Koniferen-Yamadori im Garten meines Schwiegervaters

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bl.86
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Koniferen-Yamadori im Garten meines Schwiegervaters

Beitrag von bl.86 »

Mein Schwiegervater meinte heute, dass er zwei Koniferen aus seinem Garten entfernen will und ich hab mir die guten Stücke mal genauer angeschaut. Der eine ist über 2m hoch, wäre allerdings deutlich größer, wenn er nicht zurückgeschnitten wurden wäre, der andere ist ca. 1,20m. Beide haben ein ansehnliches "Blattwerk", was ich mir gut bei einem Bonsai vorstellen kann.
Den kleineren könnte ich ohne größeren Aufwand ausbuddeln, aber den großen müsste ich irgenwie ähnlich wie hier http://reiners-bonsai-blog.blogspot.com ... eil-1.html in eine Schale bekommen, da er recht nah an einer anderen Konifere steht, deren Wurzelwerk nicht so sehr in Mitleidenschaft gezogen werden sollte.

Meine Frage: ist es erfolgsversprechend diese beiden radikal einzukürzen, die Wurzeln ggf ähnlich wie Herr Vollmari vorzubereiten und das ganze dann paar Jährchen später auszubuddeln, oder bringt das nix, da aus dem braunen, trockenen Inneren nichts mehr neues hervorkommt?

Hier sind paar Bilder der großen Konifere
Dateianhänge
koni1 (1).JPG
koni1 (2).JPG
koni1 (3).JPG
koni1 (4).JPG
koni1 (4).JPG (117.14 KiB) 2278 mal betrachtet
koni1 (5).JPG
koni1 (6).JPG
koni1 (7).JPG
koni1 (8).JPG
Wozu braucht man Gardinen, wenn man die Fensterbretter voller Rohlinge stehen hat? :-)
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bl.86
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Re: Koniferen-Yamadori im Garten meines Schwiegervaters

Beitrag von bl.86 »

hier wäre die kleinere, die innen genauso ausgebrannt aussieht-


mfg bastian

ps: entschuldiogt bitte die schlechte bildqualität, hatte nur das fotohandy bei der hand
Dateianhänge
koni2 (1).JPG
koni2 (4).JPG
koni2 (5).JPG
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Peter L
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Re: Koniferen-Yamadori im Garten meines Schwiegervaters

Beitrag von Peter L »

Moin moin Bastian,

die Sorte könnte eine Chamaecyparis lawsoniana Elwoodii sein.

Vor dem gleichen Problem habe ich vor einigen Jahren auch schon gestanden. Meine beiden, die zur Auswahl standen, waren ca. 2,50m hoch und auch innen sehr verkahlt. Zuerst habe ich einen starken Rückschnitt gemacht und die trockenen Äste entfernt. Den Wurzelballen habe ich dann etwas mehr als der Umfang des Baumes war umstochen und mit allem was unterirdisch lebendig war in eine Maurerbütt gepflanzt.

Was nach einiger Zeit dann noch grün ist kannst Du vorsichtig anfangen zu gestalten. Beim absenken der Äste must Du gut aufpassen, denn diese reißen sehr leicht am Stamm ein und der Ast ist in den meisten Fällen verloren. Bei diesem Baum habe das erste Mal die Todholzbearbeitung ausprobiert, einige Stumpen haben dazu einfach eingeladen.

Wenn Du möchtest kann ich Bilder zeigen, wo wir wieder bei dem Thema Fotodoku sind, die den Baum noch seinem Platz 2003 vorbereitet zum Ausgraben zeigen.

LG Peter
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MartinRedlich
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Re: Koniferen-Yamadori im Garten meines Schwiegervaters

Beitrag von MartinRedlich »

Hi Bastian!

Ich würde mir den Aufwand und das gezeigte Material nicht antun!!!

Die Baumart ist nicht optimal...
Die Verjüngung ist nicht optimal...
Die Stammbewegung ist nicht optimal...
Die Gesundheit ist nicht optmal...
Der Austrieb am Stamm wird wahrscheinlich nicht optimal sein...
Die Zeit und der Aufwand bis das mal Bonsai wird und danach aussieht ist nicht optimal...

