Dreispitzahorn in Besenform?

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Dominik Hapunkt
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Dreispitzahorn in Besenform?

Beitrag von Dominik Hapunkt »

Guten Abend,

ich habe wiederholt im Netz gelesen, dass sich der Dreispitzahorn nur schwer in der Besenform gestalten lässt. Könnt ihr mir bitte erklären warum das so ist?
Danke im Voraus und viele Grüße
Viele Grüße
Dominik
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Georg
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Re: Dreispitzahorn in Besenform?

Beitrag von Georg »

Hab' ich noch nie so gelesen.
Stimmt auch nicht.
Aber es entspricht nur nicht den üblichen Gestaltungsformen beim Dreispitz.
Wenn es Dir gefällt, bitte nur zu.
Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben geben, daß Du es sagen darfst(Voltaire)
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Heike_vG
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Re: Dreispitzahorn in Besenform?

Beitrag von Heike_vG »

Hallo Dominik,

dieser schöne Baum von Heiner wäre ein Beispile für einen Dreispitzer in Besenform mit durchgehendem Stamm: http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... =4&t=26874

Ich könnte mir vorstellen, dass wenn man einen Dreispitzahorn in Besenform ohne durchgehenden Stamm gestalten wollte, wo z. B. ein Stamm gekappt wird und aus den neuen Trieben in der Nähe der Schnittstelle die gesamte Besenkrone aufgebaut wird, dass sich dort bei Acer buergerianum enorme Verdickungen bilden könnten, die unerwünscht wären.

LG, Heike
Ein halber Schritt in die richtige Richtung ist oftmals ein Reinfall...

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bonsaiheiner
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Re: Dreispitzahorn in Besenform?

Beitrag von bonsaiheiner »

Hallo Dominik,
es gibt 2 Möglichkeiten, Besenformen zu gestalten.
1. Aufbesung beim Übergang Stamm/Krone
2. Besenform mit durchgehendem Stamm.

Die Besenform wird in der Regel mit geradem Stamm gestaltet. Ausnahme z.B.:

http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopic.php?t=34789

Für eine stimmige Wirkung sollten sich sehr enge Internodien erzielen lassen und die Blattgrösse möglichst klein sein. Diese Vorgaben findet man am ehesten bei Ulmen und Zelkoven, auch beim Zürgelbaum.
Frühere Versuche mit Nothofagus antarctica und Cotoneaster microphyllus (beide äusserst kleinblättrig) haben damals wegen z.T. sparrigem Wuchs nicht so geklappt, mit der Erfahrung von heute würde es vielleicht eher gehen.
Der Dreispitzahorn (kleinblättrige Sorte) lässt sich durchaus auch als Besen gestalten, ganz kleinblättrige spezies (Zwergformen wie z.B. Kotohime o. Koyohime) eignen sich aber besser, wenn es denn unbedingt ein Ahorn sein soll.
Beste Grüsse:
Heiner
Ein Tag ohne Beschäftigung mit Bonsai ist ein verlorener Tag!
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Dominik Hapunkt
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Re: Dreispitzahorn in Besenform?

Beitrag von Dominik Hapunkt »

Guten Abend,

danke für eure Antworten und Erläuterungen!

Georg, hier hab ich zum Beispiel davon gelesen:

http://www.bonsaipflege.ch/dreispitzahorn.html
http://www.yamadori-bonsai.de/c/05/Art/Acb.htm

Heike und Heiner, vielen Dank für die Links und für eure Erklärungen! Gerade diese Fotos von den echt zum Träumen einladenden, schönen Bäumen in Besenform gaben mir Anlass mir einen jungen Dreispitz in "beginnender" Besenform zu bestellen. Gern würde ich das Bäumchen die Tage hier vorstellen.
Viele Grüße
Dominik
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Dominik Hapunkt
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Re: Dreispitzahorn in Besenform?

Beitrag von Dominik Hapunkt »

Hallo an alle,

hier nun also das Bäumchen:
comp_20150117_130950.jpg
comp_20150117_131016.jpg
comp_20150117_131026.jpg
Nach den Erklärungen von Heike und Heiner sind mir zwei Probleme aufgefallen: Zu lange, unverzweigte Astabschnitte und vor allem zu viele an einem Punkt ansetzende Äste wie zum Beispiel hier:
comp_20150117_131040.jpg
Seht ihr das genauso? Würdet ihr nun auch die Astquirle auflösen und probieren immer nur zwei Äste stehen zu lassen? Und würdet ihr dazu die Äste kräftig einkürzen?
Viele Grüße
Dominik
chris-git@rre

Re: Dreispitzahorn in Besenform?

Beitrag von chris-git@rre »

Hallo Dominik,
zeichne doch mal ein wie Du schneiden würdest.
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Dominik Hapunkt
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Re: Dreispitzahorn in Besenform?

Beitrag von Dominik Hapunkt »

Hi Chris,

ich muss zugeben, dass ich mir da noch nicht ganz im klaren drüber bin. Finds aber auch nicht einfach, mögliche Schnitte bei den Astquirlen auf den Fotos einzuzeichnen.
Um keine unerwünschten Verdickungen zu bekommen, dürfte ich an den Astquirlen nur zwei Äste stehen lassen. Bei der Selektion würde ich auf die Stellung der Äste, deren Bewegung, die Verjüngung und auf enge Internodien achten...
Soweit meine Gedanken. Ich werd das Bäumchen im März auf nen Workshop mitnehmen.
Viele Grüße
Dominik
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camaju +
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Re: Dreispitzahorn in Besenform?

