Heike_vG hat geschrieben:...Ja, das Raumspray war doch mal ein Tipp von unserem Schilly auf seinen berühmten grünen Seiten im BCD-Clubheft!....
...und den habe ich rein zufällig hier bei der Hand
Ich weiß, ich weiß! Langsam wird er langweilig, aber ich grinse immer noch wenn ich das lese
....
Ameisen und Chinosol
So schnell geht das! Wir haben den Winter prinzipiell hinter uns gelassen und können langsam schon mal die Grill- und Bonsaisession eröffnen. Sie werden, schätze ich mal, schon was an Ihren Bäumen gemacht haben. Zum Teil die Sammlung schon wieder auf die Regale oder Ständer gestellt (mal schnell abgewischt und mit einer 1:15 verdünnten Jinmittellösung desinfiziert, oder?!). Räumen Sie jetzt aber nicht gleich unter dem ersten positiven Einfluss länger werdender Tage und steigender Temperaturen Ihr Überwinterungsquatier weg! Warten Sie damit lieber bis nach den Eisheiligen (Anfang bis Mitte Mai). Kann sein, dass Sie es noch ein paar Mal für die eine oder andere Frostnacht brauchen werden.
Vielleicht haben Sie schon im Vormonat mit dem Umtopfen begonnen (so wie ich) und erfreuen sich jetzt am ersten Austrieb nach dem Wurzelschnitt. Ich pflanze seit vielen Jahren in Akadama (aus Japan importiertes Lehmgranulat; kostspielige Sache, aber eben auch ein erstklassiges Pflanzsubstrat für In- und Outdoors) und das, so habe ich mal gelesen, soll durch trockenes Lagern (Keller oder Speicher) über einen Zeitraum von drei, vier Jahren härter und dadurch länger locker (besser formstabil) bleiben, was nun wiederum gut für die Wurzeln ist, weil die natürlich dann schön mit Luftsauerstoff versorgt werden und man sich so den oft zum Auflockern des Substrates zugesetzten Splitt (oder was immer Sie da nehmen mögen!) sparen kann. Wobei das wiederum ja nun gut ist, weil der Splitt ja kein Wasser aufnehmen kann (in so'n Stein geht eben von Natur aus nicht so super viel Wasser rein) und Sie am Ende wieder öfter zur Gießkanne greifen müssen.
Ähhh? Wenn man da jetzt länger drüber nachdenkt kommt man am Ende noch zu dem Schluß, daß man gar keine Bonsai haben will, oder!?
Während der Wintermonate zu warm überwinterte Bonsai, oft ohnehin bei Zimmerbonsai, die in diesem Jahr nicht umgetopft werden sollen, tritt schon mal das Problem von Schimmelbildung auf der Erdoberfläche auf (zu erkennen an einem weiß-gräulichem und pelzigem Belag). Im Sommer stehen Ihre Indoors, so hoffe ich, draußen. ABER(!!) Freunde, der nächste Winter macht sich schon mal warm und dann kann das optisch wieder sehr stören. Warum? Das sieht einfach gammelig aus! Schauen Sie mal so die Kübelpflanzen im Büro an. Da findet man das auch häufig. Eklig! Im Büro ist einem das gemeinhin ja noch egal, aber unter dem Bonsai geht Ihnen doch die ganze Stimmung flöten, oder habe ich da jetzt unrecht?
Klingt ja jetzt fast wie eine Definition vom Begriff BONSAI, Schillings, werden Sie jetzt denken, ist aber lediglich das, was ich so als Essenz aus der ganzen Bonsaizüchterei für mich am besten daran finde. Die Ruhe durch einfaches Betrachten (und dabei bloß keinen Finger rühren! Nur schön ruhig betrachten!).
Kommen wir zurück zu dem ekligen Schimmel, egal nun ob im Büro oder unter dem Bonsai. Man kann das wegkratzen und dann mit einem Händchen Erde wieder auffüllen. Klar. Aber es kommt nach einiger Zeit wieder. Hier ist es ratsam, beim ersten Auftreten des Schimmels, mit einer ca. 0,1 bis 0,2%igen Chinosollösung zwei, drei Mal zu gießen. Dann haben Sie davor Ruhe und Ihr Indoor kann so richtig schön auf der Fensterbank auf Sie wirken.
