Blütenmutation Satsuki Azalee

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
Benutzeravatar
Heike_vG
Beiträge: 24206
Registriert: 04.09.2005, 20:30
Wohnort: Norddeutschland
Kontaktdaten:

Re: Blütenmutation Satsuki Azalee

Beitrag von Heike_vG »

Hallo, Ihr Lieben,

es ist schon wirklich interessant, wie unterschiedlich die Blüten an ein und demselben Baum sich entwickeln können.
Meine Shohin-Azalee hat jahrelang nur weiß geblüht und wurde daher für die Sorte Hakuryu gehalten. Nach Jahren tauchten dann doch einzelne rosarote Streifen an einigen Blüten auf. Es scheint doch eher eine Hakurin zu sein.

Was auch öfter mal passiert ist, dass Sorten mit eigentlich normal geformten Blüten einige geschlitzte Blüten bekommt, in den Jahren danach aber wieder nicht mehr.
Die Azalee, die ich lange für eine Subaru gehalten habe, hat dies manchmal gezeigt. Sie hat sich ansonsten so entwickelt, dass inzwischen die Vermutung naheliegt, dass es sich eher um eine Nikko handelt.

Die Sache mit der Satsuki, die eigentlich gefüllte Blüten hat, aber dann mit einfachen Blüten überrascht, ist auch interessant. Dazu habe ich aber selbst keine Erkenntnisse.


Aber über die Prinzipien, wie die Blüten der Stecklinge von Sorten mit mehrfarbigen Blüten und solchen mit verschiedenen Blütenmustern ausfallen werden, habe ich inzwischen einiges gelernt. In dem neuen Buch von Janine Droste über Satsuki-Azaleen, das ich in den letzten Monaten ins Deutsche übersetzt habe und das in Kürze auf den Markt kommt, stehen dazu sehr aufschlussreiche Dinge.
Hier ein paar Kostproben:

"Bei Satsuki-Azaleen, die nur einfarbige Blüten tragen (z.B. rote Blüten), nur einfarbige Blüten mit weißem Rand (Fukurin), oder mit weißem Zentrum, kann man Triebe von jedem beliebigen Zweig nehmen. Sie werden nur Blüten des gleichen Typs entwickeln.

Bei mehrfarbigen Satsuki-Azaleen verwendet man Triebe von Zweigen mit einfarbig weißen Blüten oder weißen Blüten mit geringen farbigen Anteilen:

Man erhält keine gesprenkelten und gestreiften Blüten, wenn man Stecklinge von Zweigen nimmt, die
• einfarbig rote Blüten tragen
• Blüten mit einem andersfarbigen Rand haben
• Blüten tragen mit einem weißen Zentrum

Es ist ebenfalls unmöglich, gesprenkelte und gestreifte Blüten von einem Trieb zu erhalten, der direkt unterhalb eines einzelnen, vollständig roten Blütenblatts sitzt oder unterhalb eines roten Blütenblatts, das einen feinen Rand hat.
Welchen Trieb unterhalb einer mehrfarbig gemusterten Blüte man nehmen sollte, ist abhängig von der Farbe und dem Muster der einzelnen Blütenblätter.

a. Blütenblatt mit kleinen Sprenkeln (der Trieb darunter ist OK)
b. Blütenblatt mit einem feinen Rand (nicht OK)
c. Blütenblatt mit großen Streifen und kleinen Sprenkeln (der Trieb darunter ist OK)
d. Vollständig rotes Blütenblatt (nicht OK)"

Im Buch sind dann auch noch Zeichnungen dazu, die diese Sachverhalte verdeutlichen.

Insgesamt kann man aber wohl sagen, dass Satsuki-Azaleen oft für eine Überraschung gut sind. 8)

Liebe Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

AK Hamburg & Umland
Benutzeravatar
Kathrin
Beiträge: 422
Registriert: 21.05.2013, 08:45
Wohnort: Nähe Zürich

Re: Blütenmutation Satsuki Azalee

Beitrag von Kathrin »

Liebe Heike

Ich kann es kaum erwarten bis dieses Buch im Briefkasten liegt *dance* .

Hier noch mein Azaleen "Gelage" und Blüten der Kinsai (Vater hat geschlitze Blüten, Sohn volle)
Dateianhänge
image.jpg
image.jpg (164.88 KiB) 1802 mal betrachtet
image.jpg
image.jpg (124.66 KiB) 1802 mal betrachtet
Benutzeravatar
klauso
Beiträge: 2359
Registriert: 18.01.2004, 14:29
Kontaktdaten:

Re: Blütenmutation Satsuki Azalee

Beitrag von klauso »

Hallo,

Am Beispiel einer "Kinsai", da weiß ich es sicher, erzählte mir einmal Valentin, dass die gewünschte geschlitzte Blüte die Zuchtform sei. Es kommt aber immer wieder die Naturform der geschlossenen Blüte durch. In Japan werden diese ästchen rigoros selektiert und entfernt, weil wohl im Laufe der Zeit die Naturform sonst die Zuchform verdrängt. Die Qualität einer Kinsai ist somit von der Reinheit der Blüte, gewünscht ist komplett in Zuchtform, abhängig und natürlich auch der Preis.

Meine Kinsai blüht auf einigen Etagen bzw. an einigen Ästen nur noch in der Naturform. Da wurde die Zuchtform verdrängt. Mir gefällt die Mischung aus beiden Blüten. Dabei ist mir die japanische Bewertung egal....
Benutzeravatar
Ferry
Beiträge: 1676
Registriert: 28.10.2012, 12:45
Wohnort: Kuala Lumpur · 吉隆坡

Re: Blütenmutation Satsuki Azalee

Beitrag von Ferry »

Sehr interessant beschrieben, Kathrin.

