Picea-Yamadori aus dem Jura

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
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avicenna
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Picea-Yamadori aus dem Jura

Beitrag von avicenna »

Im letzten Herbst war ich anläßlich einer großen Bonsaiausstellung, bei der Arbeitskreise aus ganz Frankreich und der Schweiz wunderbare Bäume ausstellten, in Genf. Auf der Rückfahrt durch den Jura konnte ich es nicht lassen, auf einer Alm einmal nach Yamadori zu sehen. Nach einem Gespräch mit dem Bauern dort, was sich im Übrigen sehr lustig gestalltete weil es mit drei Sprachen, Händen und Füßen und vielen Missverständnissen geführt wurde, bekam ich von ihm die Erlaubnis, eine krüppelige Picea aus zu graben.
Den Transport von der Alm zu meinem Auto mit der ca. 70kg schweren Fichte samt Wurzelballen machte ich mit einer großen Plane auf der ich die Fichte wie mit einem Heuschlitten über die Hänge zog, fast so wie es die Almbauern mit ihren Schlitten machen :D .
Ich hatte ständig die Frage im Kopf, ob es sich denn überhaupt lohnt, dieser Fichte und auch mir all die Strapazen zu zumuten, weil es doch immer heißt, Fichten sind verdammt empfindlich, müssen zu richtigen Jahreszeit ausgegraben werden und überhaupt sei es ganz selten, dass eine alte, große Fichte überhaupt überlebt.
Ja nun ...geborgen war sie ja bereits und sie bei diesen Gedanken dann doch dort wieder ein zu pflanzen ...??? ...einen Versuch sollte es wert sein :) .
Den Winter hat sie dann überlebt, vielleicht weil noch keine neuen Wurzeln gebildet waren und der Frost noch keine Schäden dort hinterlassen konnte. Überaus froh hat es mich dann gestimmt, als ich die ersten Knospenschwellungen sah und nun schon viele neue Triebe gewachsen sind. Auch Knospenbildungen an vorjährigen Trieben sind zu beobachten ... Es scheint also so, dass sie einen guten Start gemacht hat. Nach "Walters" Rat werde ich in den nächsten Jahren nur versuchen( zumindest zwei :D ), diese Fichte möglichst vital zu machen durch Pferdedungdüngung und lediglich Astpartien hin und wieder zu ziehen um sie ins "Licht" zu bringen. Wie sie sich im kommenden Winter verhalten wird oder besser im Austrieb im nächsten Frühjahr bleibt ab zu warten.
Zum Größenabgleich hab ich auf einem pic einmal ein Feuerzeug gelegt. Ich denke sie wird dann einmal in die Kategorie "Monsterfichten" ein zu ordnen sein :) ... mit viel Totholz und Shariearealen.

saludos
avicenna
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Nittapoke
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Re: Picea-Yamadori aus dem Jura

Beitrag von Nittapoke »

wow, :shock: ich muß schon sagen :
Monsterfichte
trifft es genau auf den Punkt...
...ein Wahnsinns Jamadori...Glückwunsch, hat sich echt gelohnt, toll auch daß er so schön am
austreiben ist, bin gespannt was daraus entsteht...
Es grüßt der Thilo

...so sennse hald, d Schwooba...
nemo
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Re: Picea-Yamadori aus dem Jura

Beitrag von nemo »

Das ist ja gewaltig,ein echt geiler baum,das war mit sicherheit
ein starkes stück arbeit den auszugraben *schwitz* ,der baum selber
schaut von dem was man sehen kann sehr vielversprechend aus,toller
fund,hoffe das er gut anwächst,und das du uns ein *updated* dieses
schönen riesens zeigst.

mfg nemo
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MartinRedlich
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Re: Picea-Yamadori aus dem Jura

Beitrag von MartinRedlich »

Die würde ich mit Handkuss nehmen!!!
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Norbert_S
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Re: Picea-Yamadori aus dem Jura

Beitrag von Norbert_S »

Kann ich gut verstehen, Martin
Wenn man direkt davor steht, sieht man viele schöne Details, die auf den Fotos naturgemäß nicht so richtig herauskommen.
Da ist lecker Totholz,herrlich überwallt, tolle Bewegung im Stammverlauf und eine traumhafte Verjüngung.

