Bonsai auf Stein, welche ist die beste Laubbaumart?

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seeeb
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Bonsai auf Stein, welche ist die beste Laubbaumart?

Beitrag von seeeb »

Hallo,

mir ist gerade folgende Frage in den Kopf geschossen und ich würde sie gern einmal in den Raum werfen:

Welche einheimische Laumbaumart ist die beste für eine mittelgroße Pflanzung eines Bonsai auf einen Stein? Ich kenne diese Stilform von Bildern her nur mit Dreispitzahornen und würde so ein Projekt aber gern einmal mit einer einheimischen Art angehen. Meine Idee wäre spontan eine Hainbuche...
Mit einem Spitzahorn z.B. müsste man das ganze ziemlich groß anlegen (wäre mir zu groß).
Gibt es vielleicht Arten, die sich auf Grund Ihres Wurzelwachstums oder aufgrund des Aussehens ihrer Wurzeln besonders eignen? Wer hat Erfahrungen mit einheimischen Arten auf einen Stein gepflanzt? Ich würde mich auch sehr über Bilder freuen...

Viele Grüße

Sebastian
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Josef Knieke
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Re: Bonsai auf Stein, welche ist die beste Laubbaumart?

Beitrag von Josef Knieke »

Hi Sebastian

Hainbuchen kannst du gut verwenden!

Du solltest bei deiner Pflanzenwahl bedenken, dass eine entsprechende Wasserversorgung insbesondere im Sommer gewährleistet sein muss. Bei Steinpflanzungen trocknet die Erde schneller aus, als in der Schale. Bei der Wahl des Substrates solltest du deshalb sehr sorgfältig sein. Ein wasserhaltendendes Substrat kann dir manchen Sommertag helfen. Wenn du das berücksichtigst, kannst du je nach Geschmack fast jeden Baum auf einen Stein pflanzen.

Anbei ein Bild meines Hainbuchenwaldes, der auf eine Steinplatte gepflanzt worden ist. Seine Breite beträgt immerhin 110cm. Also viel Spaß bei der Suche nach einem passenden Stein.


Gruß

Josef
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achim73
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Re: Bonsai auf Stein, welche ist die beste Laubbaumart?

Beitrag von achim73 »

ich denke, du meintest über den stein, oder ?
ich mache gerade einen versuch mit einem feldahorn, im sommer werde ich mehr wissen...
Gruss, Achim
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Bergi
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Re: Bonsai auf Stein, welche ist die beste Laubbaumart?

Beitrag von Bergi »

Hallo Sebastian,
ich habe das mit Johannisbeere und Blutpflaume versucht; gerade vom Verhalten der Johannisbeere war ich sehr positiv überrascht.
http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... re#p305277
Gruß,
Stefan
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seeeb
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Re: Bonsai auf Stein, welche ist die beste Laubbaumart?

Beitrag von seeeb »

Ja, ich meinte über den Stein. Obwohl mir die Baumgruppe auf Josefs Bild auch sehr gut gefällt!

Zu Achim: Ich habe einen Feldahorn und hätte da die gleichen Bedenken wie beim Spitzahorn. Die Blätter sind zwar kleiner, aber die Internodien teilweise ziemlich groß. Ich habe einen in frei aufrechte Form und muss ihn nun größer gestalten als ich es eigentlich vorhatte, weil ich die Länge der Internodien unterschätzt hatte...

Die Johannisbeere von Stefan sieht auch sehr gut aus, aber ich hätte an deiner Stelle vielleicht einen größeren Stein gewählt. Du möchtest den Bonsai doch sicher noch größer haben letztendlich, oder? Dann wird der Stein vermutlich zu kein sein...
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achim73
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Re: Bonsai auf Stein, welche ist die beste Laubbaumart?

Beitrag von achim73 »

ja, man muss die geplante endgröße schon berücksichtigen bei der wahl des steines, meistens neigt man dazu, den stein zu klein zu wählen (erstaunlicherweise habe ich in dem ganzen durchdeklinierten japanischen bonsaikanon dazu bisher keine richtlinien gefunden, vielleicht weiss ja jemand mehr...?)
das problem mit den internodien kann ich eigentlich nicht so ganz nachvollziehen.
bei vollsonnigem standort und nicht zu stickstoffbetonter düngung sollte sich das problem in den griff bekommen lassen.
feldahorn ist eigentlich von den einheimischen sorten der, der am nächsten an buerg. dran ist.
schau mal hier
http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... 35&t=24364
und
http://www.bonsaifreunde-alztal.de/Auss ... 30_jpg.jpg
Gruss, Achim
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seeeb
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Re: Bonsai auf Stein, welche ist die beste Laubbaumart?

