Spitzahorn-ein Versuch

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MerschelMarco
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Spitzahorn-ein Versuch

Beitrag von MerschelMarco »

Sich an einem Spitzahorn zu versuchen kann dreierlei Gründe haben.
a: Unbedarftheit
b: Artensammelwut
c: Die Suche nach der ultimativen Herausvorderung

B wars bei mir nicht, sondern eindeutig a. Alles was damal im elterlichen Garten aufging wurde als Bonsaimaterial betrachtet, ein Spitzahornsämling war da nur logisch. Die Probleme gingen da schon los. Der Baum wurde zunächst wachsen gelassen und oberirdisch etwas zurückgenommen. Als dreijähriges Pflänzchen dann esrtmalig umgeschult, der erste Fehler, das hätte man sofort machen sollen. Mit einer Pfahlwurzel und Nebenwurzeln wie an einer Wendeltreppe war rein gar nix anzufangen. Die Pflanze wurde dann durch ein Loch einer Siebdruckplatte gesteckt und so wieder eingepflanzt. Geplant war also ein Abmoosen mit der Plättchenmethode. Nach zwei Jahren waren auf einer Seite sehr lange dicke Wurzeln, leider ohne Verzweigung, enstanden, auf der anderen dafür gar keine. Also die langen Wurzeln gekürzt, die Gegenseite eingeritzt und ohne was am Mutterwurzelballen zu verändern wieder zurück in den Garten. Nach weiteren zwei Jahren, in denen der oberirdische Teil deutlich zunahm, waren dann genügend Wurzeln vorhanden um den Baum von der Unterlage zu trennen. Das Nebari ist aber ziemlich einseitig und weit entfernt von optimal.



Das erste Photo zeigt den Baum 2005, ich glaube das zweite Jahr in einer zu klein dimensionierten Holzkiste und außerdem in einem zu grobkörnigem Substrat. Anhand der handwerklichen Meisterschaft der Drahtung, die die Qualität des Materials widerspiegelt, läßt sich der Motivationsgrad ablesen 8)
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MerschelMarco
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Re: Spitzahorn-ein Versuch

Beitrag von MerschelMarco »

Der Baum stand dann einige Jahre so rum und wurde mal umgetopft in ein besseres Gefäß.

Was man an dem Photo aus 2009 sehen kann, ist, das bei guter Wüchsigkeit die Internodien völlig unbrauchbar lang werden. Der Stamm hat mittlerweil ordentlich zugelegt und auch das Nebari ist wesentlich besser geworden. Was auch inzwischen aufgefallen war, das es Probleme macht den Wurzelballen Ahorntypisch sehr stark zurückzunehmen, weil dann die schwächeren dünnen Zweige sehr leicht zurücktrocknen. Im ersten Jahr nach dem Umtopfen macht der Spitzahorn sehr enge Internodien von z.T nur wenigen Millimetern, im Zweiten Jahr schießt er dann mit immensen Wurzelwachstum und drückt sich dann bereits aus der Schale.

2011 sieht er dann erstmalig irgendwie brauchbar aus.

Im Frühjahr wurde er dann in eine größere aber flacher dimensionierte Holzkiste geflanzt. Das Nebari gibt inzwischen Anlass zur Hoffnung.
Im Laub sieht der Baum schlimm aus. Blattstiele von 20 cm und mehr machen jede Siluette kaputt. Ein Blattschnitt reduziert die Blattgröße auf etwa die Hälfte, was immer noch zuviel ist. Der Im Laub einzig vorstellbare Zeitpunkt um den Baum jemals auszustellen, wäre, wenn sich die Blätter gerade geöffnet haben. Generell ist es wohl hoffnungslos als Vorbild einen Facherahorn zu sehen. Der sparrige Verzweigungsmodus macht eher eine kräftige rustikale Beastung notwendig. Mit der Holzkiste versuche ich einen 3jährigen Turnus zu fahren. Das erste Jahr mit den engen Internodien Wird zum Aufbau der Verzweigung genutzt. Die beiden nächsten Jahre dann zur Massenzunahme, dass wird dann beim nächsten Umtopfen aufs erste Jahr zurückgeschnitten. Insgesamt soll die Krone noch deutlich größer werden, der bis dato durchgehende Hauptstamm soll sich auflösen.
a ist inzwischen c gewichen.

