Kultur von Waldkiefern

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
Totoro

Re: Kultur von Waldkiefern

Beitrag von Totoro »

Hallo Stefan,

hochinteressant und ich freue mich auf deine Bilder *daumen_new*

Es gibt, so scheint mir, quasi 2 Wege einen Kiefern-Bonsai zu erzeugen. Ich meine dies natürlich sehr vereinfachend.

1: Die Natur erzeugt in diesen "Kampfzonen" durch blinden Zufall Yamadoris.
2: Der Mensch versucht einen Bonsai zu erschaffen. Hier ist es dann aber so ,das eine Nachahmung der natürlichen "Kampfzone" riesige Ausfälle produzieren würde. Manchmal imitiert man diese den Baum verzwergenden Naturextreme wie Staunässe etc. ja unfreiwillig selber :lol: .

Was mich an der Waldkiefer so fasziniert (und was ich an der japanischen Schwarzkiefer-Bonsai Produktion so bewundere ,die den Dreh schon raus haben) ist eine sichere Kultur zum Bonsai zu finden. ( Ein Rezept für alle Stadien der Entwicklung: 1.Sämling-2.Jungpflanze-3.Prebonsai-4.Bonsai- 5.halbwegs reifer Bonsai) Ohne wie die Natur 95% der Bäume für einen guten Baum zu opfern. Und möglichst noch vor meinem 90`zigsten Geburtstag :lol:




Grüße
Dirk
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Bergi
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Re: Kultur von Waldkiefern

Beitrag von Bergi »

Hallo Dirk,
hier einer der Kandidaten - September 2011 gesammelt, heute fotografiert. Die Nadelfarbe hat sich seit dem Sammeln immerhin schon verbessert, am Standort sind die Bäume extrem gelblich.
Bild
Bild
Gruß,
Stefan
"Leoparden brechen in den Tempel ein und saufen die Opferkrüge leer; das wiederholt sich immer wieder; schließlich kann man es vorausberechnen, und es wird ein Teil der Zeremonie." (F. Kafka)
Totoro

Re: Kultur von Waldkiefern

Beitrag von Totoro »

Hallo Stefan,

danke für die Bilder *daumen_new*

Ist schon erstaunlich wie klein die Nadeln bei Waldkiefern in Extrembedingungen bleiben können.

Ist es so, das bei der Kiefer auf dem Bild die Endknospen steckengeblieben, nicht ausgetrieben sind dieses Frühjahr ?
Als Ersatz hat der Baum dann diese neuen "Knospen-Nadeln" Rosetten gebildet ?

Wenn es das ist: Dieses Phänomen hab ich auch manchmal bei meinen Kiefern bemerkt. Es sitzt dann keine dominante Endknospe am Ende des Triebes sondern eine Vielzahl kleiner ,gleichrangiger Knospen um die trockene Knospe ,die im Frühjahr 2012 gebildet auch sogleich im frühjahr/Sommer 2012 austreiben. Evtl. mit nur 1 oder 2 Nadelpaaren.
Interessant wie zäh diese Bäume ein Notfallkonzept durchziehen können.

Die Nadelfarbe hast du ja schon ganz gut wieder hinbekommen und austreiben tun sie auch , wenn auch noch schwach.

*respekt*

Grüße
Dirk
Totoro

Re: Kultur von Waldkiefern

Beitrag von Totoro »

Hallo zusammen,

ich hab da mal eine Frage :

Herbert empfahl Nemsi kürzlich ein Mekiri, Decandling, Entkerzen (wie man es halt nennen möchte) seiner Pinus sylvestris.
Also den vollständigen Schnitt der diesjährigen Triebe. Die Waldkiefer soll also nur mit vorjährigen , dazu noch reduzierten Nadeln austreiben oder zumindestens Ruheknospen bilden können ?
(In jeder dritten Bonsai art ist das Schema ja lang und breit für P. thunbergii dargestellt).
Führt sonst noch jemand diese Technik an seinen deutschen Waldkiefern durch, oder hat einmal Erfahrungen damit machen können ?

Ich nahm bisher an, das auch die noch so wuchskräftigste P. sylvestris dies nicht vertragen würde.
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.


Grüße
Dirk
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achim73
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Re: Kultur von Waldkiefern

Beitrag von achim73 »

ich kann zwar direkt nichts dazu sagen, würde aber anmerken, dass man den einfluss des lokalen klimas nicht unterschätzen sollte.
was bei herbert in den bergen funktioniert, muss nicht für die köln-bonner bucht gelten.
Gruss, Achim
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Herbert A
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Re: Kultur von Waldkiefern

Beitrag von Herbert A »

@ Dirk

der Unterschied zu Japan ist dass die Sylvestris bei uns keinen zweiten Austrieb mehr macht, jedoch sehrwohl bereits die Knospen für das nächste Jahr anlegt.

