Zelkova nire: Teil der Rinde wird faul

Spezielle Baumpflege z.B. düngen, umtopfen, Erden, ein- und auswintern, Pflanzenschutz
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MarcelD
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Zelkova nire: Teil der Rinde wird faul

Beitrag von MarcelD »

Ihr Lieben,

ich bitte um Eure fachkundige Hilfe.
Seit einigen Wochen macht mir meine Zelkova nire Sorgen.
Am Stamm hat sich ein Bereich ausgebildet an dem sich die normalerweise schön schuppige Rinde in einen matschigen Brei verwandelt.
Ich kann die einzelnen Schuppen mit dem Finger abwischen, so weich sind diese geworden. Die Rinde darunter zeichnet sich durch eine hellere Farbe als die des restlichen Baumes ab.
Der Bereich ist lokal sehr begrenzt. Die Saftbahnen darunter scheinen auch nicht betroffen zu sein, denn ein Ast liegt genau in diesem Bereich und an den Blättern zeigen sich keine Schäden.

Die aller ersten Symptome habe ich zuerst gar nicht für voll genommen:
Im Winterquartier begann schon im Dezember ein alter Aststumpf zu nässen.
Ausbürsten und trocknen hat nichts geholfen, die Nässe kam immer wieder zurück.
Nun hat sich der Bereich ca. 20 cm den Stamm hinunter gezogen und breitet sich immer weiter aus.

Die Zelkova steht voll sonnig und hat auch keine dauerhafte Feuchtigkeit abbekommen.
IMG_4700.jpg
Die kleinen rotbraunen bis geigen Flecken waren einmal die Schuppen.
IMG_4705.jpg
IMG_4705.jpg (194.78 KiB) 732 mal betrachtet
Hier sieht man deutlich den begrenzten hellen Bereich und die rötlich braunen matschigen Schuppen der Borke, die sich bis auf den Ast erstreckt.
Auch die oben erwähnte Wunde, die im Dezember zu nässen begann, kann man gut erkennen.
IMG_4709.jpg
So sollte die Borke eigentlich aussehen … dunkle feste Schuppen.
Die Nässe kommt vom Regen eben ...
Die Borke, wie sie sein sollte
Die Borke, wie sie sein sollte
Weiß jemand Rat?

Liebe Grüße
Marcel
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Heike_vG
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Re: Zelkova nire: Teil der Rinde wird faul

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Marcel,

auf jeden Fall dürfte es sich um einen abgestorbenen und fauligen Bereich handeln. Ich hatte das mal bei meinem größeren Seigen-Ahorn vor vielen Jahren, da ist Fäulnis hinter dem noch grünen Kambium den Stamm hinaufgezogen, ausgehend von einer toten Wurzel.
Auch wenn es unschön ist, würde ich den matschigen Bereich abtragen und schauen, wie tief das geht. Da muss sicherlich alles entfernt werden, was weich und faul ist, damit sich das nicht noch weiter ausbreitet. So leid es mir tut, aber da wird wohl oder übel ein größerer Totholzbereich entstehen.
Vielleicht kannst Du dabei herausfinden, von wo die Fäulnis ausgeht, wahrscheinlich von einem Loch oder einer Schnittstelle. Am besten dabei von jedem Arbeitsschritt Fotos machen!

Liebe Grüße,

Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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MarcelD
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Re: Zelkova nire: Teil der Rinde wird faul

Beitrag von MarcelD »

Heike, das sind ja grauenhafte Aussichten.
Den matschigen Bereich habe ich schon geputzt.
Was mich nur verwundert ist, dass der Ast mitten im befallenen Bereich keine kranken Blätter zeigt.
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Heike_vG
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Re: Zelkova nire: Teil der Rinde wird faul

Beitrag von Heike_vG »

Das war bei meinem Ahorn auch so, weil das Kambium noch grün war und die Fäulnis dahinter. Ich würde Dir auch wünschen, dass bei Deinem Baum alles anders ist. Versuch doch mal irgendwo, wo man es von vorne möglichst wenig sieht, ein bisschen zu kratzen und zu pulen, was da unter der matschigen Rinde ist.
Ist das Kambium intakt und das Holz darunter fest, dann hast Du vielleicht Glück, dass tatsächlich nur die äußeren Borkenschuppen irgendwie betroffen sind, wovon auch immer.
Bei meinem Ahorn habe ich gekratzt und unter dem Kambium war eine weiche, fast breiartige, dunkle Masse. Hoffentlich ist das bei Dir nicht so.
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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MarcelD
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Re: Zelkova nire: Teil der Rinde wird faul

Beitrag von MarcelD »

Tiefbohrung abgeschlossen!