Beitrag von seeeb »

Also der erste Link den du aufgelistet hast bestätigt eigentlich, was ich meine. Schau dir mal gleich das erste Bild von oben an. Da sind die Internodien teilweise bis zu 5 cm lang (schätze ich) bei den dünnen Ästchen die da überall raussprießen. Das kenne ich von meinem auch. Daraus lässt sich aus meiner Sicht keine vernünftige Verzweigung aufbauen, wenn man keinen größeren Bonsai haben will...
Meine Rotbuchen oder eine Hainbuchen haben kürzere Internodien. Vielleicht probier ich es dieses Jahr mal, einen Hainbuchen-Kandidaten für dieses Experiment hätte ich...
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achim73
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Re: Bonsai auf Stein, welche ist die beste Laubbaumart?

Beitrag von achim73 »

aber bei den bildern darunter sind sie bereits wesentlich kürzer. naja, probieren geht über studieren...
Gruss, Achim
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Re: Bonsai auf Stein, welche ist die beste Laubbaumart?

Beitrag von Walter Pall »

Das ist eine Hartriegelgruppe, Cornus mas auf einer Platte von avicenna. Hartriegel sind so hart wie sie heißen. Die vertragen auch Trockenheit.
Die Gruppe ist überhaupt noch nicht wirklich gestaltet. Ich möchte aber den wilden Charakter bewahren.
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Re: Bonsai auf Stein, welche ist die beste Laubbaumart?

Beitrag von Heike_vG »

seeeb hat geschrieben:Zu Achim: Ich habe einen Feldahorn und hätte da die gleichen Bedenken wie beim Spitzahorn. Die Blätter sind zwar kleiner, aber die Internodien teilweise ziemlich groß. Ich habe einen in frei aufrechte Form und muss ihn nun größer gestalten als ich es eigentlich vorhatte, weil ich die Länge der Internodien unterschätzt hatte...
Wenn man den Feldahorn wirklich konsequent bearbeitet, kann er sehr wohl ganz kurze Internodien, eine schöne Verzweigung und sehr kleine Blätter bekommen. Nicht umsonst wird er oft als europäisches Pendant zum Dreispitzahorn bezeichnet, auch wenn dessen Feinheit eher unerreichbar bleibt.

Eine Art, die ich für die Gestaltung über Stein empfehlen könnte, wäre auch der Feuerahorn, Acer ginnala. Sehr widerstandsfähig, frosthart, wüchsig, aber verzweigungswillig. Und dann dazu die tolle Herbstfärbung. Meiner steht seit ca. 14 Jahren auf seinem Stein:

Bild

Allerdings möchte ich gleich aus eigener Erfahrung ein paar Tipps geben: man sollte einen dunklen Stein nehmen, damit sich der Baum gut davon abhebt. Die Form und Struktur des Steins sollte interessant sein. Er sollte auch nicht zu klein sein, sonst sieht man ihn bald kaum noch.
Die Pflanze(n) sollte(n) sehr jung sein, damit die Wurzeln noch wirklich flexibel sind und sich gut an den Stein anpassen. Wenn man viele fadenartige, dünne junge Wurzeln nebeneinander über den Stein führt, die dann später zusammenwachsen, sieht es später toll aus, wenn alles flach und fließend aussieht. Bei meinem Feuerahorn in dem obigen Bild waren die Wurzeln eigentlich schon zu dick und zu wenige parallel, als das Bäumchen auf den Stein gesetzt wurde.
Seit 2007 ziehe ich einen jungen Dreispitzahorn über Stein, der viel jünger war und bei dem die Wurzeln über den Felsen schöner werden. Der Baum ist jetzt aber obenrum noch nicht aufgebaut, das geht erst los.
Wenn man es richtig machen will, ist es eine ziemlich langjährige Angelegenheit! 8)

Liebe Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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