Yamadori Sylvestris

Allgemeine Philosophie, Stilarten, Techniken, Vorstellung und Besprechung von Rohmaterial sowie lose Sammlung von Entwicklungs-Dokus
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zazen
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Yamadori Sylvestris

Beitrag von zazen »

Hallo ich habe hier eine Kiefer die wegen Bauarbeiten schon jetzt weichen musste. Auch wenn der Zeitpunkt nur suboptimal zum Ausgraben war, habe ich aber einen großen(ziemlich groß) Wurzelballen ausgraben können.

Ich habe schon Zweige ausgedünnt, welche in meinen Augen nicht benötigt werden(erstmal grob, natürlich müssen noch ein paar weichen).
Ziel um diesen Baum schön gestalten zu können ist es ja das Laub stammnah zu bekommen.
Auf dem Bild habe ich an einem Zweig -blau markiert- wo die Kerze letztes Jahr zu wachsen begann. Kann ich vor dieser Stelle abschneiden und erwarten das sich dort neue knospen bilden? Oder sollte das eher über das Einkürzen der Kerzen in der nächsten Wachstumsperiode erfolgen? Komm ich dann noch nah genug an den Stamm mit den neuen Knospen?

Normalerweise müsste ich ihn ja erst einmal ein jahr durchwachsen lassen, aber laufe ich da keine gefahr ,keine knospen mehr in Stammnähe bilden zu können.

Ich hoffe ihr versteht mein Problem und könnt mir weiterhelfen.

gruß
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DSC03854.jpg (207.13 KiB) 2043 mal betrachtet
Totoro

Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von Totoro »

Hallo Zazen,

am besten wachsen Kiefern im März bei beginnendem Knospenschwellen an. Aber hier gings ja nicht anders :lol:
Ein Fehler war es aber den Baum jetzt schon zu reduzieren. Der hätte alle Nadeln zum Anwachsen gebraucht. Schneide jetzt nichts mehr und lass ihn in Ruhe. Knospen bilden Kiefern nur nach Rückschnitt frühestens im Frühsommer, besser im Juli- August.
Wenn du jetzt einkürzt stirbt dir der Ast vermutlich ab.


gruß

Dirk
Eva Warthemann
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Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von Eva Warthemann »

Ziel um diesen Baum schön gestalten zu können ist es ja das Laub stammnah zu bekommen.
Geduld, Geduld............-
Meiner Meinung nach wäre jetzt erst mal das Hauptziel die Kiefer anwachsen und mindestens 1-2 Jahre in Ruhe zu lassen. (Falls sie ihre Kerzen im Mai schiebt, hast Du ev. Glück gehabt.)
Erst dann kommt man auf die anderen Fragestellungen zurück.

Eine ausgegrabene Kiefer kann mehrere Monate noch grün bleiben und Du wiegst Dich in Sicherheit "Ha der Baum ist angewachsen" aber dann plötzlich werden die Nadeln heller und die Rinde schrumpelt zusammen.
Eine meiner Kiefern hat zwei Jahre lang keine Kerzen geschoben, blieb dabei aber grün, erst dann zeigte sie neues Wachstum.
Liebe Grüße Eva Warthemann
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zazen
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Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von zazen »

Danke für die Antworten,

Natürlich liegt mir das wohl des Baumes am Herzen. Es steht mir nicht im Vordergrund so schnell wie möglich den Baum zu gestalten. Die "unnötige" Laubmasse wurden nur wegen der Assimilation entfernt.

Was ist wenn die Kiefer gleich im Mai die Kerzen schiebt? wie sollte ich dann eurer Meinung nach vorgehen damit sich das Laub nicht zu weit vom Stamm entfernt?

Wie gesagt ,sie hat denke ich sehr viele Wurzeln und ich rechne stark damit das sie gut anwächst.

gruß
Totoro

Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von Totoro »

Hallo zazen,

eine Kiefer wächst um so leichter an je mehr Laubmasse du ihr lässt. Da gibt es nicht wie bei Laubbäumen "unnötig". Eine Kiefer hat nur ihre Nadeln und ihre Knospen um Wurzelwachstum zu stimulieren. Reduziert du dort , reduzierst du auch die Chance des Anwachsens.
Guck mal im Netz den Begriff "Rückknospung" zur stammnahen Verzweigung nach.


