Apfel Bonsai und sein Wurzelansatz

Alles andere was zu Bonsai passt.
chris-git@rre

Apfel Bonsai und sein Wurzelansatz

Beitrag von chris-git@rre »

Hallo,
Ich frage mich gerade, in wie weit man beim Apfel Bonsai den Wurzelansatz und die wurzeln verbessern kann.
Ich finde das ist beim Apfel nicht so einfach.

Oder muss man im großen und ganzen damit leben was da ist?
Benutzeravatar
abardo
Freundeskreis
Beiträge: 5493
Registriert: 21.09.2014, 20:35
Wohnort: knapp neben Berlin
Kontaktdaten:

Re: Apfel Bonsai und sein Wurzelansatz

Beitrag von abardo »

Hi,

Wurzelpropfungen und -bohrungen mache ich jedes Jahr im Frühjahr, die Wurzeln decke ich dann mit Substrat oder Fahrradschlauch für ein Jahr zu, ein Jahr später kann getrennt werden. Bei Bohrungen normal mit Zahnstochern zustecken, abschneiden und ein bisschen Paste drumrum. Easy.

Anritzen oder Anbohren geht auch, ist aber zäh, nach einem Jahr zeigen sich da nur ein paar mm Würzelchen, muss man halt viel Geduld haben.
Grüße, Frank
___________
Es kommt immer anders, wenn man denkt - https://bonsai.zone/flohmarkt
Benutzeravatar
Herbert A
Freundeskreis
Beiträge: 2159
Registriert: 07.01.2004, 10:00
Wohnort: SalzburgerLand
Kontaktdaten:

Re: Apfel Bonsai und sein Wurzelansatz

Beitrag von Herbert A »

Servus Frank,

könntest Du mir die Vorgangsweise bei der Wurzelpfropfung etwas genauer erläutern.

Wurzel abschneiden, Loch in den Stamm bohren und die Wurzel reinstecken?
Das hat bei mir nie funktioniert. Möchte gerne wissen was ich da falsch gemacht habe.

lg
Herbert
Schön dass es dieses Forum gibt.
Benutzeravatar
abardo
Freundeskreis
Beiträge: 5493
Registriert: 21.09.2014, 20:35
Wohnort: knapp neben Berlin
Kontaktdaten:

Re: Apfel Bonsai und sein Wurzelansatz

Beitrag von abardo »

Hi Herbert,

meine grösseren Äpfel (ca. 30-40cm hoch und am Ansatz gerne mal so 8-10cm Durchmesser) produzieren aussen am Ballen jedes Jahr richtig dicke, fleischig-weisse Wurzeln, da sind dann so 10cm lange Stücke dran, unverzweigt. Verzweigte Wurzeln kriegt man ja nicht durchs Loch :wink:

Mit bereits verzweigten (dunklen) Wurzeln hab ich das nie probiert. Auch habe ich nie welche verwendet, die noch beschnitten wurden.

Dann bohre ich ein Loch komplett durch den Stammansatz, etwas dicker als die Wurzel, zumeist so 2-3mm, biege die lange Wurzel, ohne sie irgendwie zu beschneiden in eine Schlaufe und stecke das weisse Ende durch, soweit, dass die am Austritt ein paar cm rausguckt und auch im Substrat wieder versenkbar ist. Das Ausrittsloch wird dann mit Zahnstochern (so ein bis zwei) etwas abgedichtet, damit die nicht mehr wackelt, die Wurzel aber nicht quetschen, dann ein bisschen Paste drumrum und mit Fahrradschlauch oder Substrat (wenn möglich) abdecken. Beim Eintopfen ist die Schlaufe ziemlich heikel, weil die gebogene Wurzel dann sehr leicht bricht, die Schlaufe muss halt auch gut im Bogen liegen können, sind mir schon einige wieder abgebrochen (auch beim Substrat"einstochern" muss man dann aufpassen) :(

Eigentlich genauso wie eine Bohrpropfung mit einem Reiser am Stamm, nur halt unterirdisch mit Wurzeln ...

