Hi,
in Anlehnung an Dieters "Düngerwahn"-Thread würde ich gerne noch ein ähnliches Thema anschneiden.
Das der grossen Kisten und TPKs.
Ich hab bis jetzt nicht viel Erfahrung mit Feldanzucht, grossen Kisten/TKPs, habe bis jetzt erst drei Bäume von Händlern direkt aus dem Feld bekomen und nochmal drei im grossen Anzuchttopf (Ahorn, Linde, Forsythie z.B.). Von denen konnte ich bis jetzt noch keinen in eine Schale bekommen, die Wurzeln sind zumeist wirklich gross und lang und haben dann am Ende Feinwurzeln. Bis jetzt konnte ich nur in kleinere, etwas flachere Schalen wechseln, manche Wurzeln flogen komplett raus, andere mussten bleiben, mal wurde ein bisschen passend angeritzt, um neue Wurzeln zu fördern, besser sortiert, geht alles nur Schritt für Schritt und wird bestimmt insgesamt pro Baum noch drei Jahre brauchen, bis da eine (wenn auch noch zu hohe) Schale passt.
Gleichzeitig haben diese im Schnellverfahren gezogenen Bäume alle irgendwo eine grosse Schnittstelle, die auch nur in ein paar Jahren verwachsen, aber immer noch sichtbar sein wird, auch noch riesige Blätter und viel zu lange Internodien. Die Bäume musste ich nach dem Erwerb alle radikal zurückschneiden und fing mit der Aststruktur eigentlich komplett neu an. Das Nebari ist zwar schön gross, aber zumeist eben auch nicht ideal und Bedarf noch viel mehr Entwicklung, Kürzung, wieder wachsen lassen, wieder kürzen usw. Ärgerlich ist zudem, dass trotz Rückschnitt immer noch lange Internodien kommen, solange der Baum noch in einer zu grossen Schale stehen muss.
Der einzige Vorteil: ich hab einen wirklich tollen dicken Ansatz.
Nur frage ich mich, ob das alles wirklich Sinn macht. Was nützt mir ein in 5 Jahren rangezogener toller Stammansatz, wenn ich dann trotzdem alle anderen rudimentären Kriterien in den nächsten 5 Jahre wieder korrigieren muss ?
Im Gegensatz dazu hab ich einige Bäumchen in schon kleineren, flachen Anzuchtschalen selbst aufgebaut, da wird immer gleich alles korrigiert, vom Nebari bis Aststruktur etc. Kann es noch nicht wirklich abschätzen, aber gefühlt geht das sogar schneller (zumindestens wenn ich ab dem Kaufdatum rechne) und ich hab keinerlei Schnittstellen. Nachteil: einen Sumo bekomme ich damit nicht hin.
Wenn ich gute, schon dicke Rohlinge bereits in einer flacheren Schale haben will, habe ich eigentlich nur eine Alternative: kaufen. Die korrekte Vorbereitung muss ich dann natürlich dem Händler teuer bezahlen.
Ich weiss, dass das pro Art und Pflege unterschiedlich laufen wird, würde mich aber über Erfahrung von denjenigen, die das wirklich schon lange machen, sehr freuen.
Was bringt den schöneren Baum hervor ?
Anzucht in flachen Schalen oder Feld ?
Was geht schneller ? Bis man mit dem Nebari und den Internodien zufrieden sein kann ?
Wachstumswahn ?
Re: Wachstumswahn ?
Alle deine gestellte Fragen sind ohne eine Beschreibung "deines" Idealbaumes, also ohne Definition des Ziels ohne Relevanz, Frank
Norbert
So wie du bist, so sind auch deine Gebäude
Sullivan, 1924
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Re: Wachstumswahn ?
Hallo Frank,
ich befasse mich jetzt seit 35 Jahren mit Bonsai. 1980 habe ich mehrere Kurse besucht und mir wurde beigebracht, was auch in den Büchern zu lesen war, nur durch ständiges schneiden und pinzieren können Bäume kleingehalten werden. Möglichst nicht oder wenig Düngen und wenn doch, dann mit teurem Spezialdünger. Also sollte ich ja in den Jahren eine beachtliche Sammlung von ausstellungsreifen Bäumen gezogen haben.
