Feldahorn "Janus"

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Andreas R.
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Feldahorn "Janus"

Beitrag von Andreas R. »

Im letzten Winter habe ich hier im Flohmarkt einen Feldahorn (Acer campestre) von gery erworben.
Hier das Bild von gery aus dem Inserat:
Bild: gery
Bild: gery
Auf der Go shun ten fand die Übergabe statt. Der Baum gefiel mir sogar noch besser als auf dem Bild.
Mein Vater hatte etwas Bedenken wegen der Größe des Baumes, aber wir haben ihn dann doch in seinem kleinen Auto untergebracht.
Im Frühjahr hat er problemlos ausgetrieben, scheinbar gefällt es ihm hier im bayerischen Oberland. Mit dem Austrieb habe ich auch umgetopft, was laut gery schon seit 10 Jahren nicht mehr gemacht wurde. Die Wurzeln waren trotzdem in gutem Zustand, vor allem im oberen Bereich waren viele Feinwurzeln vorhanden. Im unteren Bereich habe ich einige Stützwurzeln mit der Säge entfernt. Eingetopft wurde er wieder in den gleichen Trainingstopf in das Substrat nach W. Pall.
Ahorn_vorher.jpg
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Auffällig sind vor allem die beiden großen Stümpfe. Die waren zu groß als dass sie sich jemals schließen lassen würden. Unterhalb des unteren Stumpfes löste sich bereits die Rind ab. Mein Plan war also einen der Art entsprechenden Totholzbereich zu schaffen. Wer mal natürliches Totholz bei Ahornbäumen sehen will, dem kann ich den großen Ahornboden im Karwendel empfehlen. Wer gut zu Fuß ist kann auch zum kleinen Ahornboden gehen. Dort sieht man auch viele ausgehöhlte Stämme. Das sind zwar alles Bergahörner, aber der Feldahorn wächst ja eher als Busch, so dass ein Bergahorn als Vorbild wohl seine Berechtigung hat.
Der Stamm sollte also ausgehöhlt werden. Das hätte mit meinem Dremel tagelang gedauert. Also habe ich ihn mit auf den Frühjahrs-Workshop beim Kuck Gerhard genommen. Der Gerhard hat bestimmt grobes Werkzeug und wenn was schief geht ist auch gleich ein Unfallchirurg vor Ort.
Zunächst wurde die abgestorbene Rinde entfernt und das lebende Kambium vorsichtig frei präpariert. Im Bereich der so festgelegten Grenzen wurde dann das Holz bis weit über die Mitte des Stammes hinaus entfernt. Es wurde ein Durchbruch zwischen den beiden Bereichen geschaffen.
Ahorn_fraesen1.jpg
Ahorn_fraesen1.jpg (205.85 KiB) 1040 mal betrachtet
Ahorn_fraesen2.jpg
Ahorn_fraesen2.jpg (183.78 KiB) 1040 mal betrachtet
Dann gab es Essen. Zu den Workshops beim Gerhard geht man vor Allem wegen dem Essen, das seine Frau zubereitet. Die Bäume sind eher Nebensache. Nach dem Essen wurden die Werkzeugspuren mit einem kleinen Fächerschleifer geglättet und mit der Drahtbürste nachgearbeitet.
Das vorläufige Ergebnis:
Ahorn_nachher1.jpg
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Ahorn_nachher2.jpg
Ahorn_nachher2.jpg (195.69 KiB) 1040 mal betrachtet
Der kleine Hügel ganz unten wird nächstes Jahr wahrscheinlich entfernt. Hier gab es noch einen winzigen Trieb mit zwei kleinen Blättern, der den Saftfluss in dem Bereich aufrecht erhalten hat. Der ist inzwischen weg weil die groben Fräsen in beschädigt hatten. Die "Brücke" weiter oben würde ich gerne erhalten, aber wenn her das Kambium abstirbt muss sie auch weg. Das auf den Bildern noch sehr helle Holz hat inzwischen eine schöne silbergraue Farbe bekommen. Zahlreiche feine Risse lassen es sehr natürlich erscheinen.
Der Plan für die nächsten Jahre ist die Krone deutlich rundlicher werden zu lassen. Einige Äste wurden dafür schon dieses Jahr wachsen gelassen und gedrahtet. Auch die Höhe soll noch etwas größer werden. Diese Ziele stehen erst einmal vor der Feinverzweigung.
Übrigens ist die andere Seite des Stammes völlig unversehrt. Deshalb möchte ich beide Seiten als Vorderseite gestalten. Daher auch der Name "Janus", nach dem römischen Gott mit den zwei Gesichtern.
In Arco habe ich die richtige Schale für den Baum gefunden, eine ovale Schale mit rustikaler Glasur von Klika & Kuřátková aus Tschechien. Da wird er nächstes Jahr reingesetzt.
Eigentlich wollte ich noch ein aktuelles Bild in Herbstfärbung anhängen aber leider hatten wir hier schon Schnee, so dass die Herbstfärbung ausgefallen ist. Die Blätter fallen mehr oder weniger grün oder gelbgrün ab. Ich werde also ein Bild nachreichen wenn alle Blätter ab sind.

