Hallo Bonsainer,
man liest in der Fachliteratur oft Angaben zu Lebenserwartung einer Baumart. Gibt es wissenschaftliche Aufschlüsse über die primäre Todesursache?
Kann sich Kambium unabhängig von Baumart prinzipiell nicht ewig vermehren?
Gruß Waldgeist
Wodurch ist die Lebenserwartung bei Bäumen primär bedingt?
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sylvan_spirit
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Re: Wodurch ist die Lebenserwartung bei Bäumen primär beding
Eine spannende Frage über die ich mir auch schon oft Gedanken gemacht habe.
Ich persönlich glaube dass ein Bonsai bei optimaler Pflege älter werden kann als ein Baum am Naturstandort, da er den Widrigkeiten der Natur nicht so ausgesetzt ist.
Allerdings stelle ich auch bei einer Serissa die ich jetzt an die 20 Jahre in meiner Sammlung habe fest dass die Vitalität etwas nachlässt. Ich wollte da einmal nachlesen, habe aber keine Angaben gefunden wie alt eine Serissa am Naturstandort werden kann.
Bin schon gespannt auf die Antworten der Botaniker.
Schöne Weihnachten
Herbert Aigner
Ich persönlich glaube dass ein Bonsai bei optimaler Pflege älter werden kann als ein Baum am Naturstandort, da er den Widrigkeiten der Natur nicht so ausgesetzt ist.
Allerdings stelle ich auch bei einer Serissa die ich jetzt an die 20 Jahre in meiner Sammlung habe fest dass die Vitalität etwas nachlässt. Ich wollte da einmal nachlesen, habe aber keine Angaben gefunden wie alt eine Serissa am Naturstandort werden kann.
Bin schon gespannt auf die Antworten der Botaniker.
Schöne Weihnachten
Herbert Aigner
Schön dass es dieses Forum gibt.
Re: Wodurch ist die Lebenserwartung bei Bäumen primär beding
Hallo,
eigentlich vermute ich, dass solche Angaben zur Lebenserwartung von Bäumen ähnlich wie bei Menschen statistische Durchschnittswerte sind.
Bei Bäumen spielt sicherlich die Widerstandsfähigkeit des Holzes eine gewisse Rolle und die Regenerationsfähigkeit der lebendigen Bereiche. Das ist ja von Baumart zu Baumart sehr verschieden. Dieselbe Baumart wird aber an verschiedenen Standorten auch sehr unterschiedlich alt.
An botanisch-wissenschaftlichen Informationen wäre ich auch interessiert.
Liebe Grüße,
Heike
eigentlich vermute ich, dass solche Angaben zur Lebenserwartung von Bäumen ähnlich wie bei Menschen statistische Durchschnittswerte sind.
Bei Bäumen spielt sicherlich die Widerstandsfähigkeit des Holzes eine gewisse Rolle und die Regenerationsfähigkeit der lebendigen Bereiche. Das ist ja von Baumart zu Baumart sehr verschieden. Dieselbe Baumart wird aber an verschiedenen Standorten auch sehr unterschiedlich alt.
An botanisch-wissenschaftlichen Informationen wäre ich auch interessiert.
Liebe Grüße,
Heike
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sylvan_spirit
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Re: Wodurch ist die Lebenserwartung bei Bäumen primär beding
Hallo nochmal,
habe etwas rechechiert und auf folgende Hinweise gestossen:
"Über die insgesamt zu erreichende Lebensdauer eines Gehölzes bestimmen jedoch die meriste- matischen Gewebe, die durch ständige Teilung und Differenzierung die vorhandenen Gewebe und Organe über Jahre, Jahrzehnte oder Jahrhunderte erneuern können, in Wechselwirkung mit den Umgebungsbedingungen des betreffenden Gehölzes."
Quelle: http://www.dasgruen.de/tl_files/Downloa ... eumen..pdf
Weiterhin die Definition vom meristematischen Gewebe:
"Man findet primäre Meristeme sowohl im oberirdischen Teil der Pflanzen am äußersten Ende der Sprossspitzen (Sprossapikalmeristeme) und am äußersten Ende der Seitensprossen (Subapikalmeristeme), als auch im unterirdischen Teil, an den Wurzelspitzen (Wurzelapikalmeristeme). Die Zellen der Meristeme besitzen in der Regel dünne Zellwände mit wenig Cellulose. Sie sind, im Gegensatz zu ausdifferenzierten Zelltypen, theoretisch unbegrenzt teilungsfähig. Das Wachstum der Pflanzen beruht im Allgemeinen darauf, dass Spross- und Wurzelmeristeme an gegenüberliegenden Polen der Pflanze laufend Zellen durch Zellteilung an den Pflanzenkörper abgeben, die sich zu den unterschiedlichen Organen Spross, Wurzel und Blatt ausbilden." Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Meristem
Wenn ich es richtig interpretiere, könnten die Bäume also theoretisch ewig leben, also wenn die Umweltbedingungen unverändert günstig bzw. den genetischen Anlagen, wie Frosthärte oder Lichtbedarf gerecht bleiben?!