Grüße,
Marco
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Herbert A
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Re: Spitzahorn-ein Versuch

Beitrag von Herbert A »

Servus Marco,

eine beachtliche Entwicklung.
Wenn die Feinverzweigung einmal halbwegs aufgebaut ist, kann man beim Spitzahorn Blätter mit 3-4 cm erhalten. Ausbrechen der Spitzenknospe im Winter und 2x Blattschnitt. Dann sind im Herbst die Blätter sehr klein.
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Allerdings sollte man den Baum dann auch mal wieder ein Jahr ohne Blattschnitt gönnen.

ciao
Herbert
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Georg
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Re: Spitzahorn-ein Versuch

Beitrag von Georg »

Aber nur im Herbst klein bei 2maligem Blattschnit.. So zumindest meine Erfahrung.
Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben geben, daß Du es sagen darfst(Voltaire)
MerschelMarco
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Re: Spitzahorn-ein Versuch

Beitrag von MerschelMarco »

Der Kampf geht weiter. es bleibt eine Chronik des fortlaufenden Scheiterns.

Das Nebari hat sich ziemlich gut weiterentwickelt, die Kronenentwicklung hinkt gnadenlos hinterher. Eigentlich ist da seit 3 Jahren kein nennenswerter Fortschritt zu verzeichnen. Mir ist generell folgendes aufgefallen: Die Kultur in flachen Schalen oder Kisten fördern zwar die Ausbildung eines schönen Wurzelansatzes bremsen aber die Wuchskraft der Pflanze aus. Pflanzen in engeren aber tieferen Schalen sind bei vergleichbaren Erdvolumen wesentlich vitaler. Ich erkläre mir das durch ein besseres Volumen zu Oberfläche-Verhältnis. Dadurch ist sowohl das Temperatur- als auch Wasserregime ausgeglichener, je kubischer das Behältnis ist. Bei gut entwickelten Pflanzen, deren Krone die Erdoberfläche beschattet mag das wieder anders aussehen.

Deshalb habe ich den Baum auch höher in die Kiste gesetzt um mehr Erde drunterzubringen. Auch wurde der Wurzelansatz freigelegt, ich will keine zu überdimensionierte Wurzelplatte entwickeln.
Wenn der Baum nun mal wieder wüchsig werden würde, dann wäre das Virtual ja durchaus realistisch, wenn, hätte, sollte....

Grüße,
Marco
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renfra
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Re: Spitzahorn-ein Versuch

Beitrag von renfra »

Hallo Marco,

ich habe zwar leider noch keine Erfahrungen mit Spitzahörner Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass du den Kronenaufbau besser hin bekommst wenn du den Ahorn ins Beet pflanzt und ihn regelmäßig beschneidest.

Gruß René
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Anja M.
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Re: Spitzahorn-ein Versuch

Beitrag von Anja M. »

renfra hat geschrieben:Hallo Marco,

ich habe zwar leider noch keine Erfahrungen mit Spitzahörner Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass du den Kronenaufbau besser hin bekommst wenn du den Ahorn ins Beet pflanzt und ihn regelmäßig beschneidest.

Gruß René
Dann wäre nur leider das Nebari in Gefahr und auch der Austrieb oben mag so einiges über das Ziel hinausschießen. Kiste ist schon angesagt, die Stellschrauben sollten schon subtiler sein, wie von Marco angedacht.
73 Anja
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mati
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Re: Spitzahorn-ein Versuch

Beitrag von mati »

Hallo Marco,
danke für deinen Bericht, was du schreibst ist sehr aufschlußreich für mich ich gehöre wohl zur Kategorie A der Planetoidis Freunde. Das ist wirklich immer 3 Schritte vor und 2 Schritte zurück Und dein Ergebnis vor allem das Nebari und die tolle Rinde sind richtig Klasse *daumen_new* Bin mal gespannt wenn der Baum in eine Schale kommt . Irgendwann zeigst du uns hoffentlich Bilder davon.
LG
Mati
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Herbert A
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Re: Spitzahorn-ein Versuch

Beitrag von Herbert A »

Servus Marco

es ist schön zu lesen dass man bei der Gestaltung eines Spitzahorns nicht nur mit dem eigenen Baum nicht sehr schnell weiterkommt. 3 Schritte vor und 2 zurück ist eine hervorragende Beschreibung des Elends :-)

lg
Herbert
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|Laura|
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Re: Spitzahorn-ein Versuch

Beitrag von |Laura| »

Hallo Marco,
ich finde deinen Spitzahorn schon jetzt richtig gut und bin auf die weitere Entwicklung echt gespannt. *daumen_new*
Auch wenn die Gestaltung langwierig und nervenaufreibend ist, lohnt es sich bei diesem schönen Baum auf jedenfall.