Beitrag von camaju + »

Dominik Hapunkt hat geschrieben: Ich werd das Bäumchen im März auf nen Workshop mitnehmen.
Das ist ne sehr gute Idee, wenn jemand den Baum in 3D vor sich hat.
Gruß Jürgen *wink*

Wer nicht mit Pflanzen und Tieren kann, kann auch nicht mit Menschen.

Ich moderiere in blau, der Rest ist nur meine Meinung
chris-git@rre

Re: Dreispitzahorn in Besenform?

Beitrag von chris-git@rre »

Dominik Hapunkt hat geschrieben:Finds aber auch nicht einfach, mögliche Schnitte bei den Astquirlen auf den Fotos einzuzeichnen.
Ja da hast Du recht!
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Andreas R.
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Re: Dreispitzahorn in Besenform?

Beitrag von Andreas R. »

Eigentlich ist das wirklich nicht schwer.
Schau dir mal dieses Beispiel an.
Da entspringen 6 Äste aus einer Stelle.
Zwei sollten bleiben, also müssen vier weg. Welche wohl?
Der rote Ast hat ein sehr langes Internodium. Auf jeden Fall weg damit!
Die orangenen Äste sind zu dick. Solche sollte man nur an niedrigen Ästen bevorzugen.
Die blauen Äste sind aktzeptabel, weil es zwei davon gibt kann man den günstigeren auswählen. Diesen auf das letzte aktive Nodium zurück schneiden.
Der grüne Ast ist perfekt, extrem kurze Internodien.
comp_20150117_131040_2.jpg
comp_20150117_131040_2.jpg (175.81 KiB) 1282 mal betrachtet
Aus der Stelle zwischen den beiden orangen Ästen wird daraufhin ein weiterer, brauchbarer Ast entspringen.
chris-git@rre

Re: Dreispitzahorn in Besenform?

Beitrag von chris-git@rre »

Gut erklärt, aber mir würde z.B. dieser Bereich hier schon nicht gefallen:
DA.jpg
DA.jpg (86.88 KiB) 1276 mal betrachtet
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Andreas R.
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Re: Dreispitzahorn in Besenform?

Beitrag von Andreas R. »

Ich bitte um Vergebung, wenn ich hier eine Grundlage von Bonsai anspreche, die selbst manche erfahrene Mitglieder noch nicht verstanden haben.
Es gibt verschiedene Stufen der Entwicklung.
Der User chris-gitarre ist dafür bekannt, dass er oft von seinen Bäumen sehr viel wegschneidet.
Im Allgemein wird bei sehr frühen Bäumen zu wenig gemacht. Übrigens sind frühe Bäume nicht gleichzusetzen mit rohen Bäumen. Rohe Bäume können auch alte Bäume/Yamadori sein, deren Charakter man erhalten muss.
Gerade Anfänger tendieren aber dazu, Bäume zu kaufen, die vielleicht 30-100€ kosten und aus Baumschulen stammen.
Bei diesen Bäumen muss man aber zunächst einen gewissen Teil als unbrauchbar erkennen und aussortieren.
Die Übrigen sollten intensiven Massnahmen unterzogen werden. Vor Allem das Nebari sollte nicht vernachlässigt werden.
Mein Freund Detlef Römisch hat einmal gezeigt wie das bei jungen Bäumen geht.
Da muss man konsequent sehr viel wegschneiden. Man hat nicht einen Baum sondern mehrere! Es zählt nicht, dass jeder Baum perfekt wird, aber man versucht jeden wirklich gut zu machen. Wenn das nur bei einem von zehn gelingt ist das ein Wunder! Die Übrigen werden kompostiert.

Dieser Ahorn wurde offenbar schon in der Schale verkauft.
In diesem Fall muss man mit dem lila Bereich arbeiten, weil man keine andere Wahl hat.
Demjenigen, der den lila Bereich wachsen ließ muss man den Vorwurf machen. Oder sich fragen warum er diesen Baum verkaufen konnte.
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Dirk K. aus L.
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Re: Dreispitzahorn in Besenform?

Beitrag von Dirk K. aus L. »

Hallo, Andreas!
Andreas R. hat geschrieben: Da muss man konsequent sehr viel wegschneiden.
Und genau dieses ist für viele das Problem! Sie mögen nicht schneiden, warum auch immer. Besonders die Frauen haben nicht selten ein Problem mit dem Schneiden: Sie mögen instinktiv an Bonsais das Klein-Niedliche, aber gleichzeitig steht ihnen ihr naturgegebener Schutzinstinkt im Wege. (Ich meine das ganz und gar nicht abfällig!)

Bonsai machen heißt, die Natur in ein (Miniatur)-Korsett zu zwängen. Und dazu ist das Schneiden nun einmal i.d.R. essentiell. Sonst funktioniert das nicht. Ich kann auch nicht mit dem Beruf des Chirurgen liebäugeln und mich dann darüber beklagen, dass Blut fließt.

Ferner stört mich immer wieder, dass oftmals wirklich hässliche Teile von Bäume nicht entfernt werden, und zwar mit dem Argument, das mache doch den Charakter oder das Unverwechselbare des Baumes aus.

Lasst ihr euch auch die Warze in eurem Gesicht nicht entfernen, weil diese euch ja so eigentümlich macht?

Nochmals: Wer Bonsai macht, ist in erster Linie der Ästhetik verpflichtet. Denn ein Bonsai kann nur ästhetisch wirken. Er hat keine "inneren Werte".

Grüße, Dirk
Zuletzt geändert von Dirk K. aus L. am 20.01.2015, 09:05, insgesamt 1-mal geändert.
Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden. (Franz Kafka)
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Kyrilla
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Re: Dreispitzahorn in Besenform?

Beitrag von Kyrilla »

Danke! Gut erklärt!
Bonsai ist die Kunst,die Perle einer Muschel sichtbar zu machen ohne die Muschel zu zerstören.
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