im laufe der Zeit habe ich schon einiges bei Euch gelesen, gelernt und Hilfe bekommen.
Doch man lernt ja schliesslich nicht aus!
Hier nun eine Frage zum oben genannten Thema:
Maesten, Teichkorb, lockeres Substrat etc. beguenstigen den Stammdickenzuwachs.
Irgendwo habe ich auch gelesen, dass das nicht Schneiden des neuen Austriebs dies ebenso bewirkt!
Bislang habe ich meine Bonsais immer mit einem Formschnitt im Schach gehalten und nun habe ich dass Problem, dass mein Ahorn an "einer" ungeeigneter Stelle in den Himmel treibt!!!
Kann ich diesen Trieb am Ansatz kappen oder erst im Herbst?
Wie wirkt sich das auf dem Stamm aus?
Ein Bild zum beurteilen der Situation wäresicher nicht schlecht
Grundsätzlich wirkt es sich auf den Stamm aus, wenn man Äste treiben lässt. Zu berücksichtigen ist dabei natürlich auch das Alter des Baumes, die Platzierung des Triebs am Baum, die Länge und Stärke des Triebs etc. etc. .
Meines Wissens nach kann man Ahorne bis August schneiden, was aber auch der allerletzte Termin vor der Winterruhe wäre.
Wenn du uf dauer Dickenwachstum erreichen willst, kannst du den Trieb noch einen Monat wachsen lassen, wenn die aktuellen Proportionen beibehalten werden sollen, kannst du auch schneiden, denke ich.
Zum eingewachsenen Draht: Zwei Schichten Aludraht befinden sich auch heute noch unter der Borke, man kann den Verlauf noch an den spiralfoermig nach oben laufenden Linien erkennen. Ich habe das damals probiert, weil es um nichts ging: Es war eine bleistiftduenne, aus dem nahen Wald geholte Foehre. Nach einigen Jahren hatte sie schon einen ansehnliche Stammdicke.
meistens sehen die Ergebnisse dieser Drahtmethode leider sehr schlecht und unnatürlich aus. Ich kenne eigentlich kein wirklich überzeugendes Ergebnis. Bei Laubbäumen schon gar nicht.
Bei Laubbäumen ist es in der Regel ja auch gar kein Problem, durch starkes Durchwachsen von Opfertrieben die gewünschten Stammverdickungen in wenigen Jahren zu erreichen. Diese Methode würde ich jederzeit allen anderen vorziehen. Die Schnittstellen, wo die Opfertriebe später entfernt werden, wachsen in der Regel schnell und gut zu, da der Baum durch das starke Wachstum große Vitalität bekommen. Anfänger haben meist einen Grusel vor größeren Schnitten, aber der ist in solchen Fällen unnötig.
Viele Grüße,
Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...
auch vielen Dank fuer Deine "schnelle" und fachliche Antwort!
Heike_vG hat geschrieben:
Ich kenne eigentlich kein wirklich überzeugendes Ergebnis.
Die im verlinkten Beitrag gezeigte silvestris gefiel mir jedoch ausserordentlich gut.
Bild: http://www.bonsai-fachforum.de/download ... hp?id=6383
Aber ich bin auch nicht derjenige der gerne ein Risiko eingeht, wenn man es mit anderen Methoden auch "gezielt" schafft.
Heike_vG hat geschrieben:
Die Schnittstellen, wo die Opfertriebe später entfernt werden, wachsen in der Regel schnell und gut zu, da der Baum durch das starke Wachstum große Vitalität bekommen. Anfänger haben meist einen Grusel vor größeren Schnitten, aber der ist in solchen Fällen unnötig.
Da hast Du Recht.
Ich hatte mir vor zwei Tagen ein paar Rohlinge angeschaut, die mit einem "schraegen Schnitt" an der Stammspitze endeten. Der darunter wachsende Ast wird dann ja spaeter hochgebogen, um eine neue Spitze zu erzeugen, der die Schnittstelle ueberwaechst.
Aber dies finde ich auch recht unnatuerlich (der Stammverlauf verjuengt sich zu stark auf kurzer Distanz)! Hast Du dafuer ein ansehnliches Beispiel?
die gezeigte Waldkiefer sieht in der Tat gut aus! Aber gerade bei Nadelbäumen wie der Pinus silvestris gibt es riskoärmere Methoden zur gezielten Verdickung. Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, im entsprechenden Bereich Löcher zu stechen. Meine Literatenkiefer, die ich auch in Lippstadt zeige, ist dadurch sehr verbessert worden. Sie hatte eine negative Verjüngung und keine Borke im unteren Bereich, davon sieht man jetzt nichts mehr und es hat keine Jahre mit hässlichen Drähten und Narben gegeben.