Die Informationen von Heike sind ebenfalls interessant.

LG,
F.
LG,
F.
Benutzeravatar
Heike_vG
Beiträge: 24206
Registriert: 04.09.2005, 20:30
Wohnort: Norddeutschland
Kontaktdaten:

Re: Blütenmutation Satsuki Azalee

Beitrag von Heike_vG »

Bei den Sorten Kinsai, Kegon etc. mit den geschlitzten Blüten ist es so, dass man Stecklinge nur von Zweigen mit geschlitzten Blüten nehmen sollte.
Nimmt man Stecklinge von Zweigen mit normalen Blüten, bekommt man auch an den Jungpflanzen nur solche generell weniger geschätzten Blüten. So ist es offenbar bei Kathrins Stecklingspflanze der Fall.
An den Pflanzen mit geschlitzten Blüten können immer wieder irgendwo die normalen Blüten auftauchen und man sollte diese Zweige möglichst entfernen, weil sie dazu neigen, die Oberhand zu gewinnen.
Ähnlich ist es bei mehrfarbig blühenden Azaleen, wo sich die ganz roten Blüten immer weiter ausbreiten, wenn man diese Zweige nicht weitgehend entfernt.

Liebe Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

AK Hamburg & Umland
Benutzeravatar
Kathrin
Beiträge: 422
Registriert: 21.05.2013, 08:45
Wohnort: Nähe Zürich

Re: Blütenmutation Satsuki Azalee

Beitrag von Kathrin »

Hallo zusammen

Dieses Jahr hat sich meine Sayo-no-May entschieden, wieder gefüllte Blüten zu machen.... Gefällt mir auch :-D

Die Pflege habe ich nicht verändert. Die neue Schale ist noch etwas zu gross, gefällt mir jedoch von der Form und Glasur sehr gut dazu.

Gruss Kathrin
Dateianhänge
image.jpeg
Benutzeravatar
Bonsai-Fips
Freundeskreis
Beiträge: 2508
Registriert: 09.11.2012, 17:13

Re: Blütenmutation Satsuki Azalee

Beitrag von Bonsai-Fips »

Wunderschöne Blütenpracht, Kathrin! Die musstest Du die letzten Tage wohl gut vor dem vielen Regen schützen..
Kathrin hat geschrieben: Dieses Jahr hat sich meine Sayo-no-May entschieden, wieder gefüllte Blüten zu machen.... Gefällt mir auch :-D
Vielleicht ist die Azalee nur ein wenig eitel und kleidet sich einfach zum Schuh passend :lol:

Liebe Grüsse, Fips
Benutzeravatar
Kathrin
Beiträge: 422
Registriert: 21.05.2013, 08:45
Wohnort: Nähe Zürich

Re: Blütenmutation Satsuki Azalee

Beitrag von Kathrin »

Hi Fips,
Dankeschön!! Bald muss alles wieder ab.... Lg kathrin
maiwald
Beiträge: 9
Registriert: 02.05.2016, 23:30

Re: Blütenmutation Satsuki Azalee

Beitrag von maiwald »

Hallo Ich versuche mal ein paar Faktoren aufzuzählen,die entscheidend für das generative Wachstum sind,also die Bildung von Blütenknospen.Bei Rhododendron,bzw Azaleen wird die Anlage für die Knospe nach dem zweiten,manchmal nach dem dritten Triebwachstum gebildet.Das ist abhängig von der Durchschnittstemperatur,der Tageslichtlänge und der Wasserversorgung.Wenn die Temperaturen,wie im letzten Jahr sehr lange warm sind,macht die Pflanze lieber vegetatives Wachstum.Dann bleibt für die Knospenbildung nicht mehr viel Zeit,und die Blütenanlagen sind nicht ganz vollständig.Mit abnehmender Tageslichtlänge versuchen die Pflanzen dann schnell auszureifen.Das klappt auch nicht immer so ganz,das sind dann die kümmerlichen Triebe mit den gelblichen Blättern,die man an vielen Pflanzen beobachten kann.Ebenso hinderlich für die Knospenbildung sind zum Spätsommer hin reichliche Wassergaben,so das die Vakuolen immer prall gefüllt sind.Im letzten Jahr hatten wir sehr hohe Temperaturen im Oktober und November.Das Pflanzenwachstum hielt lange an,die Zeit des Ausreifens vor der Vorruhe war sehr kurz.Ich habe dieses Jahr viele nicht vollständige Azaleenblüten gesehen.Um dem vorzubeugen ist es ratsam im Spätsommer die Wasserversorgung zu reduzieren,insoweit,das die Pflanzen nicht welken.Die Azaleen haben dann genügend Zeit anständige Knospen zu bilden,ein Tip von der produzierenden Fraktion.Auch die Nährstoffversorgung,der pH Wert,aus der Luft frei verfügbarer Stickstoff(Gewitterregen mit ca. 150 kg rein N) spielen eine gewisse Rolle. Aber--- die womöglich richtige Antwort bei sich verändernden generativen Merkmalen sind Springende Gene.Diese sind verantwortlich für Mutationen,also Änderungen im Erbgut,aber um darüber zu schreiben fehlt mir das Wissen.Grüße aus der Nordheide Frank
Antworten