Hallo Thierry,
mit Vergnügen habe ich diesen alten Artikel gelesen! Der Name Kleeberg hat in der Tag Erinnerungen geweckt.
Eben war ich im Keller und habe meine ältesten gesammelten Bilder, Hefte, Prospekte etc. durchgesehen und einen kleinen Kleeberg-Prospekt gefunden, auf dem aber leider kein Erscheinungsjahr o.ä. steht.
Ich weiß nicht, ob es schon 1979 war (da war ich 13 Jahre alt) oder vielleicht '80 oder '81, als im Schaufenster einer Apotheke auf dem Hamburger Jungfernstieg einige Bonsai von Kleeberg ausgestellt waren. Als ich sie sah, war ich hin und weg und musste sofort in die Apotheke laufen, um mich zu erkundigen. Bonsai spukten mir schon einige Zeit im Kopf herum, sie waren aber zu der Zeit wirklich noch nicht leicht zu finden, jedenfalls nicht für einen jungen Teenager wie mich.
Ich bekam den kleinen Prospekt, den ich eben wieder in der Hand hatte. Ich habe ihn in Schutzfolie eingeklebt und unendlich oft durchgesehen, wie ein kleines Bilderbuch.
Ab etwa Weihnachten 1981 habe ich dann "richtig" angefangen mit Bonsai, zuerst mit erfolglosen Sämlingsversuchen, dann mit einem Buch und allen möglichen Jungpflanzen.
Kleeberg war damals in Hamburg ziemlich aktiv und hatte anfangs (für mein damaliges Empfinden) sehr schöne Bonsai. Mit der Zeit hat die Firma dann aber immer mehr billige, minderwertige Ware angeboten, genau das worüber man sich in dem Spiegelartikel noch mokierte. Vermutlich war das Geschäft mit den hochwertigen, teuren Bonsai nicht so einfach, das ist ja leider bis heute so. Statt auf Qualität musste man dann wohl auf preiswerte Quantität setzen.
Schließlich wurden sogar auf Weihnachtsmärkten komplett frisch eingetopfte Wacholder (offenbar ohne Erde importiert) mit abenteuerlichen Pflegeanleitungen angeboten, die Bäume wackelten und fielen beinahe aus ihren Töpfen, da sie nicht befestigt waren und in einer torfigen Blumenerde standen. Das konnte auch kein Erfolg werden...
Irgendwann habe ich aber meine Mutter überredet, mit mir zu Kleeberg direkt zu fahren, weil ich richtig schöne Bonsai sehen wollte. Da gab es eine Adresse bei Wedel außerhalb von Hamburg. Eine Traumvilla, Pferdekoppeln davor und mehrere Folientunnel mit Bonsai, welch ein beeindruckendes Anwesen!
Als wir den Bonsaibereich in den Folientunneln betraten waren wir schier entsetzt: jede Menge schöner alter Solitäre, aber fast alle braun und vertrocknet! Eher ein Bonsai-Gruselkabinett, leider.
Man konnte sich schon denken, was folgte, nämlich das Ende jener Firma.
Einen ähnlichen Werdegang haben in der Hamburger Gegend noch andere Bonsaibetriebe gehabt.
Anfang - Mitte der 80er Jahre boomte Bonsai geradezu, es gab einige Bonsaifachgeschäfte und viele Blumenläden, Supermärkte etc., die Bonsai bzw. Pseudobonsai anboten. Man konnte in allen möglichen Klüngelläden (minderwertige) Bonsaischalen und künstliche Plastikbonsai finden, es war total "in", wie überhaupt alle asiatisch angehauchten Deko-Artikel.
In Hamburg gab es mehrere Arbeitskreise, unter anderem in Bergedorf bei Händler Markwart und in Barmbek bei Wolfgang Bulda, in dessen AK ich damals einige Jahre war.
Es gab zwei Bonsai-Fachzeitschriften, das "Bonsai-Magazin" und das "Bonsai-Journal", die in fast jedem Zeitschriftenladen und Kiosk zu bekommen waren. Den BCD gab es natürlich auch schon.
Der Boom war aber gegen Ende 80er - Anfang 90er Jahre rückläufig und es blieben nur die eingefleischtesten Bonsaifreunde übrig. In Hamburg ist meines Wissens nur noch ein Bonsaigeschäft aus der alten Zeit noch erhalten geblieben, von Herrn Tunnat in Eimsbüttel.
Die damaligen Zeitschriften wurden eingestellt. Wenn ich heute hineinschaue, sind sie ein bisschen zum lachen.
Übrigens waren diese Bleiplomben als Echtheitsmarken an den Bäumchen Anfang der 80er Jahre tatsächlich äußerst verbreitet! Kleeberg hatte solche und auch andere Händler. Mein erster "echter" Bonsai ("Echtheitszertifikat" war damals auch dabei, ich bekam ihn zu Weihnachten 1982), eine Mädchenkiefer, hatte auch so eine Plombe mit einem Baumlogo auf der einen Seite und den Buchstaben "EDO" auf der anderen Seite. Ich vermute, der Baum war über Holland aus Japan gekommen, Ed de Groot gab es mit seinem Betrieb damals nämlich auch schon.
Über diese Plombe habe ich wochenlang gegrübelt, ob sie als Echtheitszeichen nun so wichtig war oder nicht, mir gefiel sie nicht! Irgendwann habe ich sie abgeschnitten.
Später ist dieser Plomben-Unfug dann auch aus der Mode gekommen.
Liebe Grüße,
Heike