Wacholder - von der Raupe zum Schmetterling

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hopplamoebel
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Wacholder - von der Raupe zum Schmetterling

Beitrag von hopplamoebel »

Moin,

dieser Wacholder fiel mir vor ca. 2 Monaten auf dem Müll vor die Füße. Wie sich später herausstellte ein "Sensationsfund" (zumindest aus meiner Sicht :-)).

Aber der Reihe nach:
Wenn ich eine Pflanze finde (Yamadori), die m.M.n. Potenzial zu haben scheint, schaue ich sie mir genauer an und entscheide dann mitnehmen oder liegen lassen.
Dieser Wacholder schien mir interessant gewachsen zu sein - irgendwie verdreht und gewunden; und Totholz war auch schon vorhanden. Für eine kompakte Pflanze von ca. 25/25/20 cm (L/B/H) fand ich das schon erstaunlich, bzw. hatte ich bis dato keinen ähnlichen Kandidaten gefunden...
Die ersten vier Bilder zeigen den Wacholder im Auffindungszustand von vier Seiten.

Am nächsten Tag ging es dann an die Grundgestaltung und ich kam nicht aus dem Staunen heraus: Es war, als ob dieser Wacholder nur darauf gewartet hätte, ein bisschen "auseinander gewickelt" zu werden. Fast jeder Ast passte und ließ sich mit Draht in die richtige Stellung bringen. Die Polster mit Grünmasse saßen an den richtigen Stellen und die Proportionen schienen auch zu stimmen.
Am Ende hatte ich das Gefühl schon einen "echten" Bonsai in Händen zu halten - ein Glücksfund !!!

Was sagt ihr zur Grundgestaltung?
Seht ihr auch eine Kaskadenform oder würdet ihr einen anderen Weg einschlagen?

Dem Baum geht es übrigens gut - er treibt schon wieder aus - auch wenn es gestaltungstechnisch erst im nächsten Jahr weiter gehen wird, bin ich jetzt schon auf Eure Ideen / Meinungen gespannt!

LG,
marco
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Ferry
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Re: Wacholder - von der Raupe zum Schmetterling

Beitrag von Ferry »

Hallo marco,

erstaunlich was alles weggeworfen wird. Das Bäumchen macht nach der ersten Gestaltung gleich einen guten Eindruck. Ich würde die Form so belassen und einige der Ästchen und Stämmchen lassen sich noch zu Jins machen. Die Jins sind dann allerdings dünn und verrottungsgefährdet, was aber kein Problem ist.

Auch die (Sub-)Stämmchen sind allesamt dünn, aber interessant. Das ist auch der Nachteil an diesem Baum, der keinen richtigen Hauptstamm hat. Wenn das Bäumchen gut weiterwächst würde ich versuchen, die Grünmasse feiner und lockerer zu machen. Ich weiß nicht, wie gut sich bei dieser Spezies feinverzweigtes Grün erreichen lässt. "Literaten-Mehrfachstamm mit gewundenen Ästen" (äusserst natürlich!) beschreibt den Baum vielleicht am besten; auch wenn der Baum ganz unten noch einstämmig ist.

Mach auf jeden Fall weiter so.
LG,
F.
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abardo
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Re: Wacholder - von der Raupe zum Schmetterling

Beitrag von abardo »

Hi,

sowas gefällt mir, einzigartig. Hast ihm eine tolle Form gegeben, so "luftig". Sowohl Vorder- als auch Rückseite sehen toll aus. Ich würde ihn als einen windgepeitschten Mehrfachstamm-Pengjing beschreiben wollen.

Wenn der nicht irgendwann mal eine flache Felsenplatte verdient, die ruhig viel breiter als der Baum sein könnte (und somit das Dreieck der Silhouette weiterführt).

Allerdings ist mir fast noch innen etwas zu viel Gewirr, über die Jahre kann man das bestimmt noch weiter strukturieren, Überkreuzungen und Totholz reduzieren und das mit dem Draht "anlegen" üben wir auch nochmal :wink:
Grüße, Frank
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Jenanga
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Re: Wacholder - von der Raupe zum Schmetterling

Beitrag von Jenanga »

Schaut gut aus
Zuletzt geändert von Jenanga am 08.06.2015, 19:20, insgesamt 1-mal geändert.
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hopplamoebel
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Re: Wacholder - von der Raupe zum Schmetterling

Beitrag von hopplamoebel »

Moin Frank und Ferry,

vielen Dank für die positiven Rückmeldungen!

