Todholzkonservierung bei einer Rose

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Thomas P.
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Todholzkonservierung bei einer Rose

Beitrag von Thomas P. »

Hallo,
ich hatte ein Problem mit einer Rose.
Rosenholz kann recht hart sein, das Spundholz ist allerding weich und bröselig.
Wenn es nass wird saugt es sich voll wie ein Schwamm setzt Algen an und verrottet.
Das Wetter war permanent feucht von oben. Es musste akut was passieren.

Da ich weder Pall´schen Holzhärter noch den Cleaner so schnell beschaffen konnte, habe ich mal bischen experimentiert.
Im Biotreecleaner sind Tenside drin. Bio warscheinlich, weil sie aus Pflanzenölen gewonnen werden.
Hier kam bei mir Mem Algen- und Moosentferner zum Einsatz.

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Vom Härter wusste ich , dass Aceton als Lösungsmittel zum Einsatz kam.
Aus dem Chemieunterricht weiß man, dass A. diverse Kunsstoffe löst, aber die meisten nur an nicht auf.
Gibt man z.B. Schaumpolystyrol in A. zischt es und die Perlen lösen sich und sinken als schlierende Masse auf den Boden der Flüssigkeit.
Aceton löst aber vollständig Harze und eines der härtesten ist Kolophonium.
Das gibts im Bastelladen zum Löten oder auch im Musikgeschäft (Geigenharz).

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Man löst in wenig Aceton so viel wie möglich Harz. Die Lösung kann man dann ggf weiter verdünnen. Faustregel: Morsches poröses Holz unverdünnt (viel Harz), festes Holz nach Bedarf verdünnen (wenig Harz).
Hier die Utensilien. Wichtig, einen Naturhaarpinsel nehmen, Synthetik löst sich in Aceton auf.
Ebenso Glas statt Plast fürs Mischgefäß

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Eine Probe an einer Holzprobe zeigte , es geht.

Hier nun die Rose:
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Vorn das Todholz sollte weg, der Grünbelag auf dem schwämmigen Todholz ebenfalls.
Und natürlich sollten das morsche Holz konserviert werden.
Der Grünbelag wurde mit Mem Grünbelagentferner betupft (Schwamm,Lappen,Pinsel).
Nach einem Tag Einwirkung war der Belag fast Rückstandslos weg.
Leichte Rückstände ließen sich mit einer Zahnbürste oder Messingbürste entfernen.
Nach dem Entfernen des Todholzes kam ein schon prima überwallter Stammdurchbruch zum Vorschein.

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Morsches verrottetes Holz wurde entfernt und der gesamte Durchbruch , welcher sich bis unter die Erde zieht, mit meiner Kolophonium-Aceton-Lösung eingepinselt.

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Der Baum nach dem Säubern,...
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mit Jinmittel behandelt,...
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mit Pallmerschem Holzhärter bepinselt
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Vor und nach der Härterbehandlung:

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Die Unterschiede sind auf den letzten beiden Bildern recht deutlich zu sehen.
Das Holz dunkelt etwas nach was ja durchaus gewünscht ist. Wichtig, die bröseligen Stellen sind wieder stabil und nehmen kein Wasser auf, schlucken aber auch Härterlösung ohne Ende.
Vorteil der gezeigten Variante ist, man kann kleine Ansätze für kleinere Arbeiten machen.
Aceton verdunstet wie nix und wenn man nur alle Jahre mal sowas braucht ist eine 20 Euro-Büche auch schnell mal eingetrocknet.

Fazit, es funktioniert.
Trotzdem werde ich sicher auch mal den Pall´schen Härter testen, wenn er mir in die Finger kommt.
Viele Grüße
Thomas Pallmer

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holgerb
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Re: Todholzkonservierung bei einer Rose

Beitrag von holgerb »

Thomas,

coole Sache, an Dir ist wirklich ein Tüftler verlorengegangen...

wenn Aceton nicht so erbärmlich die Schleimhäute ansengen würde, ich tät's glatt gegen das Tetrazepam tauschen.... Macht bestimmt auch ganz relaxt... (leider kann man davon wohl auch abhängig werden), aber Spaß beiseite, ,it Benzos macht man keine Späße!