Das ist schon eine echte Sahneschnitte, aber das weiß Dietmar leider auch. ;-)

Bin gespannt auf die Entwicklung, gesund und kraftstrotzend steht sie jetzt ja in der Kiste.
Norbert

So wie du bist, so sind auch deine Gebäude
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Martin_S
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Re: Picea-Yamadori aus dem Jura

Beitrag von Martin_S »

Aus dem westlichsten Westen ein glattes "Boah geil, ey!" dafür!
Die ist ja Hammermäßig!
M
Beste Grüße
Martin

Lieber Querlüften als Querdenken!
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avicenna
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Re: Picea-Yamadori aus dem Jura

Beitrag von avicenna »

So, die Fichte hat den Winter hervorragend überlebt und begann nun auszutreiben. Ich habe zunächst noch nichts gestaltet, will dies auch in diesem Jahr noch nicht tun. Lediglich viele astpartien wurden ausgelichtet und die Höhe auf bonsaiverträgliche Maße reduziert und lediglich ASstzpartien ins Licht und in freie Räume gezogen. Meine Ansichts-und Gestaltungsseite steht bereits schon fest und auch die Richtung in die es gehen soll. Vorgabe ist ein völlig an den Baum angepasste Form und Ausüprägunbg die absolut nicht Fichtentypisch sein wird. Sie wird sehr einer dicken Brummer-Fichte von Walter ähneln .. ich kenn die Nummer gerade nicht ... Auf jeden Fall wird diese Fichte ein Rioesenbrummer werden mit ausgesprochenem Charakter und einer ganz einzigartigen Ausstrahlung. Natürlich werde ich speziell für sie eine Felsenschalöe bauen die sicherlich nur mit 4 Mann bewegt werden kann ...

Ach ... ich hab ganz oben nen Ast herausgesägt ... er zählte 50 Jahre ganz eng gestanuchte Jahresringe ... der Stammdurchmesser entspricht mindestens dem 6 fachen ... kann das Teil an die 300 Jahre alt sein ? *kopfkratz*

saludos
avicenna
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mohan
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Re: Picea-Yamadori aus dem Jura

Beitrag von mohan »

Tolles Teil!
Viele Grüße
monika
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avicenna
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Re: Picea-Yamadori aus dem Jura

Beitrag von avicenna »

Ich bin förmlich begeistert vom neuen Eindruck nach dem Rückschnitt und dem gemäßigten Auslichten. Zum Thema Alter ... Ich habe einmal den Ast, bei dem ich mit der Lupe die Jahresringe gezählt habe und auf 50 Jahre kam, gepict. Ich weiß, dass man nicht einfach die einzelnen Durchmesser summieren kann und auf den Stammdurchmesser hochrechnen um an das ungefähre Alter zu gelangen.Aber was würdet ihr schätzen, welches Alter diese Fichte wohl hat ? In der Forstwirtschaft gibt es ein Gerät, mit dem man mit einem ganz dünnen Bohrer in einen Baum bohren kann und an dessen Spitze sich ein Widerstandmessgerät befindet. Es misst die unterschiedlichen Widerstände zwischen den einzelnen Winter-und Sommerzuwächsen und ein genaues Alter ist exakt bestimmbar ohne den Baum zu schädigen. Leider hab ich sowas nicht bei der Hand ...
Aber vielleicht gibts ja einen Fichtenexperten, der aufgrund der Borkenstruktur und dem Alter des oberen Astes dem realen Alter etwas näher kommen kann.

saludos
avicenna
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avicenna
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Re: Picea-Yamadori aus dem Jura

Beitrag von avicenna »

Hier ein update von den sich entwickelnden Knospen ... einfach klasse wenn so ein Teil durchstartet :-D

saludos
avicenna
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xistsixt
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Re: Picea-Yamadori aus dem Jura

Beitrag von xistsixt »

hi dietmar!

welches ist DEINE Meinung bezüglich des Ausgrabungszeitpunktes?

(Leute ich kenn die Suchfunktion!)

Ich hab da eine picea zum Ausgraben, die Bewilligung des Försters hab ich in der Hand. Die Knospen sind noch zu da sie in einem Schattenloch wächst.

anbei noch ein paar Lärchen in der Natur. Erinnerst du dich noch als ich dich darauf aufmerksam gemacht habe das sich Lärchen wenn sie einen gebogenen Stamm haben immer zur Talseite hin neigen. Hab die Bilder mit den Fichtenbildern gefunden und gleich an dich gedacht


gruss vali
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avicenna
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Re: Picea-Yamadori aus dem Jura

Beitrag von avicenna »

Hallo Vali,
vielen Dank ersteinmal für deine tollen Lärchenpics. Ich werde diesen Aspekt sicher berücksichtigen und auch ich denke jedesmal, wenn ich meine Lärche betrachte an deine Bemerkungen dazu :) .
Für den Ausgrabezeitpunkt würde ICH ! den Zeitpunkt wählen, wenn die Knospen sich beginnen heraus zu schioeben. Dann ist der "point of no return" erreicht und das "Schwungrad" der pysiologischen Abläufe ist angeschmissen. Dann würde ich den Baum zunächst in den Schatten setzen(ähnlich wie an seinem Standort) und ihn häufig besprühen um die Luftfeuchtigkeit im Nadelbereich hoch zu halten und darüberhinaus noch häufig mit organischen Blattdüngungen besprühen. Meine Blattdüngungssprizung besteht aus Pferdemistwasser gemischt mit " .Brennesselmatsche"die auch in dem Wasserkübel so vor sich hin modern. Das Ganze wird öfter aufgewurschtelt und die festen Bestandteile setzen sich dann wieder ab und ich kann durch ein feines Sieb das Wasser in eine "Gloriaspitze" füllen und sprühen. Bei Nadelbäumen und bei Wacholdern hab ich bemerkt, dass sie dabei förmlich aufatmen und ne Menge Unterstützung kriegen.

