Akadama ok für Jadebaum?

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n-taucher
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Akadama ok für Jadebaum?

Beitrag von n-taucher »

Hallo zusammen!

Als Bonsai-Neuling möchte ich euer geballtes Fachwissen und eure Erfahrung gern für mich nutzen.
Ich habe zu Weihnachten einen Bonsai (Jadebaum) geschenkt bekommen.
In den einschlägigen Themen im Foum habe ich mich schon versucht aufzuschlauen.

Nun möchte ich meinen Jadebaum von seiner alten "Gartencenter"-Schale befreien (vertiefte Ecken).
Meine Frage ist daher, ob ich mein Bäumchen in eine 100%iges Akadama-Substrat pflanzen kann.

Hier noch der obligatorische Fragebogen von Neulingen:

Hast du schon Erfahrung mit Bonsai
[ ] Ja – seit
[x] Nein

Welchen Bonsai hast du und wie lange, ist der Name des Bonsai bekannt?
Jadebaum (Portulacaria afra)

[ x] Indoor
[ ] Outdoor

Wo steht dein Bonsai
Ostfenster über Heizung

Herkunft des Bonsai (Fachhandel, Baumarkt, Supermarkt, Geschenk)
Geschenk

Welches Substrat ist im Topf (wenn nicht bekannt, beschreib bitte wie es aussieht. Evtl Bild!)
Akadama

Welchen Dünger verwendest du (flüssig, fest, ist der Name bekannt?)
bisher keinen

Wie ist dein Gießverhalten (wie oft? Wie lange bleibt dein Substrat feucht/nass evtl. Fingerprobe? gießen oder tauchen)
immer etwas Wasser, wenn die Erde trocken aussieht

Hat die Schale mindestens ein Wasserabzugsloch?

[x] Ja
[ ] Nein

Beste Grüße und vielen Dank im Voraus,
n-taucher
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bonsaiheiner
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Re: Akadama ok für Jadebaum?

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo,
n-taucher hat geschrieben:
Meine Frage ist daher, ob ich mein Bäumchen in eine 100%iges Akadama-Substrat pflanzen kann.

Wo steht dein Bonsai
Ostfenster über Heizung
Willkommen hier im Forum!
Meine Empfehlung: Spendiere Deinem Jadebaum eine geräumige Schale, pflanze ihn so tief ein, dass das Nebari bedeckt ist.
Als Substrat nimm ein Drittel Akadama, ein Drittel Basiserde (z.B. "Vulkanerde aus dem Vogelsberg", auch als Fruhsdorfer Erde bekannt), das restliche Drittel aus Bims und Blähton, damit die Geschichte gut durchlässig wird.
Verabschiede Dich von der Vorstellung, dass der Jadebaum ein wirklicher Indoor ist, also auschließlich in der Wohnung gehalten werden sollte. Sobald die Nachttemperaturen dauerhaft über 7°-8° liegen, will er raus, das Sonnenlicht sehen, bis zum Oktober, also nach den "Eisheiligen". Ostfenster über der Heizung ist auf die Dauer also nicht gut, man kann auch sagen: Eher schlecht.
Giesse ihn, wenn er oben trocken wird, er kann Trockenheit länger vertragen, weil er viel Feuchtigkeit in den Blättern und im Stamm speichern kann. Irgendwo wirst Du lesen, dass er auch eine Woche oder so völlig trocken stehen kann. Das würde ich ihm nicht zumuten.
Lass ihn wachsen! Dünge ihn regelmäßg alle 14 Tage-3 Wochen (kannst den Flüssigdünger vom Discounter nehmen).Du wirst sehen: Er wird gewaltig zulegen, im oberen Kronenbereich mehr, unten weniger. Deshalb muß er auch oben regelmäßig (alle 14 Tage- 3 Wochen) besonders oben zurückgeschnitten werden, sonst wird er in kurzer Zeit so kopflastig, dass er Dir aus der Schale zu kippen droht. Zurückschneiden natürlich abhängig von dem Gestaltungsziel, welches Dir vorschwebt.
Lese das Baumportrait hier im Forum, auf der Leiste rechts auf dieser Seite leicht zu erreichen.
Stelle ihn in einem Jahr wieder vor.
Wenn Du vorher Fragen hast, melde Dich vorher.
Gutes Gelingen!