*up*
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Andreas Ludwig
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Re: Todholzkonservierung bei einer Rose

Beitrag von Andreas Ludwig »

Thomas - Lacke «alter Art» wie der hier interessieren mich: Wie verhält es sich mit der Dauerhaftigkeit von Kolophonium?
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Georg
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Re: Todholzkonservierung bei einer Rose

Beitrag von Georg »

Andreas,
ich antworte Dir mal als Cellist seit dem 7. Lebensjahr und seit dieser Zeit mit Colophonium vertraut.
Das Zeug hält sich bis jetzt während meiner ganzen Lebenszeit, und ich bin jetzt jenseits der 50..
Colophonium ist nicht abriebsfest, denn es soll ja die Rosshaare mit einem dünnen Staubfilm "anharzen", damit die Rosshaare auch auf den diversen Stahl- oder Darmsaiten Widerstand geben und die Saiten zum Schwingen bringen.
Das Harz ist sehr fest, nicht elastisch, und splittert leicht ab. Eine glatte Oberfläche von Colophonium muß aber eine gewisse Zeit mit dem Rosshaar bearbeitet werden, damit die glatte Oberfläche aufrauht und der Staub sich abrassiv auf die Haare übertragen läßt.
Wie es mit Wasser sich verhält, habe ich logischerweise nicht ausprobiert, müßte aber resistent sein.
Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben geben, daß Du es sagen darfst(Voltaire)
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Hinomaru
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Re: Todholzkonservierung bei einer Rose

Beitrag von Hinomaru »

Hallo Thomas,

Danke für den Bericht. Ich habe hier noch jede Menge an Copal rumliegen, ist ja im Prinzip die nächste Form der Fosilienbildung nach dem Kolophonium und löst sich noch auf im Gegensatz zu fertigem Bernstein.

Bei uns die Männelmacher haben früher viel Copallacke verwendet sind aber jetzt davon abgekommen. Nur leider glänzen die meist wie Speckschwarte. Ich werde es aber mal versuchen.
Tschüß Micha
Andreas Ludwig
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Re: Todholzkonservierung bei einer Rose

Beitrag von Andreas Ludwig »

Danke Georg - aber ich meinte Eigenschaften, wie man sie Lacken und Firnissen abverlangt - quillt, gilbt, blatert, reisst, schmiert, bröckelt, verdampft, verfärbt sich das Zeugs usw.? Die Anwendung von Kolophonium als totholzkonservierendes Harz ist ja «aussen extrem» - UV, Feuchtigkeit, Temperaturunterschiede, Frost etc. Darum ist in Walters Härter wohl ein Kunststoff.

Nachtrag @ hinomaru - Berntsteinfirnis habe ich schon probiert, beide (Terpentinöl und Alkohol). Sehen beide ganz schlecht aus und beide verwittern innerhalb kurzer Zeit (1 bis 2 Jahre). Sieht danach eher aus wie Pilz oder Flechte...
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Thomas P.
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Re: Todholzkonservierung bei einer Rose

Beitrag von Thomas P. »

Hallo Andreas,
Kolophonium ist quasi nix anderes als Kiefernharz.
Ich mache also vom Prinzip her aus Laubholz Kiefernholz, was ja bekanntermaßen nicht so schnell verrottet.
Der Unterschied von Aceton zu Terpentin es dringt tiefer ein , verdunstet schnell und komplett.
Zurück blebt das ausgehärtete Harz.
Terpentin bleibt immer etwas ölig und wird durch Wind und Wetter auch wieder ausgewaschen.
Viele Grüße
Thomas Pallmer

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avicenna
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Re: Todholzkonservierung bei einer Rose

Beitrag von avicenna »

Super Beitrag und sehr informativ. Werd ich auf jeden Fall abspeichern und ausprobieren ;-)
Vielen Dank dafür ;-)
saludos
avicenna
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schmieda
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Re: Todholzkonservierung bei einer Rose

Beitrag von schmieda »

Hallo Thomas

Interessante Idee. Ich glaube, das probiere ich nächstes Jahr auch mal aus.
Gruß
Frank :)

++++ Gießen: Hessischer Botaniker findet heraus, wie Pflanzen länger leben ++++
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Robert S.
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Re: Todholzkonservierung bei einer Rose

Beitrag von Robert S. »

Hallo Thomas,

danke für die Beschreibung Deiner Konservierungsmethode.
Ich hab mich ja vor geraumer Zeit auch schon mal an das Thema Totholzkonservierung mittels Zwei-Komponentenharz gemacht.
Allerdings scheint mir Deine Methode für viel praktikabler und vom Ergebnis her erfolgversprechender.
Werd ich auf jeden Fall ausprobieren. Danke!

Servus,
Robert
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akamazu
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Re: Todholzkonservierung bei einer Rose

Beitrag von akamazu »

Hallo Thomas

Ich wollte mich mal danach erkundigen, über die Erfahrungen deiner Anwendungen nach 2 Jahren nun.

Gruß Ralf
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