Ein Jahr später ist die Wurzeln verwachsen und kann am Eintrittsloch getrennt werden (und je nach Pflanzposition kann die dann auch ans "Licht"). Nach zwei Jahren haben die angewachsenen Wurzeln sich dann auch verzweigt.

In der nächsten Woche ist so ein Apfel bei mir mit Umtopfen dran, mal gucken, was der braucht, dann kann ich da vielleicht Fotos machen ...

Verzweigte Wurzeln habe ich an kleineren Äpfeln auch mal angenagelt (entsprechend deiner bekannten Doku), hat auch bei 2von2 Versuchen geklappt.
Grüße, Frank
___________
Es kommt immer anders, wenn man denkt - https://bonsai.zone/flohmarkt
chris-git@rre

Re: Apfel Bonsai und sein Wurzelansatz

Beitrag von chris-git@rre »

Hallo Zusammen,
danke für die Antworten.

Ich habe halt noch keinen Zierapfel mit breitem Nebari gesehen.
Das ist der Grund warum ich das Frage.

Wenn jemand einen hat dann würde mich das interessieren.

Das war das Nebari am 14.08.2013:
14.08.2013.jpg
Habe es dann für 2 Jahre tiefer gesetzt.

So sieht es heute aus:
15.02.2016.jpg
Eine große Verbesserung ist das nicht gerade.
Ich hätte die Wurzeln vielleicht besser oberirdisch lassen sollen.
Benutzeravatar
abardo
Freundeskreis
Beiträge: 5493
Registriert: 21.09.2014, 20:35
Wohnort: knapp neben Berlin
Kontaktdaten:

Re: Apfel Bonsai und sein Wurzelansatz

Beitrag von abardo »

Hi,

auch da müsste man genügend Platz am Stamm für eine Bohrung haben. Allerdings wird dir in der kleinen Schale eine richtig lange, weisse Wurzel fehlen oder wenn da eine ist, hast du nicht den Platz, um eine Schleife zu legen.

Da könntest du aber vielleicht anplatten ?
So wie Herbert das hier so toll gezeigt hat viewtopic.php?f=9&t=31169#p325527
Grüße, Frank
___________
Es kommt immer anders, wenn man denkt - https://bonsai.zone/flohmarkt
Benutzeravatar
Bonsai-Bene
Freundeskreis
Beiträge: 1967
Registriert: 02.12.2007, 20:00
Wohnort: Fränkisches Seenland

Re: Apfel Bonsai und sein Wurzelansatz

Beitrag von Bonsai-Bene »

Also ich habe schon mehrfach Zieräpfel abgemoost.
MfG Benedict

Versuche nicht wie der Meister zu sein, sondern suche nachdem was der Meister sucht!
chris-git@rre

Re: Apfel Bonsai und sein Wurzelansatz

Beitrag von chris-git@rre »

Hallo Zusammen,
der eigentliche Grund wieso ich frage ist dieser Baum:
mit Schale 35cm hoch, 9 Jahre alt.
mit Schale 35cm hoch, 9 Jahre alt.
Ich habe ihn Online bei Enger gesehen und auch nach längerer Überlegung bestellt.
Heute ist der Baum mit der Post gekommen.
Ich finde ihn sehr schön.

Mir ist bewusst das der Wurzelansatz nicht so Optimal ist.
Aber ich finde er verleiht dem Baum Charakter.

Meine momentane Meinung ist, das ich mit dem Wurzelansatz lebe, so wie er jetzt ist.
Das kann sich aber noch ändern, je länger der Baum bei mir ist. :wink:

Was denkt Ihr?

Ich werde wenn ich Zeit habe noch mehr von dem Baum zeigen.
Benutzeravatar
bock
Freundeskreis
Beiträge: 5410
Registriert: 25.02.2009, 14:20
Wohnort: EU, D, S-H (z.Z. Langenhorn)

Re: Apfel Bonsai und sein Wurzelansatz

Beitrag von bock »

