Urweltmammutbaum-Metasequoia glyptostroboides

Der richtige Ort Bonsai (Baum in Schale mit gewisser Reife) vorzustellen und zu präsentieren. Der Threadersteller möge bitte im Eröffnungsthread darauf hinweisen wenn allgemeine Kommentare unerwünscht sind. Andernfalls stellt sicher, dass ihr etwaige fachliche Kritik durch die "DREI SIEBE" gesiebt habt!
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bonsaiheiner
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Urweltmammutbaum-Metasequoia glyptostroboides

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo,
der Urweltmammutbaum fasziniert mich! Dem habe ich mich intensivst seit 2007 gewidmet.
Zur Historie und seiner Wiederentdeckung, sowie zur Pflege eines etwas kleineren Exemplars:

http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... etasequoia

Meine Pflanze stand abgeschoben und mißachtet in der hintersten Ecke einer Baumschule in einem grossen Kübel. 2007 habe ich ihn erworben und leider kein Foto gemacht. Die ersten Fotos sind aus 2010, seit meiner Beteiligung im BFF!!
Glypto sommer 2010.jpg
Glypto sommer 2010.jpg (65.35 KiB) 2556 mal betrachtet
M. glypto 8-10.jpg
M. glypto 8-10.jpg (62.06 KiB) 2556 mal betrachtet
Da ist er schon auf einen einzigen Stamm zurückgeschnitten und ist bereits in einen grossen Trainingstopf umgezogen. Vorher, im grossen Baumschul-Kübel, begeisterte er mich nach Rückschnitt und Gestaltung durch mächtigen Austrieb, auch am alten Holz. Er soff dabei wie ein Brauereipferd und schloss die Schnittstellen mehr als bereitwillig, ja überschießend mit starker Kallusbildung, was wiederum nicht gefallen konnte und starke Nachkorrekturen zur Folge hatte. Diese wurden nach Umzug in den Trainingstopf jetzt gar nicht mehr so willig überwallt und das freiliegende faserige, weiche Holz fing an zu verrotten.
Hartholzplombe, jetzt unsichtbar, direkt über dem grünen Trieb eingesetzt
Hartholzplombe, jetzt unsichtbar, direkt über dem grünen Trieb eingesetzt
Mit einer Hartholzplombe aus Buche habe ich dieses Loch vorerst geschlossen. Die freie Auswahl aus luxurierend gebildeten Knospen hatte ich nach Umzug in den Trainingstopf ebenfalls nicht mehr.
Als Folge davon fehlten mir 2 Äste, einer links in der Mitte und einer rückwärts in der Spitze. Die Lücken wollte ich mit Ablaktation und Raffiaabdeckung schliessen.
Glypto winter 2011.jpg
Glypto winter 2011.jpg (41.3 KiB) 2556 mal betrachtet
Sommer 2011
Sommer 2011
Glypto vor Ablaktation.jpg (45.34 KiB) 2556 mal betrachtet
Sommer 2011
Sommer 2011
Glypto nach Ablaktation.jpg (56.55 KiB) 2556 mal betrachtet
Leute, lasst so etwas bleiben! Das bringt nichts! 3 Jahre habe ich damit vergeudet. Ich habe die Ablaktationen jetzt angenagelt und siehe da (!): Es scheint zu klappen. Die Nägel sollten etwas winklig eingetrieben werden, damit sich das ablaktierte Reis aus der Rille nicht abheben kann.
M.Glypto Ablakt. Nagelung 4 14.jpg
M.Glypto Ablakt. Nagelung 4 14 I.jpg
Einstweilen bin ich mit der Entwicklung ganz zufrieden. Auf die Schale von Seibun, Tokoname scheint er geradezu gewartet zu haben.
Siegel und Signatur Seibun
Siegel und Signatur Seibun
Höhe: 73 cm, Stammdurchmesser über Nebari: 9 cm

Beste Grüsse,
Heiner
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Reiner K
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Re: Urweltmammutbaum-Metasequoia glyptostroboides

Beitrag von Reiner K »

Hallo Heiner,
aber warum quer und direkt unter einem Ast....???
Was bezweckst Du damit?
LG Reiner
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bonsaiheiner
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Re: Urweltmammutbaum-Metasequoia glyptostroboides

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo,
sehe gerade, dass das aktuelle Foto fehlt.
M. Glypto 4 14.jpg
Die untere Ablaktation ist quer, weil sie sich so besser ins Gesamtbild einfügt, die obere ist nicht quer, sondern schräg nach oben.
Die quere Ablaktation unter einem Ast sitzt voll im Saftstrom. Dieser Ast treibt unbeeinträchtigt aus und "füttert" die Ablaktation mit.