Tatsache ist: Ich habe keinen einzigen.......
Die Bäumchen habe ich immer wieder totgepflegt. Erst durch die sehr guten Erklärungen von Walter Pall bin ich auf den richtigen Weg gekommen. Was er sagt und schreibt, hat Hand und Fuss.
Dazu muss ich noch anmerken, ich habe dazwischen Jahre lang keinen Kontakt zur Bonsaiszene gepflegt und so auch über längere Zeit nichts von den neuen Erkenntnissen mitbekommen.
Mit Grüssen aus der Schweiz
Robert
ich befasse mich jetzt seit 35 Jahren mit Bonsai. 1980 habe ich mehrere Kurse besucht und mir wurde beigebracht, was auch in den Büchern zu lesen war, nur durch ständiges schneiden und pinzieren können Bäume kleingehalten werden. Möglichst nicht oder wenig Düngen und wenn doch, dann mit teurem Spezialdünger. Also sollte ich ja in den Jahren eine beachtliche Sammlung von ausstellungsreifen Bäumen gezogen haben.
Tatsache ist: Ich habe keinen einzigen.......
Die Bäumchen habe ich immer wieder totgepflegt. Erst durch die sehr guten Erklärungen von Walter Pall bin ich auf den richtigen Weg gekommen. Was er sagt und schreibt, hat Hand und Fuss.
Dazu muss ich noch anmerken, ich habe dazwischen Jahre lang keinen Kontakt zur Bonsaiszene gepflegt und so auch über längere Zeit nichts von den neuen Erkenntnissen mitbekommen.
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Wenn zwei Menschen immer die gleiche Meinung haben, ist einer von ihnen überflüssig.
W. Churchill
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Re: Wachstumswahn ?
Hallo Norbert,Norbert_S hat geschrieben:Alle deine gestellte Fragen sind ohne eine Beschreibung "deines" Idealbaumes, also ohne Definition des Ziels ohne Relevanz, Frank
ich sagte ja, dass die Frage ein wenig schwammig ist ...
Also stellen wir uns einen 18-jährigen Feuerahorn vor, ca. 40 cm gross, ein dickeres Nebari als der Stamm, Wurzeln gut verteilt, Äste an den richtigen Stellen, erste Nodien im guten Verhältniss, keine "unmögliche" Schnittstelle.
Wenn ich mir einen 8-jährigen als Yamadori ausbuddel oder aus dem Feld bekomme/hole/kaufe, hab ich eine gruselige Schnittstelle (oder mehrere, wenn die Äste an den falschen Stellen sitzen) und die ersten Internodien und die Wurzeln sind zu lang, die Schnittstellen bekomme ich in vielleicht 10 Jahren komplett unsichtbar weg, vielleicht auch nicht. Für die Astaufteilung und die Wurzeln kann ich 5 Jahre basteln, bis man damit weiterarbeiten und verfeinern kann (5 Jahre, weil eben lange Internodien noch kommen, solange der noch nicht in einer kleinen Schale steht). Nach 10 Jahren bei mir, hab ich einen 18-jährigen recht netten Baum in der Schale. Der aber immer noch die ein oder andere Macke hat. Die Feinverästelung ist nur 5 Jahre alt.
Wenn ich einen 3-jährigen Rohling von Anfang an in einer flache Schale bekomme, kann ich gleich alles verfeinern. Nach weiteren 15 Jahren, wird der Baum unten schmaler, ergo feiner sein, aber auch keine Schnittstellen haben. Den würd ich schöner finden als den Yamadori. Gut, den hab ich dann auch 15 Jahre gepflegt.
Vergleiche ich den nach 10 Jahren mit dem Yamadori, ist der Rohling aber bestimmt auch besser verteilt als der Yamadori (die Feinverästelung ist ja 10 Jahre alt!), insgesamt ist der Baum im gleichen Zeitraum, seit er bei mir ist, natürlich jünger.
