Steilbepflanzung

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Kanna
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Steilbepflanzung

Beitrag von Kanna »

Hallo Leute

Ab und zu habe ich schon ein paar Bilder gesehen, in denen die Gestalter auf die Idee kamen ihre Bäume in einen flachen Stein zu setzen der unter einem Winkel (x) geneigt war/ist.

Da mir das sehr gefällt wollte ich das auch mal mit einigen Fichten versuchen. Hat jemand von euch damit Erfahrung bzw. selber so etwas?

Ich habe dazu speziell ein paar Fragen.

1. Wie groß darf der Winkel maximal sein, bevor das Substrat wieder rausfällt (durch Gießen, Regen, Wind, etc.)?
2. Welches Substrat sollte man am besten verwenden um das Problem unter "1." am besten zu vermeiden? Ich selbst benutzte ja immer die Walter-Mischung. Ich bezweifel aber das man mit Blähton große Neigungen hinbekommt. Sollte man hier evtl. den Humusanteil erhöhen?
3. Wieviel Keto und Akadama brauch man ca. für einen Meter Umrandung einer Platte?
4. Auf was muss man bei solchen Gestaltungen am ehesten achten?

Probleme wird es bestimmt mit dem Wässern geben, da es ja fast sofort wieder nach unten läuft.
5. Wie bzw. womit kann man das am besten verhindern?

Bezüglich des Neigungswinkels und der besseren Vorstellung was ich überhaupt will habe ich da mal eine "professionelle CAD-Zeichnung" erstellt :P

Grüße
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Robert S.
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Re: Steilbepflanzung

Beitrag von Robert S. »

Hallo Kanna,

bau doch einfach mit Keto "Wurzeltaschen" für die einzelnen Bäume. Dann sollte der Winkel eigentlich kein Problem mehr darstellen.

Servus,
Robert
MrBigWednesday
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Re: Steilbepflanzung

Beitrag von MrBigWednesday »

diese wurzeltaschen bringen nicht viel. die restliche erde wird dann trotzdem weggeschwemmt.
so, wie das sehe, hast du 2 probleme, die du lösen musst.
1. verankerung der bäume
2. "verankerung" des substrats.
die bäume kannst du bestimmt gut mit draht befestigen. in der schale/platte immer dort zwei löcher bohren, wo eine pflanze hinkommt und dann mit draht befestigen. so wäre theoretisch auch eine senkrecht stehende platte möglich.
das substrat zu verankern ist schon schwieriger und ausschlaggebend für den neigungswinkel. bestimmt hast auch schon die "lawinenzäume" gesehen. dasselbe kannst du auch aus netzen machen. vom prinzip her gleich wie das netz bei einem tischtennistisch, der dann einfach schief gestellt wird. wenn die pflanzen angewachsen sind, halten ihre wurzeln auch die erde zusammen.
vor allem würde ich aber die ganze sache besprühen anstatt giessen.
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Bergi
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Re: Steilbepflanzung

Beitrag von Bergi »

Hi Kanna,
ich musste bei deinem Thema an eine interessante Bemerkung in der Bauanleitung des sog. "Erdofens" von Kiko Denzer denken.
Er schreibt: "It takes a long time for an oven to 'wash away in the rain' (look how long the hills last...)", sich beziehend auf eine Hohlform, die aus simplem Lehm aufgetürmt wurde.
Will sagen: wenn ein hinreichend lehmiger Boden auf einer hinreichend rauhen Unterlage sitzt, kann er da beliebig viel Regen bzw. Gießwasser abfedern... und so "funktioniert" ja auch die natürliche Vegetation im Gebirge.
Für eine Bonsai-Installation würde das für mich bedeuten, dass man für eine glaubhafte Gestaltung nicht über das hinausgehen muss, was "von selbst" liegenbleibt, und das wiederum kann man durch Auswahl der Unterlage und Lehmbeimischung im Substrat sehr stark beeinflussen...
Gruß,
Stefan
"Leoparden brechen in den Tempel ein und saufen die Opferkrüge leer; das wiederholt sich immer wieder; schließlich kann man es vorausberechnen, und es wird ein Teil der Zeremonie." (F. Kafka)
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raga
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Re: Steilbepflanzung

Beitrag von raga »

Hallo Kanna,

schau dir mal diesen Beitrag an.
Wenn du dann noch, nachdem du auf der noch waagerechten Platte die Bäume gut befestigt hast und das ganze mit Substrat aufgefüllt ist, so ein Drahtgitter auf die gesamten Oberfläche befestigst kannst du deine Bäume sogar auf den Kopf stellen :wink: .