Gruß
Dirk
Eva Warthemann
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Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von Eva Warthemann »

Was ist wenn die Kiefer gleich im Mai die Kerzen schiebt? wie sollte ich dann eurer Meinung nach vorgehen damit sich das Laub nicht zu weit vom Stamm entfernt?
Lass diese Kerzen voll auswachsen und dann kannst Du ev. ein paar wenige Kerzen um 2/3 einkürzen. Aber ehrlich gesagt, ich würde dies, wäre es meine,noch nicht in diesem Jahr machen.
Ein ähnliches Problem hab ich an meiner Schwarzkiefer. Diese steht seit 11 Jahren hier auf dem Hof.
Nicht genug das sie zwei Jahre kein Wachstum zeigte, so hatte sie auch nur an den Astenden ein paar Nadelbüschel. Im Inneren war sie recht kahl.
Außerdem steckte ein Teil des Stammes recht tief in der Erde drin, so das sie einen zu dünnen Stammansatz hatte.
Ich hab die neuen Kerzen immer auf 1/3 eingekürzt, das mache ich jetzt seit 9Jahren. Sowie sich neue Knospen im Innenbereich gebildet haben, dann wird die Astlänge etwas gekürzt, so das sie langsam kompakter wird.
Auch jetzt wende ich immernoch die Stammverdickungstechnik, wie anderswo beschrieben wurde, an.
Sie steht heute noch nicht in einer Bonsaischale und immer noch in dem Sand vom Fundort.
Ich lass mir mit dieser Kiefer einfach Zeit und ich denke sie wird es mir mal löhnen.
Liebe Grüße Eva Warthemann
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zazen
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Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von zazen »

Ok, danke,

Werde jetzt mal abwarten was sie im Frühling macht. Zeigt sie gutes Wachstum werde ich keine massiven Eingriffe machen und sie sich erholen lassen.
Hoffe mal das ich später dann noch die Knospen so hinbekomme wie ich mir das vorstelle :-D
Stammverdickung am Ansatz wird noch ein ein paar Jahre dauern bis ich diese Technik anwende(Ist ja ein erheblicher Eingriff).

Gruß
Eva Warthemann
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Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von Eva Warthemann »

(Ist ja ein erheblicher Eingriff).
Überhaupt nicht! Ich mache nur max 5mm lange kleine senkrechte Einschnitte. Auch nicht übermäßig viel, immer im Interesse der Gesundheit des Baumes.
Eva Warthemann
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weeijk
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Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von weeijk »

Hallo Zazen,

ich bin mit Eva, 2 Jahre in ruhe lassen, 1. Jahr nicht beruhren, auser Wind, voll Sonne, nicht drehen usw, nur wassern. 2. Jahr kannst du die in Voll Sonne setzen, jeder Woche 90 grad drehen, anfangen mit Düngen. Wenn alles geklapt hat kannst du von 3. Jahr ab dieser Seite nutzen, zum weiter entwicklen vom Baum.
http://www.karamotto.org/?page=21

Weiterhin sehr wichtig bei Kiefern, nicht umtopfen und drahten/schneiden im selben Jahr.....

Viel erfolg wünsche ich dir.

Wessel
Jeder Baum könnte ein Bonsai sein, aber nur einige werden es.
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Dirk K. aus L.
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Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von Dirk K. aus L. »

Hi, Wessel!
weeijk hat geschrieben: Weiterhin sehr wichtig bei Kiefern, nicht umtopfen und drahten/schneiden im selben Jahr.....
Martin Sturm meinte kürzlich im Rahmen eines Workshops, es sei einer Kiefer durchaus zuzumuten, wenn sie im Frühjahr umgetopft und im folgenden Herbst/Winter gedrahtet würde.

Man kann natürlich auch auf Nummer sicher gehen. So wie ich.


