Master Class: Mädchenkiefer #4 von Walter Pall
- Dirk K. aus L.
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Master Class: Mädchenkiefer #4 von Walter Pall
Hallo, miteinander!
Folgenden Gestaltungs-Vorschlag möchte ich hier zur Diskussion stellen. Walter hat einem offenen Meinungsaustausch außerhalb der Master Class ausdrücklich zugestimmt und ist wie ich gespannt auf eure Beiträge.
Alles Weitere sagt das Virtual:
Auf die Plätze, fertig ...
Gruß, Dirk
Folgenden Gestaltungs-Vorschlag möchte ich hier zur Diskussion stellen. Walter hat einem offenen Meinungsaustausch außerhalb der Master Class ausdrücklich zugestimmt und ist wie ich gespannt auf eure Beiträge.
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Auf die Plätze, fertig ...
Gruß, Dirk
Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden. (Franz Kafka)
Re: Master Class: Mädchenkiefer #4 von Walter Pall
Ich würde den Ast definitiv dran lassen und nur eine neue Schale, die dem Ast etwas mehr Raum gibt.
Würde der Ast verschwinden, sähe die Kiefer wie ein Schema-F-Baum aus.
LG Marcel
Würde der Ast verschwinden, sähe die Kiefer wie ein Schema-F-Baum aus.
LG Marcel
- bonsaiheiner
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Re: Master Class: Mädchenkiefer #4 von Walter Pall
Hallo,
Als Schale wünsche ich mir eine schlichte, edle, unglasierte Schale in angedeuteter Halbkaskadenform, die Noppen, vor allem, wenn sie so gross sind... sind nicht wirklich der Knaller. Sie ziehen mir den Blick zu sehr weg vom Baum.
Beste Grüsse,
Heiner
Genau meine Meinung, wobei "Schema-F", hm, davon wäre er immer noch ein Stück weit entfernt.MarcelD hat geschrieben:Ich würde den Ast definitiv dran lassen und nur eine neue Schale, die dem Ast etwas mehr Raum gibt.
Würde der Ast verschwinden, sähe die Kiefer wie ein Schema-F-Baum aus.
LG Marcel
Als Schale wünsche ich mir eine schlichte, edle, unglasierte Schale in angedeuteter Halbkaskadenform, die Noppen, vor allem, wenn sie so gross sind... sind nicht wirklich der Knaller. Sie ziehen mir den Blick zu sehr weg vom Baum.
Beste Grüsse,
Heiner
Ein Tag ohne Beschäftigung mit Bonsai ist ein verlorener Tag!
Re: Master Class: Mädchenkiefer #4 von Walter Pall
Diese Frage habe ich mir auch gleich gestellt, als ich das obere Bild in der MC sah. Ich denke aber, dass der Baum ohne den unteren Ast viel von seiner Ausstrahlung und Einzigartigkeit verlieren würde. Ausserdem würde mir das zusätzliche Totholz, das notgedrungen dann an der Schnittstelle entsteht, nicht wirklich zum dann ansonsten sehr filigranen (Rest-)Baum gefallen.
- Bonsai-Fips
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Re: Master Class: Mädchenkiefer #4 von Walter Pall
Für mich käme der untere Teil des Baumes ohne Ast in "Erklärungsnot" ... würde eine Schale gewählt, bei der der Ast nicht wie aufgestützt/angelehnt sondern frei wirkt, würde der Baum "Selbständigkeit" gewinnen..
Gruss, Fips
P.S. Interessanter Thread, danke!
Gruss, Fips
P.S. Interessanter Thread, danke!
- Marc Berenbrinker
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Re: Master Class: Mädchenkiefer #4 von Walter Pall
diese Kiefer würde ohne diesen Ast an Ausstrahlung verlieren. Es ist genau das, was dem Baum seine unbändige Kraft verleiht und die sie ohne diesen Ast verlieren würde.
Was die Schale angeht, würde ich sie etwas dunkler und vielleicht ohne Noppen wählen. Die ungleichmäßige Form passt gut zum Wuchs der Kiefer.
Was die Schale angeht, würde ich sie etwas dunkler und vielleicht ohne Noppen wählen. Die ungleichmäßige Form passt gut zum Wuchs der Kiefer.