Chinosol bekommen Sie, ja wer hätte das jetzt gedacht, in der Apotheke! Kostet so um die 10 Euro. Das in Tabletten- oder kristalliner Form (gelbe Kristalle) angebotene, wegen seiner stark desinfizierender Wirkung gerne zur Hautreinigung angewendete Mittel, löst sich recht leicht in Wasser. Gerade wegen der Desinfektion ist es gegen Schimmel hervorragend wirksam.
Ah! Während ich das hier schreibe, fällt mir einen Sache ein, auf die ich kam, als letzthin im Internet die Frage nach der Schädlichkeit von Ameisen im Zusammenhang mit Bonsai gestellt wurde. Eigentlich nix Gewaltiges, aber auch ganz interessant.
Wie schädigen die Ameisen (ich spreche jetzt von vielen Ameisen, nicht von zwei, drei Stück!) den Bonsai? Zum einen schleppen sie Blattläuse auf den Baum. Die gehen sie dann, wenn sie sich richtig mit feinstem Pflanzensaft vollgeknallt haben, melken. Die Blattlaus (wie im übrigen auch die weiße Fliege [Tripse]) ihrerseits macht ihr Geschäft (man nennt das Pipi von denen auch Honigtau) gerne auf dem Blatt und bildet damit dem Rußtau den perfekten Boden, um sich niederzulassen. Dieser, hervorgerufen durch einen eher kleinen Pilz, führt zu einer eingeschränkten Photosynthese, die dann schlussendlich hässlichen, schlappen, gelb-braun verfärbten Blätter hervorruft. Dann graben die Ameisen gerne mal im Wurzelwerk des Bonsai rum und verursachen so Hohlräume, in denen die Wurzel den für sie lebensnotwendigen Kontakt zum Substrat verlieren. Die so für uns nicht sichtbar freigelegten Wurzeln wiederum verkümmern und oberhalb der Erde kommt es zum Problem. Wir denken "Häähh?? Alles richtig gemacht! Was ist denn nun schon wieder los?" und da unten lacht sich die Ameise im Kollektiv kaputt.
Was macht man da jetzt?
Ich darf mal ein bißchen weiter ausholen, ja? Dann können Sie auch mal sehen, wie man Erfahrungen nutzen kann, die man auf ganz anderen Gebieten gesammelt hat.
Alles begann an einem sonnigen Sommertag im Studentenwohnheim in der Mitte der Achtziger. Ich büffelte fleißig "organische Chemie" und nahm gelegentlich ein Schlückchen selbiger in Form von eiskaltem Alt-Bier zu mir. Was konnte schon passieren? Kühlschrank voll. Geld in der Tasche und die Prüfung so gut wie erledigt noch bevor ich die Fragen kannte. Da klopfte es. Eine Mitbewohnerin fragte, ob ich mal kurz in die gemeinsam genutzte Küche kommen könnte. Sie zeigt mit ausgestrecktem Arm und dem Anflug von leichtem Ekel auf dem sonst recht hübschen Gesicht auf eine Ameisenstrasse, die sich quer über den Boden hinzog. Mein erster Kommentar war :"Irre! Diese kleinen Burschen habe ein unglaublich hohes Sozial-Niveau im Lauf Jahrmillionen dauernder Evolution entwickelt. So im Sinne von einer für alle, alle für einen!"
Die Kollegin sagte :"Perfekt! Von der Natur mit einer erstklassig angepassten Körperform ausgestattet. Voll integriert in eine für so ein kleines Wesen doch recht rauhe Umwelt. Nur wie bringen wir ihnen bei, daß sie ZUSAMMEN genau dorthin wieder verschwinden sollen?"
Mir fiel ein, daß meine Großmutter Stechmücken mit Haarspray "verklebte", wenn uns mal eine zu nahe kam. Ging ganz gut, wenn ich mich recht entsinne. Erst sprühen, das Vieh klebt, kippt von wo auch immer runter und wird per "Hauslatschen" erledigt.