Moin Chris,
ich denke, man könnte den Wurzelansatz verbessern.
Muss man aber nicht.
Apfel auf Stein ist eher ungewöhnlich (weil es ja Kernobst ist, hihi...) aber ein paar Felsbrocken zwischen die Hauptwurzeln und schon hast du einen glaubwürdigen Streuobstwiesengnom am Hang.
Wäre vielleicht sogar ein Kandidat für avicennas Felsschalen-Module...
und bitte nicht radikal zurückschneiden, ich würde sogar den Ast an der Innenseite der Stammbiegung dranlassen!!!
8)
liebe Grüße Andreas
Ein Leben ohne Bonsai ist möglich - aber völlig sinnlos! :faellen:
besucht mich auf flickr
chris-git@rre

Re: Apfel Bonsai und sein Wurzelansatz

Beitrag von chris-git@rre »

Hallo,
danke für Deine Antwort.
Wir machen am besten hirer weiter:

http://www.bonsai-fachforum.de/viewtopi ... =9&t=42914
Benutzeravatar
abardo
Freundeskreis
Beiträge: 5493
Registriert: 21.09.2014, 20:35
Wohnort: knapp neben Berlin
Kontaktdaten:

Re: Apfel Bonsai und sein Wurzelansatz

Beitrag von abardo »

.. und ich mach mal mit den Nebariarbeiten beim Apfel weiter. Gestern war das wieder dran, weil auch der Apfel schon austreibt (GWH).

Wurzelbohrprofung am Malus Evereste:

Vorsichtig aus dem Topf gehoben und nur unten die langen Wurzeln gesucht, da der Wurzelballen über die Jahre immer feiner wird, hat er seit dem Umtopfen vor einem Jahr nicht ganz so viel Lange mit weissen Spitzen gemacht, aber ok, reicht auch wieder für zwei neue.
Der Rest des Ballens wurde nur am Rand und unten aufgelockert ...
lange, gute Wurzeln mit weissen Spitzen
lange, gute Wurzeln mit weissen Spitzen
Die Wurzeln im nächsten Bild eignen sich nicht, die haben keine weissen Spitzen und sind zu fein verzeigt, passen nicht durchs Loch und kamen weg ...
ungeeignete Wurzeln
ungeeignete Wurzeln
3mm-Loch gebohrt, es sollen diesmal zwei durchs gleiche Loch. Natürlich muss man sich vorher ziemlich genau den Pflanzwinkel überlegen, wie das in 5 Jahren mal werden soll (bis wohin kommt dann mal Substrat PLUS Moos ?!), und dann los ...
Oh Gott, der arme Baum !
Oh Gott, der arme Baum !
Dann oben ein bisschen Substrat abgekratzt, alles in Schlaufen (diesmal waren die echt lang) gelegt und durchs Loch geführt. Zum Glück hatte ich da noch ein paar Wurzeln zur Auswahl, denn zwei sind mir beim Legen der Schlaufe wieder abgeknickt, was fürn Fummelkram und das mit meinen dicken Fingern ...
Schlaufe legen
Schlaufe legen
Bevor man den Baum wieder in die Schale setzen kann, sichere ich die Position der Wurzeln, sonst bricht es gleich wieder.
Position sichern
Position sichern
Dann mit abgebrochenen Zahnstocherstückchen vorsichtig zustecken und mit Paste zuschmieren ...
Verschliessen
Verschliessen
... und den Ballen wieder rein. Da ich auf der Vorderseite nun die Wurzeln knapp unter Substratoberfläche liegen habe, musste die Befestigung des Baumes nur hinten quer und etwas "gröber" erfolgen. Noch ein bisschen Moos drüber, fertig. Dauerte trotzdem so knapp zwei Stunden.
Fertig
Fertig
Vor 2 Jahren hatte ich das an dem Baum auf der anderen Seite gemacht und letztes Jahr an der Eintrittsstelle schon gekappt und an der Austrittsstelle die neuen Verzweigungen der Wurzeln schön unter die Erde gedrückt. Dieses Jahr siehts korrekt aus, bin zufrieden.
Nach 2 Jahren ...
Nach 2 Jahren ...
9-vor-2-jahren.JPG (140.99 KiB) 1005 mal betrachtet
Zuletzt geändert von abardo am 18.02.2016, 15:38, insgesamt 6-mal geändert.
Grüße, Frank
___________
Es kommt immer anders, wenn man denkt - https://bonsai.zone/flohmarkt
chris-git@rre