Re: Master Class: Mädchenkiefer #4 von Walter Pall
Ich empfinde das entfernen des unteren Astes durchaus nicht verkehrt - ausgestalterischer Sicht.
Aus pflegerischer Sicht befürchte ich allerdings, dass dan der gesamte vordere Wurzelteil abstirbt und dann einiges an Ausdruckskraft in der Zukunft verloren geht, wenn dann ein ansprechender Baum sich so hintenherum aus dem Totholz mogelt. Dann müsste m.M.n. der Baum noch leichter gestaltet werden, andere Ansichtsseite gesucht etc..
Mit dem einfachen entfernen des Substammes und dann glauben das wär's ist zu kurz gesprungen.
Ich bin nicht so glücklich mit dem unteren Stamm, weil für mich in ihm eine Widersprüchlichkeit in seiner gestalterischen Aussage steckt.
Der unbegrünte Teil das Stammes erweckt den Eindruck von Alter, Reife und vor allen unbändiger Kraft und dann kommt etwas angepasstes Grün.
Das erscheint mir zu wenig. Ich habe beim betrachten immer das Gefühl, dass sich dieser kräftige Substamm ( für mich ist es immer noch ein Ast) das nicht gefallen lassen würde. Der hätte sich mehr genommen, mehr Platz für sein Grün erstritten und dann wäre er auch ein Stamm geworden.
Der wirkt agressiver als der brave Restbaum.
Schön finde ich, dass die Gestaltung solche Überlegungen auslöst.
Darf so über solchen Baum schreiben, an dem ich nicht wagen würde Hand anzulegen?
Aus pflegerischer Sicht befürchte ich allerdings, dass dan der gesamte vordere Wurzelteil abstirbt und dann einiges an Ausdruckskraft in der Zukunft verloren geht, wenn dann ein ansprechender Baum sich so hintenherum aus dem Totholz mogelt. Dann müsste m.M.n. der Baum noch leichter gestaltet werden, andere Ansichtsseite gesucht etc..
Mit dem einfachen entfernen des Substammes und dann glauben das wär's ist zu kurz gesprungen.
Ich bin nicht so glücklich mit dem unteren Stamm, weil für mich in ihm eine Widersprüchlichkeit in seiner gestalterischen Aussage steckt.
Der unbegrünte Teil das Stammes erweckt den Eindruck von Alter, Reife und vor allen unbändiger Kraft und dann kommt etwas angepasstes Grün.
Das erscheint mir zu wenig. Ich habe beim betrachten immer das Gefühl, dass sich dieser kräftige Substamm ( für mich ist es immer noch ein Ast) das nicht gefallen lassen würde. Der hätte sich mehr genommen, mehr Platz für sein Grün erstritten und dann wäre er auch ein Stamm geworden.
Der wirkt agressiver als der brave Restbaum.
Schön finde ich, dass die Gestaltung solche Überlegungen auslöst.
Darf so über solchen Baum schreiben, an dem ich nicht wagen würde Hand anzulegen?
Norbert
So wie du bist, so sind auch deine Gebäude
Sullivan, 1924
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- Dirk K. aus L.
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Re: Master Class: Mädchenkiefer #4 von Walter Pall
2012 machte der junge japanische Gestalter Takashi Iura auf der Hai Yama Ten 2012 des Bonsai Zentrum Münsterland eine Demo anhand einer Pinus sylvestris. Dabei entfernte er einen mächtigen Ast im unteren Drittel der Kiefer. Ein Jin sollte stehen bleiben.Norbert_S hat geschrieben:Ich empfinde das entfernen des unteren Astes durchaus nicht verkehrt - ausgestalterischer Sicht.
Aus pflegerischer Sicht befürchte ich allerdings, dass dan der gesamte vordere Wurzelteil abstirbt und dann einiges an Ausdruckskraft in der Zukunft verloren geht [...]
Takashi Iura erklärte, dass der Jin zunächst viel länger und dicker bleiben müsse und erst peu á peu zu reduzieren sei. Begründung: Der Ast habe noch gelebt, der Schock für den Baum wäre bei einer kompletten Entfernung zu groß.
Auf mich wirkt der unterste Ast schwer, behäbig, männlich (ja Phallus-artig), während der Rest der Kiefer leicht, beschwingt, weiblich anmutet.Norbert_S hat geschrieben: Ich bin nicht so glücklich mit dem unteren Stamm, weil für mich in ihm eine Widersprüchlichkeit in seiner gestalterischen Aussage steckt.