Ich habe an verschiedenen Stellen des Baumes die Borke angeritzt -
vielmehr musste ich bohren, weil die Rinde auch ohne Schuppen erstaunlich dick ist.
Gute Nachrichten, das Kambium ist überall intakt und von der Struktur unauffällig.
Auch das Holz in Schichten darunter weißt keine Auffälligkeiten auf.

Es scheint also wirklich nur ein oberflächliches Problem zu sein.
Allerdings beruhigt bin ich noch nicht, dafür siehts einfach zu schlimm aus.
Könnte es ein Pilzbefall sein?
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zopf
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Re: Zelkova nire: Teil der Rinde wird faul

Beitrag von zopf »

Hallo Marcel
Auf dem Bild wirken die rot eingekreisten Stellen wie nicht verheilte Schnittwunden,
die Eintrittspforten sein könnten.
Bei meinen Bäumchen "puhle" ich das weiche Gewebe raus
und versuche danach mit Jinmittel den Verfall zu verzögern.
mfG Dieter
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cogito ergo pups
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MarcelD
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Re: Zelkova nire: Teil der Rinde wird faul

Beitrag von MarcelD »

Lieber Dieter,

damit hast du bestimmt Recht, ich habe die untere Wunde in Verdacht.
Diese ist es, die bereits im Winter genässt hat.
Sobald der Bereich etwas abgetrocknet ist werde ich den Bereich säubern und mit Jinmittel behandeln.
Ich fürchte, dann kann ich nur noch auf die Selbstheilungskräfte des Baumes hoffen.
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Norbert_S
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Re: Zelkova nire: Teil der Rinde wird faul

Beitrag von Norbert_S »

Marcel,
wenn Dieter recht hat, und davon gehe ich aus, dann solltest du die Wunde öffnen und das, was sich hinter der Schnittstelle und am Stamm an faulem, weichen Holz befindet entfernen. Sonst breitet sich das Ganze immer weiter aus. Da muss Luft ran, damit eine Trocknung einsetzen kann.
Ursache bei deinem Schaden ist eine Eintrittsmöglichkeit von Wasser, das mangels Abfluss- oder Verdunstungsmöglichkeit das Holz zu lange nass hält und dadurch ein Zersetzungsprozess gestartet wird.
Diesen Prozess musst du unterbrechen.
Norbert

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bonsaiheiner
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Re: Zelkova nire: Teil der Rinde wird faul

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo Marcel,
Dieter und Norbert sagen das völlig Richtige.
Dieser Zersetzungsprozess am toten Holz wird -dankenswerterweise- von saprophytären (nur totes Material vertilgend) Pilzen erledigt, Wenn es die nicht gäbe, wäre die Erdoberfläche seit den Zeiten des Kambriums mittlerweile kilometerhoch mit altem, abgestorbenen Holz bedeckt, die Erde wäre längst am Totholz erstickt! Leben, wie wir es kennen, würde nicht fortbestehen, ja, hätte sich gar nicht entwickeln können.
Diese in der Natur hochwillkommenen Helfer, lieben Licht- und Luftabschluss, sowie die sogenannte feuchte Kammer. Wenn man diese von ihnen geschätzten Lebensbedingungen beseitigt, bremst man ihre Entwicklung und Jinmittel bremst zusätzlich. Ganz unterbinden ist schwierig, aber solange Wurzeln und Kambium aktiv bleiben, geht es mit dem Baum weiter.
Meine Zierkirsche im Garten hat seit Jahrzehnten kein gesundes Kernholz mehr. Grössere Stammkorrekturen vor Jahren haben trotz Wundschutz (HolgerB würde denken: "wegen") diese Pilze eindringen lassen. Bislang hat sie allen Gewitterstürmen getrotzt.
Beste Grüsse,
Heiner
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