Handwerk

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
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avicenna
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Re: Handwerk

Beitrag von avicenna »

Hallo Stefan,
Bergi hat geschrieben:Ist da ein menschlicher Urinstinkt am Werk? So ein "Wir-gründen-eine-Schule-und-ein-Dogma-muss-her"-Trieb?
... ich glaubs auch fast :D

saludos
avicenna
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zopf
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Re: Handwerk

Beitrag von zopf »

Hallo Stefan
Die Qualität des Drahtens bestimmt ob ein Draht
3 Monate, 6 Monate oder 12 Monate am Baum verbleiben kann
ohne einzuwachsen.
Je mehr "agressiv" gewässert und gedüngt wird,
je schneller wächst der Draht ein.

Holger verwendet das Beispiel des Malers
mit bekleckertem Stil und abgeklebten Kanten.
Das ist Heimwerken,
Handwerken heisst Strichzieher und saubere Hände.
mfG Dieter
cogito ergo pups
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Bergi
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Re: Handwerk

Beitrag von Bergi »

Hallo Dieter,
klar, gar keine Frage.
Mein Dogma-Punkt bezog sich mehr auf das "ordentliche" und vielleicht "ansehnliche" Drahten - solange ein Drahtgewurstel nicht zu eng liegt etc., schadet es ja nicht wirklich, man "macht es blos nicht so".
Gruß,
Stefan

Und keiner hat mein tolles, nahezu freudsches Wortspiel bewundert... :roll:
"Leoparden brechen in den Tempel ein und saufen die Opferkrüge leer; das wiederholt sich immer wieder; schließlich kann man es vorausberechnen, und es wird ein Teil der Zeremonie." (F. Kafka)
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Karl T.
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Re: Handwerk

Beitrag von Karl T. »

Nun ich wollte dazu nichts mehr schreiben denn scheinbar ist für manche nicht so wichtig ob man sein Handwerk gleich anständig erlernt oder eben nicht. Einige Wichtige Gründe hat Dieter jetzt gerade aufgezählt. Ich der das Drahten auch anderen lehrt gehe immer vom optimalen Drahten aus und nicht von es geht schon oder ist egal Hauptsache es hält. Vergleichen kann man es mit einem Instrument, nicht jeder der ein Instrument spielt wird auch ein Virtuose aber man kann gute Musik machen wenn man dementsprechend übt. Beim Drahten gibt es sehr viele Vorteile für den Baum wenn man es gut und korrekt macht und wenn es so gemacht ist, dann kommt auch der ästhetische Aspekt nicht zu kurz. Im Grund erübrigt sich aber die von Dieter gut gemeinte Diskussion über das Drahten, denn es gibt Enthusiasten die bestrebt sind und welche die es nicht sind. Ich für meinen Teil erkläre die vor und Nachteile einer guten korrekten Drahtung meinen Schülern, die ernsthaften bemühen sich und die anderen nicht. So auch hier im Forum, jeder so wie er kann und möchte und da ändert die best gemeinte Diskussion nichts daran. :(
Herzliche Grüße aus Wien!
Ihr seit gerne eingeladen in meine http://www.bonsaiwerkstatt.at/
Karl Thier
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avicenna
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Re: Handwerk

Beitrag von avicenna »

Bergi hat geschrieben:"Wir-gründen-eine-Schule-und-ein-Dogma-muss-her"-
Hab ich wohl :D nur nicht nochmal extra aufgegriffen :D

saludos
avicenna
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avicenna
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Re: Handwerk

Beitrag von avicenna »

