Hallo Lea,
Da hast Du eine schöne chinesische Ulme mit Potenzial an Land gezogen
Ich gebe Dir aber Recht: Die unteren Äste eignen sich nicht wirklich für Deine angestrebte klassische Besenform. Unter "klassisch" verstehe ich hier die Aufteilung des Stammes in zahlreiche Äste am Ende des Stammes. Es gibt ja noch bekanntlich die andere Form mit durchgehendem, sich verjüngendem Stamm, von dem die Besenäste ausgehen. Beide Formen können ausdrucksstarke Bäume hervorbringen. Die klassische Form ist aber nach meinem Empfinden noch einen Tick attraktiver. Die konsequente Verjüngung zur Peripherie von Ast- und Zweigstruktur ist in beiden Fällen aber ganz wichtig. Ein makelloser Stamm und ein ansprechendes Nebari sind die nächsten Hauptaugenmerke bei dieser Wuchsform.
Bei Deinem Baum bietet sich die klassische Variante an.
Wie soll man dabei die Äste/Substämme aufbauen/formen?
Stell Dir vor, Deine Äste wachsen alle in die Peripherie als würden sie ein umhüllendes Gerüst wie aus einer spitzkegeligen Tüte nicht verlassen. Diese "Tüten" haben haben ihre Basis am Stammende und richten sich mehr oder weniger aufrecht zur Peripherie hin aus. Das bedeutet, dass sich die Hauptäste
nicht kreuzen, wobei ich hier nicht einem gestalterischen Ebenmaß wie auf dem Zeichenbrett und mit dem Lineal gezogen das Wort reden will. Solch eine Gleichförmigkeit verträgt sich überhaupt nicht mit Bonsaigestaltung. Es soll nur eine gedankliche Stütze sein.
Dieses Prinzip habe ich kompromisslos bei der oben angesprochenen Zelkova serrata (früher Zelkova carpinifolia genannt)
und auch bei einer kleinen chinesischen Ulme verfolgt.
http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... 35&t=31258
Die chinesische Ulme hat den Vorteil, dass sich eine feines Besenzweigwerk ungleich viel einfacher aufbauen lässt. Lässt man bei der Z.s. nur während einer Wachstumsperiode Blatt- und/oder mindestens konsequenten Verjüngungsschnitt aus, dann antwortet die Pflanze mit Verlust von mühsam aufgebautem filigranem Zweigwerk, ja, sie kann sogar mittelstarke Äste vertrocknen lassen.Die chinesische Ulme ist da weitaus gutmütiger, nicht zueletzt deshalb, weil die Rückknospung bei Ulmus parvifolia viel besser funktioniert.
Viel Spass mit Deinem Baum.
Beste Grüsse,
Heiner