Myrtus communis - Myrte - Baumportrait

Beschreibung der Arten
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Josef Knieke
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Myrtus communis - Myrte - Baumportrait

Beitrag von Josef Knieke »

Myrtus communis – Myrte - Baumportrait


Kurzbeschreibung :

Herkunft .............: Mittelmeerraum
Blatt....................: lanzettförmig, grün, glänzend, kreuzgegenständig
Blüte....................: weiß
Früchte................: kurz gestielte, blauschwarze Früchte, die bis zu 30 Samen enthalten können
Standortansprüche...: bevorzugt sonnig bis halbschattig , in den heißen Monaten jedoch schattig
Winterpflege............: nicht frosthart, Kalthaus empfehlenswert
Eignung als Bonsai...: sehr gut geeignet

Pflegekalender (Excel-Datei) zum Download

Bilder in der Galerie gibt es hier


Allgemeines:

Die Myrte ist im Mittelmeerraum beheimatet und gehört dort zu der sogenannten Hartlaubflora. Sie ist ein immergrüner, reizvoller Zierstrauch mit ledrigharten, dunkelgrünen, lanzettförmigen Blättern. Kleine weiße Blüten bilden sich von Juni bis Herbst in den Blattachseln. In seiner subtropischen Heimat kann die Pflanze als Strauch oder kleiner Baum 3-5 m hoch werden.
Myrten gehören zur Familie der Myrtaceae (Myrtengewächse) zur der u.a. auch die Gewürznelke und der Eukalyptus gehören.
Die über 100 Gattungen Myrtengewächse sind in den Gebieten der Tropen und Subtropen beheimatet.

Die Myrte ist bei uns eine der ältesten Zimmerpflanzen und genoß bereits im Altertum großes Ansehen. Sie findet bei uns seit Menschengedenken als Topf- oder Kübelpflanze Verwendung, ist aber auch als Brautschmuck bekannt. Daher stammt auch der Name Brautmyrte.
Bereits die Christen und Römer schmückten ihre jungfräuliche Braut mit einem Myrtenkranz, als Symbol der über den Tod hinausgehenden Liebe.
Seit dem Mittelalter wird die Brautmyrte bei uns als Heil- oder Gewürzpflanze verwendet.
Die ätherischen Öle der Myrte finden bei der Herstellung von Parfüm und Medizin Anwendung. Aus den Beeren können Liköre gewonnen werden.


Als Bonsai:
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Die Myrte eignet sich aufgrund ihrer kleinen Blätter, der feinen Verzweigung, der Blütenbildung und der guten Schnittverträglichkeit sehr gut zur Bonsaigestaltung.
Sie wächst strauchartig, ein außergewöhnliches Dickenwachstum ist jedoch nicht zu erwarten. Ihre aromatisch duftenden Blätter erscheinen kreuzgegenständig.
Die kleinen, weißen Blüten bilden sich i.d.R. im Juni. Das bedeutet, wenn ich die Myrte zum Blühen bringen will, sollte sie ab Ende April nicht mehr geschnitten werden. Die sich nach der Blüte bildenden blau / schwarzen, etwa johannisbeergroßen Früchte, bleiben bis zum nächsten Frühjahr am Baum.
In unseren Breiten würde man sie als „Zimmerbonsai“ oder Indoor bezeichnen. Geeignete Bonsai, die bei uns in Zimmerkultur gehalten werden können, gibt es nicht viele. So machen trockene Heizungsluft, schlechte Lichtverhältnisse und mangelnde Luftbewegung unseren Pflanzen zu schaffen. Werden grundsätzliche Hinweise beachtet, kann die Brautmyrte auch im Zimmer gehalten werden.
Grundaussage ist jedoch auch weiterhin, jede Zimmerpflanze sollte, sofern es die Temperatur zuläßt, ins Freie gestellt werden.


Pflanzenbeschaffung:


Die Myrte ist als Topfpflanze in nahezu jedem Baumarkt zu erhalten. Im Bonsaifachhandel werden sie seltener, höchstens als Jungpflanze angeboten.
Steckling
Steckling
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Standort:

Myrten wollen hell und luftig, aber nicht vollsonnig stehen. Ab Mai, nach den Eisheiligen, stellen wir unsere Myrten nach draußen an einen leicht sonnigen Platz. - Vorsicht vor Spätfrösten!!