"Luftig" ist ein schönes Adjektiv, um die jetzige Gestaltung zu beschreiben. Die Grünpolster ausdünnen, ist in diesem Zusammenhang ein guter Hinweis den ich in den nächsten Jahren versuche, umzusetzen.
Das Gewirr im Inneren ist schon etwas Besonderes. Ich habe erst einmal alle Äste erhalten und die abgestorbenen Partien entrindet. Irgendwie gefiel mir dieses "Kuddelmuddel" so gut, dass ich erst einmal alles so gelassen habe - mal sehen, wie sich das in Zukunft entwickelt.
Felsplatte o.ä. kann ich nir auch gut vorstellen - habe gerade ein tolles Felstablet von Walter Venne erstanden. In diese ("wilde") Richtung kann ich mir auch gut etwas für den Wacholder vorstellen - vielleicht benötigt er aber als Kontrast auch einen ruhigen Fuss. Mal sehen - so weit ist es ja lange noch nicht.

Bis neulich,
Marco

P.S.: Hallo Jenanga: Vielleicht solltest Du für Deinen Wacholder einen eigenen Thread eröffnen!
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hopplamoebel
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Re: Wacholder - von der Raupe zum Schmetterling

Beitrag von hopplamoebel »

Moin,

von diesem Wacholder mal wieder ein kleines Update.
Gerne könnt Ihr die Schalenwahl kritisieren - aber nur, wenn Ihr tolle Alternativvorschläge macht 8)
Was mich bei der Sorte nervt, ist die bräunliche Verfärbung der Nadeln, sowohl am Ansatz der Äste, als auch, zumindest teilweise, an den Enden. Wer hier eine Idee, bzw. einen Pflegetip für mich hat, dem wäre ich sehr dankbar!

LG,
marco
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Re: Wacholder - von der Raupe zum Schmetterling

Beitrag von HeikeV »

Moin Marco,

auch wenn es dich jetzt vielleicht überrascht, aber ich finde die Schale perfekt ! *daumen_new* Momentan vielleicht noch zu groß, aber das verwächst sich sicherlich noch. Der Baum ist so luftig und schnörkelig, ich finde den Kontrast der nüchternen Form der Schale sehr passend dazu. Eine aufwendigere Schalenform würde nur das Auge vom Baum ablenken und der hat so viel zu bieten.

LG
Heike
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abardo
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Re: Wacholder - von der Raupe zum Schmetterling

Beitrag von abardo »

Hi,
ich bin zumeist kein Freund von angemaltem Totholz, ausser eben bei Wacholdern. Da gehört für mich Jinmittel drauf, nachdem die ganz glatt geputzt und geschliffen wurden.
Beim ersten Bild verdeckt mir vorne zuviel Grün den interressanten Innenbereich. Das sieht beim zweiten Bild schon besser aus. Nach den ersten Fotos würd mich aber noch die Rückseite interressieren, die sah mir eigentlich am Besten aus ...

Wenn es eine Kaskade sein soll, ok, dann halt die Schale. Aber Kaskaden sind so .... (ich sags mal nicht) ...

Ich seh den Baum kompakter. Den Ausleger wieder zuückholen. Das Grün, daß im ersten Foto den Innenbereich verdeckt, weiter nach unten und aussen.
Grüße, Frank
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hopplamoebel
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Re: Wacholder - von der Raupe zum Schmetterling

Beitrag von hopplamoebel »

Hallöchen Heike und Frank,

Danke für Eure Rückmeldungen!
Für mich stellt sich tatsächlich seit Längerem die Frage, ob der Baum in Richtung Kaskade gestaltet werden soll oder nicht!?
Der lange Ast gibt m.M.n. diese Richtung vor, aber es gibt natürlich auch andere Optionen - ich bin unentschlossen mit dem Bäumchen, aber ich werde Deine Vorschläge bei der weiteren Gestaltung berücksichtigen, Frank. Ein Foto von "hinten" habe ich nicht gemacht, werde ich beim nächsten Update aber nachliefern!

Hat noch jemand Tips, was die Verfärbung der Nadeln angeht??

LG,
marco

P.S.: Ich mag diese weißen Totholzpartien eigentlich überhaupt nicht - für mich sieht das nur künstlich aus - vielleicht komme ich ja mit der Zeit noch dahin...
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