Gegenvorschlag:
Schau doch mal in eine große Baumschule, nicht Gärtnerei!, und klapper dort mal die Felder ab.
Die meisten Baumschulen haben wahre Schätze für uns bereitstehen die seit langer Zeit vergessen wurden und meist sehr günstig! zu erwerben sind.
Frag nach 20-40 jahre alten Eiben, Wacholdern ohne BGR, Zwergfichten und und und , auch Laubbäume können interessante dabei sein. Hier wird sich das Geld und der Aufwand zig mal mehr gelohnt haben in 5 Jahren!!
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Anja M.
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Re: Koniferen-Yamadori im Garten meines Schwiegervaters

Beitrag von Anja M. »

Reiners Beitrag handelt vor allem von einer Eiche, wenn der Link stimmt. Eine Eiche bzw ein Laubbaum reagiert ganz anders als eine Konifere. Das ist nicht miteinander zu vergleichen.
73 Anja
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bl.86
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Re: Koniferen-Yamadori im Garten meines Schwiegervaters

Beitrag von bl.86 »

Vielen Dank ihr drei!!!

Dass der Vergleich zwischen Scheinzypresse und Eiche sehr stark hinkt, naja, das war klar ;-) Es ging mir mehr nur um die grobe Vorgehensweise, wobei ich aber schon eher pessimistisch gestimmt war, ob der Wahrscheinlichkeit dass da irgendwann noch was neues Grünes austreibt, wenn die Bodennah abgeschnitten wird - v.a. eben wegen den derzeitigen Zuständen. Und dass das verkahlen innen besser wird glaub ich auch nicht. Gibt es nicht sogar einige Arten, bei denen das eher zur Charakteristik gehört, dass die ab einem gewissen Alter verkahlen und braun werden??? Ich hab hier im Forum auch inzwischen schon als Bonsai gestaltete ich sag mal "Koniferen" gesehen, die nach einiger Zeit trotz guter Pflege braun wurden.
Vll sollte man sich das mit diesen Gewächsen echt nicht antun.

Trotzdem würde ich gerne mal ein paar Bilder (auch gern in einem externen Link per PN) von Peter L sehen, vor allem wie viel weggeschnitten wurde, was eventuell neu kam und wie die Totholzpartien aussehen.
MartinRedlich hat geschrieben: Die Zeit und der Aufwand bis das mal Bonsai wird und danach aussieht ist nicht optimal...

Gegenvorschlag:
Schau doch mal in eine große Baumschule, nicht Gärtnerei!, und klapper dort mal die Felder ab.
Die meisten Baumschulen haben wahre Schätze für uns bereitstehen die seit langer Zeit vergessen wurden und meist sehr günstig! zu erwerben sind.
Frag nach 20-40 jahre alten Eiben, Wacholdern ohne BGR, Zwergfichten und und und , auch Laubbäume können interessante dabei sein. Hier wird sich das Geld und der Aufwand zig mal mehr gelohnt haben in 5 Jahren!!
Aber würde nicht eben das unser Hobby ausmachen? Die Herausforderung suchen und was langfristiges angehen, auch wenn es geeigneteres Ausgangsmaterial (bzgl der Verjüngung und Stammform ...was ich als Bonsai-Frischling leider noch nicht so gut einschätzen kann) geben würde.

Zwecks Baumschule kann ich nur sagen, dass ich da schon zumindest eine gute Erfahrung sammeln konnte. Die in meinen anderen Thema gezeigten Juniperus procumbens "Nana" wurden 2009 für nur 7,5€ das Stück erworben... und dank erfahrenen Händen wird da jetzt auch was draus ;-)

Ich werde trotzdem mal meinen Schwipa davon überzeugen noch nicht alles wegzumachen und werde mal schauen ob nicht vll doch noch irgendwo was kleines Grünes hervorkommt. Ginge das denn jetzt noch, oder wäre das selbst unter besten Voraussetzungen absoluter Schwachsinn so ein fast zum Scheitern verfluchtes Projekt -wenn auch nur zu Übungszwecken- im Juni zu starten?