Der unbegrünte Teil das Stammes erweckt den Eindruck von Alter, Reife und vor allen unbändiger Kraft und dann kommt etwas angepasstes Grün.
Das erscheint mir zu wenig. Ich habe beim betrachten immer das Gefühl, dass sich dieser kräftige Substamm ( für mich ist es immer noch ein Ast) das nicht gefallen lassen würde. Der hätte sich mehr genommen, mehr Platz für sein Grün erstritten und dann wäre er auch ein Stamm geworden.
Der wirkt agressiver als der brave Restbaum.
Ferner konkurrieren der (nach oben gerichtete) Hauptstamm und der (nach unten gerichtete) Ast optisch miteinander, ziehen gleichermaßen die Aufmerksamkeit auf sich. Mein Auge ist immer hin- und hergerissen, findet keine Ruhe.
Und schön finde ich, dass man hier im Forum solche Diskussionen führen kann.Norbert_S hat geschrieben: Schön finde ich, dass die Gestaltung solche Überlegungen auslöst.
Die Profis äußern sich öffentlich zumindest nicht kritisch über solche "Kollegen-Bäume", weil es gegen ihren Ehrenkodex verstößt. Und die Amateure mögen sich nicht äußern, weil es ihnen aufgrund ihrer verhältnismäßig geringen Fähigkeiten und Fertigkeiten nicht statthaft erscheint.Norbert_S hat geschrieben: Darf so über solchen Baum schreiben, an dem ich nicht wagen würde Hand anzulegen?
Also wer soll sich dann über solche Bäume äußern? Ist es erstrebenswert, dass Diskussionen dieser Art ausbleiben? Sollen nur noch Preisrichter das Sagen haben?
Aber um es klarzustellen: Mein Vorschlag ist nur ein Gedankenspiel. Diese Mädchenkiefer ist so oder so eine Wucht!
Gruß, Dirk
Zuletzt geändert von Dirk K. aus L. am 31.07.2013, 16:15, insgesamt 1-mal geändert.
Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden. (Franz Kafka)
Re: Master Class: Mädchenkiefer #4 von Walter Pall
Also irgendwie bin ich hin und her gerissen. Einerseits hat Norbert schon recht, daß da irgendwie ein Widerspruch von dem Ast ausgeht, und sich keine rechte Harmonie einstellen will. Dennoch fasziniert mich der Baum mit diesem Ast mehr, als ohne. Und ich persönlich würde ihn allein aus diesem Grund dran lassen. Er unterstreicht meiner Meinung nach die Bewegung des Stammes nach links. In der Natur könnte ich ihn mir an einem Hang vorstellen, wo er von einem kostanten Wind über die Kante geformt wurde. Von daher finde ich ihn schon autentisch.
Greetz Marco
Greetz Marco
-
Joseph Conrad
- Beiträge: 283
- Registriert: 25.05.2013, 19:16
Re: Master Class: Mädchenkiefer #4 von Walter Pall
Lange, dominierende untere Äste sind in Japan oft an Kiefern zu sehen. Im blog "bonsai tonight" war mal ein ganzer Beitrag diesen interessanten Kiefernbonsai gewidmet. Sie haben eine ganz eigenartige Anziehungskraft und Ausstrahlung.
Auf der anderen Seite werden mächtige untere Äste in Japan auch gern mal entfernt. (bsp. bonsai art Nr.59 ab Seite 6)
Dies gelingt aber nur bei recht jungen Bäumen und bei optimalster Wüchsigkeit, was bei uns ja oftmals nicht so der Fall ist. Ich hätte da auch Befürchtungen wie Norbert.
Wenn er stammnähere Beastung hätte würde sich dir die Frage der Entfernung wahrscheinlich gar nicht stellen.
Aber auch so würde ich ihn belassen und sogar noch in der Länge ausbauen. Die Phase ein Opferast zu sein hat er lange hinter sich gelassen und einen Platz in der Gestaltung redlich verdient.
LG Joseph
Auf der anderen Seite werden mächtige untere Äste in Japan auch gern mal entfernt. (bsp. bonsai art Nr.59 ab Seite 6)
Dies gelingt aber nur bei recht jungen Bäumen und bei optimalster Wüchsigkeit, was bei uns ja oftmals nicht so der Fall ist. Ich hätte da auch Befürchtungen wie Norbert.
