Die usseliche Stieleiche

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
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MarionS
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Die usseliche Stieleiche

Beitrag von MarionS »

Hi, @all!

Ein ums andere Jahr heimst diese Eiche irgendwie den Preis dafür ein, dass sie die usselichste von allen ist und ich bin auf der Suche nach Ursachen.

Standort: seit je her derselbe Fensterbank außen, Vollsonne so von 12-17, Nachbar Efeu.
Das besondere an diesem Standort: dieser wird in meiner normalen Laufreihenfolge immer zuerst gegossen, diese Eiche bekomme so gesehen immer das Wasser ab, das seit dem letzten Guss im Gartenschlauch und im Entkalker stand. Wobei mir gerade einfällt, dass sie sonst auch weiße Ränder auf den Blättern hat, aber der Entkalker auch eigentlich überfällig ist - also derzeit wohl kein Salz mehr drin...

Symbiont: Fliegenpilz. Sie ist vergleichsweise resistent gegen Mehltau, kriegt ihn als letzte und heilt am besten ab. Nun hat sie auf ihrer Fensterbank aber auch keine anderen Eichen als direkten Nachbarn, die sie anstecken können. 3m höher sind welche und 5m tiefer.
Sie legt nicht so zu wie ihre gleich alte Schwester, die einen Steinpilz als Symbionten hat. Die Schwester wiederum kriegt schneller Mehltau.

Auf dem Stamm sind diese schwarzen Flecken. Da ich dieses (und wohl auch letztes) Jahr einen nicht genau geklärten Befall an verschiedenen Bäumen hatte und der daran verstorbene Malus neben ihr stand, hat sie auch eine Spritzung mit einem Fungizid erhalten, worauf sich aber nichts verändert hat.

Habt ihr eine Idee?
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Gruß,
MarionS

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Andreas R.
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Re: Die usseliche Stieleiche

Beitrag von Andreas R. »

Das an den Blättern ist ein Trockenschaden.
Die schwarzen Flecken am Stamm habe ich so noch nicht gesehen.

Mit Entkalker meinst du wohl einen Ionenaustauscher, so ein Ding wo Salztabletten rein müssen, oder?
Der tauscht das Calcium im Wasser gegen Natrium aus, ich glaube nicht dass das für Pflanzen so ideal ist, da würde ich lieber das kalkhaltige Wasser nehmen.

Was bedeutet "usselich"?
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MarionS
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Re: Die usseliche Stieleiche

Beitrag von MarionS »

"Usselig" kann ich jetzt nicht mal adäquat übersetzen :lol: Die Blätter sind halt schadhaft, sehen schlecht aus, der Baum treibt nicht so munter wie andere. Usseliges Wetter ist eklig nasskalt nieselig, und wenn mir usselig ist, ist mir schlecht und ich hab Kreislauf, irgendwie buäh. "Irjend son usseliges" [Dingens] würde ich zu etwas mickrigem sagen, wo ich mehr erwartet hätte.

Den Entkalker habe ich vor Jahren mal angeschafft, als ich dachte, weiches Wasser wäre besser für die Bäume als unser sehr hartes. Inzwischen läuft der nur noch, weil er halt da ist.

Ein normaler Trockenschaden würde mich jetzt schon überraschen. Sie hat weniger Masse als andere, das gleiche Substrat und steht in einem gleich großen Korb wie ihre Schwester. Gegossen wird immer alles per Gartenschlauch. Umgetopft wurde 2013. Frost gabs hier praktisch keinen heuer.
Dann kann sie so gesehen eigentlich nur einen sonstigen Wurzelschaden haben, oder? Insektenfraß oder so?
Gruß,
MarionS

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Barbara
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Re: Die usseliche Stieleiche

Beitrag von Barbara »

Andreas R. hat geschrieben: Was bedeutet "usselich"?
Hallo Andreas,

"usselich", oder "usselig" kommt aus dem Rheinland und wird meist als Adjektiv für ungemütliches, nasskaltes Wetter benutzt.
Aber auch Menschen und Tiere, oder, wie hier Bäume :wink:, können usselich sein, wenn sie schmutzig oder ungepflegt sind.