Auch eine Möglichkeit ist, eine straffe Bandage für einige Zeit anzulegen, so dass das Kambium gedrückt und gereizt wird. Danach explodiert das Dickenwachstum geradezu. Ich hatte einen Ast meiner besagten Kiefer stramm mit Raffia bandagiert und gedrahtet. Nach ein paar Monaten etwa habe ich das bereits wieder entfernen entfernen können und dann habe ich gestaunt, wie sich der Ast anschließend verdickt hat.
Die von Dir erwähnten schrägen Schnitte bei Laubbäumen, wo an der Spitze ein Stamm gekappt wurde und die Verjüngung mit einem jungen Ast weitergeführt wird, brauchen natürlich etwas länger zum Verwachsen. Wichtig ist, dass der neue Spitzenast auch wieder längere Zeit durchwachsen darf, ruhig mal zwei Jahre lang, und dabei kann er auch 1,50 oder 2 m lang werden (mit Holzstäben stützen). Dann wiederholt sich das Schneiden und wieder wachsen lassen noch ein oder zweimal.
Wenn man einen Baum jedoch von Anfang an aus einer Jungpflanze entwickelt, gerade bei kleiner Endhöhe, sollte man danach trachten, frühzeitig die Spitze angemessen zu bremsen und die unteren Äste verstärkt wachsen zu lassen, damit man früh eine bessere Verjüngung und ein gutes Tachiagari (unterer Stammabschnitt zwischen Nebari und erstem Ast) bekommt und sich hinterher die ganz große Schnittstelle sparen kann.
Ich kann Dir hier zwei Beispiele zeigen, das eine für den ersten Fall mit größeren Schnitten und abrupterer Verjüngung, das andere für den zweiten Fall mit kleineren Schnitten, die bereits verwachsen sind, und stark gewachsenen unteren Ästen.
Beide Bäume habe ich erst seit diesem Jahr. Die Hainbuche (Fotos vom Mai) muss Verzweigung aufbauen, vor allem im Spitzenbereich fehlt eine Menge, und die Azalee ist jetzt nach der Blüte stark beschnitten und der rechte untere Ast entfernt (davon habe ich leider noch kein neues Foto).
Viele Grüße,
Heike
Dateianhänge
Koreanische Hainbuche. In der Spitze sind zwei Absätze zu erkennen. Rechts unten ist auch ein dicker Ast gekappt und ein neuer erster rechter Ast entwickelt worden.
DSCF7573k.JPG (64.26 KiB) 1325 mal betrachtet
Schnittstelle oben auf der Rückseite. Sie braucht noch ein paar Jahre zum Zuwachsen.
DSCF7581k.JPG (65.97 KiB) 1325 mal betrachtet
Schnittstelle am rechten ersten Ast. Auch sie wird in einigen Jahren zuwachsen. Sie liegt so günstig, dass man sie von vorne nicht direkt sieht.
DSCF7582k.JPG (61.19 KiB) 1325 mal betrachtet
Satsuki-Azalee, Shohin. Sie wurde mit stark wachsenden unteren Opferästen entwickelt und in der Spitze wurden die Triebe immer rechtzeitig wieder gekürzt bzw. entfernt. Es ist keine Schnittstelle größer als 1 cm und alle schon zu.
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Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...
Lass mal lieber alles noch wachsen, das ist ja noch ein sehr dünner Stängel. Der Spitzahorn verdickt sich aber sehr rasch, wenn man ihn schön wuchern lässt.
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...
Heike_vG hat geschrieben: ....ist jetzt nach der Blüte stark beschnitten .....
Viele Grüße,
Heike
Hallo Heike, ich hätte da eine Frage : darf man eine japanische Aprikose und eine Brautkirsche nach der Blüte kräftig zurückschneiden ?
Ich habe nämlich 2 (wie mir scheint) geeignete Containerpflanzen gekauft, habe sie zunächst nur grob in der Länge (Aprikose) und fast gar nicht (Brautkirsche) zurückgestutzt um die Blüten nicht zu verlieren.
Jetzt stehen sie voll in Blüte aber ich würde sie gerne nach der Blüte stark zurückschneiden um zur gewünschte Form zu kommen.
Kann man das jetzt machen, oder muss ich bis zum Herbst oder Frühjahr oder Winter (Winterschnitt) warten um die Pflanzen nicht zu gefährden ?
Vielen Dank
LG Herbert
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Wenn immer der Klügere nachgibt, dann geschieht nur das was die Dummen wollen !
sowohl Aprikose als auch Zierkirsche kannst Du am besten nach der Blüte zurückschneiden. Dann ist die Gefahr, dass Äste die man behalten will absterben am geringsten.
Viele Grüße,
Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...