Wenn er stammnähere Beastung hätte würde sich dir die Frage der Entfernung wahrscheinlich gar nicht stellen.
Aber auch so würde ich ihn belassen und sogar noch in der Länge ausbauen. Die Phase ein Opferast zu sein hat er lange hinter sich gelassen und einen Platz in der Gestaltung redlich verdient.
LG Joseph
Jeder Grashalm hat seinen Fleck Erde, aus dem er sein Leben und seine Kraft zieht; ...
Re: Master Class: Mädchenkiefer #4 von Walter Pall
Hallo
Im Moment wirkt der Baum etwas zwiespältig.
Die Bewegung des Baumes geht nach links,
aber das noch zu große Kronenvolumen der rechten Seite wirkt dagegen.
Wenn die rechte Seite über die Zeit reduziert,
oder die linke Seite stärker wird, ist der Baum wieder in seinem Rhythmus.
Abgesehen davon würde man den Baum nahe an den Rand des Abgrundes
oder darüber hinaus befördern, wenn man den Ast entfernen würde.
mfG Dieter
Im Moment wirkt der Baum etwas zwiespältig.
Die Bewegung des Baumes geht nach links,
aber das noch zu große Kronenvolumen der rechten Seite wirkt dagegen.
Wenn die rechte Seite über die Zeit reduziert,
oder die linke Seite stärker wird, ist der Baum wieder in seinem Rhythmus.
Abgesehen davon würde man den Baum nahe an den Rand des Abgrundes
oder darüber hinaus befördern, wenn man den Ast entfernen würde.
mfG Dieter
cogito ergo pups
Re: Master Class: Mädchenkiefer #4 von Walter Pall
Auf mich wirkt der Baum ohne den Ast leicht instabiel. Als hätte er den letzten Sturm nicht gut überstanden und würde beim nächsten fallen. Der Ast gibt ihm optisch eine breitere Basis und läss granicht die Frage aufkommen ob er noch lang so steht.
Mors est quies viatoris
Fines est omnis laboris
Fines est omnis laboris
Re: Master Class: Mädchenkiefer #4 von Walter Pall
niemals den Ast abschneiden... das ist doch sein Markenzeichen!!!
"Character is like a tree and reputation like a shadow.
The shadow is what we think of it; the tree is the real thing."
- Abraham Lincoln
The shadow is what we think of it; the tree is the real thing."
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Re: Master Class: Mädchenkiefer #4 von Walter Pall
Das hab ich mir auch gedacht. Ich hab mal auf die schnelle ein Virtual gemacht. Den Topf hab ich etwas vereinfacht und tiefer gemacht. (Ich hoffe ich krieg jetzt keine Haue mich an so einen Baum ranzuwagen).zopf hat geschrieben:Hallo
oder die linke Seite stärker wird, ist der Baum wieder in seinem Rhythmus.
Abgesehen davon würde man den Baum nahe an den Rand des Abgrundes
oder darüber hinaus befördern, wenn man den Ast entfernen würde.
mfG Dieter
- Dateianhänge
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- maedchenkiefer_walter(bearbeitet).jpg (148.25 KiB) 1220 mal betrachtet
Die Veränderung ist das Wesen der Welt.
-
Joseph Conrad
- Beiträge: 283
- Registriert: 25.05.2013, 19:16
Re: Master Class: Mädchenkiefer #4 von Walter Pall
Wenn man dann noch in späteren Jahren Nadelpolster des ersten Astes einwärts Richtung Stamm stellt und den Spanndraht entfernt ,gelänge es den langen unbeasteten Teil des ersten Astes optisch zu verkürzen und ihm dadurch den neuen "Substammcharakter" zu nehmen. Die steilere Ausgangsposition des ersten Astes fand ich viel schöner. Durch das starke abspannen ist erst die Wandlung vom ersten, wichtigsten Ast zum " Substamm" gekommen. In Verbindung mit einer dann auch volleren, dichteren Krone würde sie in altem Glanz neu erstrahlen.
LG Joseph
LG Joseph
Zuletzt geändert von Joseph Conrad am 02.08.2013, 18:21, insgesamt 1-mal geändert.
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