Ich habe ja geschrieben dass man diese Methode nur bei wirklich kräftigen Pflanzen das erste mal anwenden kann. D.h. frühestens 2 Jahre nach dem umtopfen oder sonstigen Gestaltungsmaßnahmen. Da liegt auch der Hund begraben. Meistens werden die Bäume durch zu schnelles vorgehen einfach überfordert. Jeder der eine Kiefer umgetopft hat wird feststellen dass in dem selben Jahr kaum Zuwachs zu verzeichnen ist. Im 2. Jahr stabilisiert sich eine Kiefer und erst im 3. Jahr ist sie wieder voll da. Erst dann ist der richtige Zeitpunkt für ein Mekiri gegeben.

Ich habe am Berg ein Versuchtsgebiet wo ich verschiedene Techniken vor Ort ausprobiere. Mitte April habe ich da einer Sylvestris ALLE Spitzenknospen weggeschnitten und nur 2-3 Nadelpaare der alten Nadeln stehen lassen.

Mittlerweile hat die Sylvestris derart weit ins alte Holz zurückgetrieben wie ich es nicht für möglich gehalten habe. Es war also ein viel zu früher Zeitpunkt (Mitte April) und die Kiefer war nicht besonders kräftig. Die Knospen sind dementsprechend klein und viele Knospen haben auch nur ganz wenige Nadeln entwickelt.
ACHTUNG DAS WAR NUR EIN VERSUCH. BITTE BEI KIEFERN NICHT IM APRIL DIE NADELN SCHNEIDEN!!!
Wenn ich das nächste mal dort bin werde ich Fotos davon machen.

ciao
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Re: Kultur von Waldkiefern

Beitrag von Totoro »

Hallo zusammen,

@Herbert: danke für deine Antwort *daumen_new* Gute Idee mit den Versuchskaninchen.

Ich weiß nur, das selbst mein "entschärftes Mekiri" (bei mir bleibt IMMER ein Triebstummel mit diesjährigen Nadelpaaren stehen und auch IMMER, besonders in schwachen Bereichen, verbleiben vorjährige Nadeln) eine echte Belastung für meine Waldkiefern darstellt. Es ist klar das ich nur gut und langjährig eingewurzelte , wuchsstarke Kiefern dafür nehme.
Im Jahr nach meinem "mekiri light" habe ich zwar meist eine höhere Verzweigung erreicht( "Rückknospung *lieb* ). Man sieht aber auch deutlich kürzere Triebe und Nadeln. Das sieht schön aus, zeigt aber auch den "Aderlass", den "Blutverlust" den meine Lieblinge durchmachen mußten.
So kommt es vor das ich selbst diese" sanfte" Methode nicht jedes Jahr anzuwenden wage.

(Ich besitze ja keine yamadoris mit "fertigen" ausreichend dicken Stämmen sondern ziehe mir meine Waldkiefern selbst heran dh. ich benötige eine Methode die SOWOHL Stammverdickung ( durch Opferäste) ALS AUCH Feinverzweigung( durch "mekiri") erzeugt. Mit anderen Worten : Ich brauche meine Waldkiefern immer wüchsig ! Oder einen Profi der mir sagt :Die Pinus sylvestris ist dazu nicht in der Lage :lol: )

Aus dem Bauch heraus glaube ich nicht das eine Waldkiefer ( egal wie wüchsig sie ist) ein richtiges mekiri, also alle diesjährigen Triebe vollständig weggeschnitten und noch alte, vorjährige Nadeln reduziert, erträgt.

Zu schade das man (außer H.v Meer und der liegt bei P.sylv teilweise falsch :oops: ) keinen Profi hier findet der offen auspackt. Wie ich in Kalifornien die Bonsaianer beneide mit ihren jap. Schwarzkiefern und blogs von Peter Tea, Boon, Bonsai tonight etc. ! Dabei gibt es doch herrliche Waldkieferbonsai in Europa (Walter Pall, Stemberger, Spanier , Franzosen und und...)


Grüße
Dirk
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heinz leitner
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Re: Kultur von Waldkiefern

Beitrag von heinz leitner »

Totoro hat geschrieben:
ch weiß nur, das selbst mein "entschärftes Mekiri" (bei mir bleibt IMMER ein Triebstummel mit diesjährigen Nadelpaaren stehen und auch IMMER, besonders in schwachen Bereichen, verbleiben vorjährige Nadeln) eine echte Belastung für meine Waldkiefern darstellt.
Dirk
Ich bin der Ansicht das Triebschneiden bei einer Sylvestis gar nicht notwendig ist.
Wenn die gut wächst ,dann macht die sowieso 2-3 und mehr Knospen pro Trieb,was willst du mehr?
Sinn macht m.E. das nur bei Schwarzkiefern....Mugos weiß ich nicht.
Gruss Heinz
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Herbert A
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Re: Kultur von Waldkiefern

Beitrag von Herbert A »