Egal! Wir hatten jedenfalls kein Haarspray zur Hand. "Clever" wie ich damals war, suchte ich nach einer entsprechenden Alternative und fand in der ebenfalls gemeinsam genutzten Toilette eine Flasche "Waldduft-Spray". Kennen Sie bestimmt das Zeug. Große Sprühflasche. Schön vorne die hohen Tannen in den Bergen, so ein "Heidi-Motiv" eben und mit recht penetrant duftendem Inhalt.
Pass auf, jetzt kommt es!
Ich also ordentlich über die immer noch brav in Reih´ und Glied marschierenden Sechsbeiner gesprüht und dann passierte folgendes: wie vom Donner gerührt bleibt diese ganze Straße stehen (Minimum 1,5 m bis 2 m lang!!), dreht sich um und verschwindet, aber frag nicht nach Sonne, in dem Loch, aus dem sie gekrochen waren! KEIN QUATSCH JETZT! Die Kollegin und ich schauen uns an und die Kinnlade hängt uns runter und wir wollen gar nicht so richtig an das gerade Gesehene glauben. NICHT EINE EINZIGE WAR ÜBRIG! Keine Leichen oder Verwundete. Alle weg. Restlos! Und es ist in der ganzen Zeit, die ich da wohnte, auch nie wieder eine da raus gekrochen.
Glauben Sie nicht? Geht noch weiter.
Jahre später. Ein Bekannter von mir buddelte seinen Garten um zwecks Errichtung eines Swimmingpools (für´n Tennisplatz war einfach nicht genug Garten da

). Wir haben da reichlich gegraben und dabei wohl auch eines dieser fleißigen Ameisenvölker aufgeschreckt, das darauf hin vom Garten ins Haus umzog. Ich konnte es ihnen nicht mal verübeln und außerdem war es ja auch nicht mein Haus. Abends rief seine Frau an und erzählte mir von ihren neuen Mitbewohnern: "Die ganze Küche ist voll! Die Kinder wurden schon gebissen und der Hund traut sich nicht an seinen Futternapf." Ich erzähle also die alte Geschichte von den Ameisen und dem Studentenwohnheim und dem... na Sie wissen schon. Sie sagte, dass sie das testen wolle und auch so ein Spray im Haus hätte. Kurz darauf rief sie wieder an und sagte :"MARTIN! DAS IST WAHNSINN! Genau wie du gesagt hast!!! Alle stehen geblieben, rum und raus. Keine einzige mehr übrig! WAHNSINN!"
Jetzt mal ehrlich! Das ist wirklich so passiert.
Wiederum einige Jahre später habe ich dann in einem Journal gelesen, dass Ameisen fast blind sind, dafür aber einen überaus empfindlichen Geruchssinn haben. Wenn du da was "auffährst", was stärker als der vertraute Geruch ist, bringst du die ganze Bande vollkommen durcheinander, so dass nur noch die Flucht und die Orientierung über die schwachen Augen bleibt.
Kommen wir zurück zu den unerwünschten Ameisen in der Bonsaischale! Sie können sich denken, wie es weitergeht, oder? Die verziehen sich nämlich auch sehr schnell, wenn Sie folgendes machen:
Auf ein Löschpapier (schauen Sie in die Schulhefte Ihrer Kinder, da ist meist eines drin und die Kleinen sollen ja ohnehin nicht im Heft rumklecksen) sprühen Sie zum Beispiel mit den beschriebenen Waldduft kräftig drauf und legen das so präparierte Papier einfach auf die Erdoberfläche. Lassen Sie das ruhig ein, zwei Tage drauf. Schnuppern Sie ab und an, ob es noch kräftig riecht. Wenn nicht, neu einsprühen. Ihrem Baum passiert dabei nichts. Wenn Sie gießen müssen, nehmen Sie das Blatt runter und danach legen Sie es wieder auf. Sie können auch andere Düfte nehmen. "Brise one touch Frühlings Blütenzauber" (oder so ähnlich!) haut Ameisen richtig aus den Latschen! Sie werden feststellen, dass die Ameisen bei der beschriebenen Behandlung sehr schnell aufgeben. Bleiben noch die Läuse. Was man gegen die macht, will ich Ihnen gerne erzählen! Aber erst beim nächsten Mal! Bleibt mir nur noch, Ihnen (wie immer) alles Gute und viel "Zuwachs" in diesem Jahr zu wünschen!
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M