Karl T. hat geschrieben:Im Grund erübrigt sich aber die von Dieter gut gemeinte Diskussion über das Drahten, denn es gibt Enthusiasten die bestrebt sind und welche die es nicht sind. Ich für meinen Teil erkläre die vor und Nachteile einer guten korrekten Drahtung meinen Schülern, die ernsthaften bemühen sich und die anderen nicht. So auch hier im Forum, jeder so wie er kann und möchte und da ändert die best gemeinte Diskussion nichts daran
Hallo Karl,
ich würde dabei aber jetzt nicht denen, die nicht unbedingt bestrebt sind beim Drahten höchste Perfektion und handwerkliche Klasse anstreben zu wollen, weniger Enthusiasmus oder geringere Ernsthaftigkeit unterstellen zu wollen. Wir pendeln hier in der Diskussion sicher um verschiedene Qualitätsdefinitionen des Drahtens. Es geht auf der einen Seite um höchste, nach "zwei Jahren rund um die Uhr Drahten in japanischer Bonsaischülerausbildung", bis hin zum undurchschaubaren Drahtgewühl in denen sich vereinzelt Äste ausmachen lassen.
Lasst uns doch lieber über Fehler sprechen die man tunlichst vermeiden sollte um sich weitere Arbeiten oder vielleicht Schäden an Baum und Ästen zu minimieren .
Also bei überkreuzten Drähten die vielleicht bei nachträglich zu drahtenden kleinen Ästen auftreten und bei denen der dünnere Draht über einem dicken dickren Draht verläuft, muss man nicht unbedingt meckern. Oder wenn der Winkel einmal eher 50 Grad beträgt aber ein dickerer Draht gewählt wurde der den 1/3 Durchmesser des Astes übersteigt und die Windung des Astes dennoch verändert werden kann, bricht auch niemandem eine Zacke aus der Ästhetikkrone, oder ?

saludos
avicenna
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Karl T.
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Re: Handwerk

Beitrag von Karl T. »

avicenna hat geschrieben:
Karl T. hat geschrieben:Im Grund erübrigt sich aber die von Dieter gut gemeinte Diskussion über das Drahten, denn es gibt Enthusiasten die bestrebt sind und welche die es nicht sind. Ich für meinen Teil erkläre die vor und Nachteile einer guten korrekten Drahtung meinen Schülern, die ernsthaften bemühen sich und die anderen nicht. So auch hier im Forum, jeder so wie er kann und möchte und da ändert die best gemeinte Diskussion nichts daran
Hallo Karl,
ich würde dabei aber jetzt nicht denen, die nicht unbedingt bestrebt sind beim Drahten höchste Perfektion und handwerkliche Klasse anstreben zu wollen, weniger Enthusiasmus oder geringere Ernsthaftigkeit unterstellen zu wollen. Wir pendeln hier in der Diskussion sicher um verschiedene Qualitätsdefinitionen des Drahtens. Es geht auf der einen Seite um höchste, nach "zwei Jahren rund um die Uhr Drahten in japanischer Bonsaischülerausbildung", bis hin zum undurchschaubaren Drahtgewühl in denen sich vereinzelt Äste ausmachen lassen.
Lasst uns doch lieber über Fehler sprechen die man tunlichst vermeiden sollte um sich weitere Arbeiten oder vielleicht Schäden an Baum und Ästen zu minimieren .
Also bei überkreuzten Drähten die vielleicht bei nachträglich zu drahtenden kleinen Ästen auftreten und bei denen der dünnere Draht über einem dicken dickren Draht verläuft, muss man nicht unbedingt meckern. Oder wenn der Winkel einmal eher 50 Grad beträgt aber ein dickerer Draht gewählt wurde der den 1/3 Durchmesser des Astes übersteigt und die Windung des Astes dennoch verändert werden kann, bricht auch niemandem eine Zacke aus der Ästhetikkrone, oder ?

saludos
avicenna
avicenna@, Natürlich unterstelle ich keinem, auch denjenigen die das Drahten nicht gut beherrschen dass keine Ernsthaftigkeit in ihrem Tun steckt. Jeder hat halt andere Ansprüche, einer mehr andere weniger. Die Ernsthaftigkeit der Sache hat aber nichts mit dem Anspruch an der Sache zu tun.
Nun gut, aus meiner Erfahrung (und das schon einige Jahre) mit Seminaren und Workshops auch außerhalb Österreichs, fällt mir sehr oft auf dass gerader der Drahtung wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird.
Dabei ist es unerheblich ob jetzt 45° oder 50° Drahtungswinkel eingehalten werden, auch das hin und wieder (wenn nicht sehr oft) Überkreuzen spielt keine Rolle.

Ein Fehler der sehr oft vorkommt ist einen viel zu dünnen Draht verwenden, weil man halt nicht weiß wie man die Drahtstärke bemisst, oder zu wenig unterschiedliche Drahtstärken besitzt.
Die Drahtstärke bestimmt man, indem man mit einem ca. 7-10 cm langem Drahtstück der geschätzten Stärke auf den jeweiligen Ast oder Zweig drückt. Gibt der Draht nach und biegt sich, ist die Drahtstärke zu gering. Gibt hingegen der Ast oder Zweig nach, stimmt die Stärke.