@ Heinz
wenn man wie bei diesem zierlichen Literaten das Wachstum nicht durch einkürzen der Kerzen einbremst, würden aber die Zweige zu lang und bekämen auch nicht die nötige Dichte. (Bei diesem Baum muss ich erst damit anfangen. Der hat erst seine Grundgestaltung hinter sich.)
Eine zweite Methode wäre duch konsequenten Rückschnitt auf innere Verzweigung das Längenwachstum zu bremsen und wie Du schreibst mit den zusätzlich gebildeten Knospen zu arbeiten. Wobei hier aber immer Hoffen und Bangen angesagt ist dass die Kiefer auch dort Knospen macht wo es gewünscht ist.
Sylvestris
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ciao
Herbert
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Re: Kultur von Waldkiefern

Beitrag von migo »

Totoro hat geschrieben: Aus dem Bauch heraus glaube ich nicht das eine Waldkiefer ( egal wie wüchsig sie ist) ein richtiges mekiri, also alle diesjährigen Triebe vollständig weggeschnitten und noch alte, vorjährige Nadeln reduziert, erträgt.
Wenn mich nicht alles täuscht, hat Udo Fischer bei der letzten BCD-Schulung (Thema Feinverzweigung) genau dieses Verfahren auch für zweinadelige Kiefern empfohlen. Leider kann ich mich nicht erinnern, wann der beste Zeitpunkt dafür ist.
Tschüüss, Michael

Schützt unsere Wälder, eßt mehr Biber!
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Herbert A
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Re: Kultur von Waldkiefern

Beitrag von Herbert A »

@ Totoro

Du hast zu viele Baustellen auf einmal. Entweder Du willst nach vielen Jahren ungehindertem Wachstum einen dickeren Stamm oder du willst Feinverzweigung. Beides geht nicht. Ich bezweifle dass die Opferastmethode bei Kiefern funktioniert. Mekiri muss man am gesamten Baum machen, sonst funktioniert das nicht. Du musst die Kiefer vor die Wahl stellen neue Knospen zu machen oder in den Bonsaihimmel aufzusteigen. Sie wird den ersten Weg nehmen wenn sie kräftig genug ist.

Das lehrt und praktiziert übrigens auch Othmar Auer.

Zeig doch bitte einmal Fotos eines Baumes bei dem Du letztes Jahr ein soft- Mekiri vorgenommen hast.

ciao
Herbert A
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Re: Kultur von Waldkiefern

Beitrag von Totoro »

Hallo zusammen,

@Heinz : Die Trieblänge einer gesunden Sylv. von 10cm aufwärts ist ja das Problem. Was nützen mir Endknospen an zu langen Trieben. Manchmal bleiben die Triebe nach einem mekiri im Vorjahr ausreichend kurz. Dann kann /muss man ein mekiri auslassen. Meist hat der Baum dann aber Probleme .

@ Herbert :
In Amerika und Japan werden alle zweinadeligen Kiefern (außer stammfertige yamadoris) aber so behandelt !
GLEICHZEITIG Opferäste UND mekiri.
Nur so schafft man es das die Hauptäste DÜNNER als der Stamm bleiben. Und der Stamm ( wenn man mal keinen Literaten will) ausreichend dickt.
Dein Literat zeigt bereits , das die Hauptäste im Vergleich zum Stamm zu stark werden.


Gruß
Dirk
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heinz leitner
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Re: Kultur von Waldkiefern

Beitrag von heinz leitner »

Totoro hat geschrieben:Hallo zusammen,

@Heinz : Die Trieblänge einer gesunden Sylv. von 10cm aufwärts ist ja das Problem. Was nützen mir Endknospen an zu langen Trieben. Manchmal bleiben die Triebe nach einem mekiri im Vorjahr ausreichend kurz. Dann kann /muss man ein mekiri auslassen. Meist hat der Baum dann aber Probleme . Gruß Dirk
Dirk
Die neuen Triebe werden bei mir natürlich eingekürzt...ich lasse an den starken Trieben einen halben cm. stehen.
Der neue Trieb ist dann 3-4 cm lang.
Und trotzdem sind dann im Herbst minimum 2 neue Knospen angelegt...
Eine gesunde Sylvestris vorausgesetzt .

Gruss Heinz
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heinz leitner
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Re: Kultur von Waldkiefern

Beitrag von heinz leitner »

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klauso
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Re: Kultur von Waldkiefern

Beitrag von klauso »

Dirk,

Jean-Paul Polmans schneidet in etwa mitte juni bei gesunden p.s. und densiflora alle neuen kerzen ab und steuert die wuchskraft je nach bereich, in dem er mehr oder weniger alte nadeln stehen lässt. Ich konnte mich selbst von der megareaktion sehr vieler neuer knospen bis weit ins alte holz überzeugen. Selber habe ich das noch nicht probiert, da meine p.s. noch reifen muss.
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