Pilz auf Totholz von Hainbuche

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
Antworten
Benutzeravatar
Igor
Beiträge: 509
Registriert: 16.01.2007, 19:47
Wohnort: Vorarlberg

Pilz auf Totholz von Hainbuche

Beitrag von Igor »

Servus Miteinander,

ich beobachte schon seit geraumer Zeit, wie sich eine Pilzkultur auf dem Totholz meiner großen Hainbuche ausbreitet. Bin mir jetzt nicht sicher, ob es ein Grund zum Jubeln ist - oder ob ich die Chemiekeule schwingen soll. Langsam werde ich ein wenig nervös, da mir diese wuchtige Hainbuche schon sehr ans Herz gewachsen ist *deep*

Ist diese Art von Baumpilz ein Schädling, oder wirklich nur harmlos? Kennt sich jemand von euch aus, um welchen Pilz es sich dabei handelt?

Leute, ich bin euch um jeden Ratschlag sehr dankbar :!:

Vielen Dank und schöne Grüße,
Igor
Dateianhänge
Auf Tohtholz Aussenwand
Auf Tohtholz Aussenwand
Pilz Hainbuche2.jpg (65.84 KiB) 886 mal betrachtet
Im Stamminneren - Krone
Im Stamminneren - Krone
Pilz Hainbuche1.jpg (67.17 KiB) 886 mal betrachtet
Benutzeravatar
avicenna
Beiträge: 2306
Registriert: 04.08.2009, 22:29
Wohnort: niedersachsen ... emsland

Re: Pilz auf Totholz von Hainbuche

Beitrag von avicenna »

Hallo Igor,
dass was Du von dem Pilz dort siehst sind lediglich die Fruchtkörper, sozusagen die "Blüten" des Pilzes. Der Pilz selber wird sich im toten Holz mit seinem Mycel weitverbreitet ausgedehnt haben. Da er kein Chlorophyll besitzt kann er keine Photosynthese machen ... muss sich aber irgendwie ernähren ... wie alle Pilze . Das tut er durch die Zersetzung von organischem Material ( sog Saprophyten s.http://de.wikipedia.org/wiki/Saprobiont )und er schöpft dies aus dem toten Holz. Ist der Baum vital, hat er in den Grenzbereichen von totem Holz zu den lebenden Zellen eine eigene Abwehr und kommt in der Regel gut damit zurecht. Da das Holz im Inneren eines Baumes jedoch lediglich Stütz- und Gerüstfunktion hat und nicht lebt ( bis auf vielleicht 2-3 Jahresringstrukturen), wird der Pilz sich gerade dort aufhalten und die organischen Reststrukturen weiter "auflösen". In der Natur wäre dies fatal, weil er daurch seine Stabilität im Stamm verlieren und irgendwann Windbruch erleiden würde und seinen Standortvorteil zum Licht verlöre. Bei Bonsai ist dies ja nun in der Regel nicht der Fall :) .
Also .. wenn du das Totholz so in der Form eher behalten möchtest, solltest du die Chemiekeule einsetzen und das Holz konservieren ...also die organischen Strukturen in den Zellen austauschen gegen eher Bakterien und pilzresistente Kunststoffe die Du mit einem Lösungsmittel in die Zellen bringst. Beim Einsatz von Fungiziden, also Gifte die den Pilz als Solchen abtöten, wird es so sein, dass nach Abbau dieser Stoffe auf kurz oder lang nachgearbeitet werden muss und !! dass Du Gefahr läusft, durch das Abtragen dieser Fungizide ins Substrat möglicherweise die Mikrofauna mit einem Rundumschlag beeinträchtigst.
Pilzmycele in der Bodenstruktur sind ja auch für die Erschließung von organischem Material für die Bäume wichtig (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Mykorrhiza ).
Hm also was tun ? Das müsstest Du nun entscheiden ... Lässt du ihn dort wo er ist baut er Dir dein Totholz ab ... auch nicht schlecht :D . Nährst Du den Baum gut, wird es nichts ausmachen und es ist eine natürliche gestalterische Komponente ... willst du das Totholz behalten so wie es ist, musst du den Baum an den Stellen mit Fungizieden Tränken, ihn vielleicht auf die Seite legen, damit das "Gift" nicht der Schwerkraft folgend in den Boden läuft und danach das Holz konservieren. Ob die Wirkung dieser "Tränkmaßnahme" jedoch bis in die kleinsten Stellen kommt bleibt fraglich. Auch wenn du oberflächlich konservierst, wird im Inneren immer noch die Gefahr bestehen, dass der Pilkz dort weiterlebt. Auch ohne allzuviel Sauerstoff.

O.k das ist mein Sermon dazu, vielleicht hat ja ein Anderer bessere Tipps :D
saludos
avicenna
Benutzeravatar
Igor
Beiträge: 509
Registriert: 16.01.2007, 19:47
Wohnort: Vorarlberg

Re: Pilz auf Totholz von Hainbuche

Beitrag von Igor »

Servus Avicenna,

herzlichen dank für die ausführliche Antwort 8) Genau deswegen liebe ich das BFF so sehr *clap* ... Wenn man ein Problem hat, bekommt man binnen kürzester Zeit eine Hilfestellung!

Was ich jetzt aber trotzdem nicht verstehe ... Neben den von dir genannten Pilz-Typen gibt´s doch auch andere, die als Schädlinge bzw. Krankheit auftreten. Genau die, die einen Baum tot machen :cry:

Woran erkenne ich, dass die Pilze auf meiner Hainbuche wirklich nur "Zersetzer" sind? Kann man diesbezüglich irgendwo im Internet nachschlagen ...