Meist wird dann noch ein Draht angelegt und oft wir es nicht besser sondern nur mehr Draht am Ast.

Mein Leitspruch „ So wenig Draht wie möglich aber so viel als nötig“

Ein oft gemachter Fehler ist den Draht um den Ast wickeln, wobei der Ast als Widerstand dient. Dabei wird die Borke gequetscht und der Draht wächst sehr schnell ein.
Die Drahtwindung sollte man etwas Vorbiegen und dann an den Ast anlegen. Dabei sichert man mit einer Hand den Draht und mit der anderen Hand wird der Draht an den Ast gelegt. Ich könnte da jetzt noch einiges schreiben, aber genug.
So nun habe ich wieder hinreisen lassen und zu viel geschrieben, habt etwas Nachsicht denn da kommt mein Bestreben als Lehrer, Bäume besser zu machen bei mir durch. *schulter zuck*
Herzliche Grüße aus Wien!
Ihr seit gerne eingeladen in meine http://www.bonsaiwerkstatt.at/
Karl Thier
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Thierry
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Re: Handwerk

Beitrag von Thierry »

Karl, von wegen zu viel geschrieben, du triffst den Nagel genau auf den Kopf mit diesem Satz :
Karl T. hat geschrieben:„ So wenig Draht wie möglich aber so viel als nötig“
*daumen_new*

und diese Erklärungen passen m.E. bestens in dieses Thema :
Karl T. hat geschrieben:Die Drahtstärke bestimmt man, indem man mit einem ca. 7-10 cm langem Drahtstück der geschätzten Stärke auf den jeweiligen Ast oder Zweig drückt. Gibt der Draht nach und biegt sich, ist die Drahtstärke zu gering. Gibt hingegen der Ast oder Zweig nach, stimmt die Stärke.
(...)
Ein oft gemachter Fehler ist den Draht um den Ast wickeln, wobei der Ast als Widerstand dient. Dabei wird die Borke gequetscht und der Draht wächst sehr schnell ein.
Die Drahtwindung sollte man etwas Vorbiegen und dann an den Ast anlegen. Dabei sichert man mit einer Hand den Draht und mit der anderen Hand wird der Draht an den Ast gelegt.
Ich habe mich zu diesem Thema bis jetzt kaum geäussert, aber wir sollten bei diesem Thema (Handwerk) auch nicht vergessen, daß es eine Rolle spielt, welche "Grundhaltung" eine Person hat, welche Erwartungen und/oder Ansprüche diese Person hat, aber auch (und das ist auch sehr wichtig) wieviel Zeit eine Person mit Bonsai verbringen kann.

Meine persönliche Erfahrung zum Thema Drahten ist, daß es viele Bonsaianer/innen gibt (und die wir bei dieser Diskussion nicht vergessen sollten), die einfach keine Zeit haben sich intensiv mit dem Drahten zu beschäftigen.

Für diese Gruppe sind Erklärungen, wie die oben von Karl, enorm wichtig.

Genauso denke ich, daß wir nicht vergessen sollten, daß es je nach Länder ein ganz erheblicher Unterschied gibt aufgrund unterschiedlicher Kulturen/Ansichten/Gewohnheiten/usw.
Mir (als Franzose) fällt dabei selbstverständlich gleich Frankreich ein - wo das Thema "Handwerk" (egal in welchem Bereich, ob professionnel oder in Hobbybereiche) eine ganze andere Stellung/Wichtigkeit hat als beispielsweise hier in Deutschland.
So eine Diskussion in einem Bonsaiforum würde sehr wahrscheinlich kaum in französische Bonsaiforen stattfinden (zum Beispiel).
Und in den zwei italienischen Bonsaiforen, die ich regelmässig besuche, habe ich in den letzten 5 Jahren auch noch nie eine ähnliche Diskussion gesehen.
Das bebeutet aber nicht (wie wir es ja wissen), daß es weniger italienische Bonsaigestalter gibt als bei uns die gut drahten können. Es scheint mir aber nicht unwichtig zu sein wenn man sich Gedanken macht über das Drahten als eine Art "Handwerk".
Viele Grüße,
Thierry

"A juniper without jin is like a dog without fleas : not natural..." - John Naka
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