Beste Grüsse,
Heiner
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n-taucher
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Re: Akadama ok für Jadebaum?

Beitrag von n-taucher »

Hallo Heiner,

vielen Dank für eine umfangreichen Tipps.

Wenn ich dich richtig verstanden habe, soll ich meinen Jadebaum aus der Bonsaischale in eine noch größere Schale pflanzen!?

Kann ich statt Bims und Blähton auch Seramis nehmen? :?:

Beste Grüße,
n-taucher
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bonsaiheiner
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Re: Akadama ok für Jadebaum?

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo,

ja, kannst Du machen.
In Deinem Fall etwas qualitätvolle Blumenerde mit hinzugeben, wenn Dir die "Vulkanerde" nicht zur Verfügung steht. Alle Substratbestandteile so irgendwie bei 2-4 mm (die Blumenerde natürlich ausgenommen), die gröberen am Boden der Schale. Außerdem wird der grössere Raum förderlich sein für eine günstige Nebarientwicklung und habe keine Bedenken, diese Maßnahmen durchzuführen. Der Jadebaum (Portulacaria afra) ist eine der genügsamsten Anfängerpflanzen, die ich kenne. Er verzeiht auch Pflegefehler, zum Beispiel etwas zu feuchte Haltung. Damit muss man in unseren Breiten durch heftige Regengüsse immer rechnen. Dadurch unterscheidet er sich deutlich von Crassula, mit dem er immer mal wieder verwechselt wird. Nur musst Du Dich vor Frost hüten, da ist er empfindlich.

Für den Anfang ist eine geräumige Schale, die dem Wurzelwerk mehr Platz bietet, günstiger. Das ist kein Widerspruch zu meiner an anderer Stelle geäußerten These, dass sehr flache Schalen genommen werden sollen. Dieses ist nur für das erste Stecklingsjahr gedacht.

Beste Grüsse,
Heiner
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n-taucher
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Re: Akadama ok für Jadebaum?

Beitrag von n-taucher »

Hallo Heiner,

du hattest du geschrieben, dass ich den Wurzelansatz (Nebari?) so tief einpflanzen soll, dass er mit Erde bedeckt ist.

In verschiedenen Büchern und Forumsbeiträgen hatte ich dagegen gelesen, dass der Wurzelansatz Schritt für Schritt immer weiter aus der Erde gehoben werden sollte.

Welche der Vorgehensweisen ist richtig?
Gibt es von Art zu Art Unterschiede?

Beste Grüße,
n-taucher
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bonsaiheiner
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Re: Akadama ok für Jadebaum?

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo,

fast alle Jadebäume, auch die, die in Ihrer Gestaltung und im Aufbau schon fortgeschritten sind, haben Nebarifehler.

Bei der Wüchsigkeit der Pflanze ist es kein Problem, in einem überschaubaren Zeitrahmen (10-15 Jahre), selbst aus einem Steckling, sein gestalterisches Ziel im Hinblick auf Krone, Aststellung und -aufbau zu realisieren.

Mit dem Nebari sieht es anders aus. Wenn die Gestaltung weit vorangeschritten ist, tut sich am Nebari nicht mehr viel.