Wenn ich einen 8-jährigen Rohling in der Schale kaufe, der das alles schon hat, bin ich "ready-to-go". Da muss ich nur selten "zurück-zum-Anfang", dann hab ich nach 10 Jahren einen Ahorn, der mich vom Aufbau wirklich zufrieden stellt.
Oder ich leg halt wirklich Geld hin, kaufe einen toll verteilten 18-jährigen vom Profi und freu mich von Anfang an ...
Heisst für mich jetzt: zumindestens bei Laubbäumen kaufe ich lieber Rohlinge beim Händler, die schon in der Schale stehen, sogut das Geld halt reicht. Ziehe ich selbst heran, erlebe ich vielleicht noch den tollen 18-jährigen, aber einen wirklich reifen Baum vielleicht nicht mehr. Nehme ich den Yamadori, bin ich jahrelang unzufrieden und kann nur hoffen, dass ich den reifen Baum noch erleben kann.
In der Schale herangezogene Bäume werden im gleichen Zeitraum besser verteilt sein, aber eben nicht so dick und alt im Vergleich zum TPK.
Im TPK opfert man eine gute Feinverteilung also zugunsten eines dicken Stammes, kann man das so stehen lassen ?
Eine Variante wäre dann: einen Rohling ca. 10 Jahre lang in der flachen Schale auf ein gutes Nebari und eine gute Verteilung ziehen und danach für ein paar Jahre ins Feld stellen, mit einem grossen Loch im Boden der Schale und dann 5 Jahre durchwachsen lassen. Jedes Jahr den Ballen bearbeiten und jedes Jahr die Opferäste wieder raus. Nur um ihn wirklich altern zu lassen. Hat das mal einer gemacht ?
(bei Nadelbäumen kann ich mir mangels Lebenszeit das selbst heranziehen gleich knicken, da bleiben mir sowieso nur Yamadoris oder superteure Bäume vom Händler)
Re: Wachstumswahn ?
Solch ein Problem hatte ich nie. X unterschiedliche Wege ausprobieren gibt X mal so viel Möglichkeiten Spaß und Befriedigung zu haben.
73 Anja
Re: Wachstumswahn ?
Das würde ich für mich nocht so stehen lassen.Beim TPK stossen die Wurzeln an den Rand, also an's Licht und bilden dadurch nach innen neue Feinwurzeln (keine Meterlangen, wie in einem Topf) die dem Wachstum entgegen kommen (wenn ich jetzt richtig bin)Im TPK opfert man eine gute Feinverteilung also zugunsten eines dicken Stammes, kann man das so stehen lassen ?
Und ganz persönlich meine Meinung zu deinem Beispiel. Kann natürlich jeder machen und denken wie er will. Wenn ich diesem Beispiel folgen würde, könnte ich gleich in die Kiste hüpfen. Ich kann mich z.B. dran freuen wenn ein Sämlig wächtst und es macht unheimlich Spaß, bei wachsen zuzuschauen
Marin Luther - Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht; ich würde heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. (Wird auch Saint-Expury zugeschrieben
Gruß Jürgen 
Wer nicht mit Pflanzen und Tieren kann, kann auch nicht mit Menschen.
Ich moderiere in blau, der Rest ist nur meine Meinung
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Re: Wachstumswahn ?
Ja, Frank, so einfach ist das manchmal.
Kaum fixiert man ein konkretes Ziel, fallen einge Fragen leicht weg und dafür gibt es (fast) ganz von allein richtige, mögliche, zutreffende Antworten.
Das Problem ist häufig nicht die Frage oder das Ziel sondern am Ende die Entscheidung, weil es (fast) immer mehr als eine Möglichkeit gibt.
Im Bonsai spiegelt sich halt auch nur das Leben!
Kaum fixiert man ein konkretes Ziel, fallen einge Fragen leicht weg und dafür gibt es (fast) ganz von allein richtige, mögliche, zutreffende Antworten.
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Norbert
So wie du bist, so sind auch deine Gebäude
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Re: Wachstumswahn ?
... und das Forum hilft beim Denken und selbst, wenn es nur dadurch ist, dass man gezwungen wird, es zu formulieren.
Dann sag ich mal: danke dafür !
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