es ist schon wirklich interessant, wie unterschiedlich die Blüten an ein und demselben Baum sich entwickeln können.
Meine Shohin-Azalee hat jahrelang nur weiß geblüht und wurde daher für die Sorte Hakuryu gehalten. Nach Jahren tauchten dann doch einzelne rosarote Streifen an einigen Blüten auf. Es scheint doch eher eine Hakurin zu sein.
Was auch öfter mal passiert ist, dass Sorten mit eigentlich normal geformten Blüten einige geschlitzte Blüten bekommt, in den Jahren danach aber wieder nicht mehr.
Die Azalee, die ich lange für eine Subaru gehalten habe, hat dies manchmal gezeigt. Sie hat sich ansonsten so entwickelt, dass inzwischen die Vermutung naheliegt, dass es sich eher um eine Nikko handelt.
Die Sache mit der Satsuki, die eigentlich gefüllte Blüten hat, aber dann mit einfachen Blüten überrascht, ist auch interessant. Dazu habe ich aber selbst keine Erkenntnisse.
Aber über die Prinzipien, wie die Blüten der Stecklinge von Sorten mit mehrfarbigen Blüten und solchen mit verschiedenen Blütenmustern ausfallen werden, habe ich inzwischen einiges gelernt. In dem neuen Buch von Janine Droste über Satsuki-Azaleen, das ich in den letzten Monaten ins Deutsche übersetzt habe und das in Kürze auf den Markt kommt, stehen dazu sehr aufschlussreiche Dinge.
Hier ein paar Kostproben:
"Bei Satsuki-Azaleen, die nur einfarbige Blüten tragen (z.B. rote Blüten), nur einfarbige Blüten mit weißem Rand (Fukurin), oder mit weißem Zentrum, kann man Triebe von jedem beliebigen Zweig nehmen. Sie werden nur Blüten des gleichen Typs entwickeln.
Bei mehrfarbigen Satsuki-Azaleen verwendet man Triebe von Zweigen mit einfarbig weißen Blüten oder weißen Blüten mit geringen farbigen Anteilen:
Man erhält keine gesprenkelten und gestreiften Blüten, wenn man Stecklinge von Zweigen nimmt, die
• einfarbig rote Blüten tragen
• Blüten mit einem andersfarbigen Rand haben
• Blüten tragen mit einem weißen Zentrum
Es ist ebenfalls unmöglich, gesprenkelte und gestreifte Blüten von einem Trieb zu erhalten, der direkt unterhalb eines einzelnen, vollständig roten Blütenblatts sitzt oder unterhalb eines roten Blütenblatts, das einen feinen Rand hat.
Welchen Trieb unterhalb einer mehrfarbig gemusterten Blüte man nehmen sollte, ist abhängig von der Farbe und dem Muster der einzelnen Blütenblätter.
a. Blütenblatt mit kleinen Sprenkeln (der Trieb darunter ist OK)
b. Blütenblatt mit einem feinen Rand (nicht OK)
c. Blütenblatt mit großen Streifen und kleinen Sprenkeln (der Trieb darunter ist OK)
d. Vollständig rotes Blütenblatt (nicht OK)"
Im Buch sind dann auch noch Zeichnungen dazu, die diese Sachverhalte verdeutlichen.
Insgesamt kann man aber wohl sagen, dass Satsuki-Azaleen oft für eine Überraschung gut sind.
Liebe Grüße,
Heike