saludos
avicenna
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xistsixt
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Re: Picea-Yamadori aus dem Jura

Beitrag von xistsixt »

Hallo Dietmar

Gerngeschehen!

Dann wäre der Zeitpunkt jetzt gerade ideal. Das Ding ist (noch) riesig, etwa 2m hoch, Stammdicke etwa 20cm

Ich würd ihn gerne schneiden und noch ein Jahr wachsen lassen. Das Problem... er steht direkt an einer vielbefahrenen Strasse... da besteht ein gewisses Langfingerisches Risiko...

vielen Dank für die Infos!

gruss vali
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avicenna
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Re: Picea-Yamadori aus dem Jura

Beitrag von avicenna »

Hola vali,
das sind ja echt Maße die einen neidisch machen :-D . Ein tolles Teil mit ner prima Stammbewegung, m.E. guten Jinanteilen im unteren Bereich und genügend oberes Grün um es herunter zu ziehen ... aber du wirst das schon super hinbekommen. Erst einmal steht ja eine Bergung und ein Überleben im Vordergrund. Deine Idee mit dem zurückschneiden und den Rückschnitt im orginalwurzelzustand ab zu warten find ich prima. Damit gewinnst du sicher eine bessere Rückknospung als wenn du im Späteren probierst.
Das Problöem mit den potentiellen Yamadorihunteranderstraßevorbeifahrerundmalschnellausteigerundeinpacker :-D , kannst du vielleicht aus dem Weg gehen, indem du ihn nicht all zu schön herichtest beim Zurücknehmen. Einfach zusätzliche, stammnahe Lichträume schaffen und wenig auf die perfekte Rücknahme achten. Ein Betreuen nach dem Rückschnitt kann dann sicher auch nicht schaden.
Vielleicht hilft es ja, wenn du weit vorn und noch einmal auf der anderen Fahrbahnseite ein Schild aufstellst, VORSICHT !!! ABSOLUTES ZECKENGEBIET !!! Bloß nicht durchs Gras laufen und an Bäumen herumzupfen !!!
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Normalo solche Hinweise tierisch ernst nimmt und kilometerweit solche Hinweise beachtet :-D . Diesen Tipp hab ich von meinem Försterspezie. Wenn der nicht möchte, dass zuviele Leute in seinen Anpflanzungen herumlaufen unbd Spazieren, stellt er solche Schilder auf und Ruhe ist im Wald :-D

saludos
avicenna
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xistsixt
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Re: Picea-Yamadori aus dem Jura

Beitrag von xistsixt »

avicenna hat geschrieben:Hola vali,

Das Problöem mit den potentiellen Yamadorihunteranderstraßevorbeifahrerundmalschnellausteigerundeinpacker :-D , kannst du vielleicht aus dem Weg gehen, indem du ihn nicht all zu schön herichtest beim Zurücknehmen. Einfach zusätzliche, stammnahe Lichträume schaffen und wenig auf die perfekte Rücknahme achten. Ein Betreuen nach dem Rückschnitt kann dann sicher auch nicht schaden.
Vielleicht hilft es ja, wenn du weit vorn und noch einmal auf der anderen Fahrbahnseite ein Schild aufstellst, VORSICHT !!! ABSOLUTES ZECKENGEBIET !!! Bloß nicht durchs Gras laufen und an Bäumen herumzupfen !!!
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Normalo solche Hinweise tierisch ernst nimmt und kilometerweit solche Hinweise beachtet :-D . Diesen Tipp hab ich von meinem Försterspezie. Wenn der nicht möchte, dass zuviele Leute in seinen Anpflanzungen herumlaufen unbd Spazieren, stellt er solche Schilder auf und Ruhe ist im Wald :-D

Das sind mal unkonventionelle Ideen. Aber das ist ein guter Tipp!

Ich bring morgen mal die Säge und die Scheren mit und werde schon mal das Unnötigste entfernen. Dieses Jahr ist das Platzangebot eh schon beschränkt, darum besser nächstes Jahr!

Danke Dietmar! Ich konnt schon mehrere male von deiner Erfahrung profitieren!

gruss vali
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