuchtigkeit aufnimmt u. zurückgibt (u. auch weil es organische Elemente mitbringt).
Du musst also genau gucken wie die Gegebenheiten bei dir sind (Orientierung des Gartens wo die Bäume stehen, wann u. wie lange scheint die Sonne, Volumen in den Schalen, usw.) bevor du überlegst : versuche ich auch dies o. jenes, was ein anderer pratiziert, bei mir zuhause.
Wie gesagt, das gehört m.E. zur "Weisheit" im Bonsai.
Viele Grüße,
Thierry
Viele Grüße,
Thierry

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Constantin

Re: Rindenmulch als Substrat?

Beitrag von Constantin »

Gut dass du das hier nochmal so ausführlich klarstellst. Mir geht es hier aber um ein bisschen Chemie. Das hätte ich in meinem letzten Beitrag aber auch sagen müssen, dann wäre es eindeutiger gewesen. Was spricht also aus Sicht der Bonsaipflege gegen harzreiche Rinde?
Im Orchideenbuch steht, harzreiche Rinde könnte zu Stickstoffmangel (N) führen. Das ergibt aus meiner Sicht auch Sinn, denn Harze bestehen zum Großteil aus Kohlenstoff (C). Wenn nun das Verhältnis C:N kleiner wird, verbrauchen die Bakterien im Boden den Stickstoff zum Abbau der organischen Verbdinungen. Dieser Effekt kann bei der Bonsaikultur aber für die Pflanze egal sein, vorausgesetzt man düngt nicht zu zaghaft. So könnte ich mir auch erklären, was bei Walter passiert. Die Bakterien (also das Bodenleben) bekommen ordentlich "Futter" und zersetzen den organischen Kram innerhalb von 2 bis 5 Jahren, aber durch das reichliche Düngen bekommt auch die Pflanze stets genug Stickstoff. Ja, ich mache mir schon Gedanken, da liegt deine Frau völlig richtig, Thierry. Mir macht es aber auch Spaß, zu verstehen was da nun eigentlich im Pott passiert und warum etwas funktioniert bzw. auch nicht. Auch wenn man (möglicherweise) dasteht wie ein Nerd. Und wer sich nicht dafür interessiert, hat bestimmt gar nicht bis hierher gelesen. :wink:
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Thierry
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Re: Rindenmulch als Substrat?

Beitrag von Thierry »

Mhh wie's aus dem Blickfeld der Chemie aussieht (chemische/biochemische Reaktionen), weiß ich leider nicht - bin leider kein "Theoretiker", sondern eher "Praktizierender", also einer der aus der Praxis versucht zu lernen.
Tut mir Leid Constantin.

Aber ich verstehe, was du meinst : du möchtest wissen, was im Substrat passiert (bzw. warum etwas funktioniert o. nicht), also den theoretischen Hintergrund, wie die Zusammenhänge u. Wechselwirkungen wissenschaftlich (bzw. in diesem Fall: biochemisch) erklärt werden.

Vielleicht können dir unsere Experten ein bisschen helfen die Theorie zu verstehen.

Viele Grüße,

Thierry
Viele Grüße,
Thierry

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