Die leckere Weihnachtsgans hat sich endlich gesetzt, gehe dann lieber schlaffen... und von einem Weihnachtsbaum- Bonsai träumen.
Gute Nacht, Waldgeist.
habe etwas rechechiert und auf folgende Hinweise gestossen:
"Über die insgesamt zu erreichende Lebensdauer eines Gehölzes bestimmen jedoch die meriste- matischen Gewebe, die durch ständige Teilung und Differenzierung die vorhandenen Gewebe und Organe über Jahre, Jahrzehnte oder Jahrhunderte erneuern können, in Wechselwirkung mit den Umgebungsbedingungen des betreffenden Gehölzes."
Quelle: http://www.dasgruen.de/tl_files/Downloa ... eumen..pdf
Weiterhin die Definition vom meristematischen Gewebe:
"Man findet primäre Meristeme sowohl im oberirdischen Teil der Pflanzen am äußersten Ende der Sprossspitzen (Sprossapikalmeristeme) und am äußersten Ende der Seitensprossen (Subapikalmeristeme), als auch im unterirdischen Teil, an den Wurzelspitzen (Wurzelapikalmeristeme). Die Zellen der Meristeme besitzen in der Regel dünne Zellwände mit wenig Cellulose. Sie sind, im Gegensatz zu ausdifferenzierten Zelltypen, theoretisch unbegrenzt teilungsfähig. Das Wachstum der Pflanzen beruht im Allgemeinen darauf, dass Spross- und Wurzelmeristeme an gegenüberliegenden Polen der Pflanze laufend Zellen durch Zellteilung an den Pflanzenkörper abgeben, die sich zu den unterschiedlichen Organen Spross, Wurzel und Blatt ausbilden." Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Meristem
Wenn ich es richtig interpretiere, könnten die Bäume also theoretisch ewig leben, also wenn die Umweltbedingungen unverändert günstig bzw. den genetischen Anlagen, wie Frosthärte oder Lichtbedarf gerecht bleiben?!
Die leckere Weihnachtsgans hat sich endlich gesetzt, gehe dann lieber schlaffen... und von einem Weihnachtsbaum- Bonsai träumen.
Gute Nacht, Waldgeist.
Re: Wodurch ist die Lebenserwartung bei Bäumen primär beding
Hallo
Da sich die Standortfaktoren (Umgebung, Licht, Niederschlagsmenge usw)
nicht wesentlich ändern, dürfte einer der lebensbegrenzenden Faktoren
die Wasseraufnahme sein. Der stammnahe Wurzelbereich ist meist aufgeschlossen
und für die sich neu bildenden Wurzelhaare nicht mehr verfügbar.
Das sich immer weiter ausdehnende Wurzelwerk erschliesst sich in der Breite und Tiefe
neue Gebiete, wodurch dann eine immer stärker wirkende Saugleistung nötig wird.
Der lebensnotwendige Transport von Wasser, Nährstoffen, Enzymen und Hormonen
wird immer schwieriger, störanfälliger und er Baum fängt an zu vergreisen.
Durch unsere Kultivierungsmethoden haben wir jedoch die Möglichkeit
dem entgegen zu wirken. Wohl denn, jetzt fehlt uns nur noch die nötige Lebensspanne
um das in 300-3000 jährigen Versuchen zu verifizieren.
mfG Dieter
Da sich die Standortfaktoren (Umgebung, Licht, Niederschlagsmenge usw)
nicht wesentlich ändern, dürfte einer der lebensbegrenzenden Faktoren
die Wasseraufnahme sein. Der stammnahe Wurzelbereich ist meist aufgeschlossen
und für die sich neu bildenden Wurzelhaare nicht mehr verfügbar.
Das sich immer weiter ausdehnende Wurzelwerk erschliesst sich in der Breite und Tiefe
neue Gebiete, wodurch dann eine immer stärker wirkende Saugleistung nötig wird.
Der lebensnotwendige Transport von Wasser, Nährstoffen, Enzymen und Hormonen
wird immer schwieriger, störanfälliger und er Baum fängt an zu vergreisen.
Durch unsere Kultivierungsmethoden haben wir jedoch die Möglichkeit
dem entgegen zu wirken. Wohl denn, jetzt fehlt uns nur noch die nötige Lebensspanne
um das in 300-3000 jährigen Versuchen zu verifizieren.
mfG Dieter
cogito ergo pups
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Re: Wodurch ist die Lebenserwartung bei Bäumen primär beding
Hallo Leute,
ich habe auch einen Gedankengang zu diesem Thema.
Primär würde ich sagen liegt es an 2 Dingen:
1. An den Genen. Was ist der Pflanze mit auf den Weg gegeben wie Wiederstandskraft etc. Ist ja beim Menschen nicht anders, manche werden bis 120 Jahre alt (ist also genetisch möglich) und schöpfen das maximale aus. Wieder andere (die meisten) schaffen dies nicht durch versch. Umstände die oft erblich sind.