Vielen, vielen Dank nochmals!!!

sg-Igor
Benutzeravatar
Walter Pall
Botschafter
Beiträge: 7096
Registriert: 05.01.2004, 19:15
Wohnort: Attenham bei München
Kontaktdaten:

Re: Pilz auf Totholz von Hainbuche

Beitrag von Walter Pall »

Das erkennst Du daran, dass der Baum ganz rasch verfällt. Dann ist es auf jeden Fall zu spät. Wenn ein Pilz sichtbar ist und der Baum über längere Zeit gut aussieht, dann ist der Pilz ungefährlich und geht nur ins tote Holz. Ich mache ins solchen Fällen - nichts.
Nur wenn ich den Rotpustelpilz sehe, wende ich unverzüglich ein starkes Fugnizid an. Nach meiner Erfahrung hilft Holzhärter satt auf die befallene Stelle gut.
Zuletzt geändert von Walter Pall am 03.10.2010, 19:42, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
avicenna
Beiträge: 2306
Registriert: 04.08.2009, 22:29
Wohnort: niedersachsen ... emsland

Re: Pilz auf Totholz von Hainbuche

Beitrag von avicenna »

Hallo Igor,
sieh mal hier nach und vergleiche http://www.baumportal.de/Pilze_Galerie/baumpilze.htm ... vielleicht kannst Du deinen Pilz dann auch mit Namen anreden :D Oder weitersurfen auf dieser side unter "Laubbäume" und dann unter "Hainbuche" nachschlagen ... vielleicht ist er dabei ... mit dieser Seite kommt man schon weiter ... viel Erfolg.
saludos
avicenna
Zuletzt geändert von avicenna am 03.10.2010, 20:07, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Igor
Beiträge: 509
Registriert: 16.01.2007, 19:47
Wohnort: Vorarlberg

Re: Pilz auf Totholz von Hainbuche

Beitrag von Igor »

Walter Pall hat geschrieben:Das erkennst Du daran, dass der Baum ganz rasch verfällt. Dann ist es auf jeden Fall zu spät. Wenn ein Pilz sichtbar ist und der Baum über längere Zeit gut aussieht, dann ist der Pilz ungefährlich und geht nur ins tote Holz. Ich mache ins solchen Fällen - nichts.
Nur wenn ich den Rotpustelpilz sehe, wende ich unverzüglich ein starkes Fugnizid an. Nach meiner Erfahrung hilft Holzhärter satt auf die befallene Stelle gut.
Genau das mit dem "gut aussehen" beunruhigt mich ein wenig, Walter. Der Baum wurde im Frühjahr aus dem alten Sand-Substrat genommen und in ein gscheites, modernes Substrat getopft. Während der gesamten Vegetationsperiode hatte der Baum nie so richtig gesund ausgesehen. Wahrscheinlich hat ihm das Umtopfen ein wenig zum "Schaffen" gemacht.

Jetzt da der Pilz an den Oberflächen der großen Wunden ersichtlich ist und ich im Netz ein wenig über die Pilzart "Schmetterlingstramete" gelesen habe, ergibt alles ein wenig Sinn :(
Schmetterlingstrameten siedeln sich an großflächigen Baumwunden an und zersetzt die bereits toten Holz-Zonen. Bei schwachen Bäumen geht die Zersetzung sogar weiter bis ins gesunde Holz.

Auf dem Foto (März 2010) könnt ihr sehen, dass die Wunden in der Tat großflächig sind. Was wäre jetzt das beste, was ich für die Hainbuche tun könnte? So wie es bei "Baumkunde" beschrieben ist, sind weite Teile des Holzes weich und trocken-modrig. Die Totholzarbeit müsste sowieso mal zu Ende gebracht werden ...

sg-Igor
Dateianhänge
Carpinus2.jpg
Carpinus2.jpg (65.16 KiB) 791 mal betrachtet
Benutzeravatar
avicenna
Beiträge: 2306
Registriert: 04.08.2009, 22:29
Wohnort: niedersachsen ... emsland

Re: Pilz auf Totholz von Hainbuche

Beitrag von avicenna »

Die Schmetterlingstramete hab ich auch gefunden ;-) hat zwar ne andere Färbung als deine Variante aber die varieren schon ein wenig.
Nun ... so vorgehen wie oben beschrieben, die modrigen Anteile entfernen und auskratzen, die totholzarbeiten abschließen und vor allem den Baum stärken und düngen und kräftigen ... dann kann er sich schon von selbst helfen. Er bekommt bei Dir doch alles was er braucht und wird wohl nicht innerhalb einer Wachstumsperiode zerfallen ;-) ... Mach ihn stark dann wird er es schon schaffen ... und der Pilz ist nur in wirklick geschädigten Pflanzen letal wirksam ... oder so :D
Also ruhig Brauner :D
saludos
avicenna
Zuletzt geändert von avicenna am 03.10.2010, 20:17, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Igor
Beiträge: 509
Registriert: 16.01.2007, 19:47
Wohnort: Vorarlberg

Re: Pilz auf Totholz von Hainbuche

Beitrag von Igor »

PAAAANIK *blabla*

:P :lol: :lol:

Nein so arg ist´s noch nicht, aber ein wenig beunruhigen tut´s mich schon :wink:

lg-Igor
Antworten