Hallo Dea,
ich habe keine gute Nachricht für dich : du wirst dich leider damit abfinden müssen, denn eine mißlungene Pfropfstelle bei einem Ficus
unter unserem Klima und ohne professionnelle Einrichtung (warmes Gewächshaus mit Feuchtigkeitskontrollanlage, Pflanzenleuchten, usw.
für tropische u. subtropische Pflanzen) zu verbessern ist schwierig bis fast unmöglich.
Einer der sich mit diesem Thema sehr gut auskennt ist der taiwanesische Bonsai-Präsidenten, Lo Min-Hsuan (
http://min-hsuan-lo.ofbonsai.org/). Allerdings wird er dir auch nicht helfen können...
Allgemein kann man sagen, daß es ein paar Techniken gibt, um eine Pfropfung zu verbessern (wichtig ist immer, wenn man Pfropfungen durchführt, daß man eben über die Zukunft der Pfropfstelle nachdenkt). Diese Techniken hängen u.a. davon ab, wie die ursprungliche Pfropfstelle aussieht (ob die ursprüngliche Pfropfung fachmännisch ausgeführt wurde und wie sie sich mit den Jahren entwickelt hat), wo die Pfropfstelle sich am Baum befindet, wie dick die Pfropfung ist, und um welche Baumsorte es sich handelt.
Bei anderen Baumsorten als deiner (z.B. Wacholder, Kiefer, Lärchen, Ahorne, usw.) kann man beispielsweise die Rinde mit einem sehr scharfen Werkzeug (Kutter, usw.) einschneiden und der Baum reagiert dann mit Rindenbildung da wo eingeschnitten wurde. Dies kann unansehliche Pfopftstellen verbessern, aber es dauert auch ziemlich lange... (außer bei der Lärche die sehr schnell reagiert). Im Falle eines Ficus geht das nicht denn wenn du die Rinde einschneidest "blutet" dein Ficus und das sieht dann noch schlimmer aus als vorher...
Aus mißlungenen Pfropfstellen macht man beispielsweise auch Shari-Erweiterungen (also "künstliche Totholzbereiche" werden erweitert). Aber das geht auch wieder nicht bei einem Ficus.
Ficuse wie deiner werden "am Fließband" produziert, d.h. die Leute geben sich keine große Mühe wenn sie Äste pfropfen (man sieht ja auf deinem Bild daß die Pfropfung nicht sehr gekonnt ausgeführt wurde und die Leute sich keine große Mühe gegeben haben...).
D.h. wenn du einen "Übungsbaum" suchst, solltest du lieber eine Baumsorte wählen der du bessere klimatische u. pflegerische Umständen schenken kannst als einem Ficus - also beispielsweise eine einheimische Baumsorte.
Wenn du bei Ficuse bleiben möchtest, musst du dich auch konsequent erkundigen, welche Bedürfnisse sie haben, und keine Kosten scheuen für Pflanzenleuchte, usw. Ansonsten, wie gesagt, lieber eine andere Baumsorte wählen.
Ich wünsche dir dennoch weiterhin viel Spaß beim "schönsten Hobby der Welt".
Viele Grüße,
Thierry