Yamadori Sylvestris

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zazen
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Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von zazen »

Danke, das macht mir Hoffnung bei einer anderen Kiefer deren Laubsituation etwas schwieriger ist.

gruß
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weeijk
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Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von weeijk »

Ich glaube habe hieroben schon einen Link zur http://www.karamotto.org/?page=21 gesetzt........
Jeder Baum könnte ein Bonsai sein, aber nur einige werden es.
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zazen
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Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von zazen »

Ja danke, den Link hab ich schon hoch und runter gelesen, gibts ja auch auf deutsch im Fachwissen, aber wurde daraus nicht 100% schlau. Da steht halt nicht konkret, ob eine Sylvestris auch an wirklich älteren Ästen Knospen bildet. Es wird immer über eine Rückknospung geredet aber eben nicht wo und wie weit genau. Die Bilder von der Knospenbildung zeigen ja auch relativ junge dünne Äste. Dachte auch bisher das geht nur da wo noch Nadeln sind oder sich noch kürzlich befunden haben.
Dann werd ich meine Kiefern jetzt verwöhnen und wenn so weit die Techniken durchführen und hoffen das die Nadeln Richtung Stamm rücken.
Hat jemand von euch Bilder wo man die Knospenbildung an alten dickeren nadelfreien Ästen beobachten kann? Würde mich sehr intressieren.


gruß
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weeijk
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Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von weeijk »

Du hast ja fast keine dicken Äste, nur der erste am linken Seite. An diesen Ast gibt es doch Dünnere, die genügen für das füllen vom offene Räume.
Warscheinlich gehst du so weiter? Kann natürlich nicht den andere Seite deines Baumes sehen, denke nur das dies ungefahr möglich sein muss.

Grüsse Wessel
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zazen
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Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von zazen »

ja das wäre ne Möglichkeit. Bei dieser Kiefer mach ich mir wegen dem Grün keine Sorgen mehr da sich durch den radikalen Rückschnitt nach dem Ausgraben glücklicherweise viele Knospen bei den alten Nadeln gebildet haben.

Hab da noch ne andere Kiefer die mir mehr Sorgen bereitet da sie einen sehr tollen borkigen Stamm hat, aber die Nadeln der unteren Äste ziehmlich weit vom Stamm entfernt sind. Die werd ich mässten und wenn sie fit ist die Pflegetechniken anwenden und auf genügende Rückknospung hoffen; und wenn das nicht klappt wird ein Literat draus oder eben ordentlich nach unten gebogen. Ein weiteres Problem dieser Kiefer sind auch die einseitige Astausrichtung (keine Äste auf der Vorderseite). Aber die Zeit wird wohl zeigen welcher Weg zu gehen ist.

gruß zazen

ps: Auf dem zweiten Bild sieht die Kiefer recht dicht aus, aber das täuscht ein wenig da die meisten Äste nach hinten weggehen.
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Totoro

Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von Totoro »

Hallo zazen,

Rückknospung bei der Waldkiefer so wie ich sie verstehe:

Kleiner Exkurs zu Knospenformen :

1. ENDKNOSPEN. Das sind die Knospen welche sich am Ende der Jahrestriebe jetzt und etwa bis Mitte September ausbilden. Ganz schwache innere und untere Triebe haben evtl. nur eine, Terminaltriebe in der Spitze evtl. ein ganzes Dutzend. Die mittlere Knospe ist stets die stärkste. Die um sie herum stehenden Knospen sind schwächer. Diese mittlere Knospe ist apikal dominant d.h sie wächst aufrecht, verlängert den Stamm oder Ast. Die Beiknospen bilden den Quirl. Wie bei einem Weihnachtsbaum.
2. NADELBÜRTIGE KNOSPEN. Das sind Knospen welche sich entlang des benadelten ein/zwei/dreijährigen Triebes
zwischen einem Nadelpaar(das ist der Kurztrieb der Kiefer) bilden können.
3. ADVENTIVKNOSPEN. Das sind Knospen die sich aus dem unbenadeltem Holz bilden können. Vorzugsweise an Schnittwunden oder Verzweigungen an Ästchen welche nicht älter als 3/7 Jahre (7 ist schon optimistisch) Du siehst also das du nur an recht dünnen Ästchen überhaupt Rücknospung erwarten darfst. Da stimmen die Bilder von H. v.Meer schon.