Gruß raga
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Kanna
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Re: Steilbepflanzung

Beitrag von Kanna »

Hi

Echt cool. Danke für eure Ratscläge und Tipps. Wäre echt net selbst darauf gekommen...hat sich also mal wieder gelohnt mein Anliegen an euch weiter zu geben :)

Vielen Dank.

Ich war heute aber auch nicht ganz untätig. Ich habe mal ein paar Versuche gemacht, wie steil ich die Platte stellen kann bevor alles wieder rausgeschwemmt wird.
Ich habe dazu eine sehr glatte Presspappe (beschichtetes Sperrholz) genommen, an ihr 3 Dachlatten drauf genagelt und die Walter-Mischung eingefüllt. Bevor ich das ganze schräg gestellt habe, habe ich es noch gut angedrückt und etwas gerüttelt, das die Kontaktfläche der einzelnen Körner möglichst groß ist.
Ich musste dann mit erstaunen feststellen das bei einem Neigungswinkel von 50 ° das ganze noch immer drin blieb. Den Winkel werde ich bei meinem vorhaben nicht verwenden, aber wenn es hier hält dann auch wenn es flacher ist.
Ich habe das Substrat dann noch etwas strapaziert um zu schauen was passiert.
Ich habe zum einen mit einer Gießkanne einen feinen Wasserstrahl drauf rieseln lassen, also den eigentlichen Gieß- bzw. Düngevorgang nachgestellt. Nichts passierte.
Dann habe ich noch den Gartenschlauch genommen und mit einem Aufsatz, der vom prinzip genau so ist wie die Brause der Gießkannen nur war dort der Druck wesentlich höher. Damit wollte ich einen Starkregen simulieren. Hier konnte ich beobachten wie sich an manchen Stellen das Substrast etwas weg schwemmte, aber es war nicht so schlimm, als das alles runter rutschen würde.

Dann habe ich das ganze Ding noch in der prallen Sonne stehen lassen, bis alles so gut wie, wieder trocken war. Auch im trockenen Zustand passierte nichts. Das einzige was passieren müsste, damit die oberste Schicht abrutscht, bzw. einzelnen Substratsteinchen runterkullern, war eine Erschütterung. Dazu habe ich ein paar mal gegen die Konstruktion dagegen geklopft.

Ich konnte daraus nun feststellen das durch feuchtes Substrat Winkel von 50 ° locker möglich sind und weder Regen noch eine Erschütterung das ganze zum rutschen bringen. Selbst eine langanhaltende Gießprozedur interessierte das Substrat nicht. Ich hätte gedacht, Ok, jetzt würde das Wasser das Substrat nun unterspühlen und dann kommt die Lawine. Dem war aber nicht so. Das Wasser konnte durch das durchlässige Substrat sehr schnell den Weg nach unten finden und abfließen.

Vermische ich den Blähton noch mit Lavagranulat und einen Tick mehr Torf dann kann kommen was will...Und wenn ich dazu noch einzelnen Gitter, wie ihr mir ja beschrieben habt, als "Lawinenschutz" installiere, sollte dem Vorhaben nichts mehr im wege stehen.

Achja. Als ich am Ende wieder alles aufräumte und auseinander baute habe ich zuvor das Substrat abgekippt. Erst bei ca. 70 bis 80 ° ist alles runtergerutscht.

Ich habe noch mal 3 Bilder gemacht, damit ihr mir das auch glaubt :)

Jetzt muss ich nur noch eine große Platte finden und dann kann ich die "Schale" auch schon für das kommende Frühjahr vorbereiten.

Die Bäume werde ich, wie von "MrBig..." beschrieben und wie man es auch sonst eigentlich macht mit Draht fixieren. Ich denke die Bäume zu befestigen ist das kleinere Problem.

Zu dem Keto noch was. Wie sieht da das Mischungsverhältnis von Akadama und Keto aus?

Viele Grüße und nochmal vielen Dank an alle.
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Kanna
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Re: Steilbepflanzung

Beitrag von Kanna »

Hi

Jetzt werde ich das Projekt mal in Angriff nehmen.