@ Heike: wie würde denn eine Konifere darauf reagieren wenn auf einmal alles Grün weg ist und nur noch so 30-50cm stehen bleiben? Dauert das dann zwei Jahre bis überhauot was kommt (das wäre ihm definitiv zu lang-und dann hätte er auch kein Verständnis mehr für mein Hobby), oder wäre das das Todesurteil des Baumes (auch wenn es in der richtigen Jahreszeit dafür wäre)

mfg und danke euch!!!
Wozu braucht man Gardinen, wenn man die Fensterbretter voller Rohlinge stehen hat? :-)
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Heike_vG
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Re: Koniferen-Yamadori im Garten meines Schwiegervaters

Beitrag von Heike_vG »

Huch, da staune ich ja ein bisschen, dass ich hier angeschrieben werde, obwohl ich mich in diesem Thread noch gar nicht beteiligt hatte... :shock: 8)

Aber es ist leider so, dass Koniferen sterben, wenn man ihnen alles Grün entfernt. Eine der wenigen Ausnahmen ist die Eibe, die auch stark aus dem Holz wieder austreibt.

Diese buschigen, verkahlten, unverjüngten Scheinzypressen sind für mich - entschuldige bitte die Deutlichkeit - komplett ungeeignetes Material. Egal wie viele Jahre man an diesen struppigen Besen herumdoktert, da kommt kein elegantes, feines Ergebnis bei heraus. Da wird immer nur ein aus der Not heraus gestaltetes unglaubwürdiges Totholz und mühsam merkwürdig gebogene Ersatzspitze und Äste herauskommen, mit dem rückknospungsunwilligen Grün irgendwelche Klimmzüge gemacht werden müssen, ein ordentliches Nebari wird wohl auch eher nicht zu erwarten sein. *schulter zuck*
Ich unterstütze die Aussagen von Martin zu 150%.

Wenn man die Augen offen hält, sich in Geduld übt und wartet, dann trifft man früher oder später immer wieder auf viel besseres Material.

Liebe Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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Josef Knieke
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Re: Koniferen-Yamadori im Garten meines Schwiegervaters

Beitrag von Josef Knieke »

MartinRedlich hat geschrieben:Hi Bastian!

Ich würde mir den Aufwand und das gezeigte Material nicht antun!!!

Die Baumart ist nicht optimal...
Die Verjüngung ist nicht optimal...
Die Stammbewegung ist nicht optimal...
Die Gesundheit ist nicht optmal...
Der Austrieb am Stamm wird wahrscheinlich nicht optimal sein...
Die Zeit und der Aufwand bis das mal Bonsai wird und danach aussieht ist nicht optimal...

Gegenvorschlag:
Schau doch mal in eine große Baumschule, nicht Gärtnerei.....

....kann mich dem nur anschließen! Martin hat alles gesagt. *daumen_new* ...es lont sich wirklich nicht Bastian!


Gruß

Josef
http://www.bonsai-arbeitskreis-hildesheim.de/
AK-Treffen jeden 2. Samstag im Monat
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Anja M.
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Re: Koniferen-Yamadori im Garten meines Schwiegervaters

Beitrag von Anja M. »

bl.86 hat geschrieben:
Aber würde nicht eben das unser Hobby ausmachen? Die Herausforderung suchen und was langfristiges angehen, auch wenn es geeigneteres Ausgangsmaterial (bzgl der Verjüngung und Stammform ...was ich als Bonsai-Frischling leider noch nicht so gut einschätzen kann) geben würde.