Nun zur eigentlichen Rückknospung :
Wenn der diesjährige Trieb richtig auswachsen durfte und dem Baum im Juni /Juli Energie liefern durfte wird der Trieb Ende Juli/Anfang August auf wenige Nadelpaare zurückgeschnitten.
Wenn der Baum wüchsig war und er gut gedüngt wurde will er diesen Verlust seiner diesjährigen Triebe ausgleichen.( Auch wenn er schwach ist aber dann stirbt er meist *pray* )
Er bildet also in Panik :lol: jede Menge neue Knospen. Warum ? Weil durch den Verlust der mittleren Terminalknospen Hormone fehlen welche normalerweise den Austrieb innerer, weiter hinten gelegener Knospenanlagen verhindern würden. (SPITZENFÖRDERUNG)

Was für Knospen bilden sich nun ?
1. Zuerst und am stärksten werden die nadelbürtigen Knospen aus den verbleibenden Nadelpaaren des DIESJÄHRIGEN RÜCKSCHNITTSTUMMELS gebildet.
2. Dann werden Adventivknospen aus älteren Ästchen, auch im Inneren der Krone aktiviert und durchbrechen die Rinde und dünne Borke.(Aus alter Borke kann die Waldkiefer keine Knospen mehr hervorbrechen lassen)

Diese Knospen treiben erst im nächsten Frühjahr aus. Es sind also Ruheknospen zweiter Generation. (siehe dazu noch den Schluss meines Romans :lol: )

Das nenne ich dann RÜCKNOSPUNG :
Wenn sich im Inneren, unbenadelten oder auch noch benadeltem ( Die Nadeln der Waldkiefer sind ja etwa 3 Jahre am Baum) Holz Adventivknospen bilden.

Man muss aber noch folgendes Bedenken:

Der Baum kämpft hier um sein Überleben, wie nach einem fürchterlichen Raupenfraß etwa. Eine Rücknospung erfolgt nur wenn er volle Pulle bis mind. Mitte Juli seinen diesjährigen Trieb KRAFTVOLL entfalten konnte und durfte. Schwache Waldkiefern (kurznadelig, schwachtriebig, gelbnadelig , diesjährig frisch umgetopft oder gar gesammelt, oder sonstwie krank) reagieren auf Rückschnitt NICHT mit Rückknospung.

Ein starker Spitzentrieb (Stammverlängerung) muss bei einer Kiefer mittlerer Größe (35cm Baum) von April bis Juli mind. ca 20-30cm lang geworden sein. Dann ist sie wüchsig und wird entsprechend reagieren. Eine Kiefer wüchsig zu nennen ist immer relativ. (Es gibt Leute die glauben ihr Baum würde " vor Wachstum explodieren" und man sieht nur kümmerliche, kurze, schwache Trieblein)

PS: Es kann auch noch etwas passieren.
In einem besonders langen , warmen Sommer ( das weißt du zum Zeitpunkt des Rückschnitts ja leider nicht) kann sich nach dem beschriebenen Rückschnitt auch ein ZWEITER AUSTRIEB entwickeln. Der war bei mir aber stets unvollständig, schwache und innere Bereiche machten ihn nicht mit. Es bildeten sich anormale schwertförmige Einzelnadelrosetten (Scheidetriebe) die im Winter /Frühjahr oft absterben. Es kann aber auch zum Erhalt einzelner kurzer, zweiter Triebe führen die man in die Endgestaltung einbauen kann. (Aber nicht so wie in Japan immer üblich).
Es ist also das eigentliche Ziel eine Garnitur zweiter Ruheknospen zu erhalten mit einigen inneren Rückknospen. Auf die man, in späteren Jahren, wenn sie denn genügend starke Triebe bilden konnten absetzen, reduzieren kann.

So bekommt man eine kompakte ,stammnah verzweigte Kiefer.

Bei vielen, vielen gesammelten älteren Yamadori-Waldkiefern gelingt dies aber nur noch bedingt. Warum ? Weil sie ihre stammnahen Sekundärästchen an ihren Hauptästen meist schon vor Jahren verloren hatten. Aus älterem Holz ist ein stammnaher Austrieb dann aber meist unmöglich.

Du siehst das die Kultur der Deutschen Waldkiefer eine meiner heißen Leidenschaften ist. *huldigen*

Gruß
Dirk
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zazen
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Re: Yamadori Sylvestris

Beitrag von zazen »

Vielen Dank für die Mühe und den ausführlichen Text. Ja mich fasziniert die Pinus Sylvestris auch sehr, einfache eine Tolle Baumart.
Na dann werd ich mein neu gewonnenes Wissen hoffentlich optimal einsetzten können.

viele libe Grüße
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