2. Die Lebensleistung der Pflanze (Ja hört sich nach GroKo an). Schaut man sich Fichten in Deutschland, Polen etc. an werden diese kaum älter als ein paar hundert Jahre und sind dann entsprechend mächtige Bäume. Sieht man Fichten in der Polarregion an sind diese aufgrund der stark verkürzeten Vegetationszeit pro Jahr nur ein paar Meter hoch wenn überhaupt. So glaubt man nun den Forschen sind solche Bäume die ältesten überhaupt und bis ca. 8000 Jahre alt. Ich glaube nun das durch die lange Ruhephase im Winter die Individuen einfach langsamer altern.
Sekundär können dann ganz viele Dinge ausschlaggebend sein wie:
Klimawandel
Klima (Regen etc.)
Der Pfleger (bei Bonsai)
Schädlinge
etc. etc
ich habe auch einen Gedankengang zu diesem Thema.
Primär würde ich sagen liegt es an 2 Dingen:
1. An den Genen. Was ist der Pflanze mit auf den Weg gegeben wie Wiederstandskraft etc. Ist ja beim Menschen nicht anders, manche werden bis 120 Jahre alt (ist also genetisch möglich) und schöpfen das maximale aus. Wieder andere (die meisten) schaffen dies nicht durch versch. Umstände die oft erblich sind.
2. Die Lebensleistung der Pflanze (Ja hört sich nach GroKo an). Schaut man sich Fichten in Deutschland, Polen etc. an werden diese kaum älter als ein paar hundert Jahre und sind dann entsprechend mächtige Bäume. Sieht man Fichten in der Polarregion an sind diese aufgrund der stark verkürzeten Vegetationszeit pro Jahr nur ein paar Meter hoch wenn überhaupt. So glaubt man nun den Forschen sind solche Bäume die ältesten überhaupt und bis ca. 8000 Jahre alt. Ich glaube nun das durch die lange Ruhephase im Winter die Individuen einfach langsamer altern.
Sekundär können dann ganz viele Dinge ausschlaggebend sein wie:
Klimawandel
Klima (Regen etc.)
Der Pfleger (bei Bonsai)
Schädlinge
etc. etc
MfG Benedict
Versuche nicht wie der Meister zu sein, sondern suche nachdem was der Meister sucht!
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- Buddhist2012
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Re: Wodurch ist die Lebenserwartung bei Bäumen primär beding
Es ist wohl ein Gesamtpaket von Umwelteinflüssen, aber wenn alle Bedingungen stimmen, dann ist wohl die Nahrungszufuhr primär zuständig für die Lebenserwartung. Genau wie beim Menschen.
Laut neuesten Forschungsergebnissen der Epigenetik, steuert die Umwelt die Gene. Aus der Natur wissen wir ja auch, das genetische Mutationen binnen einer Generation möglich sind. Diese werden durch die Umwelt reguliert.
Kurz noch mal auf den Menschen zurück: Es ist ein Irrglaube, das die meisten modernen Krankheiten genetisch vererbt werden. Tatsächlich weiß man, das es nur eine handvoll äußerst seltener Krankheiten gibt, die genetisch vererbt werden, wie z.B. das Hutchinson-Gilford-Syndrom (Progerie)
Einen frohen, zweiten Weihnachtstag
Laut neuesten Forschungsergebnissen der Epigenetik, steuert die Umwelt die Gene. Aus der Natur wissen wir ja auch, das genetische Mutationen binnen einer Generation möglich sind. Diese werden durch die Umwelt reguliert.
Kurz noch mal auf den Menschen zurück: Es ist ein Irrglaube, das die meisten modernen Krankheiten genetisch vererbt werden. Tatsächlich weiß man, das es nur eine handvoll äußerst seltener Krankheiten gibt, die genetisch vererbt werden, wie z.B. das Hutchinson-Gilford-Syndrom (Progerie)
Einen frohen, zweiten Weihnachtstag
Liebe Grüße,
Arthur
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Re: Wodurch ist die Lebenserwartung bei Bäumen primär beding
Es soll aber Familien geben in denen nie oder auch sehr häufig Krankheiten wie Krebs vorkommen und das ist nachweislich genetisch bedingt. Aber ich bin natürlich kein Spezialist.
MfG Benedict
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Re: Wodurch ist die Lebenserwartung bei Bäumen primär beding
Wenn der Ursprung einer Familie schlecht gelebt hat und diese dadurch krank wurde, werden die nachfolgenden Genrationen, dieser Familie, höchstwahrscheinlich ebenfalls krank, wenn sie den gleichen, schlechten Lebensweg nehmen. Vereinfacht gesagt: Du bekommst nicht einfach so Krebs, weil dein Vater es auch hatte, sondern du bekommst Krebs, weil du so lebst, wie dein Vater es tat.
Das kann man natürlich auch auf Pflanzen zurück führen.
Das kann man natürlich auch auf Pflanzen zurück führen.
Liebe Grüße,
Arthur
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