Eine Platte habe ich gefunden. Ich habe sie allerdings nicht ganz so steil gemacht wie geplant ^^

Meine Frage nun. Wie verhält sich das mit dem Keto? Ich habe mir jetzt was bestellt, was morgen da sein könnte.

Wie mische ich das nun an. Muss da unbedingt Akadama dazu?

Grüße
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MarcoW

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Beitrag von MarcoW »

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Zuletzt geändert von MarcoW am 04.01.2014, 20:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Steilbepflanzung

Beitrag von Heike_vG »

Kanna hat geschrieben:Wie verhält sich das mit dem Keto? Ich habe mir jetzt was bestellt, was morgen da sein könnte.
Wie mische ich das nun an. Muss da unbedingt Akadama dazu?
Das Keto ist ziemlich fest und klumpig, wenn es aus der Packung kommt. Du nimmst eine gewisse Menge ab, die z.B. für die begrenzenden Ränder reichen sollte, und gibst vorsichtig ein wenig Wasser hinzu. Dann knetest Du das Zeug tüchtig durch, dass es so schön zwischen den Fingern durchquillt, bis Du eine geschmeidige Masse ohne Klumpen hast und die Konsistenz richtig ist. Hast Du es zu wässrig gemacht, nimm mehr Keto dazu und umgekehrt, bis es passt.
Damit machst Du die Begrenzungen.
Wenn Du die Bäume einpflanzen willst, nimm für sie ein Gemisch aus Akadama und Keto, auch gut durchkneten, auf die Platte auftragen, Bäume mit Draht befestigen und dann schön das Gemisch in alle Lücken und Ritzen streichen. Am Ende Moos auflegen und mit Drahtkrampen feststecken.

Viel Spaß und Erfolg, bitte zeig dann das Resultat!

Liebe Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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Andreas R.
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Re: Steilbepflanzung

Beitrag von Andreas R. »

Meine Erfahrung ist dass man das Keto unbedingt mit Akadama mischen muss, besser noch mit dem Akadamastaub, weil es sonst einreißt wenn es trocknet.
Kanna
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Re: Steilbepflanzung

Beitrag von Kanna »

Cool...Danke für eure Antworten. Dann warte ich jetzt nur noch gespannt vor der Tür, bis "die Post" klingelt :)

Also ich will damit nur die Umrandung machen. Ich werde noch einige kleinere Löcher reinbohren um die Pflanze dann zu fixieren.

Sollte ich für das Wasser größere Löcher in die Platte bohren oder eher in dem Wall unten Löcher lassen?

Eins macht mir aber noch Kopf zerbrechen. Wie bekomm ich denn die Pflanze in Lot. Wenn ich sie fixiere, steht sie ja bestimmt im rechten Winkel zur Schale?

@ Andreas: Gibt es da irgend eine Faustformel wieviel Akadame bzw. -staub ich dazu mischen sollte?


Viele Grüße
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Andreas R.
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Re: Steilbepflanzung

Beitrag von Andreas R. »

Etwa1/3 Akadama, etwas weniger reicht auch, so genau gehts da nicht.
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Heike_vG
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Re: Steilbepflanzung

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Christof,

Löcher musst Du nicht unbedingt in den Stein bohren. Bei mir hat es sich bewährt, mit Zweikomponentenkleber (Stabilit-Express von Pattex z.B. oder diese Zweikomponentenknete, ebenfalls von Pattex) Drahtschlaufen aufzukleben, das hält bombenfest.
In welchem Winkel Du die Bäume befestigst ist doch Deine Entscheidung! Nicht im rechten Winkel, das sieht nicht gut aus. Es sollte so sein, dass die Bäume senkrecht stehen, wie in der Natur am Berg.

Du solltest auch das Substrat, in dem die Bäume wachsen, aus Keto-Akadama-Gemisch machen! Alles andere hält nicht auf der schrägen Ebene, sondern rieselt runter wenn es trocknet oder wäscht sich aus.
Was man auch bzw. zusätzlich überlegen kann ist Abdecknetze auf der Erdoberfläche zu befestigen (es gibt größe Stücken zum selbst zuschneiden) oder Armierungsgewebe. Dann kann die Erde auch nicht so leicht verschwinden. Obendrauf dann noch Keto-Brei streichen und darauf das Moos mit Drahtkrampen feststecken.

Liebe Grüße,

Heike
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