Liebe Grüße,
Laura
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bonsaiheiner
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Re: Spitzahorn-ein Versuch

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo Marco, hallo Herbert

Elend?,
bei diesem Thread nehme ich die Information mit, dass die Ahorne mit den grossen Blättern und den eher längeren Internodien (Spitzahorn, Bergahorn) bei gut ausgebildetem Wurzelwerk oberirdisch viel rabiater geschnitten werden müssen als es bei den Palmatums und Dreispitzen nötig ist. Dann sind sie sogar nach Jahren in der Lage, auch einen anspruchsvollen Gestalter zu erfreuen.

Ja, man wird nachdenklich: Wenn diese Spezies Torturen wie Ausbrechen jeder grösseren Knospe im Frühjahr und/oder Massivrückschnitt im Herbst/Winter, inklusive 2 maligen Blattschnitt im Sommer klaglos hinnehmen, was werden da für Möglichkeiten bei den (höher?) geschätzten Palmatums und Dreispitzen liegengelassen!?

Die kleinblättrigen Ahorne mit den kurzen Internodien dulden wohl Einkürzungen, aber keinesfalls mehrmaligen Radikalblattschnitt.
Vielleicht ist da bei diesem Maßnahmengefälle auf der Gestaltungsleiter eine gewisse Gesetzmäßigkeit ableitbar?

Beste Grüsse,
Heiner
Ein Tag ohne Beschäftigung mit Bonsai ist ein verlorener Tag!
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grüner_hesse
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Re: Spitzahorn-ein Versuch

Beitrag von grüner_hesse »

Hallo Marco.

Es erfreut mich immer, hier und da mal einen Spitzahorn im Forum zu sehen. Dein Exemplar hat ein wirklich tolles Nebari. Auch die langsam reifer werdende Borke weiß zu gefallen.

Über die Herausforderungen, eine ordentliches Astwerk aufzubauen hast Du schon geschrieben. Ich sitze mit im Boot, kann das alles so unterschreiben. Und ein gutes Stück bist Du doch schon vorangekommen.

Ich bin gespannt, wie weit Du in den nächsten Jahren mit der feineren Verzweigung vorankommen kannst. Das Wörtchen fein scheint in der Welt des Spitzahorn nämlich nicht zu existieren. :)

viele Grüße

Benny
MerschelMarco
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Re: Spitzahorn-ein Versuch

Beitrag von MerschelMarco »

Das ist der einzige Moment im Jahr wo der Ahorn ein bischen was hermacht, wenn sich gerade die Blätter ausbreiten. In einer Woche sind die Blattstiele 15 cm lang und ohne Laub ist das Zweigwerk noch immer lausig. Aber in 20 Jahren vielleicht :)

Grüße,
Marco
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Norbert_S
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Re: Spitzahorn-ein Versuch

Beitrag von Norbert_S »

Dann ist mein Ebereschenwald auch soweit, Marco.
Dann stellen wir zusammen aus oder meine Erben.

Solche Dinnge kann man mit Freude machen, wenn einige andere Pfleglinge im Garten stehen, die einfacher sind davon hast du uns doch schon einige gezeigt.

Auf meinen Regalen stehen einige "No goes", manchmal kurz vor dem Rauswurf, besonders wenn mal wieder ein anderer schöner Rohling angeboten wird und kein Platz vorhanden ist. Aber es würde mir etwas ganz Elementares fehlen in meiner Sammlung und in der täglichen Beschäftigung

Also hilft auch dir nur die Tage an dem der Spitzahorn zu glänzen weiß vielfach zu genießen und einfach weiter machen.

Mir gefällt er, da habe ich Schlimmeres auf dem Tisch.
Norbert

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