Gruss,
Heiner
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Barbara
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Re: Urweltmammutbaum-Metasequoia glyptostroboides

Beitrag von Barbara »

Hallo Heiner,

eine schöne Entwicklung.
Ich wundere mich nur, dass Du ablaktieren musstest. Bei meinem Urweltmammut kommen ständig neue Triebe überall am Stamm und zwar so viele, dass ich den größten Teil entfernen muss.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Ablaktieren quer zum Stamm so gut wie nie hinhaut, und wenn ausnahmsweise doch, dann ist es nie richtig stabil.

Liebe Grüße,
Barbara
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Re: Urweltmammutbaum-Metasequoia glyptostroboides

Beitrag von Heike_vG »

Barbara hat geschrieben:Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Ablaktieren quer zum Stamm so gut wie nie hinhaut, und wenn ausnahmsweise doch, dann ist es nie richtig stabil,
Mein Frusterlebnis beim Fächerahorn könnte dies bestätigen... :? Ich bin im Gewächshaus gegen den so quer ablaktierten Ast gekommen und ab war er. :evil:
Beim Ficus hat es allerdings geklappt und ist stabil, aber das mag ein anderes Paar Schuhe sein.

Heiner, Dein Mammutbaum hat sich auf jeden Fall gut entwickelt, gefällt mir sehr gut. Das ist schon ein ganz beeindruckender Bursche geworden.

Liebe Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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bonsaiheiner
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Re: Urweltmammutbaum-Metasequoia glyptostroboides

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo,

nun, wenn die Ablaktationen so wie ich sie angelegt habe, nicht haltbar sein sollten, werde ich die Verzweigung aus Ästen in der Nähe aufbauen müssen. In der Mitte links muss dann ein rückwärtiger Ast auch die Begrünung links mit übernehmen. Dann überstreicht er aber einen Winkel von mehr als 90°. Das vermeide ich immer möglichst. Wenn`s aber nicht anders machbar ist, bleibt mit sonst keine Wahl. In dem Fall werden an das ganze Abenteuer nur 2 rückseitige Narben erinnern, die in 3-5 Jahren überwallt sein werden.

Beste Grüsse,
Heiner
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lager_indica
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Re: Urweltmammutbaum-Metasequoia glyptostroboides

Beitrag von lager_indica »

Hallo Heiner,

ich habe auch 2 Metasequoias, bei denen mich allerdings noch die „aufstrebenden“ Äste stören.
Mit Draht habe ich´s eigentlich nicht so bei Mammuts, und Abspannen brachte bislang nur marginalen Erfolg.
Evtl werde ich Äste ansägen und dann doch mit Draht fixieren.

Ich denke das Hölzchen dient auch dazu, den unteren Zweig runter zu drücken?
Versuchst Du die anderen Äste auch noch weiter nach unten zu bekommen?

Gruß, Andreas

P.S. Meine stehen im Sommer in großen Untersetzern, meist direkt im Wasser. Durch Austrocknen hatte ich vor Jahren mal fast den ganzen Neuaustrieb eingebüßt.
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bonsaiheiner
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Re: Urweltmammutbaum-Metasequoia glyptostroboides

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo Andreas,
fast vor meiner Haustür steht eine mächtige Glypto als Parkbaum, zwar nicht ganz einzeln, aber die natürliche Wuchsform kann man dennoch ganz gut studieren. Kaum glaubhaft, dass die erst höchstens 65 Jahre alt sein soll.
Ich versuche das natürliche Ast- und Verzweigungsmuster nachzuempfinden. Dazu gehört, dass die Äste am Anfang einen leichten Wuchs nach oben zeigen und erst die Sekundär- und Tertiäräste mehr waagrecht oder auch mal nach unten weisen, wie übrigens bei anderen Baumspezies auch.
Junge, im Aufbau befindliche Glyptos, bei denen man die Triebe im Sommer erst spät einkürzt brauchen soviel Wasser wie ich es bei noch keiner anderen Baumart beobachtet habe
Beste Grüsse,
Heiner
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bonsaiheiner
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Re: Urweltmammutbaum-Metasequoia glyptostroboides

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo, an alle Glyptostroboides-Fans,
Pflanzen im Aufbau mössen aus Gründen der Ästhetik schon mal den einen oder anderen Ast opfern, wenn es sich um Baumschulware handelt.
Dabei sollten die Äste nicht zu sehr auf einer Saftbahn liegen, so wie es bei Eiben ja auch immer wieder gepostet wird, denn der Hang zum Saftrückzug und zum Absterben-Lassen ganzer Stammpartien ist sehr, sehr hoch, aber das wusste ich 2007 noch nicht.
Bei dieser Spezies ist das Holz im Gegensatz zu dem von Eiben sehr weich, und verrottet schnell. Ich hatte ja einen grossen Substamm entfernt und die Wundfläche konserviert, geschützt, dachte ich. Als trotzdem eine Stelle morsch wurde, war ich der Meinung, man konnte den Absterbe-Prozess mittels Einpassen einer Hartholzplombe stoppen.

