Lieber Andreas,
du unterliegst der klassischen "Überforderung" des interessierten Bonsai-Anfängers: Im Netz findest du 100te toller (und nicht so toller...) Tipps, und versuchst alle auf einmal zu beherzigen, bist aber mit den Zusammenhängen noch nicht vertraut und machst deswegen "zu viel".
Bonsai ist ein Hobby, bei dem man auch mal etwas Gelassenheit sich selbst und den Bäumen gegenüber haben sollte. Das heißt nicht, dass man Bäume vertrocknen lässt, sie verkommen lässt oder ähnliches. Aber nur weil du im Netz liest, dass man x, y oder z machen kann, musst du nicht in hektische Aktivität ausbrechen. Du hast jetzt einen Baum zu einem ungünstigen Zeitpunkt umgetopft - ob er das jetzt schafft, hängt zu 90% vom Baum ab, nicht von dir. Klar, du solltest ihn eher schattig und windgeschützt aufstellen, aber das macht man mit anderen Bäumen nach dem normalen Umtopfen im März/April auch nicht anders. Wenn man sich dem Bonsai-Hobby hingibt, dann muss man auch akzeptieren, dass man mit der Natur arbeiten muss und teilweise von ihr abhängig ist - diese Erfahrung ist sehr heilsam, in einer (menschlichen) Welt, die immer wieder vermitteln will, dass "wir" über der Natur stehen und diese beherrschen.
Also, es ist grundsätzlich gut, dass du viel liest, aber versuche dir die Zeit zu nehmen, das was du liest, auch zu verarbeiten, und nicht gleich alles auf einmal anzuwenden - damit wirst du deine Bäume aller Voraussicht nach überfordern. Wenn du in einem halben oder einem Jahr deine Bäume auf konservative Art gesunderhalten hast und die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Pflegeoptionen verstanden hast, dann kannst du auch kreativere Sachen ausprobieren. Oftmals sind Tipps von erfahrenen Bonsaianern von persönlichen Vorlieben geprägt oder von einem bestimmten Mikroklima abhängig.
Ich wünsche dir viel Erfolg beim Erlernen der Bonsai-Kunst - und ganz viel Gelassenheit
MfG Frank