Deine Pflanze sieht zwar nicht mehr aus wie ein Steckling, aber der Aufbau scheint mir noch nicht abgeschlossen zu sein.
Deshalb empfehle ich, in diesem Stadium, das Nebari noch nicht so sehr frei zu legen, damit vielleicht noch das eine oder andere Würzelchen sich dazu gesellt. Auf jeden Fall soll man dem Baum die Chance dazu geben. Wurzelwachstum auf Nebariniveau kann nur statfinden, wenn dieses bedeckt ist. Freilegen soll man ein Nebari erst, wenn es sich definitiv herausgebildet hat oder vorübergehend, um sich klar zu werden, welche Ansichtsseite ich später einmal favorisieren will, um danach Aststellung und Kronenausformung zu bestimmen.

Ein zusätzlicher Tipp: Mach Dich doch mal über die Suchfunktion mit der Fahrradschlauch- Methode, die Heike_v_G hier erstmals im Forum vorgestellt hat, vertraut. Das ist meines Wissens am Jadebaum noch nicht probiert worden, aber warum sollte es nicht funktionieren? Diese Methode fördert das Wurzelwachstum an der Oberfläche, aber ganz ohne Substrat geht es nicht, jedenfalls nicht so gut. Wenn Du die Zeitung "Bonsai-Art" liest, findest Du in der letzten Ausgabe ganz am Anfang einen Artikel von ihr über dieses Thema.
Die Fahrradschlauchmethode funktioniert prima bei Dreispitzahorn und bei Rotbuchen und auch an Ulmen, das habe ich selbst ausprobiert. Da Portulacaria afra ein ganz unkomplizierter, willig austreibender Baum ist, auch am alten "Holz", sind die Vorrausstzungen hierfür jedenfalls hervorragend.

Wenn Du aber mit Deinem Nebari rundum zufrieden bist, kannst Du Dir das alles schenken.

Beste Grüsse,
Heiner
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Re: Akadama ok für Jadebaum?

Beitrag von n-taucher »

Hallo noch mal,

vielen Dank für deine tollen Tipps!

Wie sollte denn ein gutes Nebari für einen Jadebaum aussehen? :?:

Ich habe verstanden, dass die Wurzeln strahlenförmig in einem leichten Bogen in die Erde gehen sollen. Sie sollen sich nicht überschneiden und gleichmäßig um den Stamm verteilt sein.

Trifft das auch alles auf den Jadebaum zu?

Beste Grüße,
Nils
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Re: Akadama ok für Jadebaum?

Beitrag von camaju + »

n-taucher hat geschrieben: Wie sollte denn ein gutes Nebari für einen Jadebaum aussehen? :?:
Guck mal hier

http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... 81&t=20274
Gruß Jürgen *wink*

Wer nicht mit Pflanzen und Tieren kann, kann auch nicht mit Menschen.

Ich moderiere in blau, der Rest ist nur meine Meinung
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n-taucher
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Re: Akadama ok für Jadebaum?

Beitrag von n-taucher »

Hallo Jürgen,

vielen Dank für den Link!

Beste Grüße,
Nils
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bonsaiheiner
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Re: Akadama ok für Jadebaum?

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo,

ein strahlenförmiges Nebari, wie die Speichen um die Nabe bei einem Wagenrad, ist wegen seiner Gleichförmigkeit nicht erwünscht.
Der Jadebaum (Portulacaria afra) hat aber die Eigenart, dass bei der Ausbildung einer Speichenradform in seiner frühen Jugend (Steckling oder ganz am Beginn des Aufbaus) diese Gleichförmigkeit im Laufe der weiteren Entwicklung verlorengeht, weil immer einige Wurzeln die Oberhand gewinnen und dadurch die öde, langweilige Eintönigkeit eines Speichenrades verloren geht. Die Ausbildung eines zufriedenstellenden Nebari, das nicht nur bei der später gewählten Frontseite, sondern auch auf der Rückseite überzeugt, ist bei Jadebäumen die Hauptherausforderung. Beim Aufbau der Krone hat man Jahre Zeit und kann auch immer wieder Korrekturen anbringen, der Wurzelansatz ist da weit weniger easy zu handeln.

Beste Grüsse,
Heiner
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