Re: Apfel Bonsai und sein Wurzelansatz

Beitrag von chris-git@rre »

Hallo Frank,
vielen Dank für den Bericht. *daumen_new*
abardo hat geschrieben: Dann mit abgebrochenen Zahlstocherstückchen vorsichtig zustecken und mit Paste zuschmieren ...
Kannst Du das noch mal genauer erklären warum Du das machst?
Damit die gepfropfte Wurzel eine Verbindung eingeht?
Benutzeravatar
abardo
Freundeskreis
Beiträge: 5493
Registriert: 21.09.2014, 20:35
Wohnort: knapp neben Berlin
Kontaktdaten:

Re: Apfel Bonsai und sein Wurzelansatz

Beitrag von abardo »

... am gleichen Baum hatte ich zum Test vor drei Jahren mal weit unten geschlitzt und unterhalb und oberhalb mit Fahrradschlauch abgedeckt (um die Wurzeln zu "lenken", dazwischen dann Spaghnummoos. Da bilden sich jedes Jahr jetzt wieder kleine Wurzeln, aber wenigstens sind zwei Längere draus geworden. Ist aber ziemlich ineffizient. Langsam und ungenau im Vergleich zum oben gezeigten ...
Schlitzung
Schlitzung
... aber: wenn man feine Wurzeln direkt am Stamm haben will, z.B. um zukünftig in eine kleinere Schale zu gehen, könnte das auch helfen.
Zuletzt geändert von abardo am 18.02.2016, 14:49, insgesamt 2-mal geändert.
Grüße, Frank
___________
Es kommt immer anders, wenn man denkt - https://bonsai.zone/flohmarkt
Benutzeravatar
abardo
Freundeskreis
Beiträge: 5493
Registriert: 21.09.2014, 20:35
Wohnort: knapp neben Berlin
Kontaktdaten:

Re: Apfel Bonsai und sein Wurzelansatz

Beitrag von abardo »

chris-gitarre hat geschrieben:Hallo Frank,
vielen Dank für den Bericht. *daumen_new*
abardo hat geschrieben: Dann mit abgebrochenen Zahnstocherstückchen vorsichtig zustecken und mit Paste zuschmieren ...
Kannst Du das noch mal genauer erklären warum Du das machst?
Damit die gepfropfte Wurzel eine Verbindung eingeht?
Exakt. Holz ist Holz, die Lücken werden schnell überwallt. Auf dem letzten Foto kann man dann erahnen, dass die nach 2-3 Jahren sauber zugewachsen sind. Dann kommen auch (hoffentlich) weniger Pilze rein und alles sitzt während des Anwachsens fest.
Grüße, Frank
___________
Es kommt immer anders, wenn man denkt - https://bonsai.zone/flohmarkt
chris-git@rre

Re: Apfel Bonsai und sein Wurzelansatz

Beitrag von chris-git@rre »

Hallo Benedict,
Bonsai-Bene hat geschrieben:Also ich habe schon mehrfach Zieräpfel abgemoost.
Wenn ich jetzt z.B. an der eingezeichneten Stelle abmoosen wollte.
Wie sicher kann ich sein das es klappt.
Wäre ja blöd wenn ich den Baum verhunze.
Abmoosen.jpg
abardo hat geschrieben:
chris-gitarre hat geschrieben:Hallo Frank,
vielen Dank für den Bericht. *daumen_new*
abardo hat geschrieben: Dann mit abgebrochenen Zahnstocherstückchen vorsichtig zustecken und mit Paste zuschmieren ...
Kannst Du das noch mal genauer erklären warum Du das machst?
Damit die gepfropfte Wurzel eine Verbindung eingeht?
Exakt. Holz ist Holz, die Lücken werden schnell überwallt. Auf dem letzten Foto kann man dann erahnen, dass die nach 2-3 Jahren sauber zugewachsen sind. Dann kommen auch (hoffentlich) weniger Pilze rein und alles sitzt während des Anwachsens fest.
Ok, Du lässt die Zahnstocher dann drin stecken?
Oder verstehe ich da was falsch?
Antworten