Oh, Marion war schneller..... :lol:

Liebe Grüße,
Barbara
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Ferry
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Re: Die usseliche Stieleiche

Beitrag von Ferry »

Zum Thema "Wasserenthärter" und "Weichwasser":

Das mit dem "Weichwasser" könnte richtig wichtig sein. Schau' einfach was Du für ein Gerät hast. Ich weiss nicht, was Du an Messgeräten zur Verfügung hast. Die Leitfähigkeit des Wassers zu kennen, wäre ein guter Indikator.

Es sollte ein Ionentauscher sein, der das Ca++ gegen zwei H+ austauscht. Solche Ionentauscher müssen in der Regel mit Salzsäure regeneriert werden. So ein Wasser ist teilentsalzt und bei einer hohen Wasserhärte gut geeignet, um Giesswasser aufzubereiten. Soetwas habe ich, benutze ich aber fast nicht mehr, weil mein derzeitiges Giesswasser gut genug ist. Ich messe beim enthärteten Wasser zur Kontrolle pH-Wert und Leitfähigkeit.

Wenn es nur ein Ionentauscher ist, der mit NaCl regeneriert wird, dann entfernt der zwar Calcium, tauscht ein Ca++ gegen zwei Na+ Ionen aus. Der Salzgehalt in Summe bleibt gleich hoch, allerdings ist der Natrium-Anteil viel höher als vorher und das Wasser für Pflanzen noch viel ungeeigneter als vorher. Für die Geschirrspülmaschine ist so etwas eher gedacht. Schlimmer noch, wenn das Ionentauscherharz "auslaugt" und Kochsalz ins vermeintlich "weiche" Wasser durchbricht. Kontrolle der Leitfähigkeit des Wassers wäre gut.

Das Laub der Eiche:
Ich finde, es ähnelt einem Trockenschaden. Es könnte mit dem erhöhten Salzgehalt des Giesswassers zusammenhängen.

Die schwarzen Flecken:
Eine Ferndiagnose und schlaue Ratschläge, die Dir nicht helfen, erlaube ich mir hier nicht. Ich sehe zu wenig.

LG,
F.
LG,
F.
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MarionS
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Re: Die usseliche Stieleiche

Beitrag von MarionS »

Das Ding wird mit Salz regeneriert, ganz normalem Koch- oder Spülmaschinensalz. Das ist ein Gastronomie-Entkalker, und wenn nicht noch die WaMa dran hinge, würd ich ihn auch ausbauen.

Interessant ist ja nur, dass nur diese eine Eiche das Problem so sehr hat - eben die erste Pflanze, sie gegossen wird. Ansonsten hätte bestenfalls eine Linde ein vergleichbares Problem, aber die ist die vorletzte, und daneben steht noch eine Linde, die nichts hat.
Gruß,
MarionS

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Andreas R.
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Re: Die usseliche Stieleiche

Beitrag von Andreas R. »

Also ich würde dann schon vermuten, dass es irgendwas mit dem Entkalker zu tun hat.
Natrium mögen Pflanzen gar nicht, Kochsalz ist noch schlimmer.
Warum es bei manchen ein Problem wird, bei anderen nicht kann verschiedene Ursachen haben.
Manche Arten, z.B. Linden, sind salzempfindlicher.
Die Topfgröße und der Wurzelzustand könnten eine Rolle spielen.
Evtl. werden manche Bäume stärker angeregnet und mehr Salz wieder ausgewaschen.
Wie auch immer.
Ich würde mal eine Zeit lang mit normalem Leitungswasser gießen. Das schadet auf keinen Fall und vielleicht verschwindet dann die Usselichkeit.
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Re: Die usseliche Stieleiche

Beitrag von MarionS »

Ferry hat geschrieben:Schlimmer noch, wenn das Ionentauscherharz "auslaugt" und Kochsalz ins vermeintlich "weiche" Wasser durchbricht.
Das isses: die Regeneration war überfällig. Ich hab zwar eine Wasseruhr dran hängen, aber war nicht dazu gekommen, mich zu kümmern. "Dann isses halt mal ne Weile hart" dachte ich...