Alles Käse!

Es zeigt sich, dass wesentliche Stammpartien sich völlig aufgelöst haben, eine Ende ist gar nicht abzusehen.
Bin gespannt, wie lange der Baum noch Lebenszeichen hervorbringen wird.
Glypto Sommer 14 Riesenshari.jpg
Beste Grüsse Heiner
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Norbert_S
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Re: Urweltmammutbaum-Metasequoia glyptostroboides

Beitrag von Norbert_S »

Heiner,
so lange wie du ihm Wasser und Futter gibst.
Das Absterben auf der einen und die Vitalität auf der anderen Seite sind nur zwei Seiten einer Medaille (eines Baumes).
Die Stabilisierung ist auch beim Mammutbaun nicht von anderen Prozessen abhängig wie andere Bäume.
Je mehr Wachstum und damit neues Holz du zulässt, desto besser.
Nur mit einer überwallten Schnittstelle ist nie mehr zu rechnen, zumindest nicht in der von Dir in der Regel bevorzugten Größe des Baumes.
Norbert

So wie du bist, so sind auch deine Gebäude
Sullivan, 1924
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Re: Urweltmammutbaum-Metasequoia glyptostroboides

Beitrag von Kallemaster »

Hallo Heiner,

wirklich klasse dein Urweltmammutbaum. Ich selber finde diese Bäume auch total spannend und habe seit einigen Wochen drei davon in Teichtöpfen. Deiner hat ja eine ordentliche Stammbasis und ich wollt mal fragen, ob du deinen Baum vorher frei nach oben hin wachsen gelassen hast?

Die Bäume kommen von einer Baumschule und sind ca. 4 Jahre alt und derzeit ca. 50-65 cm hoch. Meine haben nur ca. 1-1,5 cm und ich bin mir nicht sicher, ob ich die nun schon oben herum einkürzen kann damit sich seitlich mehr Äste entwickeln oder stoppe ich dann das Dickenwachstum?

Würde mich über deine Meinung freuen.

MfG Pascal
Beste Grüße aus dem Norden ;-)

Pascal
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bonsaiheiner
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Re: Urweltmammutbaum-Metasequoia glyptostroboides

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo Pascal,
wie ich weiter oben erwähnte, stammte mein Mammutbaum aus einer Baumschule und hatte ursprünglich 2 Spitzen. Der Stamm gabelte sich ungünstig auf halber Höhe. Den üngünstiger positionierten habe ich deshalb gekappt mit den bekannten Folgen.
Er hatte von Anfang an ein üppiges Wurzelwerk und wurde in den ersten Jahren von mir nicht angerührt. Der Austrieb war jedes Jahr enorm. Der Baum bildete immer eine riesige Grünmasse, weswegen der Wasserbedarf sehr hoch war. Im Container stehend wurden auch immer reichlich Knospen gebildet. Von Anfang an meinte ich, die Höhe beschränken zu müssen. Wie gesagt, anfangs enormes Spitzenwachstum.
Das änderte sich mit dem Umzug, erst in einen Mica-Pot und erst recht in die jetzige Schale. Ich hatte also bereits von Beginn an einen ziemlich kaliberstarken Stamm.
Wenn Du beim Beschneiden darauf achtest, dass nicht einseitig alles gekappt wird, der Baum noch jung ist und in der Vegetationsperiode reichlich Grünzeug bilden kann, dann musst Du das Absterben von umfangreichen Stammteilen nicht befürchten.
Gleichwohl muss er im Spitzenbereich kräftig beschnitten werden. Die neuen Knospen werden bereits im Juli/August angelegt, weswegen ich Anfang Juli das üppige Zweigwerk, oben mehr, unten weniger zurücknehmen würde.
Gruss,
Heiner
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Kallemaster
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Re: Urweltmammutbaum-Metasequoia glyptostroboides

Beitrag von Kallemaster »

Heiner, vielen Dank für deine Tipps. Ich werde die bei meinen Glyptos berücksichtigen. Mal sehen wie sich die drei in den nächsten Jahren entwickeln. Wenn sie einigermaßen Vorzeigbar sind, stell ich mal ein par Bilder rein. ;-)

Nochmals Danke.
Beste Grüße aus dem Norden ;-)

Pascal
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