Viele Grüße,
Andy
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Heike_vG
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Re: Feldahorn "Janus"

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Andreas,

hast Du vielleicht ein Vorbild-Foto von den besagten Ahornen aus dem Ahornboden? *kopfkratz*
Wenn ich mir Deinen ausgehöhlten Ahorn so anschaue, wirkt er nicht gerade sehr natürlich auf mich, weil das alles so glatt, gleichmäßig und unstrukturiert ist, sowohl das Holz als auch die Ränder der Löcher. Mir kommt dabei in den Sinn, was Francois Jeker im Totholzbuch schreibt, dass man einen Baum nicht in ein Regenrohr verwandeln sollte. :oops:
Aber vielleicht fehlen mir einfach die Vorbilder im Kopf. *schulter zuck*

Liebe Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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Andreas R.
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Re: Feldahorn "Janus"

Beitrag von Andreas R. »

Hallo Heike,

leider habe ich im Ahornboden noch keine Bilder gemacht. Ich war ja nur zum Spass da und nicht zum arbeiten :wink: . Muss ich unbedingt nachholen wenn ich wieder mal hinfahre. Evtl. findet man bei Google was, das kann ich aber hier nicht einstellen zwecks Copyright.
Das Buch von Herrn Jeker habe ich auch. Man muss aber unterscheiden ob man es mit einer Kiefer zu tun hat, bei der das Totholz jahrzehntelang erhalten bleibt und immer schöner wird oder mit einem Ahorn, wo es mit der Zeit einfach wegfault.
Die Ränder bleiben nicht so, die sollen noch ausgefranster werden. Bei dieser ersten Aktion ging es vor allem darum viel Material zu entfernen. Ich möchte erst einmal schauen wie sich der Baum in den nächsten Jahren verhält. Perfekte Ränder zu gestalten wäre sinnlos wenn ich sie in zwei Jahren wieder wegfräsen muss.
Inzwischen sieht die Oberfläche schon nicht mehr so schlimm aus, Bilder werden nachgereicht wie gesagt. Trotzdem wird der Baum noch viele Jahre brauchen bis er vorzeigbar ist.

Viele Grüße,
Andy
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SteSt
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Re: Feldahorn "Janus"

Beitrag von SteSt »

Servus Andreas,

leider muss ich Heike absolut recht geben, natürlich ist was anderes.
Aber wie du schon schreibst steht die Totholzgestaltung erst am Anfang.
Einen Trick möchte ich dir aber verraten, wirklich naturgetreues Totholz zu erzeugen.
Pack den Stamm für 1-2 Jahre mit Sphagnummoos voll, bist die ersten paar Millimeter vom Holz weich werden und zu faulen beginnen. Dann mit einer weichen Bürste die losen und matschigen Teile rausbürsten, den Rest konservieren fertig. Lass die Natur für dich arbeiten, denn schöner als die Natur können wir Totholz nicht machen!


lg Stefan
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Andreas R.
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Re: Feldahorn "Janus"

Beitrag von Andreas R. »

Servus Stefan,

in der Natur würde es leider auch Jahrzehnte dauern bis das Totholz entsprechend aussieht. Einen hohlen Stamm kann man halt nur mit Aushöhlen erreichen. Die Feinarbeit darf ja trotzdem die Natur machen. Deswegen hab ich ja auch nichts draufgeschmiert.
Die Methode mit dem Spaghnummoos halte ich für etwas gefährlich. Da kann man sich schnell pathogene Pilze einfangen, die dann nicht nur das tote Holz zersetzen sondern auch das lebende Gewebe angreifen.

Viele Grüße,
Andy
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Reiner K
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Re: Feldahorn "Janus"

Beitrag von Reiner K »

aber nur ein "Loch" reinfräsen des Fräsens wegen??
Keine Höhen und Tiefen....
Kein Riefen und Kanten??
Kein Licht und Schatten??
LG Reiner
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