Hab den Entkalker jetzt rausgeschmissen.
Gruß,
MarionS

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Re: Die usseliche Stieleiche

Beitrag von Ferry »

So schlimm sieht die uss.... Eiche nicht aus.

Hier ein Trockenschaden aus dem Jahr 2013 an einer meiner Stieleichen - trotz Giessvertretung im Urlaub. Die Blätter blieben bis zum Herbst so dran. Heute hat sie sich wieder reslos erholt.

Den Gastronomie-Wasserenthärter würde ich nur noch für die Haushaltsgeräte verwenden

LG,
F.
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Re: Die usseliche Stieleiche

Beitrag von Pflanzbert »

MarionS hat geschrieben: Symbiont: Fliegenpilz.
Hat sich der Pilz von selbst angesiedelt, kam er mit der Eiche, oder hast Du den gepflanzt?
Viele Grüße,
Hajo
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Re: Die usseliche Stieleiche

Beitrag von MarionS »

Ich siedele die Pilze ganz gezielt unter meinen Bäumen an, da hab ich Spaß dran.
Leider sind noch keine Fruchtkörper gesprossen, aber ich hab nochmal nachgeimpft, vielleicht dieses Jahr.
Gruß,
MarionS

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Re: Die usseliche Stieleiche

Beitrag von Pflanzbert »

Interresant :) Woher bekommt man Fliegenpilz-Myzel?
Viele Grüße,
Hajo
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Re: Die usseliche Stieleiche

Beitrag von MarionS »

Och, das fällt dich in Wald und Flur einfach an, es ist in dem Fall sogar auffällig rot mit weißen Punkten :-D
Steinpilze (gehen auch!) kriegt man auch auf dem Markt.

Tatsächlich ist ein Pilz nichts anderes als verdichtetes Myzel, dasselbe wie im Boden. Man nehme einen Pilzhut und buddele den auf dem Wurzelballen ein, sodass die Sporen daraus auf die Wurzeln rieseln. Im Fall des Fliegenpilzes meine ich sogar, ich hätte den unter dem Wurzelballen eingegraben, aber obendrauf halte ich für besser, dann werden die Sporen eingespült.
Nach ein paar Wochen ist der Pilz komplett verschwunden. Ich weiß tatsächlich nicht, ob nun der Pilzhut selbst sich wirklich in ein neues Myzel verwandeln kann oder die Sporen infizieren - auf jeden Fall ist die Erfolgschance sehr hoch.
Bei einem bereits von einem anderen Myzel besetzten Wurzelballen kann es sein, dass das eine das andere verdrängt, oder sie sich den Baum teilen.
In der Saison nach dem Impfen würde ich nicht umtopfen.

Man sagt, dass man beim Umtopfen das Myzel riecht, aber das kann ich nicht bestätigen, vielleicht liegt es auch am Substrat. Aber einmal im Jahr zur Pilzsaison steigt beim Gießen ein unverkennbarer Duft nach dem Pilz aus dem Substrat auf.
Gruß,
MarionS

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Re: Die usseliche Stieleiche

Beitrag von Pflanzbert »

Wieder was gelernt :) Ich dachte man braucht etwas von dem Myzel aus dem Boden. Aber der Pilzhut mit den Sporen ist natürlich besser, der ist ja dazu da, den Pilz weiter zu verbreiten.
Viele Grüße,
Hajo
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Re: Die usseliche Stieleiche

Beitrag von Pflanzbert »

Noch eine Frage, wie machst Du das mit dem Wurzelschnitt? Geht der Pilz beim Umtopfen nicht verloren?
Viele Grüße,
Hajo
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