Schönen Gruß, Dirk
Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden. (Franz Kafka)
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Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von Heike_vG »

Das muss man einschätzen können. Eine frisch ausgegrabene Kiefer, die wenig Grün und Neuaustrieb hat, würde ich sicher nicht im selben Jahr noch gestalten.
Gut etablierte, gesunde und vitale Bäume, die schon länger in einem Gefäß leben, jedoch können, wenn sie nach einem Umtopfen im Frühjahr über die Saison gut gewachsen sind, im Spätsommer / Herbst oder Winter gestaltet werden, da bin ich mit Martin einig.
Man darf nicht zu viel verallgemeinern, sondern muss verschiedene Fälle unterscheiden und anhand des Neuaustriebs, der Nadellänge und -farbe, Beschaffenheit des Wurzelballens etc. die Vitalität des Baums einschätzen lernen.

LG, Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von Eva Warthemann »

Mit Heikes Worten bin ich natürlich auch einer Meinung. Es kommt wirklich von Fall zu Fall an.
Ich sprach vorwiegend von meiner Schwarzkiefer, der ich es überlasse mir zu sagen, jetzt können wir den nächsten Schritt gehen. Da meine ich aber auch, das ich bei ca. 30 Jahren entsprechende Bonsaierfahrungen gesammelt habe, um dies einschätzen zu können.
Liebe Grüße Eva Warthemann
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Heike_vG
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Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von Heike_vG »

Eva Warthemann hat geschrieben:Da meine ich aber auch, das ich bei ca. 30 Jahren entsprechende Bonsaierfahrungen gesammelt habe, um dies einschätzen zu können.
Davon bin ich überzeugt, Eva! *daumen_new*

Weniger erfahrene Bonsaifreunde müssen sich in Geduld üben, lieber so oft wie möglich auf Nummer sicher gehen und ihr Auge mit der Zeit schärfen, was die Vitalität ihrer Bäume betrifft.

Liebe Grüße,

Heike
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zazen
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Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von zazen »

*updated*
Hallo zusammen, dem Baum geht es soweit gut, er hat gut ausgetrieben.

Hab das mit der Rückknospung jetzt aber nicht 100% verstanden. Hab schon so viel gesucht und gelesen, aber bin eigentlich trotzdem nicht viel schlauer. Das mit dem Kräfte ausbalancieren habe ich verstanden und klingt logisch....

@Eva du hast geschrieben
Ich hab die neuen Kerzen immer auf 1/3 eingekürzt, das mache ich jetzt seit 9Jahren. Sowie sich neue Knospen im Innenbereich gebildet haben, dann wird die Astlänge etwas gekürzt, so das sie langsam kompakter wird.
Wie kann man das grün nach Innen bringen? Kann man das Grün nach Innen bringen obwohl schon 1 , 2 Jahre keine Nadeln mehr am inneren Ast sind, also rückknospung an älteren verholzten Astpartien erziehlen? Wenn diese Technik 9 Jahre durchgeführt wird, müssten ja die am Innensten sitzenden Nadeln (somit die ältesten) zwischenzeitig abgefallen sein(da diese eigentlich 3 Jahre alt werden) und somit die Chance auf Stammnahe Nadelmasse verspielt. Verstehe nicht ganz, heißt das die Kiefer treibt auch im alten Holz ohne Nadeln durch diese Methode wieder aus?
Oder kann man dem nur durch einen Astschnitt im Spätsommer entgegen kommen? Das habe ich auch schon irgendwo gelesen.Das mit dem Astschnitt (Im Bereich alter Nadeln) wird dann wohl auch nur bei sehr kräftigen Ästen funktionieren. Bei schwachen Ästen wird sich der Baum wohl eher vom Ast verabschieden als neue Knospen auszubilden.

Ich hoffe jemand kann mich aufklären :-D und meinen Kiefernhorizont bereichern

gruß zazen
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Olaf_Gd
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Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von Olaf_Gd »

Hallo zazen,
wenn der Baum vor Lauter Kraft nicht mehr weiß wohin mit den Knospen, und wenn an den Spitzen überall
schon Knospen sind, dann bildet er auch weiter innen am älteren Holz neue Knospen.

Gruß Olaf
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