chin. Ulme Besenfrage

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steppenwolf
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chin. Ulme Besenfrage

Beitrag von steppenwolf »

Hallo miteinander,
Ich habe das Forum durchforstet, habe aber nicht's Passendes gefunden.
Gesucht habe ich nach einem Vorbild für meine chin. Ulme in Besenform. Mir hat das Pflänzchen gefallen, weil es trotz Baumarkt keinen S-Stamm hat.
Bild

Dafür hat die Kleine einen Besen, der den Namen auch verdient :oops: .
Im Frühling möchte ich gerne in einen TPK umtopfen und durchtreiben lassen. Gehe ich recht in der Annahme, dass Auslichten dem Bäumchen guttun würde (genug Licht in die Krone).
So wie ich das verstanden habe : keine kreuzenden Äste, keine direkt in die Krone wachsenden Äste.

Gerne würde ich ca. 5 Äste belassen und diese solange wachsen lassen, bis sie etwas dicker sind.

Sind meine Hypothesen richtig so?

Ach ja, die drei untersten Äste sind auch nicht so besenformtauglich - oder?

Liebe Anfängergrüsse
Lea
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heinz leitner
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Re: chin. Ulme Besenfrage

Beitrag von heinz leitner »

steppenwolf hat geschrieben:Hallo miteinander,
IIm Frühling möchte ich gerne in einen TPK umtopfen und durchtreiben lassen. Gehe ich recht in der Annahme, dass Auslichten dem Bäumchen guttun würde (genug Licht in die Krone).
So wie ich das verstanden habe : keine kreuzenden Äste, keine direkt in die Krone wachsenden Äste.
Gerne würde ich ca. 5 Äste belassen und diese solange wachsen lassen, bis sie etwas dicker sind.
Sind meine Hypothesen richtig so?
Ach ja, die drei untersten Äste sind auch nicht so besenformtauglich - oder?
Liebe Anfängergrüsse
Lea
Hallo Lea
Hast du alles richtig erkannt.
Gut wäre noch ein kühler Standort im Winter.Und ein Standort im Freien in der Wachstumsphase.
Gruss Heinz
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Martin_H
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Re: chin. Ulme Besenfrage

Beitrag von Martin_H »

steppenwolf hat geschrieben:Hallo miteinander,
Ich habe das Forum durchforstet, habe aber nicht's Passendes gefunden.
Gesucht habe ich nach einem Vorbild für meine chin. Ulme in Besenform.
Schau dir doch mal die Besenzelkove von Heiner an: http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... 74#p270047
Ist wie gesagt eine Zelkove und keine chin. Ulme, aber ich denke so als Vorbild taugt der auch ganz gut. Und es zeigt einen sehr beeindruckenden Werdegang!
steppenwolf
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Re: chin. Ulme Besenfrage

Beitrag von steppenwolf »

@Heinz: Ich warte schon sehnsüchtig auf den Frühling, damit die Ulme an die frische Luft darf :-D
Da die Ulme noch keine hiesigen Jahreszeiten (und vermutlich auch sonst keine...) gewöhnt ist, steht sie noch Indoor.
Nächsten Winter werde ich sie entweder dunkel bei 5-10 Grad oder geschützt draussen überwintern.
Ich muss mich nur noch für eine Variante entscheiden 8)

@Martin: Genau diesen Beitrag habe ich mir mal angeschaut und beim besten Willen nicht mehr gefunden :oops: . Vielen Dank für's
Verlinken! Heiner hat allerdings auch relativ viele Äste stehen gelassen. Da werde ich erstmal nur etwas auslichten und
sehen, wie sich die einzelnen Äste bis im Herbst entwickeln. Abschneiden kann ich ja immer noch.

Liebe Grüsse
Lea
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bonsaiheiner
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Re: chin. Ulme Besenfrage

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo Lea,

Da hast Du eine schöne chinesische Ulme mit Potenzial an Land gezogen *daumen_new*

Ich gebe Dir aber Recht: Die unteren Äste eignen sich nicht wirklich für Deine angestrebte klassische Besenform. Unter "klassisch" verstehe ich hier die Aufteilung des Stammes in zahlreiche Äste am Ende des Stammes. Es gibt ja noch bekanntlich die andere Form mit durchgehendem, sich verjüngendem Stamm, von dem die Besenäste ausgehen. Beide Formen können ausdrucksstarke Bäume hervorbringen. Die klassische Form ist aber nach meinem Empfinden noch einen Tick attraktiver. Die konsequente Verjüngung zur Peripherie von Ast- und Zweigstruktur ist in beiden Fällen aber ganz wichtig. Ein makelloser Stamm und ein ansprechendes Nebari sind die nächsten Hauptaugenmerke bei dieser Wuchsform.
Bei Deinem Baum bietet sich die klassische Variante an.

Wie soll man dabei die Äste/Substämme aufbauen/formen?

Stell Dir vor, Deine Äste wachsen alle in die Peripherie als würden sie ein umhüllendes Gerüst wie aus einer spitzkegeligen Tüte nicht verlassen. Diese "Tüten" haben haben ihre Basis am Stammende und richten sich mehr oder weniger aufrecht zur Peripherie hin aus. Das bedeutet, dass sich die Hauptäste nicht kreuzen, wobei ich hier nicht einem gestalterischen Ebenmaß wie auf dem Zeichenbrett und mit dem Lineal gezogen das Wort reden will. Solch eine Gleichförmigkeit verträgt sich überhaupt nicht mit Bonsaigestaltung. Es soll nur eine gedankliche Stütze sein.

Dieses Prinzip habe ich kompromisslos bei der oben angesprochenen Zelkova serrata (früher Zelkova carpinifolia genannt)
und auch bei einer kleinen chinesischen Ulme verfolgt.

http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... 35&t=31258

Die chinesische Ulme hat den Vorteil, dass sich eine feines Besenzweigwerk ungleich viel einfacher aufbauen lässt. Lässt man bei der Z.s. nur während einer Wachstumsperiode Blatt- und/oder mindestens konsequenten Verjüngungsschnitt aus, dann antwortet die Pflanze mit Verlust von mühsam aufgebautem filigranem Zweigwerk, ja, sie kann sogar mittelstarke Äste vertrocknen lassen.Die chinesische Ulme ist da weitaus gutmütiger, nicht zueletzt deshalb, weil die Rückknospung bei Ulmus parvifolia viel besser funktioniert.

Viel Spass mit Deinem Baum.

Beste Grüsse,
Heiner
Ein Tag ohne Beschäftigung mit Bonsai ist ein verlorener Tag!
steppenwolf
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Re: chin. Ulme Besenfrage

Beitrag von steppenwolf »

Lieber Heiner,
Vielen Dank, dass Du dir die Mühe gemacht hast, so präzise zu erklären. Und dass Dir mein Baum auch gefällt *dance*

Vor allem das Beispiel mit der Tüte - ergänzt mit dem "von-oben-Bild" Deiner Ulme - hilft mir sehr, das Prinzip zu verstehen.
Ich werde Deine Ausführungen ausdrucken und mir als Bettlektüre auf den Nachttisch legen!


In der Fachliteratur wird oft ungenau beschrieben, umso mehr schätze ich die kompetente Hilfe hier bei Euch.

Meine Ulme habt Ihr jedenfalls bestimmt nicht das letzte Mal gesehen - vielleicht wird ja mal ein Bonsai draus :lol:

Liebe Grüsse
Lea
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