@ Heike: wie würde denn eine Konifere darauf reagieren wenn auf einmal alles Grün weg ist und nur noch so 30-50cm stehen bleiben? Dauert das dann zwei Jahre bis überhauot was kommt (das wäre ihm definitiv zu lang-und dann hätte er auch kein Verständnis mehr für mein Hobby), oder wäre das das Todesurteil des Baumes (auch wenn es in der richtigen Jahreszeit dafür wäre)

mfg und danke euch!!!
So ein Forum wie dieses existiert unter anderem deshalb, damit nicht jeder das Rad zweimal erfindet. Das ist Zeit- und Energieverschwendung. Dieser Herausforderung haben sich schon andere gestellt. Profitiere doch einfach von ihren Erfahrungen. Eine ganze Reihe von Bäumen ist tot, wenn man alles Grün abschneidet.Dazu gehören die meisten Koniferen und die Scheinzypressen auf jeden Fall.
Es gibt für jeden noch genug andere Erfahrungen zu sammeln mit denen er unseren Pool bereichern kann.
73 Anja
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Walter Pall
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Re: Koniferen-Yamadori im Garten meines Schwiegervaters

Beitrag von Walter Pall »

Unbrauchbarer geht es fast nicht. Völlige Energieverschwendung.
HeRo
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Re: Koniferen-Yamadori im Garten meines Schwiegervaters

Beitrag von HeRo »

Zwei solcher Koniferen bekam ich vor etwa vier Jahren. Eine wurde wieder eingegraben, die andere verblieb im Topf. Beide hatten im oberen Bereich noch reichlich grün, daher bin ich damals auch davon ausgegangen, dass es entsprechend Rücktrieb/Austrieb gibt. Getan hat sich so gut wie nichts.
Gruß
Helga
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bl.86
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Re: Koniferen-Yamadori im Garten meines Schwiegervaters

Beitrag von bl.86 »

Vielen Dank für die direkten Worte. Ich mag das. Bin allerdings auch positiv überrascht, dass dieses Thema so viele Antworten in kürzester Zeit bekam, hätte nicht damit gerechnet. Also Danke nochmal


O/T:
Heike_vG hat geschrieben:Huch, da staune ich ja ein bisschen, dass ich hier angeschrieben werde, obwohl ich mich in diesem Thread noch gar nicht beteiligt hatte... :shock: 8)
Ja da darfst du ruhig staunen. Ich habe eigentlich die Anja gemeint und ich grinse wie eine Speckfettbemme (eine mit Griebenschmalz bestrichene Brotscheibe - bitte entschuldigt den "Regional-Slang"/Dialekt, aber es ist einfach zu komisch) in mich hinein....
Kurze Erklärung zum Freudschen Verschreiber letzte Nacht: Meine Frau heißt Anja und saß zu dem Zeitpunkt gerade noch neben mir und hat kritisch das Verhalten ihrer Schwiegermutter -namens Heike- analysiert.... *ironie*
da der Name so oft gefallen ist und ich grade am tippen war... nun da hab ich halt kurzerhand mal die Namen der Oma und Mama meiner Tochter vertauscht. Zu meiner Rechtfertigung kann ich nur den für mich unüblichen vorangegangen Äthyl-Genuss anbringen, da wir am Abend vorher seit sehr langer Zeit mal wieder mit Freunden weg waren, ich nicht fahren musste und Töchterchen bei den Großeltern im Nachbarhaus schlief.


Also noch mal vielen Dank für die helfenden Ratschläge!!!
Bitte seid mir nicht sauer, aber ich denke in den nächsten Tagen werde ich wieder mit einen potentiellen Yamadori, (diesmal eine Eiche) die mich heute beim Heckenschneiden mit meinem Vater fast angesprungen hat, hier auftauchen. Schon mal vorweg: Die Eiche steht in einer Hecke, wurde deswegen schon mehrmals zurückgeschnitten und ist basal reichlich verzweigt, hat etwa einen Stammdurchmesser von ca 8cm (grob geschätzt), hat in den unteren ca. 20 cm schon zerfurchte Rinde, zeigt einen sehr interessant-bewegten Stammverlauf und eine m. E. gute sehr Verjüngung im unteren halbem Meter, wobei sich der Hauptstamm auch leicht nach vorn neigt. Morgen Vormittag werde ich Bilder machen.... ich wär fast jetzt noch mal gegangen, aber leider schon zu dunkel!


Wenn das so üblich ist kann das Thema hier gerne geschlossen werden.
Danke!

mfg Bastian
Wozu braucht man Gardinen, wenn man die Fensterbretter voller Rohlinge stehen hat? :-)
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