Myrten neigen sehr zum Sonnenbrand. - Das bedeutet wenn ich meine Pflanzen ausräume muß ich die direkte Sonne meiden. Des Weiteren sollte eine zu starke Sonneneinstrahlung auf den Wurzelballen vermieden werden. Die zum Teil frei liegenden Wurzeln können verbrennen, so daß die Pflanze Schaden nimmt.
Ein Wanderschatten, der die heiße Mittagssonne abhält, wäre von Vorteil. Während der heißen Monate sollte die Myrte schattig bis halbschattig stehen.
Im Herbst muß die Myrte vor den ersten Frösten wieder ins Haus geholt werden. In verschiedenen Büchern wird zwar erklärt, daß sie auch leichte Frost übersteht. Dies bezieht sich jedoch auf alte, tief verwurzelte Exemplare in ihrer Heimat. Einer Topfpflanze oder einem Bonsai in flacher Schale würde ich diese Bedingungen nicht zumuten.
Der Standort über die Wintermonate kann sehr unterschiedlich sein. So wären die optimalen Bedingungen im Haus bei hellem und kühlem Standort (ca. 8 - 12 °C). Kalthausbedingungen um etwa 5°C werden ebenfalls toleriert.
Steht sie etwas wärmer, darf sie auf gar keinem Fall über der Heizung stehen. Unsere Heizungsluft ist zu trocken. Zimmertemperaturen bei 20°C sind akzeptabel, wenn die Temperatur nachts abgesenkt wird.
Je wärmer der Standort gewählt wird, desto heller sollte er sein. Daraus ergibt sich zwangsläufig, daß man öfter gießen bzw. das Substrat kontrollieren muß. Bei warmen, trockenen Standort steigt die Gefahr von Schädlingsbefall.
erste Gestaltungsversuche
erste Gestaltungsversuche
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Umtopfen / Substrat:

Myrten sollten nur alle 3 bis 5 Jahre umgetopft werden, denn so lange sich die Wurzeln ausbreiten können, blühen sie nicht. Junge Pflanzen können in kürzeren Abständen umgetopft werden. Dabei können zu lange Wurzeln maximal um ein Drittel eingekürzt werden. Beim Umpflanzen ist unbedingt darauf zu achten, daß der Wurzelansatz frei bleibt und die Pflanze nicht tiefer als zuvor ins Gefäß gesetzt wird.
Danach wird kräftig gewässert und die Pflanzen sollte so hell wie möglich, jedoch ohne direkte Sonneneinstrahlung aufgestellt werden. Ein Übersprühen des Baumes mit kalkarmen Wassern ist sowohl nach dem Umtopfen, als auch im Sommer (nicht in der prallen Sonne) von Vorteil.
Der beste Zeitpunkt zum Umtopfen mit gleichzeitigem Wurzelschnitt ist das zeitige Frühjahr.
Als Substrat hat sich eine Mischung aus Akadama, Humus und Lavagranulat bewährt. Wenn kein Humus vorhanden ist, kann auch hochwertige Blumenerde verwendet werden. Grundsätzlich sollte das Substrat bei einem PH-Wert von etwa 6-7 leicht sauer sein. Torf oder Azaleenerde ist nicht zu empfehlen, das Substrat ist zu sauer!


Gießen / Düngen:

Bei sonnigem Stand braucht die Myrte sehr viel Wasser, Staunässe ist aber auf jeden Fall zu vermeiden. Hängen im Sommer die Triebspitzen herab, sollte sofort ausgiebig gegossen oder die Pflanze getaucht werden.
Ballentrockenheit ist unter allen Umständen zu vermeiden. – Sollte der Ballen unglücklicher Weise komplett durchtrocknen, würde dies unweigerlich den Tod der Pflanze bedeuten!!!
Im Winter ist besonders vorsichtig zu gießen. Das Substrat sollte nur mäßig feucht gehalten werden.
Es sollte möglichst kein hartes oder kaltes Wasser verwendet werden. Wenn über die Winterzeit mit kalkhaltigem Wasser gegossen wird, weil kein Regenwasser zur Verfügung steht, schadet dies der Myrte nach meinen Erkenntnissen nicht. - Es entstehen u.U. am Stammansatz oder am Schalenrand häßliche Kalkablagerungen, die aber mit einer Bürste (z.B. Zahnbürste) problemlos entfernt werden können.

Myrten werden von Frühjahrsbeginn bis Ende September gedüngt. Organischer Dünger in fester Form hat sich bewährt. Die Verwendung von normalem Blumendünger bereitet aber keine Schwierigkeiten. Allerdings ist es ohnehin ratsam die Düngersorte hin und wieder zu wechseln. Während der heißen Jahreszeit und in den Wintermonaten sollte auf das Düngen verzichtet werden.
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Trockenschaden, die Feinverzweigung hat Schaden genommen
Trockenschaden, die Feinverzweigung hat Schaden genommen
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Gestaltung:

Myrtus communis wächst relativ schnell und verzweigt sich selbst ohne besondere Schnittmaßnahmen recht gut. Dies ist allerdings auch der Grund, dass man bei der Bonsaigestaltung schon recht früh mit dem Formschnitt beginnen sollte. Je eher die Myrte zurück geschnitten wird, umso schneller verzweigt sie sich. Überflüssige Zweige und Triebe werden komplett entfernt. Es sei denn, die Äste sollen zur Totholzgestaltung herangezogen werden.
Die verbleibenden Triebspitzen werden bis auf 2 Blattpaare zurück geschnitten. Schnell entwickelt sich eine feine Verzweigung mit frischem Neuaustrieb.
Der Neuaustrieb kann das ganze Jahr über pinziert oder wenn er etwas länger herausgewachsen ist, geschnitten werden.
Soll unsere Myrte Blüten ansetzen, darf sie ab Ende April nicht mehr geschnitten oder pinziert werden. Nach der Blüte erfolgt ein erneuter Rückschnitt.
Bei jedem Rückschnitt ist darauf zu achten, dass an den Triebenden noch mindestens ein Blattpaar bestehen bleibt. Ansonsten treibt die Myrte gar nicht oder nur sehr widerwillig wieder aus. Myrtus treibt in der Feinverzweigung sehr schlecht aus dem alten Holz aus. Die Feinverzweigung stirbt dann in diesem Bereich ab.
Wird ein Schnitt bis aufs Grundgerüst der Äste vorgenommen, so dass sich keine Blätter mehr auf den Pflanzen befinden, treibt die Myrte aus dem alten Holz aus. Dann ist allerdings ein Neuaufbau, der sich über mehrere Jahre hinzieht, fällig.
Astpolster, die sehr schnell dicht werden, bilden sich in relativ kurzer Zeit aus. Dabei besteht die Gefahr, daß in den inneren Bereich kein Licht mehr kommt. Die Folge ist, daß die Myrte im Inneren die Blätter verliert und „verkahlt“!
Um dem vorzubeugen muß im Herbst oder im Frühjahr ein kräftigerer Rückschnitt erfolgen, so daß Luft und Licht in die Astpolster vordringen können.
Nach dem Schnitt größerer Äste sollte Wundverschlussmittel verwendet werden.
Das Drahten der Myrte ist bei dünnen Ästen problemlos, da sie noch sehr elastisch sind. Bei dickeren Ästen ist das etwas anders. Sie sind brüchig, hier muß man versuchen die Formgebung z.B. durch Abspannen der Äste zu erreichen.
Ein Einwachsen des Drahtes ist eher unwahrscheinlich, da das Dickenwachstum bei Myrten gering ausfällt.
2012
2012
Vermehrung:


Die Vermehrung kann über Aussaat oder Stecklinge erfolgen.

Die Aussaat kann bei günstigen Temperperaturbedingungen ganzjährig erfolgen. - Die kleinen Samen sollten über Nacht in raumwarmem Wasser vorquellen, danach die Saat auf feuchte Anzuchterde streuen und dünn mit Erde bedecken. Es sollte unbedingt Anzuchterde verwendet werden, da diese nährstoffreich ist. Das Anzuchtgefäß sollte warm und feucht gehalten werden, wobei darauf zu achten ist, dass die Erde nicht nass sein sollte. Die Keimung erfolgt nach 2 bis 5 Wochen. - Um Schimmel auf dem feuchten Substrat zu verhindern, sollte das Anzuchtgefäß alle paar Tage belüftet werden.

Die Stecklingsvermehrung kann bei günstigen Temperaturen ebenfalls ganzjährig erfolgen. - Die größten Erfolgschancen hat man allerdings in der Zeit von Mai bis Oktober. Man kann die ca. 5 bis 10 cm langen, leicht verholzten Stecklinge sowohl in ein Glas Wasser stellen, als auch direkt in die Erde stecken. In der warmen Jahreszeit setzen die Stecklinge innerhalb von 3 bis 4 Wochen Wurzel an.
Ich habe beste Erfahrungen mit einem kleinen Zimmergewächshaus gemacht, das für wenig Geld in jedem Baumarkt zu erhalten ist.


Krankheiten / Schädlinge:
Die Myrte ist gegen Schädlinge genau so anfällig, wie jede andere Pflanze auch. - Dennoch können je nach Standort verschiedene Schädlinge vermehrt auftreten.
Zu trockene Heizungsluft, mangelnde Belüftung in den Räumen und zu eng aneinander stehende Pflanzen forcieren den Schädlingsbefall.
So werden unter diesen Umständen Myrten, insbesondere im Winterquartier, häufig von Schildläusen oder der weißen Fliege (Mottenschildlaus) befallen. Da beide Schädlinge verstärkt in geschlossenen Räumen vorkommen, kann ein Standort im Freien (in der frostfreien Zeit) bereits Abhilfe schaffen.
Sollte der Befall Überhand nehmen, kann man auf bewährte Mittel wie z.B. Lizetanstäbchen aus dem Fachhandel zurückgreifen.

Weitere Informationen und Bonsaibilder von Myrten findet ihr mit freundlicher Genehmigung von Jens hier:http://www.myrtus-communis.de/


Gruß

Josef
Zuletzt geändert von Josef Knieke am 23.12.2010, 18:35, insgesamt 4-mal geändert.
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